DPA d:vo­te CO­RE 4099

Egal, ob im Stu­dio, auf der Büh­ne oder im Orches­ter­gra­ben: Platz ist in der Re­gel ein kost­ba­res Gut – al­so wo­hin mit all den Mi­kro­fo­nen? Und vor al­len Din­gen mit den klo­bi­gen Mi­kro­fon­sta­ti­ven? Sich op­tisch un­auf­fäl­lig ver­hal­ten und top klin­gen soll das Ga

Production Partner - - Inhalt - Text: Tho­mas Zahn | Fo­tos: Tom Schä­fer (3), Tho­mas Zahn (5)

Klei­ne Mi­kro­fo­ne sind ei­ne der Spe­zia­li­tä­ten von DPA. In der Co­re-ver­si­on, die wir an di­ver­sen In­stru­men­ten tes­te­ten, ver­spricht DPA be­son­de­re Trans­pa­renz

DPA hat sich be­reits vor Jah­ren auf­ge­macht, den An­sprü­chen an bes­ten Sound und in klei­ner Bau­form ge­recht zu wer­den: Ei­ner­seits stellt DPA eben­so kom­pak­te wie leicht­ge­wich­ti­ge Mi­kro­fo­ne her. An­de­rer­seits wis­sen die zu­stän­di­gen Ent­wick­ler auch, dass es da­mit al­lei­ne nicht ge­tan ist, son­dern dass es viel­mehr ei­ne gan­ze Rei­he durch­dach­ter und prag­ma­ti­scher Hal­te­run­gen für prak­tisch je­des er­denk­li­che In­stru­ment braucht, um die Mi­kro­fo­ne auch wirk­lich sinn­voll ein­set­zen zu kön­nen und auf die läs­ti­gen und platz­ein­neh­men­den Mi­kro­fon­stän­der ver­zich­ten zu kön­nen. Das neue Co­re-up­date soll zu­dem ei­nen wei­te­ren Schub in Rich­tung bes­ter Trans­pa­renz bie­ten.

Clip-mi­kro­fon: Si­ze mat­ters

Zum Test lag uns ein ab­ge­stimm­tes Paar der d:vo­te CO­RE 4099 vor. Für die Auf­nah­men stan­den uns ne­ben dem ge­match­ten Paar der d:vo­te Co­re 4099 Mi­kro­fo­ne fle­xi­ble

Schwa­nen­häl­se für je­des Mi­kro­fon zur Ver­fü­gung, Ad­ap­ter von Mi­cro-dot auf XLR in­klu­si­ve ent­spre­chen­der Kabel (die­ser Ad­ap­ter dient gleich­zei­tig auch als Phan­tom­spei­se­ad­ap­ter) so­wie zwei ma­gne­ti­sche Mi­kro­fon­hal­ter zum schnel­len, si­che­ren und un­auf­fäl­li­gen An­brin­gen der Mi­kro­fo­ne am Kla­vier­rah­men. Auf die Ad­ap­ter Mi­cro-dot auf XLR kann man selbst­ver­ständ­lich ver­zich­ten, falls man die Mi­kros an ei­nem Sen­der be­trei­ben möch­te – DPA un­ter­stützt zahl­rei­che Ty­pen der un­ter­schied­lichs­ten Her­stel­ler.

Auch die tech­ni­schen Da­ten las­sen vor dem ers­ten Ein­satz auf je­den Fall auf­hor­chen: der Grenz­schall­druck­pe­gel be­trägt laut Da­ten­blatt sat­te 142 db, der Dy­na­mik­um­fang klingt mit 100 db erst ein­mal be­ein­dru­ckend! Bei­de Wer­te las­sen grund­sätz­lich er­war­ten, dass so­wohl Pia­nis­si­mo- als auch For­tis­si­mo-pas­sa­gen ei­ner Kom­po­si­ti­on von den Mi­kro­fo­nen gut ver­ar­bei­tet wer­den soll­ten. Ein Fre­quenz­gang von 20 Hz bis 20 khz, ein nied­ri­ges Ei­gen­rau­schen so­wie ge­rin­ge Ver­zer­run­gen las­sen eben­falls auf gu­te Er­geb­nis­se schlie­ßen. Ins­ge­samt wir­ken die Mi­kro­fo­ne und das ge­lie­fer­te Zu­be­hör sehr gut und ro­bust ver­ar­bei­tet, wenn­gleich man auf­grund der fi­li­gra­nen Kon­struk­ti­on et­was mehr Sorg­falt und Vor­sicht wal­ten las­sen soll­te als bei manch ei­nem ver­meint­li­chen „In­dus­trie­stan­dard“.

Re­cor­ding­pra­xis Co­re 4099

Zum Test der Mi­kro­fo­ne stand uns ein St­ein­way-flü­gel B-211 zur Ver­fü­gung. Häu­fig wird die­ser als „der per­fek­te Flü­gel“be­zeich­net. Und ob­wohl das na­tür­lich Mar­ke­ting-talk ist, han­delt es sich auf je­den Fall um ein sehr hoch­wer­ti­ges und nu­an­cen­rei­ches In­stru­ment, das auf­grund sei­ner rei­chen Ska­la an Klang­far­ben und sei­nes le­ben­di­gen Tons bes­tens für Stu­di­os und mitt­le­re Ver­an­stal­tungs­räu­me ge­eig­net ist – ei­ne an­spruchs­vol­le Auf­ga­be für je­des Mi­kro­fon.

Das Zu­sam­men­set­zen der ein­zel­nen Kom­po­nen­ten des ge­match­ten Mi­kro­fon­paa­res er­weist sich als voll­kom­men pro­blem­los und auch die An­brin­gung der Mi­kro­fo­ne am In­stru­ment selbst ge­stal­te­te sich ab­so­lut schmerz­frei: Die ma­gne­ti­schen Hal­ter las­sen sich an je­der be­lie­bi­gen Stel­le des Kla­vier­rah­mens si­cher und sta­bil an­brin­gen und ver­än­dern auch wäh­rend des Spie­lens ih­re Po­si­ti­on nicht. In­ner­halb von deut­lich we­ni­ger als fünf Mi­nu­ten ist man be­reit für den Sound­check.

Die Richt­cha­rak­te­ris­tik der Test­kan­di­da­ten wirkt als Su­per­nie­re. Das ist zwar ei­ner­seits ei­ne fei­ne Sa­che, wenn es um die Ver­mei­dung von Feed­back geht, an­de­rer­seits soll­te man bei der Po­si­tio­nie­rung der Mi­kro­fo­ne stets den bei die­ser spe­zi­el­len Richt­cha­rak­te­ris­tik bau­art­be­dingt recht aus­ge­präg­ten Nah­be­spre­chungs­ef­fekt be­den­ken. Ei­nes schon ein­mal an die­ser Stel­le vor­weg: Ein Nach­teil stark ge­rich­te­ter Mi­kro­fo­ne ist häu­fig ei­ne aus­ge­präg­te (und meist un­er­wünsch­te) Fär­bung des Off-axis-sounds, d. h. seit­lich ein­tref­fen­der Schall wird nor­ma­ler­wei­se recht stark und we­nig vor­teil­haft „ein­ge­färbt“. DPA nimmt nun in An­spruch, dass die ver­wen­de­te fir­men­ei­ge­ne Co­re-tech­no­lo­gie nicht nur

»Die An­brin­gung am Flü­gel ver­lief pro­blem­los und schnell – der Sound­check konn­te nach deut­lich we­ni­ger als fünf Mi­nu­ten be­gin­nen.«

Tho­mas Zahn

das Ei­gen­rau­schen und Ver­zer­run­gen ver­min­dert, son­dern auch hilft, die­se Fär­bung zu ver­hin­dern. Und so­weit wir dies bei un­se­ren Tests hö­ren konn­ten, ist das wei­test­ge­hend auch tat­säch­lich der Fall. Nur ein klei­ner Wer­muts­trop­fen soll hier nicht ver­schwie­gen wer­den: Die ma­gne­ti­schen Hal­te­run­gen er­fül­len ih­re Auf­ga­be zwar an­stands­los, wir hät­ten uns für man­che An­wen­dung je­doch ge­wünscht, die Mi­kro­fo­ne et­wa am ge­öff­ne­ten Kla­vier­de­ckel an­brin­gen zu kön­nen; lei­der steht hier­für im sonst sehr um­fang­rei­chen Sor­ti­ment an Mi­kro­fon­hal­tern kein ge­eig­ne­ter Kan­di­dat zur Ver­fü­gung. Wie wä­re es, lie­be Dpa-ent­wick­ler, mit ei­nem Mi­kro­fon­hal­ter mit Saug­napf?

Der 4099-Klang am Kla­vier

Wer schon ein­mal ei­nen Flü­gel mi­kro­fo­niert hat, wird auch bei der Ar­beit mit den Dpa-mi­kro­fo­nen kei­ner­lei Schwie­rig­kei­ten ha­ben. Und an­sons­ten gilt: Er­fah­rung und ge­sun­der Men­schen­ver­stand hel­fen auch hier wei­ter. Wir ha­ben die Mi­kro­fo­ne an den un­ter­schied­lichs­ten Po­si­tio­nen aus­pro­biert und er­hiel­ten prak­tisch im­mer sehr gu­te Er­geb­nis­se, wo­bei uns ei­ne Po­si­ti­on in der Nä­he der Kla­vier­ham­mer am meis­ten über­zeu­gen konn­te.

Das ge­lie­fer­te Klang­bild ist stets sehr of­fen und trans­pa­rent und steht gleich­zei­tig auf ei­nem so­li­den (Bass-) Fun­da­ment, die Mit­ten sind ak­zen­tu­iert oh­ne über­be­tont zu sein und ins­ge­samt wirkt der wie­der­ge­ge­be­ne Klang sehr aus­ge­wo­gen und na­tür­lich, sehr na­he am un­ver­stärk­ten In­stru­men­ten­klang. Auch die Ste­reo­wie­der­ga­be ist sehr schön. Hier klingt nichts ar­ti­fi­zi­ell auf­ge­bla­sen oder ge­schönt. Ar­peg­gi­en kom­men sehr schön per­lend und auch in den höchs­ten La­gen pri­ma auf­ge­löst und oh­ne in den Oh­ren zu schmer­zen. Gleich­zei­tig wird auch das Spiel der lin­ken Hand sehr straff und gut be­tont wie­der­ge­ge­ben – ob hier nicht doch der Nah­be­spre­chungs­ef­fekt vor­teil­haft ge­nutzt wird?

Die Dy­na­mik des Spiels wird ins­ge­samt sehr schön wie­der­ge­ge­ben, so­wohl Pia­nis­si­mo- als auch For­tis­si­mo-pas­sa­gen (und na­tür­lich al­les da­zwi­schen) gibt das Ste­reo­paar sehr selbst­be­wusst wie­der und auch hin­sicht­lich Ei­gen­rau­schen und Ver­zer­rung kann man den Mi­kro­fo­nen Best­no­ten aus­stel­len. Ei­gen­rau­schen ist zu kei­nem Zeit­punkt wahr­zu­neh­men und auch Ver­zer­run­gen tra­ten nicht auf – bei­des sehr wich­tig für ei­ne na­tur­ge­treue Wie­der­ga­be der Dy­na­mik des Spiels. Wer es nicht schafft, mit die­sen Mi­kro­fo­nen ei­nen sehr gu­ten Kla­vier­klang hin­zu­be­kom­men, ist wohl selbst schuld.

Sehr schön auch, wie die Mi­kro­fo­ne auf Equa­li­zer, Kom­pres­so­ren oder Hall­ge­rä­te re­agie­ren – näm­lich sehr gut­mü­tig. Ei­ner ef­fek­ti­ven Nach­be­ar­bei­tung steht nichts im We­ge, der von den Mi­kro­fo­nen ge­lie­fer­te Klang kann sehr ge­zielt und ak­ku­rat be­ar­bei­tet wer­den.

DPA 4099 an Gi­tar­ren – und Amps

Wäh­rend der Test­pha­se stand uns un­ter an­de­rem auch ei­ne Gi­tar­re zur Ver­fü­gung: die Weis­sen­born Lap Steel ist ein In­stru­ment, bei dem nicht nur der Kor­pus hohl ist (wie das bei akus­ti­schen Gi­tar­ren nun ein­mal der Fall ist), son­dern auch der Hals, denn Kor­pus und Hals bil­den im Ge­sam­ten ei­nen Re­so­nanz­kör­per. Der re­sul­tie­ren­de Klang ist ex­trem fa­cet­ten­reich und ver­fügt über ei­ne äu­ßerst kom­ple­xe Ober­ton­struk­tur, der dy­na­mi­sche Um­fang reicht von sehr zart bis ver­gleichs­wei­se laut; ein In­stru­ment, an dem schon zahl­rei­che Mi­kro­fo­ne ge­schei­tert sind.

Für un­se­re Zwe­cke brach­ten wir ein Mi­kro­fon so an, dass es das In­stru­ment ca. am 12. Bund ab­nahm, das an­de­re Mi­kro­fon rich­te­ten wir auf die Brü­cke aus. Dank der spe­zi­el­len Dpa-hal­te­rung für Gi­tar­ren lie­ßen sich die Mi­kro­fo­ne pro­blem­los und nicht-in­va­siv am In­stru­men­ten­kor­pus be­fes­ti­gen. Der Klang, den die Dpa-mi­kro­fo­ne lie­fer­ten, wuss­te in je­der Po­si­ti­on zu über­zeu­gen, aber ins­be­son­de­re bei­de Mi­kro­fo­ne im Zu­sam­men­spiel. Der kom­ple­xe Klang der Weis­sen­born wur­de je­der­zeit sehr nu­an­ciert wie­der­ge­ge­ben, kei­ne Fa­cet­te des Klang­ge­sche­hens wur­de un­ter­schla­gen. Wenn­gleich auch hier wie­der au!el, dass die Wie­der­ga­be in den Bäs­sen mög­li­cher­wei­se et­was „lar­ger than li­fe“war, was dem ge­lie­fer­ten Er­geb­nis je­doch durch­aus zu­gu­te kam – sehr schön!

Nach den an der Weis­sen­born er­ziel­ten Er­geb­nis­sen wa­ren wir zu­ver­sicht­lich, dass die Mi­kros auch an ei­ner kon­ven­tio­nel­len Akus­tik­gi­tar­re klag­los ih­ren Di­enst ver­rich­ten und die ge­wünsch­ten Er­geb­nis­se lie­fern wür­den – und so war es denn auch. So­wohl in der Steg- als auch in der Hals­po­si­ti­on konn­ten wir die ge­wünsch­ten Er­geb­nis­se oh­ne Um­stän­de er­zie­len. Ein klei­ner po­si­ti­ver Ne­ben­ef­fekt an der akus­ti­schen Gi­tar­re: Wie ja all­ge­mein be­kannt ist, neigt der ge-

mei­ne Akus­tik­gi­tar­rist ger­ne da­zu, sich auch selbst wäh­rend des Spiels ge­sang­lich zu be­glei­ten, was nicht sel­ten da­zu führt, dass im Gi­tar­ren­mi­kro ein un­er­wünscht ho­her An­teil an Ge­sang auf­tritt. Dank der Su­per­nie­ren-richt­cha­rak­te­ris­tik lässt sich die­ser zu­meist un­er­wünsch­te Ne­ben­ef­fekt bei ge­schick­ter Mi­kro­fon­plat­zie­rung auf ein ver­tret­ba­res Maß re­du­zie­ren.

Durch die bis­he­ri­gen Er­geb­nis­se er­mu­tigt und durch den ho­hen no­mi­nel­len Grenz­schall­druck her­aus­ge­for­dert, brach­ten wir die Mi­kro­fo­ne nun noch an ei­nem Gi­tar­ren­ver­stär­ker an – DPA sagt ja selbst, dass die Mi­kros ge­ra­de auch im Hin­blick auf ho­he SPLS ent­wi­ckelt wur­den. Mit Hil­fe des Gi­tar­ren­hal­ters konn­ten wir die Mi­kros ein­fach an den Holz­rah­men der Ver­stär­ker klem­men, wo sie auch pro­blem­los ih­re Po­si­ti­on hiel­ten. Der von den Amps ge­lie­fer­te Pe­gel stell­te die Mi­kros kei­nes­falls vor Pro­ble­me und der ge­lie­fer­te Sound wuss­te auch in die­ser An­wen­dung zu je­dem Zeit­punkt zu über­zeu­gen. Sehr schön auf­ge­löst, nu­an­ciert und dy­na­misch wur­de das Spiel wie­der­ge­ge­ben.

Fa­zit

In je­der An­wen­dung konn­ten die Mi­kro­fo­ne sehr schö­ne klang­li­che Er­geb­nis­se lie­fern. Nie wahr­zu­neh­men­des Ei­gen­rau­schen oder Ver­zer­rungs­an­tei­le tun ihr Üb­ri­ges, die­sen po-

»Wer es nicht schafft, mit die­sen Mi­kro­fo­nen ei­nen sehr gu­ten Kla­vier­klang hin­zu­be­kom­men, ist wohl selbst schuld.«

Tho­mas Zahn

si­ti­ven Hör­ein­druck zu be­le­gen. Ein Dy­na­mik­um­fang von 100 db bei ei­nem Grenz­schall­druck von 142 db trägt eben­falls zu den sehr er­freu­li­chen Er­geb­nis­sen bei. Der Stra­ßen­preis für das Ste­reo­set in­klu­si­ve Zu­be­hör liegt der­zeit bei knapp un­ter 1.100 €. Bei die­sem Preis, der ge­lie­fer­ten Qua­li­tät (so­wohl bau­lich als auch klang­lich) und der Viel­sei­tig­keit der Mi­kro­fo­ne soll­te man ei­ne An­schaf­fung in Be­tracht zie­hen – nicht nur, wenn man re­gel­mä­ßig auf be­eng­tem Raum ar­bei­ten muss.

Ma­gne­ti­sche Mi­kro­fon­hal­ter im St­ein­way-flü­gel

Ei­ne der Dpa-stär­ken Sehr um­fang­rei­ches Zu­be­hör

Hals-mi­kro­fon­aus­rich­tung an ei­ner Dre­ad­nought

Bridge-ab­nah­me an ei­ner Dre­ad­nought-gi­tar­re

DPA d:vo­te CO­RE 4099

DPA 4099 am Fen­der Pro Ju­ni­or mit Na­tio­nal New Yor­ker

Mon­ta­ge am Fen­der Band­mas­ter

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