Klang­spei­cher Elb­phil­har­mo­nie

Die Elb­phil­har­mo­nie ist ein be­ein­dru­cken­des Ge­bäu­de der Su­per­la­ti­ve: Zwar wur­de sie um ein Viel­fa­ches teu­rer als ge­plant, und auch die ur­sprüng­li­che Bau­zeit wur­de um Jah­re über­schrit­ten. Aber hin­ter den Ku­lis­sen hat es die Kom­ple­xi­tät des Bau­werks wirk­lic

Production Partner - - News - Text und Fo­tos: Pe­ter Ka­min­ski

Der Bau der Ham­bur­ger Elb­phil­har­mo­nie war mo­na­te­lang nicht weg­zu­den­ken aus der all­ge­mei­nen Dis­kus­si­on. Doch trotz al­ler Kri­tik hin­sicht­lich Zeit und Kos­ten, wur­de hier ein wah­res Meis­ter­werk der Akus­tik er­schaf­fen. Wir woll­ten wis­sen: was ge­nau steckt ei­gent­lich al­les in „El­phie“?

Die „Idee Elb­phil­har­mo­nie“ent­stand in Ham­burg be­reits zur Jahr­tau­send­wen­de wäh­rend der Pla­nun­gen zur neu­en Ha­fen-ci­ty. Ei­gent­lich soll­te an die­sem Ort ein Haus für die Me­dien­bran­che ent­ste­hen, da­zu be­stand je­doch kein Be­darf mehr. Pro­jekt­ent­wick­ler Alex­an­der Gé­r­ard woll­te den Kai­spei­cher A aber für ein Haus mit kul­tu­rel­len Aspek­ten nut­zen. Die bei­den Schwei­zer Ar­chi­tek­ten Jac­ques Her­zog und Pier­re de Meu­ron, die auch für die Al­li­anz Are­na oder das Na­tio­nal­sta­di­on in Pe­king ver­ant­wort­lich zeich­nen, be­schäf­tig­ten sich dann wei­ter mit dem Pro­jekt: Im Som­mer 2003 leg­ten sie ei­nen Ent­wurf für die Ham­bur­ger Elb­phil­har­mo­nie vor, schon ein Jahr spä­ter wur­de die städ­ti­sche Rea­li­sie­rungs­ge­sell­schaft „Re­ge Ham­burg“als Bau­herr be­stimmt. Die Bau­ar­bei­ten be­gan­nen dann 2007. Bis zu die­sem Zeit­punkt gab es in Ham­burg für die Auf­füh­rung klas­si­scher Orches­ter­mu­sik le­dig­lich die La­eisz­hal­le, die von Grö­ße (und auch an­de­ren Rah­men­be­din­gun­gen) her nicht un­be­dingt für al­le Wer­ke op­ti­ma­le Vor­aus­set­zun­gen bie­tet. Ab dann ging bei der Um­set­zung (und zwi­schen den Pro­jekt­be­tei­lig­ten) nicht mehr al­les glatt, was zu ei­nem län­ge­ren Baustopp führ­te. Erst nach ei­ner Pro­jekt­neu­ord­nung konn­te dann die Über­ga­be des Kon­zert­be­reichs auf den 30. Ju­ni 2016 und die Ab­nah­me auf den 31. Ok­to­ber 2016 ter­mi­niert wer­den; das Er­öff­nungs­kon­zert fand am 11. Ja­nu­ar 2017 statt. Man geht von Kos­ten von ca. 866 Mio. Eu­ro aus, von de­nen fast 58 Mio. Eu­ro als Spen­den ein­ge­flos­sen sind.

Kai­spei­cher für die Kul­tur

Der tra­pez­för­mi­ge Back­stein­bau Kai­spei­cher A, an der El­be ge­le­gen und von drei Sei­ten von Was­ser um­ge­ben, ent­stand 1966 für die La­ge­rung von Ka­kao und Tee. In den 90er-jah­ren wur­de er da­für nicht mehr be­nö­tigt und die Kunst­sze­ne ent­deck­te den Spei­cher für sich: es fan­den dort di­ver­se Aus­stel­lun­gen und Events statt. Die Elb­phil­har­mo­nie soll­te nun auf die­sen Kai­spei­cher A auf­ge­baut wer­den. Da­zu wur­de das Bau­werk kom­plett ent­kernt, le­dig­lich die Back­stein­fas­sa­de blieb ste­hen. Das Ge­wicht des neu­en Auf­sat­zes hät­te die bis­he­ri­ge Kon­struk­ti­on aber nicht tra­gen kön­nen. Al­so wur­den zu­sätz­lich zu den über 1.000 Stahl­be­ton­pfäh­len noch wei­te­re 650 Pfäh­le in den Elb­schlick ein­ge­bracht, um das Ge­samt­ge­wicht der Elb­phil­har­mo­nie von 200.000 Ton­nen zu tra­gen.

Im un­te­ren Teil der Elb­phil­har­mo­nie, al­so im al­ten Kai­spei­cher A, be­fin­den sich nun das mehr­stö­cki­ge Park­haus mit über 500 Park­plät­zen so­wie der kleins­te der drei Ver­an­stal­tungs­sä­le, das „Kai­stu­dio 1“. Auch ein Re­stau­rant so­wie Gas­tro­no­mie, Kon­fe­renz­be­reich und Spa des Ho­tels The Wes­tin Ham­burg sind hier un­ter­ge­bracht. Auf dem bis­he­ri­gen al­ten Kai­spei­cher ver­läuft die Pla­za, die als Be­su­cher­platt­form dient und ei­nen be­ein­dru­cken­den Blick in al­le vier Him­mels­rich­tun­gen bie­tet. Dar­über be­ginnt der auf­ge­setz­te Teil mit dem Gro­ßen und Klei­nen Saal, dem Ho­tel „The Wes­tin“mit 244 Zim­mern und Sui­ten so­wie auch noch 44 Lu­xus­woh­nun­gen. Die Fas­sa­de die­ses obe­ren Teils ist kom­plett mit

Glas ver­klei­det, rund 1.100 bis zu fünf Me­ter gro­ße Fens­ter­ele­men­te wur­den in­di­vi­du­ell an­ge­fer­tigt. Die Dach­kon­struk­ti­on schließ­lich – sie al­lein wiegt ca. 1.000 Ton­nen – be­steht aus acht sphä­ri­schen, kon­kav ge­krümm­ten Flä­chen, die aus op­ti­schen Grün­den (aber auch zum Wär­me­schutz) mit Pail­let­ten ver­se­hen sind, um die Wir­kung der Son­nen­ein­strah­lung zu mi­ni­mie­ren. Die Ge­samt­hö­he des Bau­werks be­trägt da­mit an der Spit­ze 110 Me­ter. Der Haupt­ein­gang in die Elb­phil­har­mo­nie führt über die mit 82 Me­tern längs­te ge­bo­ge­ne Roll­trep­pe Eu­ro­pas zur Pla­za. Su­per­la­ti­ve gibt es bei der Elb­phil­har­mo­nie al­so je­de Men­ge.

Drei Ver­an­stal­tungs­sä­le

Die Elb­phil­har­mo­nie bie­tet drei Ver­an­stal­tungs­sä­le. Der Gro­ße Saal bie­tet 2.100 Plät­ze; er und der Klei­ne Saal be­fin­den sich im obe­ren Teil des Ge­bäu­des und sind akus­tisch vom Rest des Ge­bäu­des ent­kop­pelt. Der Gro­ße Saal mit sei­nen 12.500 Ton­nen Ge­wicht wur­de in zwei Scha­len kon­stru­iert, die über 362 Stahl­fe­dern mit­ein­an­der ver­bun­den sind. Wer den an­gren­zen­den Ham­bur­ger Ha­fen kennt, ahnt, war­um dies er­for­der­lich ist: zum Bei­spiel, da­mit Mo­to­ren­schwin­gun­gen und Ne­bel­hör­ner von gro­ßen Con­tai­ner-rie­sen oder Kreuz­fahrt­schif­fen den Mu­sik­ge­nuss nicht be­ein­träch­ti­gen. Der Klei­ne Saal ist als Mul­ti­funk­ti­ons­saal aus­ge­legt. Er ist nicht fest be­stuhlt, son­dern sehr fle­xi­bel für ver­schie­dens­te Ar­ten von Ver­an­stal­tun­gen von Kam­mer­mu­sik bis zu Pop­kon­zer­ten ge­eig­net. Durch ei­ne ein­fahr­ba­re Tri­bü­ne und di­ver­se Hub­po­di­en ist der Saal al­so sehr va­ria­bel ein­setz­bar. Da­durch las­sen sich bis zu ei­ner ma­xi­ma­len Ka­pa­zi­tät von 526 Plät­zen ver­schie­de­ne Sze­na­ri­en ein­rich­ten, wie „ei­ne gro­ße Tri­bü­ne“oder „zwei Tri­bü­nen und ei­ne Mit­tel­büh­ne“etc. Im Saal ist – wie fast über­all in der Elb­phil­har­mo­nie – Par­kett ver­legt; der akus­ti­schen Ent­kopp­lung des Klei­nen Saals die­nen im­mer­hin noch 56 Fe­der­pa­ke­te.

Das be­reits er­wähn­te Kai­stu­dio schließ­lich ist der kleins­te Saal, der im So­ckel des Ge­bäu­des 140 Be­su­cher­plät­ze bie­tet. Hier wer­den un­ter an­de­rem zeit­ge­nös­si­sche, ex­pe­ri­men­tel­le Mu­sik oder spe­zi­el­le Kin­der­kon­zer­te auf­ge­führt – und er dient auch als Pro­be­raum für Chor und Orches­ter.

Mi­kro­fo­ne und Or­gel im Gro­ßen Saal

Im Gro­ßen Saal sind die Pu­bli­kums­plät­ze um das Po­di­um her­um in ein­zel­nen Ebe­nen und sehr steil an­ge­legt, wie die Ter­ras­sen in ei­nem Wein­berg. Sie bie­ten den Be­su­chern al­ler Plät­ze ei­nen sehr gu­ten Blick auf das Po­di­um. Auch die Dis­tanz zum Orches­ter ist selbst in den obe­ren Rän­gen mit ma­xi­mal 30 Me­tern re­la­tiv kurz. Der Saal macht da­her, auch im Ver­gleich zu an­de­ren Kon­zert­sä­len mit Wein­berg­ter­ras­sen-

struk­tur, ei­nen sehr „kom­pak­ten“Ein­druck. Über dem Saal be­fin­den sich der Ca­no­py (Klan­g­re­flek­tor) und Cat­walk (Tech­nik­be­reich). Hier wird die Au­ßen­scha­le mit der In­nen­scha­le über die Stahl­fe­dern ver­bun­den. Cat­walk des­halb, weil der Be­reich über di­ver­se Ebe­nen und Trep­pen be­geh­bar ist. Mit­tig dann die mar­kan­te Trich­ter­kon­struk­ti­on, an der ein Dach­re­flek­tor hängt. Im Tech­nik­be­reich so­wie die­sem Ca­no­py be­fin­den sich 27 Mi­kro­fon­win­den: Drei 3D-win­den sind für das Haupt­mi­kro­fon vor­ge­se­hen, die an­de­ren Win­den las­sen sich auch um­set­zen. In der De­cke gibt es da­für knapp 50 Durch­läs­se, an de­nen man sie po­si­tio­nie­ren kann. Ei­ni­ge Win­den sind mehr oder we­ni­ger fest be­stückt, wie für das Al­ter­na­tiv-haupt-ab-ste­reo­mi­kro­fon oder die Mit­hör­mi­kro­fo­ne für Schwer­hö­ri­gen-schlei­fen und IPTV.

In ei­nem Kon­zert­haus die­ser Klas­se darf na­tür­lich auch ei­ne Or­gel nicht feh­len. Ge­baut wur­de die­se von Jo­han­nes Klais Or­gel­bau aus Bonn mit 4.765 Pfei­fen und ei­nem Ge­samt­ge­wicht von 25 Ton­nen. Or­gel­pfei­fen und Spiel­tisch mit vier Ma­nua­len und Pe­dal sind in den Zu­schau­er­be­reich in­te­griert, ei­ni­ge Or­gel­pfei­fen be­fin­den sich gar in der Reich­wei­te der Zu­schau­er (die­se Pfei­fen sind da­her ex­tra mit ei­ner Schutz­be­schich­tung ver­se­hen). Ne­ben dem Haupt­spiel­tisch gibt es noch ei­nen mo­bi­len Spiel­tisch, der auf der Orches­ter­büh­ne auf­ge­baut wer­den kann.

Viel­dis­ku­tier­te Saa­la­kus­tik: kei­ne klas­si­sche Schuh­schach­tel

Eins der am meis­ten – und sehr kon­tro­vers – dis­ku­tier­ten The­men rund um die Elb­phil­har­mo­nie be­trifft de­ren Kon­zert­saa­la­kus­tik. Das war zwar bei an­de­ren Häu­sern – wie der Ber­li­ner Phil­har­mo­nie – nicht an­ders. Das liegt in der Na­tur der Sa­che, die Wahr­neh­mung ei­ner Akus­tik ist eben sehr sub­jek­tiv. Im Fall der Elb­phil­har­mo­nie be­gann die Dis­kus­si­on aber schon lan­ge be­vor der Gro­ße Saal über­haupt fer­tig­ge­stellt war. Ei­ner­seits wur­den hier neue We­ge ein­ge­schla­gen, ei­ne wei­te­re Her­aus­for­de­rung war aber auch, dass der Gro­ße Saal nicht nur für Orches­ter­mu­sik, son­dern auch für elek­tro­nisch ver­stärk­te U-mu­sik ge­nutzt wer­den soll. Für die Pla­nung der Akus­tik war Yas­u­hi­sa To­yo­ta, ei­ner der welt­weit be­kann­tes­ten und bes­ten Akus­ti­ker, ver­ant­wort­lich. Er ist Prä­si­dent der Us-nie­der­las­sung von Na­ga­ta Acoustics. Na­ga­ta Acoustics und Yas­u­hi­sa To­yo­ta ha­ben ei­ne gan­ze Rei­he von Sä­len akus­tisch ent­wor­fen, wie das Kon­zert­haus Ko­pen­ha­gen, die Walt Dis­ney Con­cert Hall in Los An­ge­les, die Shen­zhen Cul­tu­ral Cen­ter Con­cert Hall in Chi­na und auch den neu­en Pier­re-bou­lez-saal in Ber­lin.

Die klas­si­schen Sä­le mit recht­ecki­ger Gr­und­flä­che, wie zum Bei­spiel der Saal des Wie­ner Mu­sik­ver­eins, las­sen sich na­tür­lich viel ein­fa­cher be­rech­nen als Kon­zep­te wie in der Elb­phil­har­mo­nie oder der Ber­li­ner Phil­har­mo­nie. Ne­ben den Be­rech­nun­gen führ­te man bei der Elb­phil­har­mo­nie da­her auch die tra­di­tio­nell be­kann­ten prak­ti­schen Ver­su­che durch: So wur­de im Som­mer 2007 ein 1:10-Mo­dell der Elb­phil­har­mo­nie ge­baut; mit Akus­tik­mo­del­len zu ar­bei­ten ist ei­ne ty­pi­sche Ar­beits­wei­se von Yas­u­hi­sa To­yo­ta. Das ca. 4,5 Ton­nen schwe­re Akus­tik­mo­dell mit ei­ner Gr­und­flä­che von fünf mal fünf Me­tern und drei Me­tern Hö­he wur­de in­nen mit Sit­zen und Mo­dell-zu­schau­ern aus­ge­stat­tet, die mit Filz­tex­ti­li­en ver­se­hen wa­ren. Im si­mu­lier­ten Saal wur­den für die Ein­spie­lung von Mess­si­gna­len 56 Mi­nia­t­ur­laut­spre­cher in­stal­liert. Auch die Luft im si­mu­lier­ten Raum muss­te we­gen des Maß­stabs ver­än­dert wer­den: Mit zu­sätz­li­chem Stick­stoff wur­de der Sau­er­stoff­an­teil auf fünf Pro­zent ge­senkt. Das Mo­dell wur­de nach Ab­schluss der mehr­mo­na­ti­gen Tests dann an den Ham­bur­ger Ma­gel­lan-ter­ras­sen aus­ge­stellt. Als akus­ti­sche Pa­ra­me­ter des Gro­ßen Saals – er hat ein Raum­vo­lu­men von 23.000 m3 – wer­den nun ei­ne T30 Nach­hall­zeit von 2,4 s (oh­ne Pu­bli­kum) und 2,3 s (mit Pu­bli­kum) an­ge­ge­ben. Die Sound Strenght G be­trägt 5,4 db, die Ear­ly De­cay Ti­me 2,3 Se­kun­den, die Cla­ri­ty C80 be­trägt 0,3 db und die Cent­re Ti­me TS 135 Mil­li­se­kun­den.

Ne­ben der Raum­geo­me­trie be­stim­men die ver­ar­bei­te­ten Werk­stof­fe und die Be­schaf­fen­heit der Wän­de und De­cke die Raum­akus­tik. In der Elb­phil­har­mo­nie sind Wän­de und De­cke

auf 6.500 m2 mit ca. 11.000 Gi­fa­tec-gips­fa­ser­be­ton­plat­ten ver­se­hen: Die Plat­ten wie­gen 30 bis 125 Ki­lo­gramm und sind ca. 0,5 m2 groß, ih­re Fer­ti­gung hat über ein Jahr ge­dau­ert, die Kos­ten für die Gips­fa­ser­plat­ten be­tru­gen 15 Mio. Eu­ro. In die Gips­plat­ten ist ei­ne wel­len­för­mi­ge Struk­tur hin­ein­ge­fräst: Die­se so­ge­nann­te „Wei­ße Haut“re­flek­tiert den Schall mög­lichst gleich­mä­ßig in ver­schie­de­ne Rich­tun­gen. Die Form je­der Gips­plat­te wur­de mit­tels Com­pu­ter be­rech­net. Maß­geb­lich hat dar­an der Ar­chi­tekt und In­for­ma­ti­ker Ben­ja­min Sa­mu­el Ko­ren ge­ar­bei­tet, der auch selbst Pia­nist ist. Das be­rech­ne­te Mus­ter auf der Wand­ober­flä­che wie­der­holt sich nun an kei­ner Stel­le. Ne­ben der Akus­tik sorgt die „Wei­ße Haut“auch für ei­nen spek­ta­ku­lä­ren op­ti­schen Ein­druck. Im Klei­nen Saal der Elb­phil­har­mo­nie hat man üb­ri­gens 3D-ge­fräs­te

»Die Re­fle­xio­nen sind so gleich­mä­ßig ver­teilt, dass auch bei Tran­si­en­ten kei­ne Ein­zel­re­fle­xio­nen hör­bar sind. Die Akus­tik im Saal bie­tet ei­ne un­glaub­li­che De­tail­treue und Trans­pa­renz.«

Gro­ßer Saal der Elb­phil­har­mo­nie

Holz­pa­nee­le aus 70 × 70 Kant­höl­zern aus eu­ro­päi­scher Ei­che mon­tiert, auch die Tü­ren sind so ver­klei­det. Die De­cke ist mit Ab­sorp­ti­ons­pa­nee­len (Pho­nestop) drei­la­gig aus­ge­führt. Im Be­reich des Cat­walks, den es rund um den Saal gibt, kom­men wie­der Plat­ten mit 3D-ge­fräs­ten Holz­pa­nee­len zum Ein­satz. Für die Ab­de­ckung der Te­le­skop­büh­ne wer­den ge­loch­te Mul­ti­plex­plat­ten mit Ei­chen­dick­schicht­fur­nier ein­ge­setzt.

Die Ober­sei­te des run­den, von in­nen be­leuch­te­ten Re­flek­tors in der Mit­te der De­cke des Gro­ßen Saals da­ge­gen be­steht aus Glas­fa­ser­ge­we­be. Auch die Be­stuh­lung hat ei­nen Ein­fluss auf die Akus­tik, sie wur­de nach Vor­ga­ben der Ar­chi­tek­ten und des Akus­ti­kers von dem nord­ita­lie­ni­schen Un­ter­neh­men Pol­tro­na Frau ge­fer­tigt. Auch die­ser ge­pols­ter­te Sitz sorg­te im Vor­feld für Fu­ro­re, denn pro Stück soll er 1.000 Eu­ro ge­kos­tet ha­ben: Der klapp­ba­re Sitz ver­fügt über ei­ne re­la­tiv ho­he Di­cke; hoch­ge­klappt ver­deckt er zu ca. zwei Drit­teln den Stuhl und er­zeugt in die­ser Po­si­ti­on ei­ne ähn­li­che Schall­ab­sorp­ti­on wie ein sit­zen­der Be­su­cher.

Nach den gan­zen Vor­be­hal­ten: Wie klingt’s?

Wir konn­ten uns wäh­rend ei­ni­ger Pro­ben und ei­nes Kon­zerts ei­nen Ein­druck von der Akus­tik des Gro­ßen Saals in der Elb­phil­har­mo­nie ma­chen: Zu­nächst ein­mal ist auf­fäl­lig, dass der Klang­un­ter­schied zwi­schen ei­nem lee­ren und mit Be­su­chern ge­füll­ten Saal un­ge­wöhn­lich ge­ring aus­fällt. Dies liegt si­cher­lich zu ei­nem gro­ßen Teil an der Be­schaf­fen­heit der Stühle mit den sehr di­cken Sitz­pols­tern. Das bie­tet na­tür­lich für Orches­ter­pro­ben ei­nen Vor­teil. Sub­jek­tiv emp­fan­den wir den Saal so, als wür­de die Nach­hall­zeit so­gar un­ter den an­ge­ge­be­nen 2,4 Se­kun­den lie­gen: Al­les ist sehr kon­kret und die akus­ti­sche Or­tung ist ex­trem gut, selbst in den obers­ten Rän­gen, was im We­sent­li­chen der Kom­pakt­heit des Saals zu­zu­schrei­ben ist. Die Re­fle­xio­nen sind so gleich­mä­ßig ver­teilt, dass auch bei Tran­si­en­ten kei­ne Ein­zel­re­fle­xio­nen hör­bar sind. Die Akus­tik im Saal bie­tet ei­ne un­glaub­li­che De­tail­treue und Trans­pa­renz. So hört man an­de­rer­seits na­tür­lich auch den kleins­ten Feh­ler, auch mal den Fuß­tritt des Di­ri­gen­ten am Pult, den Takt­stock oder die üb­li­che Hüs­te­lei. Das ist viel­leicht nicht nur un­ge­wohnt, vor al­lem ist es für die Mu­si­ker – ins­be­son­de­re auch Gast­mu­si­ker – ei­ne Her­aus­for­de­rung, und da­mit auch für das Auf­neh­men von Kon­zert­ver­an­stal­tun­gen im Gro­ßen Saal. Die per­sön­li­che Mei­nung des Au­tors: Yas­u­hi­sa To­yo­ta hat mit sei­nem Kon­zept ins Schwar­ze ge­trof­fen, denn die Akus­tik im Gro­ßen Saal ist ide­al für das Re­per­toire der Elb­phil­har­mo­nie mit ei­nem ho­hen An­teil von neu­er bzw. zeit­ge­nös­si­scher Mu­sik, und auch die Events mit Be­schal­lung soll­ten von der Raum­akus­tik pro­fi­tie­ren.

Kann man die Elb­phil­har­mo­nie jetzt zu den zehn bes­ten Kon­zert­sä­len zäh­len? Wir den­ken schon. Was bei den gan­zen Dis­kus­sio­nen ja oft ver­ges­sen wird: Dass man die akus­ti­sche Beur­tei­lung mo­der­ner Kon­zert­sä­le häu­fig „rück­bli­ckend“mit der Akus­tik klas­si­scher „Schuh­kar­ton-sä­le“(wie im Wie­ner Mu­sik­ver­ein oder dem Con­cert­ge­bouw in Ams­ter­dam) ver­gleicht. Zu de­nen gibt es Stu­di­en (z. B. von Juk­ka Pä­ty­nen, fin­ni­sche Aal­to-uni­ver­si­tät), dass ih­re bis­he­ri­ge Saal­geo­me­trie von vie­len Zu­hö­rern we­gen ih­res dy­na­mi­schen Ver­hal­tens ge­schätzt wer­de. Da­mit ver­passt man aber ei­ne Chan­ce und ver­sperrt sich der Evo­lu­ti­on in der Saa­la­kus­tik: Na­tür­lich ist die Elb­phil­har­mo­nie akus­tisch nicht mit dem Con­cert­ge­bouw in Ams­ter­dam zu ver­glei­chen, wel­ches 1888 er­baut wur­de. Aber das muss sie auch nicht, denn im Gro­ßen Saal der Elb­phil­har­mo­nie wur­de ein mo­der­nes akus­ti­sches Kon­zept um­ge­setzt, wel­ches den heu­ti­gen An­for­de­run­gen ei­nes Saals mit ei­ner ge­bo­te­nen Fle­xi­bi­li­tät ge­recht wird.

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Vie­le hun­dert Ge­win­de­stan­gen für die Ver­bin­dung des Dachs mit dem Cat­walk

Cat­walk über dem Gro­ßen Saal (noch wäh­rend der Bau­pha­se)

28 Mi­kro­fon­win­den über dem Gro­ßen Saal

Klei­ner Saal Blick von oben auf den um­lau­fen­den Cat­walk von der Re­gie aus

Re­flek­tor in der Bau­pha­se mit Öff­nun­gen für die Win­den­sei­le

Die „Wei­ße Haut“im Gro­ßen Saal sorgt über die sich nicht wie­der­ho­len­de Ober­flä­chen­struk­tur für ei­ne gleich­mä­ßi­ge Re­fle­xi­on

Kei­ne fes­te Be­schal­lung im Gro­ßen Saal, die Be­schal­lung wird je nach ge­stell­ter An­for­de­rung an­ge­mie­tet

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