Ya­ma­ha Ri­va­ge PM10

Ya­ma­ha kann als Pio­nier bei der Ent­wick­lung di­gi­ta­ler Misch­pul­te gel­ten. Ya­ma­has neue Kon­so­le der Ober­klas­se ist die Ri­va­ge PM10: Kann auch die­ses Pult als Maß­stab die­nen?

Production Partner - - Test | Yamaha Rivage Pm10 -

Text, Fo­tos und Mes­sun­gen: An­selm Go­ertz | Zeich­nung: Ya­ma­ha

Ya­ma­ha-misch­pul­te fin­den sich prak­tisch in je­dem Ver­miet­be­stand, die­se Di­gi­tal­kon­so­len ha­ben die Ver­an­stal­tungs­tech­nik ent­schei­dend ge­prägt. Was ei­ni­ge Zeit fehl­te, war ein pres­ti­ge­träch­ti­ges „Top­mo­dell“, das Ya­ma­ha nun mit dem PM10 an­bie­tet. Die­ses „Ri­va­ge PM10 Mi­xing­sys­tem“nutzt als Flagg­schiff der Ya­ma­ha-misch­pul­te als Ba­sis – und wie heu­te gän­gi­ge Pra­xis – die drei Kom­po­nen­ten Con­so­le, DSP En­gi­ne und I/o-rack. Die Ver­bin­dung zwi­schen die­sen Kom­po­nen­ten er­folgt auf Ba­sis von zwei ring­för­mig auf­ge­bau­ten Netz­wer­ken.

Ver­netz­te Misch­pult­struk­tur

Die ein­fachs­te und auch mi­ni­ma­le Kon­fi­gu­ra­ti­on be­steht aus der DSP En­gi­ne als Kern des Sys­tems, ei­ner über Netz­werk­ka­bel an­ge­bun­de­nen Con­so­le und ei­nem über das op­ti­sche Twinlane-netz­werk an­ge­bun­de­nen I/o-rack. Bei­de Ar­ten von Netz­werk sind als Ring an­ge­legt und be­ste­hen so bei nur je­weils zwei zu ver­bin­den­den Ge­rä­ten aus ei­ner Hin- und ei­ner Rück­lei­tung. Durch die Ring­struk­tur wird die Red­un­danz si­cher­ge­stellt. Ein Stand-alo­ne-be­trieb nur der Con­so­le ist nicht mög­lich, da die­se als rei­ne Be­dien­ein­heit mit ei­ni­gen we­ni­gen Ein- und Aus­gän­gen für pe­ri­phe­re Auf­ga­ben kon­zi­piert ist und die ge­sam­te Si­gnal­ver­ar­bei­tung in der DSP En­gi­ne statt­fin­det.

Ein et­was kom­ple­xe­res Sys­tem mit drei Con­so­len, zwei Dsp-ein­hei­ten und drei I/o-racks zeigt Abb. 1. Die DSP En­gi­nes und die drei I/o-racks sind über den blau­en Twinlane-glas­fa­ser­ring ver­bun­den. Die Con­so­len sind über nor­ma­le Netz­werk­ka­bel, das Con­so­le Net­work, mit den DSP En­gi­nes ver­bun­den. In der ak­tu­el­len Ver­si­on noch nicht ver­füg­bar, aber in Zu­kunft vor­ge­se­hen, ist der Be­trieb von zwei Con­so­len an ei­ner DSP En­gi­ne, die dann über den Con­so­le-net­work-ring mit Ka­bel ver­bun­den wer­den. Die Ka­bel­län­ge kann bis zu 100 m be­tra­gen. Das kann zur Er­wei­te­rung ge­nutzt wer­den oder als Spie­ge­lung zum Back­up der Be­di­en­ober­flä­che die­nen. Wer­den zwei Con­so­len an se­pa­ra­ten Stand­or­ten, z. B. FOH und Mo­ni­tor, ein­ge­setzt, wo es nur ei­ne Twin­la­ne­ver­bin­dung gibt, dann be­nö­ti­gen die­se auch je ei­ne lo­ka­le DSP En­gi­ne. In­ner­halb ei­nes TWINLANE-RINGS kön­nen in der ak­tu­el­len Ver­si­on ma­xi­mal zwei DSP En­gi­nes und acht I/o-racks ein­ge­bun­den wer­den. Die Ka­pa­zi­tät des TWINLANE liegt bei 400 Ka­nä­len mit 96 khz Sam­ple­ra­te und 32 Bit Auf­lö­sung. Das Con­so­le Net­work trans­por­tiert ma­xi­mal 109 Ka­nä­le. Eben­falls als zu­künf­ti­ge Op­ti­on wird auch die Spie­ge­lung der DSP En­gi­ne in Aus­sicht ge­stellt, was na­tür­lich nur kon­se­quent ist, wenn man schon mit zwei Con­so­len ein red­un­dan­tes Sys­tem auf­bau­en möch­te.

Für die Hand­ha­bung der gro­ßen An­zahl von Ka­nä­len war das be­kann­te Ya­ma­ha My-card-for­mat nicht mehr ge­eig­net. Für das Ri­va­ge-sys­tem

wur­de da­her das neue Hy-kar­ten­for­mat ent­wi­ckelt, über das bis zu 256 Ka­nä­le bi­di­rek­tio­nal über­tra­gen wer­den kön­nen. Trotz­dem ver­fü­gen aber al­le Ge­rä­te aus dem Ri­va­ge-sys­tem zu­sätz­lich noch über je zwei MY Card Slots, in de­nen al­le Kar­ten der bis­he­ri­gen Pul­te ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Für das neue Hy-for­mat gibt es die TWINLANE-KAR­TE in zwei Aus­füh­run­gen für Mul­ti­mode- (bis max. 300 m) und Single­mode(bis max. 2 km) Fa­sern so­wie ei­ne Dan­te-kar­te. Die Dan­te­kar­te kann bis zu 144 Ka­nä­le bi­di­rek­tio­nal mit 96 khz ver­ar­bei­ten, wo­mit auch die An­bin­dung an grö­ße­re Dan­te-net­ze kein Pro­blem dar­stellt. Die DSP En­gi­ne ver­fügt über vier HY Card Slots und die I/o-racks über zwei.

Ne­ben den pro­prie­tä­ren Net­zen sind al­le Ge­rä­te auch noch mit klas­si­schen Et­her­net-netz­werk­an­schlüs­sen aus­ge­stat­tet. Ist das Sys­tem so in ein Pc-netz­werk ein­ge­bun­den, dann kann zu­sätz­lich zur Be­die­nung auch noch ein Note­book oder Ta­blet mit der Ri­va­ge PM10 Edi­tor Soft­ware ge­nutzt wer­den.

Mo­du­la­re Io-boxen

Für das PM10 Sys­tem wur­den ne­ben vie­len an­de­ren Neue­run­gen auch zwei neue I/o-racks und neue Slot-kar­ten da­zu ent­wi­ckelt. Bei den Racks gibt es das Rpio622 und das Rpio222. Die Ty­pen­be­zeich­nung ver­rät di­rekt auch wel­che Slots in wel­cher An­zahl vor­han­den sind. 622 steht so für sechs RY Slots, zwei HY Slots und zwei MY Slots. Das klei­ne­re Rpio222 I/o-rack ver­fügt dem­ent­spre­chend über zwei RY Slots. Für die RY Slots gibt es Kar­ten mit 16 ana­lo­gen Ein­gän­gen, 16 ana­lo­gen Aus­gän­gen oder mit je 16 di­gi­ta­len Ein­und Aus­gän­gen im AES/EBU-FOR­MAT mit SRC (Samp­le Ra­te Con­ver­ter). Die Kar­ten kön­nen in be­lie­bi­ger Kom­bi­na­ti­on in den I/o-racks ein­ge­setzt wer­den. Ein Tausch wäh­rend des Be­triebs ist nicht mög­lich. Möch­te man lo­kal noch wei­te­re Ge­rä­te oder Re­cor­ding-equip­ment ein­bin­den, dann kann das je nach ge­wünsch­ter An­zahl der Ka­nä­le über ei­ne Hy-dan­te­kar­te oder mit ei­ner My-dan­te-kar­te er­fol­gen. Die My-kar­ten sind je­doch auf ma­xi­mal 16 Ein- und Aus­gän­ge li­mi­tiert.

ADC und DAC als Schnitt­stel­len zur ana­lo­gen Welt

Mi­kro­fo­ne und Laut­spre­cher agie­ren nach wie vor in der ana­lo­gen Welt. Da­her be­darf es für je­des di­gi­ta­le Ge­rät, Netz­werk oder Misch­pult­sys­tem un­wei­ger­lich im­mer auch ent­spre­chen­der A/D- und D/a-um­set­zer (meist als „Wand­ler“be­zeich­net, was theo­re­tisch nicht ganz kor­rekt ist: man bleibt letzt­end­lich bei elek­tri­schen Si­gna­len – ein Mi­kro­fon oder ein Laut­spre­cher sind da­ge­gen ech­te Wand­ler, die akus­ti­sche bzw. me­cha­ni­sche Ener­gie in elek­tri­sche wan­deln oder um­ge­kehrt). Oh­ne Fra­ge kommt aber den A/D- und D/a-um­set­zern ei­ne ent­schei­den­de Be­deu­tung zu. Nicht oh­ne Grund wer­den in Ton­stu­di­os für spe­zi­el­le, be­son­ders sen­si­ble Qu­el­len ex­ter­ne hoch­wer­ti­ge A/d-um­set­zer mit ent­spre­chen­den Preamps ein­ge­setzt. Da auch im Live-ein­satz der über­wie­gen­de An­teil der Si­gna­le für ein Pult ana­lo­ger Na­tur ist, ha­ben die A/d-um­set­zer ei­ne wich­ti­ge Rol­le: Was hier an Qua­li­tät ver­lo­ren geht, ist un­wie­der­bring­lich weg. Nicht ganz so kri­tisch zu se­hen ist die an­de­re Sei­te der Si­gnal­ket­te mit den D/a-um­set­zern. Die Baustei­ne für die D/a-um­set­zung sind durch­weg schon seit lan­ger Zeit in sehr gu­ter Qua­li­tät er­hält­lich und die nach­fol­gen­de Ana­log­schal­tung muss nicht mehr ma­chen, als ei­nen hin­rei­chend ho­hen Si­gnal­pe­gel sym­me­trisch sta­bil lie­fern zu kön­nen. Auch hier kann man zwar noch ei­ni­ges falsch ma­chen, die Auf­ga­be ist aber deut­lich ein­fa­cher, als ei­nen gu­ten fern­ge­steu­er­ten Preamp für den A/d-um­set­zer zu ent­wi­ckeln. Hin­zu kommt, dass im Live-

Ein­satz die dem Pult fol­gen­den Kom­po­nen­ten wie Sys­tem­con­trol­ler oder End­stu­fen häu­fig auch schon über di­gi­ta­le Ein­gän­ge im AES/EBU-FOR­MAT oder auch mit Dan­te ver­fü­gen und die ana­lo­gen Aus­gän­ge dann ob­so­let wer­den. Aus­sa­ge­kräf­ti­ge Mes­sun­gen von Preamps, ADCS und DACS sind da­her ein wich­ti­ger Be­stand­teil ei­nes je­den PRO­DUC­TION Part­ner-misch­pult­tests. Wir er­fas­sen da­zu im Rah­men der Mög­lich­kei­ten den Stör­ab­stand, die har­mo­ni­schen Ver­zer­run­gen (THD) ab­hän­gig vom Pe­gel und von der Fre­quenz, das Klirr­spek­trum und die tran­si­en­ten Ver­zer­run­gen (DIM oder TIM). Für den A/d-um­set­zer mit Preamp er­fol­gen die Mes­sun­gen ein­mal bei nied­ri­gem Gain für ty­pi­sche Li­ne-pe­gel-si­gna­le und ein­mal bei ho­hem Gain für Mi­kro­fon­signa­le.

Ta­bel­le der Gain-wer­te für den Preamp mit ma­xi­ma­lem Ein­gangs­pe­gel und dem da­bei zu mes­sen­den Stör­pe­gel auf der di­gi­ta­len Sei­te in db­fs (Ta­bel­le 1) Ta­bel­le 1 zeigt da­zu zu­nächst die Gain-ein­stel­lun­gen, die in ei­nem sehr gro­ßen Be­reich von −6 bis +66 db in 1-db-schrit­ten mög­lich sind. Für 0 db Gain wird bei +24 dbu Voll­aus-

steue­rung auf der di­gi­ta­len Sei­te (0 db­fs) er­reicht. Bei Gain-wer­ten bis ca. 30 db wird der Stör­ab­stand vom ADC do­mi­niert und be­trägt ca. 114 db. Nimmt die Ver­stär­kung im Preamp wei­ter zu, dann be­ginnt des­sen Stör­ab­stand den Wert maß­geb­lich zu be­ein­flus­sen. Für den Ex­trem­wert von 66 db Gain ist das ein S/N von 84 db. Zu­sam­men mit der Aus­steue­rungs­gren­ze von −42 dbu er­rech­net sich dar­aus ein äqui­va­len­tes Ein­gangs­rau­schen von −126 dbu. Mit A-be­wer­tung liegt der Stör­pe­gel noch 3 db nied­ri­ger. Die Wer­te ent­spre­chen den An­ga­ben aus dem Da­ten­blatt.

Die Kur­ven in Abb. 2 zei­gen die THD- und THD+NWERTE in Ab­hän­gig­keit vom Ein­gangs­pe­gel. Für die Thd-mes­sung wer­den nur die har­mo­ni­schen Ver­zer­run­gen be­rück­sich­tigt und für THD+N al­le nicht zum An­re­gungs­si­gnal ge­hö­ren­den Kom­po­nen­ten und so­mit auch das Rau­schen (+N). Die nur Thd-wer­te fal­len ent­spre­chend im­mer et­was bes­ser aus. In Abb. 2 er­rei­chen die Thd-wer­te ein Mi­ni­mum von sehr gu­ten

−110 db und blei­ben auch bis zum Er­rei­chen der Clip­gren­ze bei +24 dbu un­ter­halb von −105 db. Die Mes­sung er­folg­te bei 1 khz. Wie sich Preamp und ADC bei an­de­ren Fre­quen­zen ver­hal­ten, er­kennt man in der Mes­sung aus Abb. 3. Hier wur­de mit kon­stan­tem Pe­gel von +18 dbu mit va­ria­bler Fre­quenz ge­mes­sen. Bei 1 khz fin­den sich die −107 db aus Abb. 2 wie­der. Für tie­fe­re Fre­quen­zen bleibt der Wert weit­ge­hend kon­stant und zu ho­hen Fre­quen­zen hin gibt es ei­nen leich­ten An­stieg bis auf −98 db bei 10 khz. Die Sprung­stel­len ober­halb von 10 khz ent­ste­hen durch das FFT ba­sier­te Mess­ver­fah­ren mit 96 khz Sam­ple­ra­te, wo die k3-kom­po­nen­te ober­halb von 16 khz aus dem Mess­be­reich her­aus­fällt. Der grund­sätz­li­che An­stieg der Thd-wer­te zu ho­hen Fre­quen­zen hin ent­steht un­ver­meid­lich durch die nach­las­sen­de Ge­gen­kopp­lung in ana­lo­gen Schal­tungs­tei­len.

Auch wenn man bei Wer­ten von −100 db und we­ni­ger von ver­nach­läs­sig­ba­ren Ver­zer­run­gen spricht, soll ein grund­sätz­li­cher Blick auf das Klirr­spek­trum in Abb. 4 nicht aus­blei­ben. Ge­zeigt wer­den die Spek­tral­li­ni­en be­zo­gen auf 0 db­fs. Die Grund­wel­le bei 1 khz liegt bei −6 db­fs und die größ­te Ober­wel­le k3 bei −113 db­fs ent­spre­chend bei −107 db. Die an­de­ren har­mo­ni­schen Ver­zer­run­gen fal­len noch ge­rin­ger aus. Die leich­te Jit­ter-glo­cke um die Grund­wel­le bei 1 khz könn­te durch den SRC im Si­gnal­weg ver­ur­sacht wor­den sein.

Die letz­te Mes­sung in die­ser Ein­stel­lung be­trifft die tran­si­en­ten In­ter­mo­du­la­ti­ons­ver­zer­run­gen (DIM). Abb. 5 zeigt auch hier die Wer­te in Ab­hän­gig­keit vom ana­lo­gen Ein­gangs­pe­gel. Ein Mi­ni­mum von −100 db und −92 db di­rekt an der Clip­gren­ze sind ex­zel­len­te Er­geb­nis­se.

Ei­ne iden­ti­sche Mess­rei­he wur­de an­schlie­ßend bei ei­ner sehr ho­hen Ver­stär­kung von +60 db im Preamp durch­ge­führt. Die Clip-gren­ze wird jetzt in Abb. 6 bei −36 dbu auf ana­lo­ger Sei­te er­reicht. Die THD- und Dim-wer­te fal­len er­war­tungs­ge­mäß et­was schlech­ter aus, sind aber im­mer noch als sehr gut zu be­zeich­nen. Der THD-WERT an der Clip-gren­ze be­trägt −97 db und der DIM-WERT −90 db. Bei­de Wer­te wür­den so­gar

oh­ne die 60 db Gain im Preamp noch als sehr gut durch­ge­hen. Das sau­be­re Klirr­spek­trum in Abb. 8 mit aus­schließ­li­chen k2- und k3-an­tei­len be­stä­tigt das gu­te Ge­samt­er­geb­nis eben­so wie die Thd-mes­sung in Ab­hän­gig­keit von der Fre­quenz in Abb. 7.

Für die Schal­tungs­tech­ni­ker un­ter den Le­sern wä­re noch zu er­wäh­nen, dass für die ADCS Cir­rus CS5381 ein­ge­setzt wer­den und der Re­mo­te Preamp mit ei­nem THAT 1570 Ver­stär­ker­bau­stein und ei­nem zu­ge­hö­ri­gen THAT 5171

Con­trol­ler-baustein auf­ge­baut ist. Zu­sätz­lich gibt es noch ei­nen per Re­lais ge­schal­te­ten pas­si­ve 18-db-ab­schwä­cher. Der spe­zi­el­le Silk-pro­zes­sor auf der RY16-ML-SILK Kar­te wird in ei­nem ei­ge­nen The­men­kas­ten be­spro­chen.

Auf der Aus­gangs­sei­te über­neh­men die DACS mit den nach­fol­gen­den ana­lo­gen Aus­gangs­stu­fen die Si­gnal­über­tra­gung. Auch hier zu­nächst ein schnel­ler Blick auf die Hard­ware. Als D/a-um­set­zer wer­den CS 4398 von Cir­rus ein­ge­setzt, wo­bei für je­den Aus­gang ein zwei­ka­na­li­ger DAC ge­nutzt wird. Der S/N lässt sich da­mit um 3 db ver­bes­sern. Klei­ne Schal­ter auf der Pla­ti­ne er­mög­li­chen es, die ma­xi­ma­le Aus­gangs­span­nung auf 15, 18 oder 24 dbu ein­zu­stel­len. Die ge­mes­se­nen Wer­te la­gen et­was hö­her. In der +24 dbu-ein­stel­lung lag der Wert für den ma­xi­ma­len Aus­gangs­pe­gel bei +25,2 dbu. Der dem­ge­gen­über ge­mes­se­ne Stör­pe­gel an den ana­lo­gen Aus­gän­gen be­trug −93 dbu bzw. −95 dbu(a), wor­aus ein sehr gu­ter S/N von 120 db re­sul­tiert. Durch die Mög­lich­keit der

Pe­ge­l­an­pas­sung lässt sich der gu­te S/N dann auch für nach­fol­gen­de Ge­rä­te weit­ge­hend er­hal­ten.

Für die DACS gibt es im Prin­zip ver­gleich­ba­re Mes­sun­gen, wie sie auch für die ADCS ge­macht wur­den, aber nur für ei­ne Pe­ge­l­ein­stel­lung, in die­sem Fall für +24 dbu. Die Ab­bil­dun­gen 10 bis 12 zei­gen den THD und THD+N in Ab­hän­gig­keit vom Pe­gel, THD in Ab­hän­gig­keit von der Fre­quenz und das Klirr­spek­trum bei 1 khz. Die bei­den letzt­ge­nann­ten wur­den je­weils 6 db un­ter Voll­aus­steue­rung ge­mes­sen. Wer­te von −110 db über das ge­sam­te Fre­quenz­band kann man hier gu­ten Ge­wis­sens als per­fekt be­zeich­nen. Das Klirr­spek­trum zeigt wie­der die leich­te Jit­ter-glo­cke um die Grund­wel­le. Ein SRC im Si­gnal­weg könn­te auch hier die mög­li­che Ur­sa­che sein.

Kurz zu­sam­men­ge­fasst kann man den A/D- und D/a-kar­ten des Pm10-sys­tems ei­ne ex­zel­len­te Au­di­o­qua­li­tät be­schei­ni­gen. Die ana­lo­gen Ein­gän­ge bie­ten ei­nen sehr wei­ten Gain­be­reich, so dass Wer­te für Voll­aus­steue­rung zwi­schen −42 und +30 dbu mög­lich sind. Da­mit ge­lingt die An­pas­sung an

je­de mög­li­che Qu­el­le. In al­len Ein­stel­lun­gen sind die Mess­wer­te bes­tens. Glei­ches gilt für die ana­lo­gen Aus­gän­ge, die dank der ein­stell­ba­ren Aus­gangs­pe­gel jetzt auch ei­ne gu­te An­pas­sung an nach­fol­gen­de Ge­rä­te al­ler Art er­mög­li­chen.

Con­so­len und Re­mo­te

Viel Dsp-po­wer und tol­le Funk­tio­nen in ei­nem Pult sind nur dann ei­ne wirk­li­che Hil­fe, wenn sie auch schnell, si­cher und ein­fach zu be­die­nen sind. Das gilt für den meist zeit­kri­ti­schen Live-ein­satz noch deut­lich mehr als für die Pro­duk­ti­on im Stu­dio. Ent­spre­chend wich­tig ist die Gestal­tung ei­ner gu­ten Be­di­en­ober­flä­che. Gro­ße und gut ab­les­ba­re Bild­schir­me, ei­ne nicht zu ho­he Dich­te der Be­dien­ele­men­te und kla­re Struk­tu­ren ge­hö­ren eben­so da­zu wie ein gu­tes und wer­ti­ges De­sign der Be­dien­ele­men­te und der Con­so­le ins­ge­samt. Op­tisch und auch hap­tisch wird man vom PM10 hier nicht ent­täuscht. Die Con­so­le kommt mit ei­nem ed­len Er­schei­nungs­bild da­her und ver­mit­telt so­fort ei­nen über­sicht­li­chen Ein­druck. Drei Fa­der Bays mit je zwölf Ka­nä­len, zwei gro­ße 15"Touch-dis­plays und die groß­zü­gig aus­ge­leg­te Chan­nel Sec­tion, wie man es schon vom PM1D kann­te, ge­ben ei­nen gu­ten Über­blick. Für den je­weils se­lek­tier­ten Ka­nal ent­hält die Chan­nel Sec­tion al­le Funk­tio­nen und Ein­stell­mög­lich­kei­ten im di­rek­ten Zu­griff und er­zeugt so das von ana­lo­gen Pul­ten be­kann­te Ge­fühl al­les im Blick zu ha­ben.

Die Test­be­din­gun­gen im La­bor sind im­mer auch ein wei­te­rer Maß­stab für die Be­dien­bar­keit ei­nes Pul­tes: Häu­fig ist das der ers­te Kon­takt mit dem Ge­rät und die be­nö­tig­ten Kon­stel­la­tio­nen für die Mes­sun­gen sind kein Stan­dard, müs­sen al­so ex­pli­zit er­stellt wer­den. Ge­lingt so­gar das – so wie beim PM10 – mehr oder we­ni­ger in­tui­tiv, oh­ne frem­de Hil­fe und oh­ne lan­ges Su­chen in Hand­bü­chern oder Youtube-vi­de­os, dann ist das schon ein ers­ter Plus­punkt. Zu be­ar­bei­ten gibt es auf der Ober­flä­che des Pm10-sys­tems reich­lich: 144 Ka­nä­le, 72 Mix Bus­se, al­le mit reich­hal­ti­gen Funk­tio­nen, ein Plug-in-sys­tem mit mehr als 50 be­kann­ten „Ge­rä­ten“, ein Au­to­mi­xer und ein groß an­ge­leg­tes Sze­nen-ma­nage­ment. Al­les auf­zäh­len zu wol­len, wä­re an die­ser Stel­le un­mög­lich. Nicht un­er­wähnt blei­ben soll­ten aber die vie­len spe­zi­el­len Ru­pert Ne­ve Plug-ins mit EQS und Com­pres­so­ren so­wie der Even­ti­de Ul­tra-har­mo­ni­zer und tc elec­tro­nic Hall-pro­zes­so­ren. Der Au­to­mi­xer ist selbst­ver­ständ­lich das le­gen­dä­re Dan-du­gan­de­sign.

Die Con­so­le gibt es seit kur­zem in zwei Aus­füh­run­gen: Die CS-R10, wie zum Test­sys­tem ge­stellt, mit drei Fa­der Bays und zwei Bild­schir­men und ei­ner Brei­te von 1,55 m so­wie die CS-R10-S mit zwei Fa­der Bays, ei­nem Bild­schirm und ei­ner Brei­te von 1,13 m. Ne­ben den Con­so­len kann auch ein PC oder Ta­blet zu­sam­men mit der Edi­tor-soft­ware als Re­mo­te oder für die Kon­fi­gu­ra­ti­on vor­ab ge­nutzt wer­den.

Für das Live-re­cor­ding bie­tet das PM10 ein­mal die Mög­lich­keit, den Ste­reo-mix ganz ein­fach auf ein USB Flash Dri­ve auf­zu­zeich­nen oder das vol­le Pro­gramm mit al­len Ka­nä­len via Dan­te-kar­te di­rekt auf ei­ne DAW zu über­tra­gen. Die Hy-dan­te-kar­ten des PM10 könn­ten bis zu 144 Ka­nä­le über­tra­gen. Je nach Dan­te-in­ter­face an der DAW mit ei­nem PCIEIn­ter­face oder der Vir­tu­al Sound­card kön­nen da­von 128 oder 64 ver­ar­bei­tet wer­den.

Für die Ver­ar­bei­tung der Si­gna­le aus den I/o-racks in meh­re­ren DSP En­gi­nes oder Re­cor­ding De­vices gibt es noch die prak­ti­sche Funk­ti­on der Gain Com­pen­sa­ti­on. Die­se wird im­mer dann not­wen­dig, wenn ei­ne Qu­el­le für meh­re­re An­wen­dun­gen ge­nutzt wird. Das kön­nen bei ei­nem Live-act der Foh-mi­scher, der Mo­ni­tor-mi­scher und viel­leicht noch ein Re­cor­ding sein. Wür­de jetzt vom FOH aus das ana­lo­ge Preamp Gain ver­än­dert,

dann hät­te das mög­li­cher­wei­se un­er­wünsch­te Aus­wir­kun­gen auf den Mo­ni­tor-mix und das Re­cor­ding. Die Gain­kom­pen­sa­ti­on sorgt jetzt da­für, dass der Aus­gangs­pe­gel des I/o-racks im­mer kon­stant bleibt. Wird das ana­lo­ge Gain vom FOH aus er­höht, dann wird das au­to­ma­tisch durch ein nach­fol­gen­des di­gi­ta­les Gain im I/o-rack wie­der kom­pen­siert. Um am FOH trotz­dem den Ein­gangs­pe­gel für den be­tref­fen­den Ka­nal zu ver­än­dern, kann dann das di­gi­ta­le Gain in der lo­ka­len DSP En­gi­ne für die­sen Ka­nal ge­nutzt wer­den.

Ei­ne wei­te­re wich­ti­ge Funk­ti­on im Hin­ter­grund ist die De­lay Com­pen­sa­ti­on. Je nach Si­gnal­weg in den Ka­nä­len mit oder oh­ne In­serts, Plug-ins oder EQS ver­än­dern sich die Lauf­zei­ten ge­ring­fü­gig. Die De­lay Com­pen­sa­ti­on be­rech­net die Lauf­zei­ten in den We­gen, ver­gleicht die­se und fügt bei Be­darf klei­ne De­lays ein, so dass un­ab­hän­gig von den ein­zel­nen Ein­stel­lun­gen die Lauf­zei­ten zu­ein­an­der un­ver­än­dert blei­ben. Ein ak­ti­vier­ter In­sert im Ein­gang be­dingt so z. B. ein zu­sätz­li­ches De­lay von 1,08 ms. Die De­lay Com­pen­sa­ti­on kann se­pa­rat für die In­put In­serts, die Aus­gangs-bus-struk­tur und die Out­put In­serts ak­ti­viert wer­den.

SILK Preamps

Wie die Mes­s­er­geb­nis­se ein­drucks­voll ge­zeigt ha­ben, ver­ar­bei­ten die Preamps und ADCS des PM10 die ana­lo­gen Si­gna­le in höchs­ter Per­fek­ti­on. Nun kann es aber sein, dass man ei­nen spe­zi­el­len Sound ei­nes his­to­ri­schen Pul­tes oder auch se­pa­ra­ten Preamps ver­misst. Ähn­lich wie in der ana­lo­gen Auf­nah­me­tech­nik ge­zielt mit Band­sät­ti­gung ge­ar­bei­tet wur­de, um ei­nen spe­zi­el­len Sound zu er­zeu­gen, wur­de das auch mit Über­tra­gern prak­ti­ziert, die lan­ge Zeit in al­len Ein- und Aus­gän­gen pro­fes­sio­nel­ler Ge­rä­te üb­lich wa­ren. Je nach Aus­steue­rung konn­te man mit den Über­tra­gern „Sound“ma­chen. Kon­kret be­deu­tet das: Ober­wel­len hin­zu­fü­gen und ein we­nig den Fre­quenz­gang ma­ni­pu­lie­ren.

Der heu­te 91-jäh­ri­ge Ru­pert Ne­ve gilt als der Ex­per­te auf dem Ge­biet der Preamps und Über­tra­ger­tech­nik. Un­ter dem Mar­ken­na­men Ru­pert Ne­ve De­signs wer­den ei­ne Rei­he ex­klu­si­ver Preamps, EQS und Com­pres­so­ren an­ge­bo­ten. Das dort in ei­ni­gen Ge­rä­ten zu fin­den­de „Silk“fea­tu­re fin­det sich auch in den Ein­gangs­we­gen des PM10 wie­der. In der Chan­nel-sek­ti­on der PM10 Con­so­le gibt es da­zu ein Feld mit Dreh­ge­ber und zwei Tas­tern so­wie der Si­gna­tur von Ru­pert Ne­ve. Mit ei­nem Tas­ter lässt sich die

Silk-funk­ti­on ak­ti­vie­ren, mit dem an­de­ren kann man zwi­schen blue und red Silk wäh­len. Der Dreh­ge­ber steu­ert die In­ten­si­tät. Da es im­mer schwer fällt, die klang­li­chen Aus­wir­kun­gen zu be­schrei­ben, sei hier der ori­gi­na­le Text von Ya­ma­ha zi­tiert: „Red for sparkling ener­gy, and Blue for so­li­di­ty and po­wer.“Silk im ana­lo­gen Ori­gi­nal wirkt über die Ge­gen­kopp­lung auf das Sät­tin­gungs­ver­hal­ten des Über­trä­gers und er­zeugt so die ge­wünsch­ten Ef­fek­te.

Im PM10 wird der Silk-ef­fekt mit Hil­fe von Ya­ma­has di­gi­ta­ler Vcm-tech­nik um­ge­setzt, die in ei­nem ei­ge­nen Pro­zes­sor schon auf der RY16-ML-SILK-KAR­TE im­ple­men­tiert ist. Dass man bei Ya­ma­ha mäch­tig stolz auf die­se Tech­nik ist, zeigt sich schon dar­an, dass so­gar der Pro­zes­sor die Ru­pert-ne­ve­si­gna­tur trägt. VCM steht für „Vir­tu­al Cir­cui­try Mo­de­ling“und be­deu­tet nicht nur ei­ne nach­ge­ahm­te Be­di­en­ober­flä­che und ähn­li­che Pa­ra­me­ter, son­dern ei­nen kom­plet­ten di­gi­ta­len Pro­zes­sor, der vor ei­ni­gen Jah­ren vom Team um „DR.K“To­shi­f­u­mi Ku­ni­mo­to ent­wi­ckelt wur­de und ana­lo­ge Schal­tun­gen bis hin zur Cha­rak­te­ris­tik pas­si­ver Bau­tei­le wie Kon­den­sa­to­ren und Wi­der­stän­de ex­akt nach­bil­det. „Ex­akt“be­deu­tet hier auch in­klu­si­ve al­ler Un­zu­läng­lich­kei­ten, die teil­wei­se den spe­zi­el­len Cha­rak­ter die­ser Ge­rä­te aus­ma­chen. Schon bei der Ent­wick­lung des Vcm-pro­zes­sors vor ei­ni­gen Jah­ren gab es ei­ne en­ge Zu­sam­men­ar­beit mit Ru­pert Ne­ve De­sign, in des­sen Rah­men zu­nächst der 5033 EQ und der 5043 Com­pres­sor aus der Por­ti­co-se­rie von Ne­ve im­ple­men­tiert wur­den. Da Ya­ma­ha na­tür­lich auch reich­lich ei­ge­ne Klas­si­ker aus der ana­lo­gen Welt zu bie­ten hat, wur­den mit dem EQ-1A oder dem Com­pres­sor OPT-2A auch ei­ni­ge haus­ei­ge­ne Ge­rä­te wie­der zum Le­ben er­weckt. Die Silk-funk­ti­on ist nun erst­mals im PM10 rea­li­siert wor­den und steht dort für al­le ana­lo­gen Ein­gän­ge in den I/o-racks und auch für die Om­niIn­puts an der Con­so­le zur Ver­fü­gung.

Was hier ge­nau pas­siert, ist mess­tech­nisch nicht ganz so ein­fach zu er­fas­sen. Abb. 14 zeigt da­zu die Fre­quenz­gän­ge mit Silk blue und red für die In­ten­si­tä­ten 5 und 10. In der Ein­stel­lung 5 gibt es ei­ne leich­te Hö­hen- bzw. Tie­fen­an­he­bung. In der Ma­xi­mal­stel­lung 10 ver­stärkt sich bei­des deut­lich.

In der Ein­stel­lung red 10 nimmt zu­dem der Ober­wel­len­an­teil im Si­gnal merk­lich zu. Lie­gen die­se oh­ne Silk bei −100 db und we­ni­ger, dann neh­men mit Silk vor al­lem die ge­rad­zah­li­gen Ober­wel­len kräf­tig zu. Abb. 15 zeigt die Klirr­spek­tren mit und oh­ne Silk. Das ty­pi­sche pe­gel­ab­hän­gi­ge Sät­ti­gungs­ver­hal­ten er­kennt man in Abb. 16 mit der Thd-kur­ve in Ab­hän­gig­keit vom Ein­gangs­pe­gel mit und oh­ne Silk.

Aus mess­tech­ni­scher Sicht er­zeugt Silk red so­mit in Ab­hän­gig­keit von der In­ten­si­tät und Aus­steue­rung wohl do­sier­te, ge­rad­zah­li­ge har­mo­ni­sche Ver­zer­rungs­kom­po­nen­ten. Bei ho­her In­ten­si­tät wird der Ef­fekt durch ei­ne An­he­bung der ho­hen Fre­quen­zen noch et­was ver­stärkt. Silk blue macht sich vor al­lem durch ei­ne An­he­bung tie­fer Fre­quen­zen be­merk­bar. Bei­des passt so­mit gut zur an­fangs zi­tier­ten klang­li­chen Be­schrei­bung.

Gra­fi­sche und pa­ra­me­tri­sche EQS

Die Fil­ter der Ya­ma­ha-pul­te ga­ben auf­grund ih­rer spe­zi­el­len Cha­rak­te­ris­tik lan­ge Zeit An­lass zu Dis­kus­sio­nen. Der un­ge­wöhn­li­che Ver­lauf ent­stand pri­mär durch die feh­len­de Kom­pen­sa­ti­on bei ho­hen Fre­quen­zen, wo die Fil­ter bei ho­hen Fre­quen­zen zu­se­hends schmal­ban­di­ger wur­den. In Abb. 17 sind da­zu die Fil­ter­kur­ven der pa­ra­me­tri­schen Bell-fil­ter im PM10 dar­ge­stellt. Wie sich an der obe­ren Mess­rei­he mit blau­en und ro­ten Kur­ven gut er­ken­nen lässt, ist die­ses Ver­hal­ten hier nicht mehr zu er­ken­nen. Die Fil­ter ver­hal­ten sich bis zu den höchs­ten Fre­quen­zen qua­si „ana­log“, d. h. oh­ne Stau­chung der Fil­ter­kur­ve.

In je­dem Ein­gangs­ka­nal fin­det sich ein pa­ra­me­tri­scher 4Band-eq, wo die Fil­ter ne­ben der Bell-cha­rak­te­ris­tik auch als Low- oder High-shelfs de­fi­niert wer­den kön­nen. Zu­sätz­lich gibt es noch je ein Hoch- und Tief­pass­fil­ter, bei dem die Steil­heit für den Hoch­pass zwi­schen 6 und 24 db/oct und für den Tief­pass zwi­schen 6 und 12 db/oct ein­ge­stellt wer­den kann. Ne­ben den Eq-funk­tio­nen ver­fügt je­der Ein­gangs­ka­nal noch über zwei Dy­na­mik-sek­tio­nen, zwei In­serts für Plug-ins und ein De­lay. In den Aus­gangs­we­gen ist die Aus­stat­tung ähn­lich reich­hal­tig. Der pa­ra­me­tri­sche EQ hat hier so­gar acht Bän­der, da­für gibt es dann aber nur ei­ne Dy­na­mik-sek­ti­on.

Bei den Plug-ins stellt das PM10 auch noch reich­lich gra­fi­sche EQS mit wahl­wei­se 8, 15 oder 31 Bän­dern be­reit. Die Fil­ter­kur­ven des gra­fi­schen Terz­band-eqs zeigt Abb. 19. Hier ist der vor­ab be­schrie­be­ne Ef­fekt der Stau­chung der Fil­ter­kur­ven noch an­satz­wei­se zu er­ken­nen. Auf ei­ne Kom­pen­sa­ti­on wur­de ver­zich­tet, was bei 96 khz aber nicht mehr so

deut­lich auf­fällt. Die Fil­ter­kur­ve bei 20 khz ist da­her et­was schma­ler als die an­de­ren Kur­ven mit tie­fe­ren Mit­ten­fre­quen­zen. Be­tä­tigt man meh­re­re be­nach­bar­te Fil­ter, dann kommt es auf­grund der re­la­tiv gro­ßen Band­brei­te der ein­zel­nen Fil­ter zu ei­ner in der Sum­me deut­lich stär­ke­ren An­he­bung oder Ab­sen­kung, wie es auch in Abb. 19 un­ten dar­ge­stellt ist. Da al­le Fil­ter­kur­ven auch auf dem Dis­play des PM10 an­ge­zeigt wer­den, ist je­doch im­mer so­fort klar, wie sich die ge­wähl­ten Ein­stel­lun­gen in der Sum­me aus­wir­ken.

Mess­wer­te der Ge­s­amt-per­for­mance

Al­le bis­her be­spro­che­nen Mes­sun­gen be­zo­gen sich auf ein­zel­ne Sek­tio­nen des Pul­tes wie Preamps mit ADCS, die Fil­ter oder die DACS mit den ana­lo­gen Aus­gangs­stu­fen. Die­ser Art der Mes­sung ist kom­for­ta­bel und er­laubt ei­ne de­zi­dier­te Be­wer­tung der ein­zel­nen Be­rei­che, die das Au­dio­si­gnal durch­läuft. Als An­wen­der in­ter­es­siert man sich je­doch mehr für

das Über-al­les-ver­hal­ten. Mit ei­ni­gen ab­schlie­ßen­den Mes­sun­gen soll da­her noch der kom­plet­te Si­gnal­weg durch das PM10 vom ana­lo­gen Ein­gang bis zum ana­lo­gen Aus­gang be­schrie­ben wer­den.

Sind al­le Fa­der und auch das Preamp Gain in der 0-dbS­tel­lung, dann misst man ei­nen na­he­zu per­fek­ten Fre­quenz­gang, wie er in Abb. 20 ge­zeigt wird. Die leich­te Ver­stär­kung von ca. 1,2 db ent­steht durch die Dif­fe­renz zwi­schen Voll­aus­steue­rung im Ein­gang bei +24 dbu für 0 db­fs und der ma­xi­ma­len Aus­gangs­span­nung von +25,2 dbu auf der Aus­gangs­sei­te.

Der Sum­men­pe­gel des Stör­spek­trums am Aus­gang aus Abb. 21 liegt bei −87 dbu bzw. −89 dbu mit A-be­wer­tung. Für den kom­plet­ten Si­gnal­weg steht da­mit ein Dy­na­mik­um­fang von 112 db zur Ver­fü­gung. Der Wert er­gibt sich aus den 113 db im Ein­gang bei 0 db Preamp Gain und ei­ner leich­ten Ver­schlech­te­rung um 1 db durch die 120 db S/N in den Aus­gangs­we­gen. Die für die Ein- und Aus­gän­ge se­pa­rat ge­mes­se­nen sehr gu­ten Ver­zer­rungs­wer­te spie­geln sich er­war­tungs­ge­mäß so auch in der Mes­sung über al­les wi­der. In Ab­hän­gig­keit vom Pe­gel ver­lau­fen die Thd-kur­ven per­fekt gleich­mä­ßig bis zu ei­nem eben­so per­fek­ten Mi­ni­mum von −112 db. Zu hö­he­ren Fre­quen­zen hin stei­gen die THD zwar ge­ring­fü­gig an, man spricht hier aber im­mer noch von Wer­ten um die −100 db bei 10 khz, wo es über­haupt kei­ner Dis­kus­si­on be­darf. Bes­ser geht es kaum. In­ter­es­sant ist das Klirr­spek­trum aus Abb. 24, wo trotz der jetzt von ana­log zu ana­log durch­ge­führ­ten Mes­sung im­mer noch der Hauch ei­ner Jit­ter-glo­cke um die Grund­wel­le bei 1 khz zu er­ken­nen ist. Die SRCS der AES/EBU-EIN- oder Aus­gän­ge sind jetzt nicht mehr im Si­gnal­weg.

Abb. 25 zeigt noch ei­ne fi­na­le Dim-mes­sung, die ei­ne noch be­ste­hen­de klei­ne Lü­cke bei den Mes­sun­gen füllt. Da ei­ne Dim-mes­sung mit dem APX555 von di­gi­tal nach ana­log lei­der

nicht mög­lich ist, fehl­te die­se Kur­ve noch. Die Mes­sung aus Abb. 25 zeigt da­für das Ver­hal­ten der Ein- und Aus­gän­ge zu­sam­men. Die sehr gu­ten Wer­te der Ein­gän­ge von −102 db im Mi­ni­mum und −93 db di­rekt an der Clip-gren­ze ver­schlech­tern sich durch den zu­sätz­li­chen Aus­gangs­ka­nal im Si­gnal­weg nur ge­ring­fü­gig auf −99 db im Mi­ni­mum und −87 db an der Clip-gren­ze. Auch hier ist so­mit al­les bes­tens.

Fa­zit

Das PM10 ver­kör­pert das Spit­zen­pro­dukt bei Ya­ma­has di­gi­ta­len Misch­pul­ten. Das Mi­xing-sys­tem – be­ste­hend aus Con­so­len, DSP En­gi­nes und I/o-racks – wird mit dem neu­en Twinlane-glas­fa­ser­netz­werk und dem ka­bel­ge­bun­de­nen Con­so­le Net­work be­trie­ben. Bei­de Netz­wer­ke sind für ei­ne Ring­struk­tur vor­ge­se­hen und bie­ten so­mit Red­un­danz und ei­nen ein­fa­chen Auf­bau. Mit nur we­ni­gen Kom­po­nen­ten und ei­ner ein­fa­chen Ver­ka­be­lung lässt sich ein ex­trem leis­tungs­fä­hi­ges und fle­xi­bles Sys­tem auf­bau­en, wo es kaum ei­ne An­for­de­rung im Live-ein­satz ge­ben dürf­te, der das PM10Sys­tem nicht ge­wach­sen ist. Die neu­en 16-ka­na­li­gen Kar­ten mit ana­lo­gen oder di­gi­ta­len Ein- und Aus­gän­gen er­lau­ben zu­dem ei­ne fle­xi­ble Kon­fi­gu­ra­ti­on der I/o-racks und bie­ten ei­ne ex­zel­len­te Au­di­o­qua­li­tät. Hin­zu kom­men die neu­en Hy­kar­ten für das Twinlane-glas­fa­ser­netz­werk mit bis zu 400 Ka­nä­len und für Dan­te-ver­bin­dun­gen mit bis zu 128 Ein- und Aus­gangs­ka­nä­len. Die zur­zeit in zwei Grö­ßen ver­füg­ba­ren Con­so­len zum Pm10-sys­tem sind in be­kann­ter Form mit Chan­nel Bays für je zwölf Ka­nä­le und ei­ner sehr groß­zü­gi­gen Chan­nel Sec­tion schnell und in­tui­tiv für je­den zu be­die­nen. Al­le Kom­po­nen­ten des PM10 Mi­xing-sys­tems ma­chen er­war­tungs­ge­mäß ei­nen so­li­den und wer­ti­gen Ein­druck, so wie man es von ei­nem Misch­pult­sys­tem, des­sen ein­fachs­te Kon­fi­gu­ra­ti­on sich schon deut­lich in sechs­stel­li­gen Preis­ka­te­go­ri­en be­fin­det, auch er­war­tet.-

Prei­se

Prei­se für ein­zel­ne Kom­po­nen­ten sind in die­ser Li­ga nicht un­be­dingt sinn­voll an­zu­ge­ben, der deut­sche Ya­ma­haVer­trieb nennt je­doch Sys­tem­prei­se für ei­ni­ge ty­pi­sche Kon­fi­gu­ra­tio­nen (net­to zzgl. Mwst. als UVPS).

PM10 Ri­va­ge Sys­tem in ei­ner gro­ßen Bei­spiel­kon­fi­gu­ra­ti­on mit drei Con­so­len, zwei Dsp-ein­hei­ten und drei I/o-racks. Die Ver­net­zung des Kern­sys­tems er­folgt über ei­nen Ya­ma­ha TWINLANERING. Ver­bin­dun­gen zu ex­ter­nen Ge­rä­ten mit Au­dio­si­gna­len er­fol­gen via Dan­te-netz­werk. Die Con­so­len sind mit dem Con­so­le Net­work, eben­falls als Ring, mit den DSP En­gi­nes ver­bun­den. (Abb. 1)

DSP En­gi­ne von der Front- und Rück­sei­te. Auf der Front­sei­te gibt es zwei Slots für Kar­ten im be­kann­ten My-for­mat. Auf der Rück­sei­te kön­nen bis zu vier Hy-kar­ten für TWINLANE oder Dan­te-kar­ten ein­ge­setzt wer­den. Die Hy-kar­ten kön­nen bis zu 256 (TWINLANE) bzw. 144 (Dan­te) Ka­nä­le über­tra­gen. Die DSP En­gi­ne ist selbst­ver­ständ­lich mit zwei Netz­tei­len aus­ge­stat­tet.

I/O Rack RPIO622 mit sechs RY Card Slots und zwei Slots für My-kar­ten auf der Front­sei­te

I/O Rack Rpio622 von der Rück­sei­te mit zwei HY Slots, auch hier fin­den sich die ob­li­ga­to­ri­schen zwei Netz­tei­le

THD und THD+N von Preamp und ADC bei 1 khz und 0 db Gain in Ab­hän­gig­keit vom Ein­gangs­pe­gel. Die Clip-gren­ze liegt bei +24 dbu. Die durch­ge­zo­ge­ne Li­nie zeigt die THD+N Wer­te, die ge­stri­chel­te Kur­ve nur THD (Abb. 2)

THD von Preamp und ADC bei 1 khz und 0 db Gain in Ab­hän­gig­keit von der Fre­quenz bei −6 db­fs Aus­steue­rung ent­spre­chend +18 dbu ana­lo­gem Ein­gangs­pe­gel (Abb. 3)

RY16-ML-SILK Kar­te mit 16 ana­lo­gen Ein­gän­gen mit Mic-preamps und Silk-pro­zes­sor

THD und THD+N von Preamp und ADC bei 1 khz und 60 db Gain in Ab­hän­gig­keit vom Ein­gangs­pe­gel. Die Clip-gren­ze liegt jetzt bei −36 dbu. Die durch­ge­zo­ge­ne Li­nie zeigt die THD+N Wer­te, die ge­stri­chel­te Kur­ve nur THD. (Abb. 6)

THD von Preamp und ADC bei 1 khz und 60 db Gain in Ab­hän­gig­keit von der Fre­quenz bei −6 db­fs Aus­steue­rung ent­spre­chend −42 dbu ana­lo­gem Ein­gangs­pe­gel (Abb. 7)

Klirr­spek­trum von Preamp und ADC bei 1 khz und 0 db Gain,. Aus­steue­rung −6 db­fs ent­spre­chend +18 dbu ana­lo­gem Ein­gangs­pe­gel (Abb. 4)

DIM (Tran­si­en­te In­ter­mo­du­la­ti­ons­ver­zer­run­gen) von Preamp und ADC bei 0 db Gain in Ab­hän­gig­keit vom Ein­gangs­pe­gel (Abb. 5)

RY16-DA Kar­te mit 16 ana­lo­gen Aus­gän­gen; mit den klei­nen Schie­be­schal­tern kann für je­den Aus­gang in­di­vi­du­ell die ma­xi­ma­le Aus­gangs­span­nung ein­ge­stellt und für das dort fol­gen­de Ge­rät an­ge­passt wer­den

Klirr­spek­trum des DACS und der ana­lo­gen Aus­gangs­stu­fe bei 1 khz und +19 dbu Aus­gangs­pe­gel. Die leich­te Jit­ter-glo­cke bei 1 khz ent­steht ver­mut­lich durch den SRC (Samp­le Ra­te Con­ver­ter) im Si­gnal­weg. (Abb. 12)

THD und THD+N des DACS und der ana­lo­gen Aus­gangs­stu­fe bei 1 khz in Ab­hän­gig­keit vom Pe­gel auf di­gi­ta­ler Sei­te. Die Mes­sung er­folg­te mit 3 db Gain auf di­gi­ta­ler Sei­te, die durch­ge­zo­ge­ne Li­nie zeigt die THD+N Wer­te, die ge­stri­chel­te Kur­ve nur THD. (Abb. 10)

THD des DACS und der ana­lo­gen Aus­gangs­stu­fe in Ab­hän­gig­keit von der Fre­quenz bei +19 dbu Aus­gangs­pe­gel (Abb. 11)

Ei­ne von drei 12-ka­na­li­gen Fa­der Bays auf der Ober­flä­che der PM10 Con­so­le, rechts oben im Bild die Chan­nel Sec­tion

PM10 Sys­tem an un­se­rem Mess­platz

Ri­va­ge PM10 Edi­tor-soft­ware Ein­stel­lun­gen für ei­nen Chan­nel EQ (Abb. 13)

Silk-ein­stel­lung mit der Aus­wahl „blue“für tief­fre­quent und „red“für hoch­fre­quent so­wie der Tex­tu­re-ein­stel­lung für die In­ten­si­tät des Silk Pro­ces­sings

Silk Pro­zes­sor auf dem ana­lo­gen In­put Bo­ard, der SILK-DSP stellt das Ver­hal­ten des ana­lo­gen Preamps mit Über­tra­ger aus der Ent­wick­lung von Ru­pert Ne­ve nach

THD und THD+N von Preamp und ADC bei 1 khz mit (rot) und oh­ne (blau) Silk in Ab­hän­gig­keit vom Ein­gangs­pe­gel. Die je­weils durch­ge­zo­ge­ne Li­nie zeigt die THD+N Wer­te, die ge­stri­chel­te Kur­ve nur THD. (Abb. 16)

Klirr­spek­trum oh­ne (blau) und mit ak­ti­vem Silk (rot), reich­lich k2 sorgt für den ge­wünsch­ten Sound (Abb. 15)

Ein­fluss des Silk auf den Fre­quenz­gang (Abb. 14)

Gra­fi­scher Terz­band EQ Zu den ho­hen Fre­quen­zen hin wer­den die Fil­ter ge­ring­fü­gig schma­ler. Be­tä­tigt man meh­re­re be­nach­bar­te Fil­ter, dann kann es zu ei­ner star­ken Über­hö­hung in der Sum­men­kur­ve kom­men. (Abb. 19)

Fre­quenz­gang über al­les vom ana­lo­gen Ein­gang zum ana­lo­gen Aus­gang ge­mes­sen bei 0 db Gain (Abb. 20)

Stör­spek­trum am ana­lo­gen Aus­gang mit ei­nem Ge­samt­pe­gel von −87 dbu bzw. −89 dbu (A-bew.), für die Mes­sung war je­weils ein Ein­gangs­ka­nal auf ei­nen Aus­gang ge­rou­tet (Abb. 21)

THD und THD+N in Ab­hän­gig­keit vom Ein­gangs­pe­gel bei 1 khz über al­les vom ana­lo­gen Ein­gang zum ana­lo­gen Aus­gang ge­mes­sen bei 0 db Gain. Die je­weils durch­ge­zo­ge­ne Li­nie zeigt die THD+N Wer­te, die ge­stri­chel­te Kur­ve nur THD. (Abb. 22)

THD in Ab­hän­gig­keit von der Fre­quenz über al­les vom ana­lo­gen Ein­gang zum ana­lo­gen Aus­gang ge­mes­sen bei 0 db Gain und +19 dbu Ein­gangs­pe­gel (Abb. 23)

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.