Sub-spe­cial: R&D – Sub­woo­fer de­si­gnen

Sub­woo­fer sind un­auf­fäl­lig: Ir­gend­wo in Büh­nen­nä­he ver­steckt tun sie ih­ren Di­enst, um den Sound nach un­ten ab­zu­run­den. „Für den Ent­wick­ler auch nur ei­ne Rou­ti­ne­auf­ga­be?“, frag­ten wir zwei R&d-in­ge­nieu­re.

Production Partner - - Inhalt - In­ter­views: Det­lef Ho­e­pfner | Fo­tos: Det­lef Ho­e­pfner, Adam Hall Group | Mes­sun­gen: Hen­ry Dah­men | Gra­fik: Po­wer­soft

„Gro­ße“und „klei­ne“Her­stel­ler – Hen­ry Dah­men hat für ei­ne Rei­he er­folg­rei­cher Be­schal­lungs­her­stel­ler Ent­wick­lungs­ar­beit ge­leis­tet. Was sind die trei­ben­den Kräf­te, die der an­ge­streb­ten Tief­ton­wie­der­ga­be ih­re end­gül­ti­ge Form ver­lei­hen?

Hen­ry, die Be­trach­tung des Low Ends – liegt sie in Zei­ten aus­ge­tüf­tel­ter Hoch­tö­ner, Mit­tel­ton-wa­ve-gui­des und Li­ne-ar­rays eher am An­fang oder En­de ei­nes Ent­wick­lungs­pro­zes­ses?

Hen­ry Dah­men: Bei­des kommt vor. Manch­mal gibt es spe­zi­ell auf­ein­an­der ab­ge­stimm­te Kom­po­nen­ten (Sub, Top) als Ein­zel­pa­ket. Die­se aber meist eher für qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge, klei­ne­re und Ni­schen­an­wen­dun­gen, nicht die gro­ße Kon­zert­be­schal­lung. Dann gibt es Se­ri­en, in de­nen al­les ge­nau­es­tens auf­ein­an­der ab­ge­stimmt ist. Se­ri­en hel­fen dem An­wen­der, schlech­te Er­geb­nis­se zu ver­mei­den, da hier ei­ne ge­wis­se Ge­samt­funk­tio­na­li­tät er­war­tet wer­den kann. Es kommt aber auch vor, dass Pro­duk­te un­ab­hän­gig von­ein­an­der ent­ste­hen. Dies soll­te selbst im Ver­gleich zu ei­ner spe­zi­ell ab­ge­stimm­ten Se­rie kein Pro­blem dar­stel­len, so­lan­ge die Pro­duk­te sau­ber durch­ent­wi­ckelt sind. Mei­ner Ent­wick­lungs­phi­lo­so­phie nach müs­sen be­stimm­te Pro­dukt­grup­pen be­stimm­te Fre­quenz­be­rei­che mit ei­nem de­fi­nier­ten Ver­hal­ten sau­ber ab­de­cken. Sie sind dann mit der ent­spre­chen­den Equa­li­sie­rung und Fil­te­rung im Über­nah­me­be­reich ei­gent­lich im­mer kom­bi­nier­bar und kom­men mit al­len Si­gna­len zu­recht.

Aus­ge­fuchst wird es na­tür­lich, wenn es ans Beams­tee­ring im gro­ßen Stil geht (Are­nen zum Bei­spiel) und dem­ent­spre­chend

auch der Tief­ton stär­ker ge­rich­tet wer­den soll. Car­dioi­de Sub­woo­fer un­ter­schei­den sich dann kon­struk­tiv teil­wei­se schon sehr deut­lich von den üb­li­chen De­signs. Bei der Ent­wick­lung sol­cher Sys­te­me steht dann auch das Low End in­klu­si­ve Kon­zep­ti­on ganz am An­fang des Pro­zes­ses.

Gibt es das „ul­ti­ma­ti­ve“tech­ni­sche Kon­zept, um ei­ne Tief­ton­wie­der­ga­be in der Be­schal­lung op­ti­mal zu rea­li­sie­ren?

Hen­ry Dah­men: Theo­re­ti­sche „ul­ti­ma­ti­ve“Kon­zep­te, was Sound­qua­li­tät und Per­for­mance an­geht, gibt es. Wo­bei hier be­reits ein ent­we­der oder gilt: Die An­for­de­run­gen für Laut­stär­ke und Qua­li­tät ar­bei­ten letzt­end­lich im­mer ge­gen­ein­an­der, wenn man die Grö­ße mit ein­be­zieht. Man kann so et­was auch bau­en, aber es taugt nicht für die Be­schal­lung als Ge­schäft. Man be­nö­tigt ei­nen Schall­wand­ler, der mög­lichst die glei­che Strah­lungs­im­pe­danz auf­weist wie Luft (per­fek­te An­kopp­lung) – was nur durch ex­trem ge­rin­ge be­weg­te Mas­sen mög­lich ist – und gro­ße ab­strah­len­de Flä­chen: un­prak­tisch! Heu­ti­ge Laut­spre­cher sind da­her im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes im­mer noch „wa­ckeln­de Back­stei­ne“. Auf­la­dung über rie­sen­gro­ße Hör­ner wä­re auch ein Schritt hin zum bes­se­ren Tief­ton. Das Pro­blem wie über­all ist, gleich­zei­tig auch die Pra­xis­taug­lich­keit her­zu­stel­len. Die be­gren­zen­den Ele­men­te in der Be­schal­lung sind Grö­ße, Ge­wicht, Kos­ten (An­schaf­fung, La­ger, Hand­ling) und die Per­for­mance in Re­la­ti­on zu die­sen drei Fak­to­ren. Aus die­sem Grund se­hen wir all die Sys­te­me, die wir so gut ken­nen. Sie sind der Kom­pro­miss, der funk­tio­niert und Pro­duk­te, die stark da­von ab­wei­chen, ver­bie­tet. Wer die Nach­tei­le die­ses Kom­pro­mis­ses ver­rin­gern kann, hat die Na­se vorn.

Ei­ne Ent­wick­lung, die lang­sam den Markt er­reicht, ist die Wie­der­be­le­bung der gu­ten, al­ten Mo­tor­bäs­se. Jetzt al­ler­dings elek­tro­ma­gne­tisch di­rekt an­ge­trie­ben und über Re­chen­mo­del­le ge­steu­ert, so dass sich der Be­reich un­ter 100 Hz schon fast kom­plett ab­de­cken lässt. Der Vor­teil die­ser Sys­te­me liegt wie­der in der oben ge­nann­ten Re­la­ti­on: Sie bie­ten bei glei­cher Grö­ße und Ge­wicht mehr als die vier­fa­che Per­for­mance. Das rech­net sich, selbst wenn die Kis­te das Vier­fa­che kos­tet, da die lau­fen­den Kos­ten ge­rin­ger sind. Al­ler­dings hat die Tech­nik noch ein paar An­fäl­lig­kei­ten, die Ent­wick­lung ist schwie­rig (Ge­häu­se, ex­tre­me Schall­drü­cke, Vi­bra­tio­nen) und das akus­ti­sche Er­geb­nis kann bes­ser sein als kon­ven­tio­nel­le Sys­te­me, aber nicht not­wen­di­ger­wei­se. Wie wir al­le wis­sen, steht im gro­ßen Ge­schäft die Sound­qua­li­tät meist nicht ganz oben auf der Dring­lich­keits­lis­te. Da aber die­se Kon­struk­tio­nen die Kos­ten sen­ken und die Ent­wick­lung

wei­ter­geht, den­ke ich, dass wir in Zu­kunft mehr und mehr die­ser Sys­te­me se­hen wer­den.

Die tech­ni­sche Wei­ter­ent­wick­lung in der Be­schal­lungs­tech­nik ist für den An­wen­der – von die­sen schon vom Be­griff her et­was spek­ta­ku­lä­re­ren Mo­tor­bäs­sen ab­ge­se­hen – vor al­lem im Mit­tel-/hoch­ton­be­reich, in der Mecha­nik oder auch Soft­ware pla­ka­tiv sicht­bar. Wel­che Tech­no­lo­gi­en sind au­ßer­dem be­son­ders dem Tief­ton­be­reich zu­gu­te ge­kom­men?

Hen­ry Dah­men: Tech­no­lo­gisch hat si­cher der ge­rich­te­te Tief­ton ein­ges er­reicht. Er hilft, Grenz­wer­te für Schallim­mis­sio­nen ein­zu­hal­ten und führt akus­tisch zu bes­se­ren Er­geb­nis­sen, da der An­teil des Di­rekt­schalls beim Zu­hö­rer steigt. Gera­de in Hal­len ein nicht zu ver­nach­läs­si­gen­der Vor­teil. Bei glei­chem Pe­gel beim Hö­rer kann der in der Hal­le her­um­schwir­ren­de Dif­fus­schall­pe­gel nied­ri­ger ge­hal­ten wer­den. Das führt zu ei­nem deut­lich ent­spann­te­ren und bes­se­ren Hör­er­leb­nis.

Ein zwei­ter, viel­leicht über­ra­schen­der Aspekt ist die Mess­tech­nik. Vor 15 Jah­ren war es noch schwie­rig, vor Ort mal eben et­was zu mes­sen. Equip­ment war teu­er, kom­pli­ziert und teil­wei­se un­hand­lich, und auch das Ver­ständ­nis der Vor­gän­ge nicht so aus­ge­prägt. Heu­te ist es nor­mal, auf der Ver­an­stal­tung die An­la­ge ein­zu­mes­sen. Das war frü­her nicht so. Gera­de der Über­gang der Sub­woo­fer zum Rest kann ziem­li­che Pro­ble­me er­zeu­gen, wenn die Pha­se nicht stimmt oder die Ener­gie­ver­tei­lung ge­ne­rell nicht passt. Die Mess­tech­nik hilft hier ganz enorm, Pro­ble­me zu ver­mei­den. Oft sind Laut­spre­cher auch so ver­teilt, dass man gar kei­ne sau­be­re Pha­sen­re­fe­renz fin­den kann. Dann hel­fen stei­le Fil­ter mit 24 db/ok­ta­ve oder so­gar 48 db/ok­ta­ve, die Be­rei­che klar von­ein­an­der zu tren­nen, und so das Schlimms­te zu ver­mei­den. Vor 15 Jah­ren wa­ren sol­che Fil­ter auch nicht im­mer ver­füg­bar. Heu­te ge­hört das al­les zur Stan­dard­aus­rüs­tung und

hat bei rich­ti­ger An­wen­dung die Tief­ton­wie­der­ga­be deut­lich ver­bes­sert.

Da­zu kom­men noch Si­mu­la­tio­nen von z. B. End­fi­re-ar­rays oder gro­ßen car­dioi­den Sub­woo­fer-an­ord­nun­gen, die schon vor dem Auf­bau gu­te An­halts­punk­te ge­ben, wie das bes­te Er­geb­nis zu er­zie­len ist.

Was sind die kos­ten­in­ten­si­ven Fak­to­ren im Tief­ton­be­reich, und kann ich als An­wen­der ein­fach ent­de­cken, wo hier zu Las­ten der Qua­li­tät ge­spart wur­de?

Hen­ry Dah­men: Wir ha­ben ins­ge­samt vier Kos­ten­fak­to­ren: 1. Am­ping/con­trol­ler, 2. Ge­häu­se, 3. Chas­sis und 4. Ent­wick­lung. Das Am­ping ist schnell ab­ge­hakt. Grund­sätz­lich gilt: Viel hilft viel! Das ist nir­gend­wo so wahr wie im Tief­ton, da dort ca. 90 % der ins­ge­samt in der Be­schal­lung ein­ge­setz­ten Ener­gie lan­den. Ist das Am­ping al­so ent­we­der et­was schwach­brüs­tig oder un­ter­di­men­sio­niert, so kann man ein­fach nicht so viel Per­for­mance er­war­ten. Grob ge­sagt: Je mehr Strom ei­ne End­stu­fe lie­fern kann, um­so bes­ser. Und da­mit heißt gut meist auch teu­er – spä­tes­tens, wenn man noch die Be­triebs­si­cher­heit mit ein­rech­net.

Beim Ge­häu­se ist es auf den ers­ten Blick auch ein­fach. Je grö­ßer, auf­wän­di­ger und schwe­rer es ist, um­so teu­rer dürf­te es für den Her­stel­ler sein. Ei­ne Schluss­fol­ge­rung zur Sound­qua­li­tät/per­for­mance zu ma­chen, ist aber schwie­rig. „Teu­rer“muss längst nicht gleich „bes­ser“be­deu­ten. Bei den Chas­sis kann man noch am ehes­ten Schluss­fol­ge­run­gen zie­hen. Die Stan­dard­mo­del­le der üb­li­chen Ver­däch­ti­gen sind fast im­mer ei­ne gu­te Wahl. Güns­ti­ge Chas­sis kön­nen durch­aus her­vor­ra­gen­den Sound (oder so­gar bes­se­ren) lie­fern, es ha­pert dann aber evtl. an der Zu­ver­läs­sig­keit bzw. am ma­xi­ma­len Pe­gel. Das Zu­sam­men­spiel aus wirk­lich gu­ten Chas­sis und ei­ner da­zu sinn­voll pas­sen­den Ge­häu­se­kon­struk­ti­on ist vom An­wen­der mei­ner Mei­nung nach aber kaum im De­tail ein­schätz­bar.

Hier zahlt es sich aus, die Pro­dukt­pa­let­ten der Her­stel­ler aus der An­wen­dung zu ken­nen. Oft sind au­ßer­ge­wöhn­lich gu­te Pro­duk­te eher Glücks­grif­fe als ge­plan­ter Er­folg. Wenn ein Her­stel­ler al­so ein gleich­blei­bend ho­hes Qua­li­täts­ni­veau im Tief­ton er­reicht, so wird man bei neu­en Pro­duk­ten ver­mut­lich we­nig falsch ma­chen. Bei ei­nem Her­stel­ler, der auch Sub­woo­fer im Pro­gramm hat, die be­kann­ter­ma­ßen Pro­ble­me zei­gen, oder noch schlim­me­res, wä­re eher Vor­sicht an­ge­bracht. Egal wie gut z. B. ein neu­es Mo­dell nach Mar­ke­ting­aus­sa­gen und Tech­ni­schen Da­ten aus­sieht. Zu gu­ter Letzt soll­te man dann nicht die Kon­struk­ti­on und ver­wen­de­ten Kom­po­nen­ten mit dem Preis ge­gen­rech­nen, son­dern das Er­geb­nis: Was nützt ei­nem ei­ne tol­le, teu­re Kon­struk­ti­on (wo­mög­lich mit ei­ge­nem Am­ping und Ent­zer­rung), wenn das Er­geb­nis trotz­dem nicht stimmt? Denn hier kommt Punkt 4, die Ent­wick­lung: Ent­schei­dend ist im­mer noch, wie al­le Kom­po­nen­ten ei­nes Sys­tems zu­sam­men­ar­bei­ten und was dar­aus ge­macht wur­de. Wie auf­wän­dig war die Ent­wick­lung und was hat man sich da­bei ge­dacht? Ein wirk­lich gu­tes Sys­tem ist er­heb­lich mehr als die Sum­me sei­ner Ein­zel­tei­le und kann Maß­stä­be für vie­le Jah­re set­zen. Lei­der wer­den Sys­te­me zu oft ein­fach nach Aus­se­hen und Mar­ken­na­men be­ur­teilt. Das Au­ge und Ge­füh­le be­ein­flus­sen das Hö­ren viel mehr als die meis­ten sich vor­stel­len kön­nen.

Und schon ein va­li­des Ver­gleichs­hö­ren im Mit­tel-/hoch­ton­be­reich ge­stal­tet sich oft schwie­rig. Wel­che prak­ti­schen Tricks und Tipps nutzt du selbst, um Kon­zep­te und Pro­duk­te im Tief­ton­be­reich rea­li­täts­nah zu ver­glei­chen?

Hen­ry Dah­men: Vor­weg, ich ma­che nor­ma­ler­wei­se kei­ne „rea­li­täts­na­hen Ver­glei­che“, da die­se bei wei­tem nicht tief ge­nug ge­hen, um al­les zu er­fah­ren. Als Ent­wick­ler ge­he ich an­ders vor und kann auch nur die­se Her­an­ge­hens­wei­se schil­dern: Das Chas­sis ist mit Ab­stand das Wich­tigs­te, dann kommt die Ge­häu­se­kon­struk­ti­on, wel­che die Chas­sis so sinn­voll wie mög­lich un­ter­stüt­zen muss. Ver­glei­che stel­le ich an, in­dem ich mir al­le Pa­ra­me­ter des Chas­sis an­schaue (und nach­mes­se), das ver­wen­de­te Sy­te­mam­ping/ent­zer­rung und die Ge­häu­se­kon­struk­ti­on und des­sen Re­so­nan­zen. An­hand der phy­si­ka­li­schen Da­ten si­mu­lie­re ich im­mer die Sys­te­me und schaue mir Gü­ten, Schall­druck (Aus­len­kung) und be­son­ders auch Lauf­zeit­ver­hal­ten an. Die­ses Lauf­zeit­ver­hal­ten wird stark von der akus­ti­schen Dämp­fung be­stimmt, die das Ge­häu­se auf die Chas­sis aus­übt. Üb­lich sind lei­der häu­fig Chas­sis mit sehr nied­ri­gen Qts-wer­ten der Ge­samt­gü­te (ho­her Kraft­fak­tor BL und da­her star­ke elek­tri­sche Dämp­fung), die in gro­ßen Ge­häu­sen ste­cken (mehr Vo­lu­men be­deu­tet mehr Pe­gel am un­te­ren En­de), und in de­nen sie akus­tisch

»Die An­for­de­run­gen für Laut­stär­ke und Qua­li­tät ar­bei­ten im­mer ge­gen­ein­an­der, wenn man die Grö­ße mit ein­be­zieht. Man kann so et­was auch bau­en. Aber es taugt nicht für die Be­schal­lung als Ge­schäft.« Hen­ry Dah­men | ent­wi­ckelt seit über 20 Jah­ren Be­schal­lungs­tech­nik

un­ter­be­dämpft sind. Dies führt fast im­mer zu di­ver­sen Pro­ble­men klang­li­cher und elek­tri­scher Art, die von Ur­sa­che und Wir­kung her zu um­fang­reich sind, um hier dar­auf ein­zu­ge­hen. Aus der Er­fah­rung, die ich in den letz­ten 20 Jah­ren im Chas­sis- und Sys­tem­de­sign ge­sam­melt ha­be, zie­he ich wei­te­re Rück­schlüs­se auf das Ver­hal­ten und Sound­po­ten­zi­al der Kon­struk­ti­on. Da­zu kom­men noch di­ver­se Tests, die mit ei­nem Chas­sis oh­ne Ge­häu­se durch­ge­führt wer­den.

Dies hat sich als ver­läss­li­cher er­wie­sen als ein Hör­test – ich be­trach­te erst ein­mal die phy­si­ka­li­schen Aspek­te. Wenn es dort gro­be Schnit­zer gibt, so hat das Sys­tem ein Pro­blem, das nur noch ka­schiert, aber nicht mehr be­ho­ben wer­den kann. Ein Hör­test ist im­mer nur ei­ne Mo­ment­auf­nah­me und gera­de im Tief­ton hängt das Er­geb­nis sehr stark von der Te­st­um­ge­bung ab. Selbst in gro­ßen, ge­schlos­se­nen Räu­men ma­che ich kei­ner­lei Hör­ver­glei­che, da das Er­geb­nis ei­nes Ab-tests schon fast will­kür­lich zu nen­nen ist, und sich bei an­de­rer Auf­stel­lung oder in ei­nem an­de­ren Raum kom­plett ins Ge­gen­teil ver­keh­ren kann. Eben­so kann ein Sound­un­ter­schied schlicht am „Sys­tem­tu­ning“lie­gen. Aber mich in­ter­es­siert auch das Po­ten­zi­al an sich oh­ne das Sys­tem­tu­ning, al­so was die Kon­struk­ti­on ge­ne­rell zu leis­ten ver­mag. Denn das setzt mir die Gren­zen für die Per­for­mance, die ich dem Pro­dukt im all­täg­li­chen Be­trieb zu­mu­ten kann. Und nur die­se ab­ge­speck­te Va­ri­an­te ist in ei­nem üb­li­chen Ver­gleich sicht­bar.

Was ich bei ei­ner Pro­duk­te­va­lua­ti­on dann doch rea­li­täts­nah an­schaue sind be­son­ders die Ma­xi­mal­per­for­mance und Be­triebs­si­cher­heit. Ich nut­ze be­stim­me Tief­ton­signa­le, mit de­nen ich das Sys­tem nach ei­ner ge­wis­sen Ein­spiel­zeit voll aus­fah­re und auch so weit wie mög­lich über­fah­re. Erst im Grenz­be­reich zeigt sich, ob noch (Si­cher­heits)re­ser­ven vor­han­den sind, ob sich das Sys­tem zu je­dem Zeit­punkt kon­trol­liert ver­hält oder In­sta­bi­li­tä­ten auf­tre­ten. In­sta­bi­li­tä­ten sind ex­trem ge­fähr­lich, da das Sys­tem plötz­lich und oh­ne gro­ße War­nung in ei­nen Zu­stand über­ge­hen kann, in dem Zer­stö­rung droht. Es ist hier wie beim Au­to: Ein Fahr­zeug, das nur lang­sam über- oder un­ter­steu­ert, lässt sich im Grenz­be­reich noch gut kon­trol­lie­ren und gut am Li­mit be­we­gen. Setzt ei­nes von bei­den schlag­ar­tig und hef­tig ein, so muss man mehr Ab­stand vom Grenz­be­reich hal­ten, sonst läuft man Ge­fahr, oh­ne Vor­war­nung von der Stre­cke zu flie­gen. Ist der Grenz­be­reich breit und gut­mü­tig, so lässt sich aus ei­nem Sys­tem mehr her­aus­ho­len. Die­ses Ver­hal­ten hängt sehr stark von der Kon­struk­ti­on des Chas­sis ab (Vor­aus­set­zung), dem pas­sen­den Ge­häu­se und ge­nü­gend Ver­stär­ker­leis­tung.

Er­wäh­nen möch­te hier auch noch die seit vie­len Jah­ren ge­schätz­ten Test­be­rich­te in PRODUCTION PART­NER von Prof. Dr.-ing. An­selm Goertz. Die­se Da­ten sind, da sie al­le aus der glei­chen Qu­el­le stam­men und die­sel­ben Mess­ver­fah­ren nut­zen, per­fekt ver­gleich­bar. Für vie­le Pro­duk­te ha­be ich auch nur die­se Test­be­rich­te zur Ver­fü­gung. Sie sind ei­ne un­schätz­ba­re Hil­fe, an­de­re Sys­te­me zu ana­ly­sie­ren und Ver­glei­che an­zu­stel­len.

Wel­chen Ein­fluss hat man als Ent­wick­ler, den „Sound“ei­nes Sub­woo­fers wirk­lich zu be­ein­flus­sen?

Hen­ry Dah­men: Bei­na­he so viel wie man möch­te! Der Sound und das Ver­hal­ten ei­nes Sub­woo­fers sind, trotz der be­grenz­ten Band­brei­te, bei­na­he so kom­plex wie ein Topteil. Und im Zu­sam­men­spiel mit Toptei­len erst recht. Dann zeigt sich, ob Sub­woo­fer und Topteil stim­mig zu­sam­men­spie­len und kei­ne De­tails ver­lo­ren ge­hen. Man braucht sich nur die be­tei­lig­ten Pa­ra­me­ter an­zu­se­hen; zu vie­le, um sie hier auf­zu­lis­ten. Ei­ni­ge da­von sind Ge­häu­se­vo­lu­men, Ab­stimm­fre­quenz, Ge­häu­se­typ (Bass­re­flex, Band­pass, horn­ge­la­den usw.). Dann beim Chas­sis die Grö­ße, Hub/li­nea­ri­tät, Re­so­nanz­fre­quenz, elas­ti­sche Pa­ra­me­ter der Auf­hän­gung (Äqui­va­lent­vo­lu­men), Gü­ten, be­weg­te Mas­se usw. Und al­les be­ein­flusst sich ge­gen­sei­tig.

Man kann rum­peln­de, dröh­nen­de, mat­schi­ge, kraft­lo­se, un­aus­ge­wo­ge­ne Sub­woo­fer bau­en, und noch vie­le an­de­re. Gu­ter Sound ist die Ab­we­sen­heit von all­dem – von al­lem, was dort nicht hin­ge­hört. Mein Ziel ist es, den Hö­rer das Laut­spre­cher­sys­tem ver­ges­sen zu las­sen. Da heu­te prak­tisch über­all Con­trol­ler ver­füg­bar sind, macht es kei­nen Sinn mehr Sub­woo­fer zu ent­wi­ckeln, die un­ent­zerrt gera­de Fre­quenz­gän­ge ha­ben. Das ist so­gar Ver­schwen­dung von Ver­stär­ker­leis­tung. Bes­ser ist es, auf nied­ri­ge Grup­pen­lauf­zei­ten zu ach­ten (Prä­zi­si­on, Aus­ge­wo­gen­heit) und ei­ne gu­te Be­dämp­fung des Sys­tems auf der akus­ti­schen Sei­te zu er­rei­chen, was den Ver­stär­ker dann deut­lich ent­las­tet. Ver­ein­facht aus­ge­drückt: Wo und wie stark spei­chert das Sys­tem mecha­ni­sche Ener­gie, und wie kann ich das ver­hin­dern, oh­ne zu viel Per­fo­mance zu ver­lie­ren?

Ei­ne stär­ke­re akus­ti­sche Be­dämp­fung er­reicht ge­nau das. Ich spre­che hier nicht von Dämm­ma­te­ri­al, son­dern von der Ge­gen­kopp­lung, die die Luft auf das Chas­sis aus­übt. Sie re­du­ziert zwar den Pe­gel ge­ring­fü­gig, führt aber da­ge­gen zu sehr kon­trol­lier­tem und prä­zi­sem Ver­hal­ten. Das wie­der­um nimmt der Hö­rer als en­er­ge­ti­scher und kraft­vol­ler wahr, selbst bei ge­ring­fü­gig nied­ri­ge­rer Laut­stär­ke (erst nach der ent­spre­chen­den Ent­zer­rung na­tür­lich). Her­aus kommt ei­ne Sub­woo­fer­kon­struk­ti­on, die kei­nen gera­den Fre­quenz­gang mehr hat, und mit ei­nem Con­trol­ler ent­spre­chend ent­zerrt wer­den kann und muss. An die­ser Stel­le lässt sich ihr bei­na­he je­der Sound auf­prä­gen, der ge­wünscht ist.

Ich be­für­wor­te aber im­mer ei­ne mög­lichst gera­de Frei­fel­d­ent­zer­rung und kei­nen be­stimm­ten „Sound“. Nur dann ist ein Sub­woo­fer neu­tral und kommt auch mit den ver­schie­dens­ten

»Grund­sätz­lich gilt: Viel hilft viel! Das ist nir­gend­wo so wahr wie im Tief­ton, da dort ca. 90 % der ins­ge­samt ein­ge­setz­ten Ener­gie lan­den.« Hen­ry Dah­men | zur Be­deu­tung des Am­pings

Mu­sik­si­gna­len klar. Am FOH macht sich das auch po­si­tiv be­merk­bar, da sich so schnel­ler und ein­fa­cher die ge­wünsch­ten Er­geb­nis­se er­zie­len las­sen.

Zu­letzt: Mit wel­chem Au­dio­ma­te­ri­al ar­bei­test du selbst am liebs­ten wäh­rend der Ent­wick­lung und dem Ver­gleich von Bass-kon­zep­ten?

Hen­ry Dah­men: Wenn ich Tief­ton­sys­te­me ent­wick­le, dann ha­be ich kei­ne be­stimm­te Sound­vor­stel­lung, son­dern eher ei­ne be­stimm­te Funk­ti­ons­wei­se. Die­se ori­en­tiert sich im­mer am Ide­al der prä­zi­sen und un­ver­fälsch­ten Re­pro­duk­ti­on. In­fol­ge­des­sen nut­ze ich kaum Au­dio­ma­te­ri­al zum Hö­ren (Klang), son­dern fast aus­schließ­lich zur Su­che nach Schwach­punk­ten im Ver­hal­ten: Wo stimmt et­was nicht? Das be­deu­tet aber auch, dass ich im­mer ver­su­che, das zu tes­ten­de Sys­tem zu zer­stö­ren! Wenn man nicht so weit geht, kann man kei­ne wirk­lich voll­stän­di­ge Beur­tei­lung durch­füh­ren.

Die rei­ne Chas­sis-eva­lu­ie­rung ist be­reits der wich­tigs­te Punkt, und zwar erst ein­mal oh­ne Ge­häu­se. Hier wer­den al­le ver­füg­ba­ren Mess­me­tho­den und ins­be­son­de­re auch Si­nus­si­gna­le ho­her Leis­tung ge­nutzt. So lässt sich das mecha­ni­sche Ver­hal­ten ei­nes Chas­sis, und des­sen Gren­ze, sehr gut be­ur­tei­len. Asym­me­tri­en in der Auf­hän­gung, DC Off­set, Par­ti­al­schwin­gun­gen, Ver­hal­ten und Län­ge der Auf­hän­gung im Ver­hält­nis zur Län­ge des An­triebs sind ei­ni­ge da­von.

Im Ge­samt­sys­tem nut­ze ich da­nach ver­schie­de­ne Si­gna­le. Si­nus kommt nicht mehr zu Ein­satz. Da­für Mu­sik­tracks mit be­stimm­ten Bas­sim­pul­sen, die dem Sys­tem me­cha­nisch und dem Am­ping elek­trisch al­les ab­ver­lan­gen. Auch ein Topteil hat für mich ein Bass-kon­zept, wenn es bis un­ter 100 Hz ar­bei­tet, ganz zu schwei­gen von Full­ran­ge-toptei­len. Es durch­läuft ge­nau die glei­chen Tests wie ein Sub­woo­fer und ich nut­ze auch das­sel­be Au­dio­ma­te­ri­al da­für. Da kann es schon mal vor­kom­men, dass ei­ne Mem­bran durch Stau­chung bricht und die Pa­pier­mi­schung z. B. noch mal mit Kev­lar­fa­sern ver­stärkt wer­den muss. In Tests nach den ein­schlä­gi­gen Nor­men wür­den die­se Pro­ble­me nie auf­tre­ten.

Har­te Im­pul­se von al­len Schlag­zeug­ty­pen sind un­er­läss­lich. Da­für ha­be ich vie­le di­rekt mi­kro­fo­nier­te und un­be­han­del­te In­stru­men­tal­tracks. Für den Tief­gang und die Prä­zi­si­on im ge­sam­ten Bass­be­reich ist zum Bei­spiel The Tren­te­møl­ler Chro­ni­cles ei­ne mei­ner wich­tigs­ten Schei­ben. Ich nut­ze sie seit vie­len Jah­ren, dort steckt sehr viel De­tail und Ener­gie im Tief­ton. Au­ßer­dem sind Sound­qua­li­tät und Pro­duk­ti­on auf höchs­tem Ni­veau. Man hört sehr schnell, wenn et­was nicht stimmt. Ein idea­les Werk­zeug, um Ma­xi­mal­per­for­mance zu be­ur­tei­len und die Gleich­mä­ßig­keit und Aus­ge­wo­gen­heit des ge­sam­ten Tief­ton­be­reichs.

»Das Au­ge und Ge­füh­le be­ein­flus­sen das Hö­ren viel mehr als die meis­ten sich vor­stel­len kön­nen.« Hen­ry Dah­men | ist skep­tisch bei Pra­xis­ver­glei­chen

An mo­der­nen Chas­sis wie dem Bey­ma 18LEX1600ND op­ti­mie­ren die In­ge­nieu­re ei­ne Fül­le an me­cha­ni­schen De­tails, an die­sem 18" ver­mei­det ei­ne be­son­de­re in­ter­ne Küh­lung durch Po­wer­com­pres­si­on be­ding­te Leis­tungs­ver­lus­te

Gu­tes Zeit­ver­hal­ten ei­nes gro­ßen 18"-Subs sehr leich­te Mem­bran, akus­tisch stark be­dämpft durch das Ge­häu­se­vo­lu­men (Fre­quenz­gang­dar­stel­lung im tiefs­ten Be­reich hier fens­te­rungs­be­dingt un­gül­tig)

Hen­ry Dah­men ist Dipl.-ing. (FH) All­ge­mei­ne Elek­tro­tech­nik, ent­wi­ckelt seit über 20 Jah­ren pro­fes­sio­nel­le Be­schal­lungs­tech­nik und ist Lei­ter des R&D bei Voice Acoustics

Sehr schwe­res, un­ter­be­dämpf­tes Chas­sis im rei­nen Hör­ver­gleich nicht auf den ers­ten Blick er­kenn­bar, aber na­tür­lich deut­lich we­ni­ger de­tail­liert und aus­ge­wo­gen

Mo­tor­an­trie­be wie der neue Po­wer­soft M-force bie­ten ex­tre­me Aus­len­kun­gen und Be­last­bar­keit

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