Vi­deo­tech­nik beim Pa­roo­ka­vil­le Fes­ti­val 2017

750 m2 Led-flä­che, 80.000 Be­su­cher, 200 DJS, zehn Büh­nen und 101 St­un­den Show auf ei­nem 150.000 Qua­drat­me­ter gro­ßen Fes­ti­val­ge­län­de – so lau­ten die Eck­da­ten der drit­ten Aus­ga­be des größ­ten Dan­ce-fes­ti­vals in Deutsch­land.

Production Partner - - Inhalt - Text: Har­ry He­cken­dorf | Bil­der: Har­ry He­cken­dorf, sie­he Ein­zel­nach­wei­se

Die Er­folgs­ge­schich­te der preis­ge­krön­ten Par­ty-stadt auf dem Ge­län­de des ehe­ma­li­gen Mi­li­tär­flug­ha­fens der Roy­al Air Force am Air­port Wee­ze – na­he der nie­der­län­di­schen Gren­ze – ging un­ge­bremst wei­ter: Nach zwei aus­ver­kauf­ten Fes­ti­vals (mit 25.000 Be­su­chern im Pre­mie­ren­jahr 2015 und ver­dop­pel­ten 50.000 ver­kauf­ten Ti­ckets in 2016) hat Pa­roo­ka­vil­le in die­sem Jahr den bis­her größ­ten Wachs­tums­schritt ge­nom­men und 80.000 Fes­ti­val-be­su­cher an­ge­lockt. Al­len An­ge­reis­ten wur­de ei­ne atem­be­rau­ben­de 110 m brei­te Ma­ins­ta­ge prä­sen­tiert, die – zu­sätz­lich zu der be­ein­dru­cken­den Haupt­büh­ne des Vor­jah­res – auf ei­nem ei­gens da­für er­schlos­se­nen Ge­län­de er­rich­tet wor­den war. Klei­ne­re Büh­nen (u. a. in al­ten Flug­zeug­han­gars) und vie­le äu­ßerst lie­be­voll und stil­si­cher ein­ge­rich­te­te Area­le sorg­ten bei Tag und Nacht für die ein­zig­ar­ti­ge Pa­roo­ka­vil­le-at­mo­sphä­re.

Als Ge­ne­ral­dienst­leis­ter die­ser „Mad­ness-ci­ty“fun­gier­te er­neut die Pool Group, die ne­ben den bei­den Ma­ins­ta­ges auch die Cloud Fac­to­ry und den Cen­ter Shel­ter rea­li­sier­te. Als tech­ni­sches Pla­nungs­bü­ro war das Un­ter­neh­men für die Kon­zep­ti­on und Um­set­zung des Me­di­en- und Licht­de­signs in Ab­stim­mung mit dem Büh­nen­kon­zept, die Con­tent-er­stel­lung so­wie ein er­folg­rei­ches Show­con­trol & Ce­re­mo­ny ver­ant­wort­lich. „Auf­grund des noch aus­ge­feil­te­ren Event-sto­ry-

tel­lings fiel die Gestal­tung und Il­lu­mi­na­ti­on des Am­bi­en­tes rund um die Büh­nen in die­sem Jahr noch stär­ker ins Ge­wicht“, er­läu­tert Ro­bert Som­mer von der Pool Group ei­nen wich­ti­gen Teil der Auf­ga­ben­stel­lung.

Auch auf der Ma­ins­ta­ge hat­te sich de­sign­tech­nisch ei­ni­ges ge­tan: Im Ge­gen­satz zum letz­ten Jahr ka­men hier di­ver­se Led-flä­chen zum Ein­satz, die im Zu­sam­men­spiel mit dem rea­len De­kor mehr Raum für Va­ria­ti­on ga­ben. „Mit auf den Ku­lis­sen­bau ab­ge­stimm­ten drei­di­men­sio­na­len Vi­deo­in­hal­ten er­reich­ten wir so ei­ne räum­li­che Tie­fe, die man mit ei­nem rea­lis­ti­schen De­ko­bau nur schwer und sehr auf­wen­dig hät­te rea­li­sie­ren kön­nen“, be­schreibt Som­mer. „Des Wei­te­ren setz­ten wir in die­sem Jahr den Fo­kus auf die Ver­net­zung der ein­zel­nen Me­di­en.“So sei­en zum Bei­spiel Vi­deo­in­hal­te durch Licht­ef­fek­te in ih­rer Wir­kung ver­stärkt wor­den.

Vi­deo­tech­nik

Ins­ge­samt 500 m2 Led-flä­che ver­teilt auf stol­ze 23 Screens wur­den auf der Ma­ins­ta­ge A des dies­jäh­ri­gen Pa­roo­ka­vil­le Fes­ti­vals ver­baut. Die­se wur­den ge­schickt – fast möch­te man sa­gen or­ga­nisch – in das Büh­nen­bild ein­ge­bun­den und fun­gier­ten mit­un­ter als rie­si­ge oder auch nur klei­ne Fens­ter in die­ser als Büh­ne ge­tarn­ten Steam Punk Fac­to­ry. Auf der Ma­ins­ta­ge B, die eben­falls in die­sem phan­ta­sie­vol­len De­sign an­ge­legt war, bil­de­ten rund 250 m2 ver­teilt auf fünf Bild­flä­chen im­mer noch aus­rei­chend Dis­play-flä­che für ge­konnt prä­sen­tier­ten Vi­deo-con­tent. Deut­lich klei­ner wur­de die Ar­beit der VJS an zwei Vi­deo­wän­den an der Büh­ne des Haupt­han­gars prä­sen­tiert: Hier wa­ren 2 × 20 m2 Led-flä­che ver­baut wor­den. Auf al­len drei Büh­nen wur­de aus­schließ­lich Ma­te­ri­al mit ei­nem Pi­xel­pitch von 10 mm ein­ge­setzt, um dem hoch­auf­lö­sen­den Con­tent der VJS ge­recht zu wer­den. Je­der Foh-platz ver­füg­te über meh­re­re grand­ma VPUS. Bei­de Haupt­büh­nen wa­ren je­weils mit ei­ner Bar­co e2 aus­ge­stat­tet. Die DJS oder de­ren VJS hat­ten den Ope­ra­to­ren im Vor­feld ins­ge­samt meh­re­re Te­ra­byte an Da­ten zu­kom­men las­sen. Man­che DJS lie­fer­ten kon­kre­te Vor­stel­lun­gen, wie und wann

die Vi­de­os ein­zu­set­zen sei­en, an­de­re ver­lie­ßen sich voll und ganz auf die Er­fah­rung und den Ge­schmack der lo­ka­len Ope­ra­to­ren oder be­auf­trag­ten ei­ge­ne VJS.

Zu­sätz­lich zu den (reich­lich vor­han­de­nen) Con­tent-ein­spie­lun­gen wur­den Ka­me­ra­bil­der von ei­ner Li­ve-re­gie pro­du­ziert und ent­spre­chend ein­ge­bun­den. Op­ti­sche An­rei­ze über der­ar­tig bein­dru­cken­den Vi­deo-con­tent auf ei­ner Viel­zahl ver­schie­dens­ter Vi­de­o­flä­chen zu bie­ten, er­scheint sinn­voll, wenn nicht so­gar not­wen­dig, da sich die Büh­nen­ak­ti­vi­tä­ten der je­wei­li­gen DJS auf die – nicht im­mer un­be­dingt ab­wechs­lungs­rei­chen – Mo­ves von zwei Ar­men und zehn Fin­gern be­schrän­ken.

Die bei­den Foh-plät­ze la­gen rund ein­hun­dert Me­ter von den je­wei­li­gen Haupt­büh­nen ent­fernt. Von dort aus ver­sorg­ten meh­re­re Vpu-me­di­en­ser­ver die Vi­deo­wän­de der Ma­ins­ta­ge A über sechs Dvi-feeds. Die Ma­ins­ta­ge B kam für fünf Vi­de­o­flä­chen mit zwei und der Main Han­gar mit ei­nem DVIFEED aus.

Erst die De­ko – dann die Tech­nik

Ei­ne der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen des Auf­baus be­stand dar­in, dass auf bei­den Ma­ins­ta­ges die auf­wen­di­gen Auf­bau240

ten der Büh­nen­de­ko­ra­tio­nen be­reits voll­endet wa­ren, als die Led-wän­de ein­ge­baut wer­den konn­ten. Die­ser zeit­li­che Ablauf war un­ver­meid­bar, da der Auf­bau der im­po­san­ten Büh­nen­ele­men­te al­lein schon über zwei Wo­chen in An­spruch nahm. Für die Tech­ni­ker galt al­so, die teils gi­gan­ti­schen Led­flä­chen in das be­reits fer­ti­ge Büh­nen­bild zu in­te­grie­ren. Die meis­ten Ein­bau­ten der Vi­deo­tech­nik muss­ten da­her al­so in auf­wän­di­ger Hand­ar­beit ver­rich­tet wer­den – par­al­lel auf drei Cher­ry Pi­ckern. Der Ein­satz von Krä­nen und an­de­ren He­be­werk­zeu­gen war auf­grund der auf­wän­di­gen und de­tailfreu­di­gen De­ko­ra­ti­on schlicht ein­fach nicht mehr mög­lich.

Der an­de­re Weg wä­re ge­we­sen, al­le Vi­deo­wän­de be­reits drei Wo­chen vor dem Fes­ti­val vor Ort an­lie­fern zu las­sen. Da­her ent­schied man sich für die Va­ri­an­te, die Tech­nik erst nach der De­ko ein­zu­bau­en und da­für mehr Per­so­nal ein­zu­set­zen. Wie sich ge­zeigt hat, war es die rich­ti­ge Ent­schei­dung, denn der Zeit­plan wur­de per­fekt ein­ge­hal­ten – die Vi­deo­tech­nik war so­gar schon vor­zei­tig spiel­be­reit.

Licht­de­sign

Für das be­ein­dru­cken­de Licht- und Büh­nen­de­sign zeich­ne­te Ro­bert Som­mer ver­ant­wort­lich. Bei der Pla­nung und Aus­füh­rung konn­te auch er sich auf ein hand­ver­le­se­nes Team von er­fah­re­ne­ren Pool-spe­zia­lis­ten ver­las­sen: Mit Ni­co Dü­sing stand ein er­fah­re­ner Pro­jekt­lei­ter an sei­ner Sei­te und da­mit im tech­ni­schen Zen­trum des Fes­ti­vals. Mar­kus Tho­me war für das Licht­ge­werk ver­ant­wort­lich und Lu­kas Stell­ma­cher lei­te­te die Au­dio­tech­nik. Die Vi­deo- und Led-tech­nik ko­or­di­nier­te Andre­as Wel­ler.

Die Ma­ins­ta­ge-b war im Vor­jahr noch die Haupt­büh­ne

Hand­ar­beit Die Led-wän­de und Vi­deo­tech­nik muss­ten nach­träg­lich in die be­ste­hen­de De­ko­ra­ti­on der Büh­ne in­te­griert wer­den

Meh­re­re VPU und ei­ne Bar­co e2 als „Vi­deo­zen­tra­le“je­weils für A- und B-main Sta­ge

Led-vi­deo­steue­rung der Haupt­büh­ne, kom­pakt auf engs­tem Raum

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