Wel­che Vor­schrif­ten und Re­ge­lun­gen sind zu be­ach­ten?

Ne­ben den krea­ti­ven und tech­ni­schen Aspek­ten ei­ner ki­ne­ti­schen Ins­ze­nie­rung müs­sen auch drin­gend die Vor­schrif­ten, Re­ge­lun­gen und An­for­de­run­gen be­ach­tet wer­den – so­wohl auf tech­ni­scher als auch mensch­li­cher Ebe­ne.

Production Partner - - Kinetik | Vorschriften - Text: Hans-eber­hard Ko­the | Bil­der: sie­he Ein­zel­nach­weis

Die Fra­ge, wel­che Ge­rä­te über­haupt er­laubt und wel­che Re­ge­lun­gen da­bei zu be­ach­ten sind, ist ei­ne der ma­schi­nel­len An­for­de­run­gen: Da es um sze­ni­sche Be­we­gun­gen wäh­rend ei­ner Ver­an­stal­tung geht, wer­den Zü­ge nach DGUV Vor­schrift 54 (der ehe­ma­li­gen BGV D8), die für sol­che An­wen­dun­gen we­der zu­läs­sig noch tech­nisch ge­eig­net sind – hier nicht wei­ter be­han­delt. Ge­rä­te nach DGUV Vor­schrift 17 (im All­ge­mei­nen im­mer noch un­ter der al­ten Be­zeich­nung BGV C1 be­kannt) und nach Ma­schi­nen­richt­li­nie kön­nen für un­se­re The­ma­tik der sze­ni­schen Be­we­gung (Ki­ne­tik) ein­ge­setzt wer­den. Auf­grund der Kom­ple­xi­tät die­ses The­mas und der im­mer not­wen­di­gen Ein­zel­fall­be­ur­tei­lung der je­wei­li­gen An­wen­dun­gen sind die wei­te­ren Aus­füh­run­gen mit Vor­be­halt zu be­trach­ten und sol­len nur ers­te Hin­wei­se ge­ben, wel­che Über­le­gun­gen un­ter an­de­ren zu ei­nem si­che­ren und rechts­kon­for­men Sys­tem nö­tig sein kön­nen. An­ders als oft „auf der

Stra­ße“dar­ge­stellt gibt es nicht „die C1-an­la­ge (al­te Be­zeich­nung)“son­dern un­ter­schied­li­che Aus­füh­run­gen, die der DGUV V17 ent­spre­chen. Da­bei ist im­mer der An­wen­dungs­fall zu be­trach­ten. Ei­ne Über­sicht von mög­li­chen Ein­satz­ar­ten für ver­ti­ka­le Ein­sät­ze bie­tet der Bran­chen­stan­dard SQ P2 des IGVW – der In­ter­es­sen­ge­mein­schaft Ver­an­stal­tungs­wirt­schaft – un­ter „Last­sys­te­m­ab­hän­gi­ge An­for­de­run­gen für das Be­we­gen von Las­ten über Per­so­nen“. Für sze­ni­sche Be­we­gun­gen im Rah­men ei­ner Ver­an­stal­tung kön­nen Ge­rä­te ent­spre­chend DGUV V17 be­nutzt wer­den. Min­dest­an­for­de­rung für ei­ne sol­che Qua­li­fi­zie­rung sind ne­ben der Ver­dop­pe­lung der Si­cher­heits­ko­ef­fi­zi­en­ten und ei­ner Si­che­rung ge­gen Über­last un­ter an­de­rem auch Ele­men­te der in­hä­ren­ten Ei­gen­si­cher­heit: ein­ge­bau­te Be­triebs- und da­von un­ab­hän­gi­ge zu­sätz­li­che No­tend­schal­ter für He­ben und Sen­ken. Es ist zu un­ter­schei­den zwi­schen dem Ein­satz ei­nes ein­zel­nen Ket­ten­zu­ges nach V17 und der Er­rich­tung ei­ner An­la­ge aus meh­re­ren V17-an­trie­ben. Ab­hän­gig vom Ein­satz­zweck mög­li­cher­wei­se not­wen­dig sind wei­te­re Aus­stat­tun­gen der An­trie­be und Fä­hig­kei­ten der Steue­rung, die auch teil­wei­se durch or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men kom­pen­siert wer­den kön­nen. Da­bei ver­weist die DGUV V17 im De­tail auf die DIN 56950 für ma­schi­nen­tech­ni­sche Ein­rich­tun­gen und die­se wie­der­um auf EN 13849-1 und EN 61508 für die Steue­rung – doch da­zu spä­ter mehr.

Möch­te man le­dig­lich ei­ne an ei­nem Zug auf­ge­häng­te Spie­gel­ku­gel über Pu­bli­kum auf Sicht in der Hö­he ver­fah­ren und ist si­cher­ge­stellt, dass we­der die zu­läs­si­ge Trag­kraft des Zu­ges – auch un­ter Be­rück­sich­ti­gung der dy­na­mi­schen Kräf­te – über­schrit­ten wer­den noch die Ku­gel an un­ters­ter Po­si­ti­on in die Reich­wei­te des dar­un­ter be­find­li­chen Pu­bli­kums fah­ren kann, ist ei­ne Min­dest­aus­stat­tung aus­rei­chend. Möch­te man an meh­re­ren Punk­ten auf­ge­häng­te Las­ten über Pu­bli­kum ver­fah­ren, ist die Wech­sel­ab­hän­gig­keit zu be­trach­ten und es sind mög­li­cher­wei­se Zu­satz­aus­stat­tun­gen not­wen­dig. So darf bei ei­ner Auf­hän­gung an zwei Punk­ten – ab­hän­gig vom An­wen­dungs­fall – die Ge­samt­last un­ter Be­rück­sich­ti­gung mög­li­cher­wei­se auf­tre­ten­der Dy­na­mik­kräf­te nicht grö­ßer sein, als die ma­xi­mal zu­läs­si­ge Trag­fä­hig­keit ei­nes ein­zel­nen Punkt­zugs, da im Ex­trem­fall durch völ­li­ges Ab­las­sen des ei­nen Zu­ges der zwei­te die ge­sam­te Last al­lein tra­gen muss. In die­sem Fall wird die Be­las­tung des nicht be­weg­ten pas­si­ven Zu­ges er­höht und könn­te so bei ei­ner nicht aus­rei­chen­den Di­men­sio­nie­rung zu ei­ner Ge­fähr­dung füh­ren. Ei­ne Sen­so­rik kann ei­ne Über­schrei­tung ei­nes ein­ge­stell­ten Ma­xi­mal­last­grenz­wer­tes fest­stel­len. Ei­ne mög­li­che Maß­nah­me wä­re das Ab­schal­ten des Sys­tems per Re­lais nach EN 13849. Elek­troket­ten­zü­ge mit Fre­quenz­um­rich­tern kön­nen Ge­schwin­dig­kei­ten von cir­ca 40 Me­ter pro Mi­nu­te er­rei­chen. Bei An­trie­ben, die mög­li­cher­wei­se die im je­wei­li­gen Ein­satz zu­läs­si­ge Nenn­ge­schwin­dig­keit über­schrei­ten kön­nen, ist ei­ne Ge­schwin­dig­keits­über­wa­chung nö­tig. Soll­te sze­nisch be­dingt oder aus Grün­den der Ge­schwin­dig­kei­ten ei­ne si­che­re Sicht­fahrt durch den Be­die­ner nicht mög­lich sein, sind an­de­re Maß­nah­men zur Si­cher­heit ein­zu­lei­ten. Dies kann auch ei­ne au­to­ma­ti­sier­te Kol­li­si­ons­er­ken­nung sein. Für al­le die­se Punk­te ist ei­ne ent­spre­chen­de Steue­rung vor­zu­se­hen, die die­se Funk­tio­nen über­wacht. Die Ver­wen­dung ei­nes vom Her­stel­ler als DGUV V17 qua­li­fi­zier­ten Ket­ten­zu­ges er­spart dem An­wen­der ei­ne Dis­kus­si­on dar­über, ob der An­trieb selbst die ge­for­der­ten Fä­hig­kei­ten auf­weist. Wel­che zu­sätz­li­chen Si­che­rungs­ele­men­te not­wen­dig sind und ob ein Sys­tem in sei­ner Ge­samt­heit den Vor­schrif­ten

ent­spricht, muss der Be­trei­ber ei­ner sol­chen An­la­ge selbst si­cher­stel­len. And­rew Abe­le vom Kom­po­nen­ten­her­stel­ler Mo­ve­cat nennt da­zu den Leit­satz: „Die An­wen­dung de­fi­niert das Ri­si­ko und das Ri­si­ko die si­cher­heits­tech­ni­schen An­for­de­run­gen des Ge­samt­sys­tems.“

Ab­hän­gig von ei­ner Ge­fähr­dungs­be­ur­tei­lung des Ein­zel­falls durch den An­la­gen­be­trei­ber, der fest­stel­len muss, wel­che mög­li­chen Ak­tio­nen wel­che Aus­wir­kun­gen ha­ben könn­ten, sind wei­te­re In­for­ma­tio­nen über Be­triebs­zu­stän­de der An­la­ge sys­te­ma­tisch zu über­wa­chen und mit ab­si­chern­den Steue­rungs­be­feh­len zu ver­se­hen. Kom­ple­xe Be­we­gun­gen ei­ner an­ge­häng­ten Last mit meh­re­ren Mo­to­ren – zum Bei­spiel die ei­nes Tra­ver­sen­recht­ecks mit gleich­zei­ti­gen Hub- und Senk­be­we­gun­gen (Wel­len­be­we­gung) von vier Mo­to­ren sind nur mit ei­ner ent­spre­chen­den Steue­rung mög­lich, die die not­wen­di­gen Steu­er­be­feh­le er­rech­net. Ei­ne sol­che Aus­füh­rung wird nur durch ei­ne com­pu­ter­ba­sier­te, spei­cher­pro­gram­mier­ba­re Steue­rung mög­lich sein. Bei der Pro­gram­mie­rung ei­ner Show­steue­rung kön­nen ne­ben den ge­wünsch­ten Fahr­be­feh­len ab­hän­gig von der Ge­fähr­dungs­be­ur­tei­lung auch zu ver­mei­den­de Be­triebs­zu­stän­de, wie mög­li­che Kol­li­sio­nen, Über­las­tun­gen, Über­schrei­ten von Ge­schwin­dig­kei­ten und un­voll­stän­di­ge Grup­pen­fahr­ten be­rück­sich­tigt wer­den. Ei­ne sol­che Pro­gram­mie­rung darf nach den An­ga­ben zur be­stim­mungs­ge­mä­ßen Ver­wen­dung durch den Her­stel­ler nur von un­ter­wie­se­nen und sach­kun­di­gen Per­so­nen vor­ge­nom­men wer­den. Der Grad der not­wen­di­gen Qua­li­fi­zie­rung des Be­die­ners rich­tet sich wie­der­um nach den An­for­de­run­gen des Ein­sat­zes.

Die Ein­hal­tung der ge­nann­ten ein­ge­ge­be­nen Grenz­wer­te wird da­bei wäh­rend des Be­trie­bes vom Steue­rungs­sys­tem über­wacht. Da na­tür­lich auch Über­wa­chungs­sys­te­me mit ih­ren mel­den­den und aus­füh­ren­den Ele­men­ten aus­fal­len kön­nen, stellt sich die Fra­ge, wie weit ein Ge­samt­sys­tem ge­gen Aus­fäl­le ab­ge­si­chert wer­den soll­te. Lo­gi­scher­wei­se muss ei­ne sol­che An­for­de­rung mit dem Grad der mög­li­chen Ge­fähr­dung stei­gen. In die­sem Zu­sam­men­hang trifft man auf den er­läu­te­rungs­be­dürf­ti­gen Be­griff SIL3. Auch hier gilt: auf­grund der not­wen­di­gen Ein­zel­fall­be­trach­tung sind die wei­te­ren Aus­füh­run­gen als ers­te Hin­wei­se zu ver­ste­hen. Fach­kun­di­ge Un­ter­stüt­zung ist not­wen­dig wenn man sich mit Rea­li­sie­run­gen in die­sem Be­reich be­schäf­ti­gen möch­te.

SIL – Si­cher­heits­in­te­gri­täts­le­vel

Wenn Elek­tro­nik auf­grund der Kom­ple­xi­tät und der Sys­tem­haf­tig­keit ei­ner An­la­ge si­cher­heits­re­le­van­te Be­rei­che über­nimmt, um ei­nen si­che­ren Be­trieb zu ge­währ­leis­ten – was im oben ge­nann­ten Bei­spiel der Fall sein kann –, muss ei­ne elek­tro­ni­sche Steue­rung nach EN 13849 oder EN 61508 di­men­sio­niert sein, um den Re­geln der Tech­nik zu ent­spre­chen. Die EN 13849 be­schäf­tigt sich mit The­men der Elek­tro­nik bis na­he an spei­cher­pro­gram­mier­ba­re Klein­steue­rung, wäh­rend die Re­ge­lun­gen der EN 61508 erst bei spei­cher­pro­gram­mier­ba­rer Steue­rung an­fan­gen, wo­durch auch Schnitt­men­gen in An­wen­dungs­be­rei­chen der bei­den Nor­men be­ste­hen. Es han­delt sich hier nicht um auf die Ver­an­stal­tungs­bran­che be­zo­ge­ne Spe­zi­al­re­ge­lun­gen – sie gel­ten auch zum Bei­spiel für die Er­rich­tung ei­ner La­ckier­stra­ße mit mo­to­risch aus­ge­führ­ten Be­we­gun­gen im in­dus­tri­el­len Be­reich. Da­nach hat ein An­la­gen­be­trei­ber ei­nes Ge­samt­sys­tems ei­ne Ge­fähr­dungs­be­ur­tei­lung vor­zu­neh­men, um fest­zu­stel­len wel­che Ri­si­ken durch den Be­trieb der An­la­ge be­ste­hen. Es gel­ten zwei

Ri­si­ko­ein­tei­lun­gen: die EN 13849 kennt Per­for­mance Le­vel (PL) a–e wäh­rend nach EN 61508 die Ri­si­ken in die Stu­fen SIL 1–4 un­ter­teilt wer­den. Ei­ne Um­rech­nung von der ei­nen Ein­tei­lung in die an­de­re ist mög­lich. An­ders als oft fälsch­lich an­ge­nom­men han­delt es sich al­so bei SIL3 nicht um ei­ne zu er­fül­len­de Norm, son­dern um ei­ne zu er­rei­chen­de Ei­gen­schaft. Die Ab­kür­zung SIL steht für Si­cher­heits-in­te­gri­täts­le­vel und be­zeich­net ei­ne Si­cher­heits­an­for­de­rungs­stu­fe aus dem Be­reich der funk­tio­na­len Si­cher­heit für ein Ge­samt­sys­tem und des­sen Funk­tio­na­li­tät. Mit­tels ei­nes Ri­si­ko­gra­phen, ei­ner gra­fisch auf­ge­bau­ten Ta­bel­le, kann man un­ter Be­rück­sich­ti­gung der ent­spre­chen­den Pa­ra­me­ter das zum Be­trieb der An­la­ge not­wen­di­ge Le­vel ab­le­sen. Ent­schei­den­de Grö­ßen sind das mög­li­che Scha­dens­aus­maß (Ver­let­zungs­schwe­re), Ex­po­si­ti­ons­dau­er von Per­so­nen, die Mög­lich­keit von Ge­fähr­dungs­ver­mei­dung (zum Bei­spiel durch Ab­sper­rung des Be­rei­ches) so­wie die Be­rück­sich­ti­gung von Ein­tritts­wahr­schein­lich­kei­ten der ein­zeln zu be­trach­ten­den Stör­fäl­le.

Als Bei­spiel sei ei­ne Ket­ten­zug­an­la­ge ei­ner Vi­deo­wand im sta­tio­nä­ren Be­reich ge­nannt, die nur zu War­tungs- und Re­pa­ra­tur­zwe­cken auf Ar­beits­hö­he ab­ge­las­sen wer­den muss. Auf­grund der emp­find­li­chen me­cha­ni­schen Kon­struk­ti­on der Led-flä­che, die in die­sem Bei­spiel nicht in der La­ge ist dy­na­mi­sche Kräf­te ei­ner Ver­fah­rung mit un­ge­re­gel­ten An­trie­ben nach DGUV V54 oder D8p­lus auf­zu­neh­men (weil Start und Stopp durch die aus­schließ­lich mög­li­chen Be­triebs­zu­stän­de an/aus zu Durch­schwin­gun­gen und da­mit zur Be­schä­di­gung der Wand füh­ren wür­de), ist es not­wen­dig po­si­ti­ons­über­wach­te und ge­re­gel­te An­trie­be mit wei­chem Be­schleu­ni­gen und Ab­brem­sen zu ver­wen­den. Da­mit un­ter­liegt das Sys­tem ei­ner not­wen­di­gen Be­wer­tung nach EN 13849 oder EN 61508 und ein Si­cher­heits­in­te­gri­täts- be­zie­hungs­wei­se Per­for­man­ce­le­vel ist fest­zu­stel­len. Durch die hier aber mög­li­che or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­me der Ge­fah­ren­ab­wehr – des voll­stän­di­gen Ab­sper­rens des Ge­fähr­dungs­be­rei­ches wäh­rend des War­tungs­vor­gan­ges – wird die An­for­de­rung an das Sys­tem un­ter­halb SIL3 blei­ben.

Ist das Er­geb­nis der Ge­fähr­dungs­be­ur­tei­lung die Ein­stu­fung SIL3, ist ein Sys­tem ge­mäß der ent­spre­chen­den For­de­run­gen aus­zu­füh­ren. Die­se kann man durch di­ver­si­tä­re red­un­dan­te Aus­füh­rung der Mel­de­sys­te­me er­rei­chen, wor­un­ter nicht ei­ne nur dop­pel­te Über­tra­gung ei­nes Wer­tes ver­stan­den wird, son­dern ei­ne Wer­te­er­fas­sung durch zwei von­ein­an­der un­ab­hän­gi­ge Sys­te­me – vor­zugs­wei­se so­gar un­ter­schied­li­cher Tech­no­lo­gie. Ein je­dem An­trieb zu­ge­ord­ne­ter Achs­rech­ner mel­det die Leis­tungs­pa­ra­me­ter wie Trag­fä­hig­keit und mög­li­che Ge­schwin­dig­keit an das Ge­samt­sys­tem, gibt die Si­gna­le an den ihm zu­ge­ord­ne­ten Mo­tor wei­ter und über­wacht die ent­spre­chen­den Rück­mel­dun­gen. Auch Steu­er­pul­te, die zen­tral die not­wen­di­gen Fahr­pa­ra­me­ter be­rech­nen und über Soll/ist-ver­glei­che über­wa­chen so­wie die ver­bin­den­de Ver­ka­be­lung, sind eben­falls red­un­dant aus­zu­füh­ren. Wich­tig ist je­doch da­bei, dass nicht al­lein die Ver­wen­dung ein­zel­ner Kom­po­nen­ten ei­ner mög­li­cher­wei­se durch den Her­stel­ler der ver­wen­de­ten An­trie­be oder der Steue­rung er­klär­ten Sil3-ent­spre­chung zur Er­fül­lung der für den je­wei­li­gen Ein­satz ge­for­der­ten Si­cher­heits-

stu­fe führt. Selbst ein dem Ge­rä­te­her­stel­ler im Rah­men ei­ner Bau­mus­ter­prü­fung für ei­ne Kom­po­nen­te er­teil­tes Sil3-zer­ti­fi­kat ei­ner zer­ti­fi­zier­ten Prüf­stel­le, in Deutsch­land im Re­gel­fall der TÜV, be­trifft le­dig­lich das ein­zel­ne Ge­rät. Auch hier gilt: die Ver­wen­dung von zer­ti­fi­zier­ten Ge­rä­ten er­leich­tert dem An­la­gen­be­trei­ber le­dig­lich den Nach­weis be­züg­lich der Taug­lich­keit ein­zel­ner Kom­po­nen­ten im Sys­tem. Erst durch ei­ne vom An­la­gen­be­trei­ber vor­zu­neh­men­de Be­trach­tung des in­di­vi­du­ell ein­ge­setz­ten Ge­samt­sys­tems un­ter Be­rück­sich­ti­gung al­ler Ein­fluss neh­men­der Pa­ra­me­ter, kann das Er­rei­chen der not­wen­di­gen Si­cher­heits­stu­fe fest­ge­stellt wer­den. Im Rah­men ei­ner Ge­fähr­dungs­be­ur­tei­lung durch den An­la­gen­be­trei­ber sind al­le mög­li­chen Sze­na­ri­en zu be­rück­sich­ti­gen und zu do­ku­men­tie­ren, die zu Ge­fähr­dun­gen füh­ren kön­nen. Ne­ben dem mög­li­chen Aus­fall ein­zel­ner Kom­po­nen­ten wä­re ein Worst-ca­se-sze­na­rio ein Strom­aus­fall, durch den ein in Be­we­gung be­find­li­ches Sys­tem un­mit­tel­bar stoppt. Das Ge­samt­sys­tem muss auch dann in der La­ge sein oh­ne die mög­li­cher­wei­se re­gu­lär ge­plan­ten wei­chen Ab­brems­vor­gän­ge die ent­ste­hen­den dy­na­mi­schen Kräf­te auf­zu­neh­men, die ge­schwin­dig­keits­und mas­se­ab­hän­gig mög­li­cher­wei­se deut­lich über de­nen ei­ner ru­hen­den Be­las­tung lie­gen kön­nen. Im Ein­zel­fall könn­te es nö­tig sein, von vorn­her­ein ei­ne ei­ge­ne aut­ar­ke Strom­ver­sor­gung mit Ge­ne­ra­to­ren – sinn­vol­ler­wei­se mit Ha­va­rie­aus­füh­rung – vor­zu­se­hen, um ei­nem sol­chen Fall zu be­geg­nen.

Je nach Kom­ple­xi­tät ist die Ab­nah­me ei­ner An­la­ge durch ei­nen er­mäch­tig­ten Sach­ver­stän­di­gen not­wen­dig.

Ge­ne­rell ist für al­le DGUV V17 An­trie­be ei­ne Er­st­ab­nah­me durch ei­nen er­mäch­ti­gen Sach­ver­stän­di­gen er­for­der­lich. Wer­den kom­ple­xe ki­ne­ti­sche Sys­te­me mit ei­ner ei­gen­stän­di­gen Funk­tio­na­li­tät auf- oder zu­sam­men­ge­baut ist ei­ne er­gän­zen­de Sach­ver­stän­di­gen­prü­fung der „neu­en“Funk­ti­on und Sys­tem­de­fi­ni­ti­on auf Ba­sis der Ge­fähr­dungs­be­trach­tung er­for­der­lich. Man un­ter­schei­det Ma­schi­nen-/ge­rä­te­prü­fung und Sys­tem­prü­fung. Auch die Be­glei­tung ei­ner auf­wän­di­gen In­stal­la­ti­on be­reits im Pla­nungs­sta­di­um durch ei­ne sol­che Fach­per­son ist rat­sam. Die Ver­wal­tungs­be­rufs­ge­nos­sen­schaft führt ei­ne nach Post­leit­zah­len ge­ord­ne­te Lis­te „Sach­ver­stän­di­ge für die Prü­fung si­cher­heits- und ma­schi­nen­tech­ni­scher Ein­rich­tun­gen in Ver­an­stal­tungs- und Pro­duk­ti­ons­stät­ten für sze­ni­sche Darstel­lung“der zu­ge­las­se­nen Leis­tungs­an­bie­ter mit Nen­nung des Er­mäch­ti­gungs­um­fan­ges. Ei­ner die­ser er­mäch­tig­ten Sach­ver­stän­di­gen ist Di­plom­in­ge­nieur Oli­ver Lei­gers. Er weist auf ei­ne grund­sätz­li­che Pro­ble­ma­tik hin mit der er im­mer wie­der im Rah­men sei­ner Ar­beit kon­fron­tiert wird und die be­reits vor ei­ner Be­schäf­ti­gung mit der Fra­ge nach ei­nem Si­cher­heits­in­te­gri­täts­le­vel zu klä­ren ist.

Wel­che An­for­de­run­gen wer­den an Her­stel­ler und Be­trei­ber ge­stellt?

Die Fra­ge ist: wer ist Her­stel­ler und wer ist Be­trei­ber der An­la­ge? Soll ein er­mäch­tig­ter Sach­ver­stän­di­ger ei­ne Ab­nah­me­prü­fung durch­füh­ren, sind Her­stel­ler und Be­trei­ber zu be-

nen­nen. Be­trach­tet man ei­ne ki­ne­ti­sche In­stal­la­ti­on als Ma­schi­ne nach Ma­schi­nen­richt­li­nie, ei­ner eu­ro­pa­weit gül­ti­gen Norm zur Re­ge­lung ei­nes ein­heit­li­chen Schutz­ni­veaus, folgt dar­aus, dass bei ei­ner Er­rich­tung ein­deu­tig fest­ge­legt wer­den muss, wer als Her­stel­ler auf­tritt. Da­bei ist mit Her­stel­ler nicht die Fir­ma ge­meint, wel­che ein­zel­ne ver­wen­de­te Kom­po­nen­ten pro­du­ziert oder Teil­be­rei­che der In­stal­la­ti­on durch­ge­führt hat – es kann im­mer nur ei­nen Her­stel­ler der ge­sam­ten An­la­ge ge­ben. Durch die­sen sind die ent­spre­chen­den Her­stel­ler­pflich­ten aus Pro­dukt­si­cher­heits­ge­setz und Ma­schi­nen­richt­li­nie zu be­fol­gen; ein wich­ti­ger Teil die­ser sind die Ab­ga­be ei­ner Kon­for­mi­täts­er­klä­rung und die Er­fül­lung der ge­for­der­ten Do­ku­men­ta­ti­ons­pflich­ten ge­mäß den An­for­de­run­gen der DIN 56950. Als Her­stel­ler be­zeich­net die Ma­schi­nen­richt­li­nie „je­de na­tür­li­che oder ju­ris­ti­sche Person, die ei­ne von die­ser Richt­li­nie er­fass­te Ma­schi­ne oder ei­ne un­voll­stän­di­ge Ma­schi­ne kon­stru­iert und/oder baut und für die Über­ein­stim­mung der Ma­schi­ne oder un­voll­stän­di­gen Ma­schi­ne mit die­ser Richt­li­nie im Hin­blick auf ihr In­ver­kehr­brin­gen un­ter ih­rem ei­ge­nen Na­men oder Wa­ren­zei­chen oder für den Ei­gen­ge­brauch ver­ant­wort­lich ist.“Als Ma­schi­ne im Sin­ne der Ma­schi­nen­richt­li­nie wird „ei­ne mit ei­nem an­de­ren An­triebs­sys­tem als der un­mit­tel­bar ein­ge­setz­ten mensch­li­chen oder tie­ri­schen Kraft aus­ge­stat­te­te oder da­für vor­ge­se­he­ne Ge­samt­heit mit­ein­an­der ver­bun­de­ner Tei­le oder Vor­rich­tun­gen, von de­nen min­des­tens ei­nes bzw. ei­ne be­weg­lich ist und die für ei­ne be­stimm­te An­wen­dung zu­sam­men­ge­fügt sind“de­fi­niert. In der Ver­an­stal­tungs­bran­che wer­den vie­le An­la­gen nur für den je­wei­li­gen An­wen­dungs­zweck cust­om ma­de ge­baut, aber auch die­se be­nö­ti­gen als ei­gen­stän­di­ge An­la­ge ei­ne ei­gen­stän­di­ge Do­ku­men­ta­ti­on in­klu­si­ve Kon­for­mi­täts­er­klä­rung. Nicht un­üb­lich ist es, dass von ei­ner Agen­tur oder ei­nem Pla­nungs­bü­ro un­ter­schied­li­che Fir­men mit der Aus­füh­rung ver­schie­de­ner Ein­zel­be­rei­che wie An­trieb, Steue­rung, zu be­we­gen­de LEDWAND etc. be­auf­tragt wer­den ei­ne Ge­samt­in­stal­la­ti­on zu er­stel­len. Hier muss ein­deu­tig ge­klärt wer­den, wer Her­stel­ler der An­la­ge ist und wer die dar­aus er­wach­sen­den Pflich­ten er­füllt. Als Her­stel­ler könn­ten im Zwei­fel fak­tisch auch ei­ne be­auf­tra­gen­de Agen­tur oder ein Pla­nungs­bü­ro an­ge­se­hen wer­den – selbst wenn die­sen die­se Zu­sam­men­hän­ge nicht be­kannt sind.

Eben­so wich­tig ist die Be­ant­wor­tung der Fra­ge, wer der Be­trei­ber der An­la­ge ist. Die grund­sätz­li­che Idee hin­ter den ge­nann­ten Re­gel­wer­ken be­steht da­rin, dass ein Her­stel­ler ei­ne An­la­ge her­stellt, die­se mit ent­spre­chen­der Do­ku­men­ta­ti­on an ei­nen Be­trei­ber über­gibt, der dann im Rah­men ei­ner Ge­fähr­dungs­be­ur­tei­lung un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Si­cher­heits­hin­wei­se des Her­stel­lers und Kennt­nis sei­ner be­trieb­li­chen Ab­läu­fe sei­ne Be­triebs­an­wei­sung für den si­che­ren Be­trieb die­ses Sys­tems in der kon­kre­ten An­wen­dung er­stellt.

Ver­kürzt kann man fest­stel­len, dass der Her­stel­ler für die Pro­dukt­si­cher­heit und der Be­trei­ber für die Be­triebs­si­cher­heit ver­ant­wort­lich ist. Ist der Her­stel­ler gleich­zei­tig auch Be­trei­ber hat er bei­de Be­rei­che zu er­fül­len. Wer­den die­se Punk­te nicht be­rück­sich­tigt und ein Sach­ver­stän­di­ger erst zu ei­ner Ab­nah­me­prü­fung hin­zu­ge­zo­gen, ist die­se ge­fähr­det.

Flie­gen­de Din­ge und Per­so­nen

Sehr hip sind In­stal­la­tio­nen von Ob­jekt­ar­rays aus an­ge­strahl­ten oder selbst­leuch­ten­den Klein­ob­jek­ten an ein­zel­an­steu­er­ba­ren „Mi­ni­win­den“– zu se­hen un­ter an­de­rem bei der Fi­nal­ver­an­stal­tung Eu­ro­pean Song Con­test in Wi­en 2014, der Ju­bi­lä­ums­ver­an­stal­tung BMW – the next 100 ye­ars so­wie den ak­tu­el­len Tour­ne­en von Red Hot Chi­li Pep­pers und Dra­ke. In­ter­es­sant ist hier­bei ne­ben den be­ein­dru­cken­den Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten die tech­ni­sche Fra­ge, ob die­se An­trie­be bei Ein­satz über Pu­bli­kum ei­ner Zer­ti­fi­zie­rung nach

DGUV17 oder ein Ge­samt­sys­tem mit wei­ter­ent­wi­ckel­ter Steue­rung je nach Ein­satz so­gar ei­ner Ein­stu­fung nach SIL be­dür­fen. Man darf da­von aus­ge­hen, dass die Ver­fas­ser der ent­spre­chen­den Nor­men bei der Schaf­fung die­ser Wer­ke sol­che Leicht­sys­te­me nicht im Fo­kus hat­ten. Den­noch bleibt die Fra­ge nach der sys­te­ma­ti­schen Ei­n­ord­nung, war­um hier DGUV V17 und DIN 56950-1 nicht gel­ten soll­ten.

Rich­tig span­nend für Zu­schau­er, Künst­ler und An­la­gen­be­trei­ber wird es, wenn nicht Ob­jek­te wie Au­tos son­dern Men­schen ge­flo­gen wer­den. So­fern die Ak­ti­on über ei­ner ab­ge­sperr­ten Flä­che statt­fin­det, ein Ar­tist sich selbst um sei­ne not­wen­di­ge tech­ni­sche Aus­stat­tung küm­mert und ein mög­li­cher Ab­sturz „nur“den Ar­tis­ten selbst trifft, ist die­ser für sich selbst ver­ant­wort­lich. So­bald Tei­le ei­ner sol­chen In­stal­la­ti­on durch Drit­te über­nom­men wer­den sol­len, wird es pro­ble­ma­tisch. Mar­tin Schif­feler von Schif­fi­ni, Tech­nik­dienst­leis­ter mit Ki­ne­tik­schwer­punkt, be­schreibt die Si­tua­ti­on mit ei­nem Bei­spiel: „Mes­ser­wer­fer – ein Ar­tist steht da, ein an­de­rer Ar­tist wirft das Mes­ser, bei­de sind sich der Ge­fahr be­wusst und tra­gen das Ri­si­ko selbst. Wenn ich das Mes­ser wer­fen wür­de, wä­re das Er­geb­nis kein Kunst­stück son­dern Zu­fall. Künst­ler sol­len da­her die not­wen­di­gen ri­si­ko­be­haf­te­ten In­stal­la­tio­nen für ih­re Hand­lun­gen selbst vor­neh­men.“Ar­tis­ten­sys­te­me sind da­her auch aus dem Gel­tungs­be­reich der Ma­schi­nen­richt­li­nie aus­ge­nom­men. An­ders ist die Si­tua­ti­on zu be­wer­ten, wenn es sich nicht um ei­ne ar­tis­ti­sche Dar­bie­tung han­delt oder der flie­gen­de Künst­ler im Ab­sturz­fall mög­li­cher­wei­se an­de­re Darstel­ler oder an­de­re Drit­te in Mit­lei­den­schaft zie­hen wür­de. Auch ei­ne sol­che Hand­lung über Pu­bli­kum muss da­her den all­ge­mein gel­ten­den Si­cher­heits­vor­schrif­ten ent­spre­chen, da da­durch Drit­te ge­fähr­det wer­den. Ein „nor­ma­ler“Künst­ler ist kein Ar­tist und muss für die An­wen­dung ge­eig­net und kon­di­tio­niert sein. Das Flie­gen und Be­we­gen von Per­so­nen muss auch im Rah­men ei­ner Ge­fähr­dungs­be­trach­tung be­rück­sich­tigt wer­den. Könn­ten durch ei­nen Aus­fall der An­la­ge Künst­ler in ei­ner Per­so­nen­flug­an­la­ge be­trof­fen sein, sind Maß­nah­men für ei­ne „Ret­tung im Er­eig­nis­fall“um­zu­set­zen, um die­se Per­so­nen in-

ner­halb ei­nes de­fi­nier­ten Zeit­fens­ters aus ih­rer miss­li­chen La­ge zu be­frei­en. Mög­li­che Maß­nah­men sind der Ein­satz von Ret­tungs­rig­gern, von Hub­stei­gern oder von No­t­ab­lass­ein­rich­tun­gen. Na­tür­lich muss si­cher­ge­stellt sein, dass die­se Maß­nah­men – zum Bei­spiel durch Frei­hal­ten ei­nes Fahr­we­ges für ei­nen Hub­stei­ger – auch zum ge­plan­ten Ziel füh­ren, auch bei Strom­aus­fall. Spe­zi­fi­sche In­for­ma­tio­nen zur Um­set­zung von Per­so­nen­flug­wer­ken er­hält man in der In­for­ma­ti­on der ge­setz­li­chen Un­fall­ver­si­che­rer GUV I 8636 „Flie­gen von Per­so­nen bei sze­ni­schen Darstel­lun­gen“, die auch ein Mus­ter ei­ner ent­spre­chen­den Ge­fähr­dungs­be­ur­tei­lung ent­hält. Rein tech­nisch ge­se­hen ist die Be­we­gung ei­nes Men­schen durch ein Flug­werk, ab­ge­se­hen von der not­wen­di­gen kör­per­li­chen Eig­nung und der Be­rück­sich­ti­gung der be­son­de­ren Ge­fähr­dung, weit­ge­hend ähn­lich an­ders zu be­trach­ten, wie die Be­we­gung ei­nes an­ge­häng­ten Ob­jek­tes. Rei­ne Hub- und Senk­be­we­gun­gen kön­nen durch ei­nen oder meh­re­re Punkt­zü­ge aus­ge­führt wer­den. Soll gleich­zei­tig auch ei­ne ho­ri­zon­ta­le Be­we­gung er­reicht wer­den, könn­te der für die Ver­ti­kal­be­we­gung zu­stän­di­ge An­trieb mit ei­nem ho­ri­zon­tal auf ei­ner Schie­ne lau­fen­den Sys­tem kom­bi­niert wer­den. Auf dem Markt ver­füg­bar sind auch Kom­bi­sys­te­me, die mit ei­nem Ge­rät gleich­zei­tig so­wohl ho­ri­zon­ta­le als auch ver­ti­ka­le Fahr­ten er­lau­ben. Voll­stän­di­ge Be­we­gungs­frei­heit im Raum er­reicht man durch 3D-flug­sys­te­me, bei de­nen die Person un­ter Ver­wen­dung ei­nes Spe­zi­al­gur­tes zum Bei­spiel mit vier in den Ecken des Raums be­fes­tig­ten Sei­len – na­tür­lich ab­hän­gig von der Be­fes­ti­gungs­hö­he – va­ria­bel in den Ach­sen X, Y und Z be­wegt wer­den kann. He­le­ne Fi­scher nutz­te auf ih­rer Sta­di­on­tour 2015 ein sol­ches Sys­tem, das Frau Fi­scher mit ei­ner Ge­schwin­dig­keit bis zu 7,8 Me­ter pro Se­kun­de be­weg­te. Auf­grund der Ge­fähr­dungs­la­ge ist bei Per­so­nen­flug­sys­te­men die Er­fül­lung von SIL3 und ei­ne ent­spre­chen­de gut­ach­ter­li­che Ab­nah­me un­um­gäng­lich.

Dass ei­ne tech­nisch kor­rek­te Aus­füh­rung al­lein zur Be­triebs­si­cher­heit nicht aus­reicht kann man an dem Vor­fall wäh­rend der Pink Fun­hou­se Tour 2010 in Nürn­berg se­hen, der auf­grund ste­tig ver­füg­ba­rer Han­dy­auf­nah­men im In­ter­net gut do­ku­men­tiert ist. Um ein wie eben be­schrie­be­nes 3D-flug­werk zu nut­zen soll­ten zwei Tän­ze­rin­nen wäh­rend der lau­fen­den Show auf der Büh­ne die Zug­sei­le in den Spe­zi­al­gurt der für ih­re spek­ta­ku­lä­ren Ein­la­gen be­kann­ten Künst­le­rin ein­hän­gen. Da auf ei­nem der bei­den Seil­paa­re of­fen­sicht­lich zu gro­ßer Zug wirk­te ge­lang die Ein­hän­gung nur auf ei­ner Sei­te. Mög­li­cher­wei­se auf­grund un­kla­rer oder nicht ein­deu­tig ver­ein­bar­ter Rück­mel­dungs­zei­chen durch die As­sis­ten­tin zur Be­stä­ti­gung der er­folg­rei­chen Ver­bin­dung an den Be­die­ner und trotz of­fen­sicht­li­chem Ab­bruch­zei­chen durch die Künst­le­rin wur­de der Fahr­be­fehl den­noch aus­ge­löst. Die Sän­ge­rin wur­de mit der nur ein­sei­ti­gen Be­fes­ti­gung da­her nicht nach oben, son­dern seit­lich durch ei­ne Rei­he Floor­lights von der Büh­ne ge­zo­gen und stürz­te in den Büh­nen­gra­ben. Nur ein Ab­schal­ten des Sys­tems ver­hin­der­te, dass sie wei­ter in Rich­tung der Win­den durch das Pu­bli­kum ge­zo­gen wur­de. Als Un­fall­ur­sa­che ist of­fen­sicht­lich kein tech­ni­sches, son­dern or­ga­ni­sa­to­ri­sches Ver­sa­gen an­zu­neh­men. Zum Glück führ­te der Sturz zu kei­nen schwe­ren Ver­let­zun­gen. Das Kon­zert muss­te da­nach zwar ab­ge­bro­chen wer­den, aber Pink ist of­fen­sicht­lich hart im Neh­men: am Tag dar­auf stand sie wie­der auf der Büh­ne in der nächs­ten Stadt.

Auch wenn die­ser Vor­fall glimpf­lich aus­ge­gan­gen ist – die Be­we­gung von Din­gen und Men­schen er­for­dert in ho­hem Ma­ße Kom­pe­tenz und Er­fah­rung. Ne­ben al­len tech­ni­schen Aus­stat­tun­gen und Über­le­gun­gen soll­te da­her bei der Aus­wahl der Part­ner für sol­che Auf­ga­ben ins­be­son­de­re der Dun­ning-kru­ger-ef­fekt be­rück­sich­tigt wer­den.

Fo­to: Ralph Lar­mann

Flie­gen­de Men­schen So­fern die Ak­ti­on über ei­ner ab­ge­sperr­ten Flä­che statt­fin­det, ein Ar­tist sich selbst um sei­ne not­wen­di­ge tech­ni­sche Aus­stat­tung küm­mert und ein mög­li­cher Ab­sturz „nur“den Ar­tis­ten selbst trifft, ist die­ser für sich selbst ver­ant­wort­lich

Fo­to: Ralph Lar­mann

Flie­gen über Per­so­nen Das Flie­gen und Be­we­gen von Per­so­nen, wo Drit­te zu Scha­den kom­men könn­ten, muss auch im Rah­men ei­ner Ge­fähr­dungs­be­trach­tung be­rück­sich­tigt wer­den

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.