Sub-spe­cial: Bas­sis­ten-sounds – die Bass-pro­fis

Wer könn­te für Bass-tipps am FOH kom­pe­ten­ter zum The­ma „tie­fe Tö­ne“sein als der Bas­sist in der Band? Stefan Braun­schmidt, On­li­ne-re­dak­teur bei Gi­tar­re&bass, gibt ei­nen Über­blick über ak­tu­el­le Bas­sis­ten-trends.

Production Partner - - Inhalt - In­ter­view: Det­lef Ho­e­pfner | Fo­tos: Stefan Braun­schmidt, Lars Horst­mann, Die­ter Stork

Stefan, eu­er Ma­ga­zin heißt Gi­tar­re&bass – da bin ich wohl rich­tig zum The­ma „tie­fe Tö­ne“. Wie fest­ge­legt ist heu­te noch das „In­stru­ment Bass“auf die wirk­lich tie­fen Fre­quen­zen?

Stefan Braun­schmidt: Viel­leicht ist fest­ge­legt nicht das rich­ti­ge Wort – ich wür­de eher sa­gen: An­ge­wie­sen. Man kann fast sa­gen, dass der Be­reich der Hoch­mit­ten und Hö­hen Ge­schmacks­sa­che ist, wäh­rend Bäs­se und Tief­mit­ten im­mer noch zum Pflicht­teil ge­hö­ren. Es liegt ein­fach in der Na­tur und Auf­ga­be des In­stru­ments. Na­tür­lich gibt es heu­te et­li­che Spiel­wei­sen, bei de­nen der Bass mit viel At­tack und Prä­sen­zen im Vor­der­grund steht (z. B. beim Slap-spiel), sei­ne Haupt­auf­ga­be ist es je­doch, die Band zu stüt­zen – und das geht nun mal nicht oh­ne ein ge­wis­ses Tie­fen-fun­da­ment. Selbst der ag­gres­sivs­te Bass-ton kann im Band­kon­text auf ei­nen ge­wis­sen Bass­ge­halt nicht ver­zich­ten.

Fre­quenz­sei­tig steht man als Bas­sist in „Kon­kur­renz“zu Drums und Keyboards. Wel­che Soundi­dea­le pfle­gen Bas­sis­ten heu­te, um ih­ren Bei­trag zu ei­nem er­folg­rei­chen Song bei­zu­steu­ern?

Stefan Braun­schmidt: Das ist na­tür­lich stark Gen­re- und Be­set­zungs-ab­hän­gig. In ei­nem sehr dich­ten Mix be­wäh­ren sich häu­fig Sounds, die mit ei­nem tigh­ten Low-end kom­pakt ei­ne Ni­sche im Band-ge­fü­ge be­set­zen, oh­ne da­bei die an­de­ren In­stru­men­te zu über­tö­nen. So ei­nen Bass-ton er­reicht man z. B. mit re­la­tiv har­ten Höl­zern beim In­stru­ment, die den akus­ti­schen Ton auf ei­ne na­tür­li­che Art leicht kom­pri­mie­ren, mit be­stimm­ten Ton­ab­neh­mer-be­stü­ckun­gen, Kom­pres­sor/ Li­mi­ter-pe­da­len und na­tür­lich mit Amp- und Laut­spre­cher­kom­bi­na­tio­nen, die den Ton mit ei­ner gu­ten Ort­bar­keit wie­der­ge­ben. Bie­tet der Band-sound mehr Raum für den Bas­sis­ten, funk­tio­nie­ren auch fet­te­re und flä­chi­ge­re An­sät­ze. Mehr Flä­che be­kommt man z. B. mit Over­dri­ve/dis­tor­ti­onPe­da­len; wenn Fat­ness die obers­te Ma­xi­me ist, kann man mit der Dau­men-an­schlags­tech­nik und ei­ner ent­spre­chen­den Eq-ein­stel­lung am Amp ei­ne Men­ge raus­ho­len.

Wie un­ter­schei­den sich ak­tu­el­le Bas­sis­ten-trends klang­lich und fre­quenzs­sei­tig von den Idea­len der letz­ten Jahr­zehn­te?

Stefan Braun­schmidt: Der Bass hat sich über die Jahr­zehn­te hin­weg mas­siv eman­zi­piert. Grund­sätz­lich kann man sa­gen, dass er im­mer heller und hö­hen­rei­cher ge­wor­den ist, wo­bei

die Ex­tre­me teil­wei­se schon in den 80ern aus­ge­lo­tet wur­den. Seit­dem hat sich die Klan­gäs­the­tik na­tür­lich ver­än­dert, sie ist al­ler­dings nicht un­be­dingt noch hö­hen­rei­cher ge­wor­den. Ein kla­rer Trend im Bass-be­reich sind schon seit ei­ni­gen Jah­ren Ver­stär­ker mit ul­tra­leich­ten Class-d-end­stu­fen und Schalt­netz­tei­len so­wie Bo­xen, die mit eben­falls sehr leich­ten Neo­dym-spea­k­ern be­stückt sind. Na­tür­lich ist die­ser Trend eher aus prak­ti­schen als klang­li­chen Er­wä­gun­gen

ent­stan­den, was je­doch nicht be­deu­tet, dass er nicht auch die Sound­land­schaft prägt. Die Neo-laut­spre­cher klin­gen oft et­was här­ter und di­rek­ter als ih­re Fer­rit-ver­wandt­schaft und sind zu­dem meist sehr leis­tungs­fä­hig, wes­halb vie­len Bas­sis­ten heu­te schon ei­ne 2 × 12"-, 1 × 15"-, 2 × 10"- oder 1 × 12"-Box reicht. Na­tür­lich sieht man auch noch fet­te 4 × 10"-, 2 × 15"- oder 8 × 10"-For­ma­te, sie wer­den je­doch an­tei­lig we­ni­ger. Der Sound von Class-d-amps ist au­ßer­dem ein be­lieb­tes Streit­the­ma un­ter Bas­sis­ten: Vie­le fin­den ih­ren Sound schrof­fer und we­ni­ger ge­schmei­dig als den von klas­si­schen Class-a/b- und Röh­ren-end­stu­fen, an­de­re hö­ren hin­ge­gen kei­nen Un­ter­schied.

Schon als Be­schal­ler hat man ei­ni­ge Mü­he da­mit, ei­ne gu­te, tie­fe Tief­ton­wie­der­ga­be über Laut­spre­cher zu ga­ran­tie­ren. Wel­che Rol­le spielt heu­te der Bass-amp für den Mu­si­ker?

Stefan Braun­schmidt: Der Bass-amp kann je nach Ge­schmack und Her­stel­ler sehr un­ter­schied­li­che Auf­ga­ben er­fül­len. Fir­men wie z. B. Glo­cken­klang set­zen auf ei­ne ul­tra­li­nea­re Wie­der­ga­be, die na­he­zu frei von Ver­fär­bun­gen ist und so­zu­sa­gen 1:1 den Bass-ton wie­der­gibt, wäh­rend Her­stel­ler wie Am­peg oder Oran­ge ganz klar Ver­stär­ker bau­en, die den Sound mar­kant ein­fär­ben, Ver­zer­run­gen hin­zu­fü­gen und in den Oh­ren vie­ler User „mu­si­ka­li­scher“klin­gen. Letz­te­re Grup­pe hat ih­re Wur­zeln häu­fig in den 50er- bis 70er-jah­ren und war so­mit Sound-prä­gend für Vie­les, was wir heu­te un­be­wusst als Re­fe­renz für gu­te Pro­duk­tio­nen, Bass- und Gi­tar­ren-sounds her­an­zie­hen. Fern­ab vom blo­ßen Klang sind Bass­ver­stär­ker heu­te mit mehr An­schlüs­sen und Aus­gän­gen denn je aus­ge­stat­tet – fast je­des Ge­rät hat ei­nen DI-OUT, der ein Vor­stu­fen­si­gnal auf Li­ne-pe­gel aus­gibt und im Li­veEin­satz ei­ne auf­wän­di­ge Mi­kro­fo­nie­rung häu­fig über­flüs­sig macht. Na­tür­lich ge­ra­ten di­rek­te Ver­stär­ker­si­gna­le an ih­re Gren­zen, wenn die Box ein Sound-prä­gen­der Be­stand­teil des Bass-rigs ist, wie bei 60er- und 70er-jah­re-bo­xen. Oder wenn der Bas­sist mit viel Ver­zer­rung spielt, die von sei­ner An­la­ge durch den na­tür­li­chen Hö­hen-ab­fall der in der Bass­box ver­bau­ten Breit­band-laut­spre­cher ab­ge­mil­dert wird, bei ei­nem di­rek­ten Si­gnal­ab­griff je­doch mit vol­lem Ober­ton­ge­halt auf die Pa-geht und ent­spre­chend krat­zig und un­har­mo­nisch klingt. In sol­chen Fäl­len braucht es live ent­we­der ein Mi­kro­fon zur Ab­nah­me oder ei­nen Low-pass-fil­ter oder ei­ne Bo­xen-si­mu­la­ti­on hin­ter dem Di-si­gnal.

»Der Bass hat sich über die Jahr­zehn­te hin­weg mas­siv eman­zi­piert. Er ist im­mer heller und hö­hen­rei­cher ge­wor­den, wo­bei die Ex­tre­me schon in den 80ern aus­ge­lo­tet wur­den. Seit­dem hat sich die Klan­gäs­the­tik na­tür­lich ver­än­dert, sie ist al­ler­dings nicht un­be­dingt noch hö­hen­rei­cher ge­wor­den.« Stefan-braun­schmidt | On­li­ne-re­dak­teur bei Gi­tar­re&bass

Gi­tar­re & Bass er­reicht so vie­le Mu­si­ker wie nie zu­vor: Al­lein 2016 in­for­mier­ten sich dort über 1,5 Mil­lio­nen Le­ser rund um die The­men Gi­tar­re und Bass; da­zu kom­men 43.000 News­let­ter-abon­nen­ten, 15.000 Face­book­fans so­wie Ins­ta­gra­mund Youtu­be-chan­nels. Den drei­tä­gi­gen Gui­tar Sum­mit von Gi­tar­re&bass mit 160 Aus­stel­lern be­such­ten im Sep­tem­ber 2017 über 4.500 Be­su­cher

Stefan-braun­schmidt ist On­li­ne-re­dak­teur bei www.gi­tar­re­b­ass.de

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.