„Woo­dy“Wod­zin­ski: Ver­an­stal­tun­gen sind Team­sport

Kei­ne Ver­an­stal­tung wür­de oh­ne die Men­schen „hin­ter dem Vor­hang“funk­tio­nie­ren. Andre­as Wod­zin­ski ist be­reits sehr lan­ge in der Bran­che tä­tig und ließ Re­dak­teur Ebi Ko­the ei­nen Blick auf sein Le­ben und sei­ne Ar­beits­be­rei­che wer­fen.

Production Partner - - Inhalt - In­ter­view: Ebi Kot­b­hield|er: Ebi Ko­the, Woo­dy Wod­zins?ki pri vat

In Po­si­tio­nen wie Sta­ge­ma­na­ger oder Pro­duk­ti­ons­lei­ter ar­bei­te­te Andre­as „Woo­dy“Wod­zin­ski z. B. für Sarah Con­nor oder He­le­ne Fi­scher, aber auch In­dus­trie­ver­an­stal­tun­gen. Hier gibt er ei­nen Ein­blick in die Tä­tig­keits­fel­der und sich än­dern­de Be­rufs­an­sprü­che

Andre­as Wod­zin­ski, von al­len Woo­dy ge­nannt, wur­de 1965 in der Nä­he von Köln ge­bo­ren und durch­lief zu­nächst ei­nen zu die­ser Zeit klas­si­schen Wer­de­gang: Re­al­schu­le, Fach­ab­itur, hö­he­re Han­dels­schu­le, ab­ge­schlos­se­ne Bank­leh­re, Bank­an­ge­stell­ter. „Nach­dem ich das zwei Jah­re lang ge­macht hat­te, wach­te ich mit An­fang zwan­zig ei­nes Mor­gens auf und er­kann­te, dass es das nicht für mich sein kann. An die­sem Tag ha­be ich noch kom­plett ge­ar­bei­tet, aber noch am glei­chen Abend mei­ne Kün­di­gung ge­schrie­ben und den Job an den Na­gel ge­hängt.“

Wie kamst du nach dei­ner Bank-kar­rie­re zur Ver­an­stal­tungs­tech­nik?

Als Schlag­zeu­ger im­mer schon an Mu­sik in­ter­es­siert, kam mir die Idee, mit zwei Freun­den ei­ne Mu­sik­zei­tung her­aus­zu­ge­ben. Das Kon­zept be­stand dar­in, in mo­nat­li­chen Aus­ga­ben je­weils über vier Bands län­ge­re Bei­trä­ge zu ver­öf­fent­li­chen. Da­bei ging es noch nicht um Tech­nik, son­dern haupt­säch­lich um Kon­zert­be­rich­te – nicht zu­letzt, da man da­mals noch re­la­tiv ein­fach als Re­dak­teur um­sonst in die Kon­zer­te kam. Wenn ich mich recht er­in­ne­re, wa­ren die Acts, über die wir be­rich­te­ten U2, Micha­el Jack­son und Van Ha­len. Lei­der hat­ten wir über­haupt kei­ne Ah­nung, wie man so et­was macht, we­der in Be­zug auf Lay­out noch auf In­hal­te. Wir fan­den den­noch ei­nen Ver­trieb und konn­ten von der ers­ten Aus­ga­be im­mer­hin 30.000 Ex­em­pla­re in zwei Mo­na­ten ver­kau­fen. Die Pro­gno­se für wei­te­re Aus­ga­ben war al­ler­dings un­ter­ir­disch schlecht und so stell­ten wir die­ses Pro­jekt ein. Ei­nes Ta­ges sah ich in ei­ner Köl­ner Ta­ges­zei­tung – so funk­tio­nier­te das da­mals – ei­ne An­zei­ge, dass ei­ne Kon­zert­agen­tur ei­nen Tou­ras­sis­ten­ten such­te. Ich be­warb mich und auf die Fra­ge, wel­che Er­fah­run­gen ich vor­wei­sen kön­ne, sag­te ich: kei­ne, aber ich bin sehr in­ter­es­siert. Ich be­kam den Job und durf­te re­la­tiv schnell Shows in Deutsch­land von Bon­fi­re, ZZ Top und Bon Jo­vi be­glei­ten. Aber auch das hat­te noch nichts mit Tech­nik zu tun. Ein Tou­ras­sis­tent war zu­min­dest da­mals eher Mäd­chen für al­les und Kaf­fee­trä­ger für den Tour­ma­na­ger. Durch die­sen Job kam ich zum ers­ten Mal mit der Ver­an­stal­tungs­tech­nik in Be­rüh­rung und fand das al­les sehr span­nend und in­ter­es­sant, ins­be­son­de­re den Licht­be­reich. Dar­auf­hin such­te ich den Kon­takt zu Tech­ni­kern und Tech­nik­fir­men in Köln und schau­te den Kol­le­gen über die

Schul­ter, um den Be­ruf des Ver­an­stal­tungs­tech­ni­kers zu ler­nen, denn ei­ne Aus­bil­dung gab es da­für noch nicht. Da­bei er­kann­te ich: das ist es – oder könn­te es zu­min­dest sein. Ich lern­te die ers­ten Schrit­te über Dim­mer, Last­ka­bel, Strom und was ei­ne Lam­pe über­haupt so macht – auch wenn das da­mals noch sehr ru­di­men­tär war. Zu der Zeit be­stand ei­ne üb­li­che Frontt­tra­ver­se aus mit­ein­an­der ver­bun­de­nen Git­ter­trä­gern, an de­nen Pars und Pro­fi­ler hin­gen, wäh­rend die gan­ze Kon­struk­ti­on vor der Büh­ne auf zwei Ge­nies stand.

Als selb­stän­di­ger Tech­ni­ker ar­bei­te­te ich für ver­schie­de­ne Köl­ner Fir­men so­wohl im Mu­sik- als auch im In­dus­trie­be­reich. Nach ei­ner Wei­le durf­te ich dann auch ers­te ei­ge­ne Licht­kon­zep­te für Ver­an­stal­tun­gen vor­stel­len. Mit der Kon­zep­ter­stel­lung war da­mals in Per­so­nal­uni­on auch die Um­set­zung vor Ort ver­bun­den – heut­zu­ta­ge wird dies al­ler­dings oft von­ein­an­der ge­trennt. Zu die­ser Zeit ar­bei­te­te ich nicht so viel im Mu­sik­be­reich, son­dern sam­mel­te Er­fah­run­gen bei In­dus­trie-, Mes­se- und Fern­seh­shows wie Bmw-mes­se­stän­den auf der IAA und der Bam­bi Ver­lei­hung. Mit Mit­te bis En­de zwan­zig er­leb­te ich dann öf­ters Si­tua­tio­nen, wo ich mich ge­fragt ha­be: war­um macht der ei­gent­lich den Job, in Be­zug auf Krea­ti­vi­tät und tech­ni­sche Um­set­zung könn­te ich das doch min­des­tens ge­nau­so gut. Was man als jun­ger, dy­na­mi­scher Mensch al­ler­dings oft über­sieht, ist, dass der­je­ni­ge wahr­schein­lich ein ge­wis­ses Maß an Er­fah­rung mit­brach­te und wuss­te was zu tun ist, wenn et­was nicht so funk­tio­niert wie man es sich vor­ge­stellt hat. Aus heu­ti­ger Sicht mit An­fang fünf­zig ver­ste­he ich sehr gut, war­um man da noch nicht dran­ge­las­sen wur­de. Durch mei­ne Ar­beit für die ver­schie­de­nen Ver­an­stal­tungs­tech­nik­fir­men bau­te sich aber Ver­trau­en auf und ich wur­de nach ei­ner Wei­le auch mit der Pro­duk­ti­ons­lei­tung für ein­zel­ne Ver­an­stal­tun­gen be­traut. Die Auf­ga­be be­stand dar­in, da­für zu sor­gen, dass das Equip­ment für Licht, Ton und Rig­ging zu­sam­men­ge­stellt wur­de und al­les in die Trans­port­fahr­zeu­ge kam, auch wenn das zu der Zeit in er­heb­lich klei­ne­rer Grö­ßen­ord­nung als heu­te ge­schah. Da­bei ging es nach Ab­stim­mung mit ei­nem Rig­ger über die Hän­ge­punk­te um Be­leuch­tungs-, Strom- Ka­bel- und Tra­ver­sen­pla­nung. Auch die Ge­wich­te der Be­schal­lungs­an­la­gen wa­ren da­bei zu be­rück­sich­ti­gen.

Ab­stim­mun­gen wa­ren auch mit Agen­tu­ren und Mes­se­bau­ern bei In­dus­trie­ver­an­stal­tun­gen und mit Büh­nen­bau­ern bei Open Air-ver­an­stal­tun­gen not­wen­dig. Na­tür­lich gab es auch da­mals schon ent­spre­chen­de Vor­schrif­ten, aber aus heu­ti­ger Sicht kann man fest­stel­len, dass das al­les et­was la­xer war. Wenn es zum Bei­spiel um ein­zel­ne Tra­ver­sen mit zwei oder drei Hän­ge­punk­ten ging und es im Dach ei­nen Stahl­trä­ger

gab, wur­de die­ser ei­ner „Sicht­prü­fung“un­ter­zo­gen – es wur­de et­was dar­an ge­rüt­telt – und je nach Er­geb­nis ent­schie­den, et­was dran­zu­hän­gen. Heu­te wä­re so et­was oh­ne sta­ti­sche An­ga­ben nicht mehr mach­bar. Es gab den Lehr­be­ruf des Ver­an­stal­tungs­tech­ni­kers noch nicht, al­les war eher le­arning-by-do­ing und es war völ­lig nor­mal, dass Kol­le­gen ei­nem et­was ge­zeigt und er­klärt ha­ben.

Was wa­ren für dich wich­ti­ge Sta­tio­nen dei­ner Tä­tig­keit?

1995 wur­de von ei­ner gro­ßen Köl­ner Ver­an­stal­tungs­tech­nik­fir­ma ein Tech­ni­ker ge­sucht, um die Band Bon Jo­vi für acht bis zehn Shows in Deutsch­land zu be­glei­ten und das Co­lor­mag-farb­wechs­ler­sys­tem zu be­die­nen. Da ich die­ses Sys­tem vor­her be­reits für ei­ge­ne klei­ne­re Pro­jek­te an­ge­mie­tet und mich da­mit aus­ein­an­der­ge­setzt hat­te, be­auf­trag­te man mich mit dem Job. Zur Er­klä­rung der da­ma­li­gen Tech­nik: Es han­del­te sich da­bei um ein me­cha­ni­sches Fo­li­en­rol­len­farb­wechs­ler­sys­tem mit ei­nem ei­ge­nen Sys­tem­steu­er­pult. Auf­grund des ei­ge­nen Steu­er­pro­to­kolls konn­te es zu der Zeit noch nicht in DMX ein­ge­bun­den wer­den und es war üb­lich, die Farb­wechs­ler bei ei­ner Show durch ei­nen zu­sätz­li­chen Tech­ni­ker nach Wunsch des Licht­manns zu be­die­nen. Da­durch sam­mel­te ich ers­te Sta­di­o­ner­fah­run­gen. Ich er­in­ne­re mich noch an die Show im Olym­pia­sta­di­on Mün­chen, als ich die­ses Rie­sen­sta­di­on und die Büh­ne sah und dach­te: das schaffst du nie – aber es hat al­les ge­klappt.

Für die glei­che Tech­nik­fir­ma hat­te ich be­reits 1993 als Be­leuch­ter bei dem Fes­ti­val Rock am Ring ge­ar­bei­tet, die mich ab 1997 mit der Pro­duk­ti­ons­lei­tung für den Be­reich Licht be­auf­trag­te. Seit 2001 wur­de ich di­rekt vom Ver­an­stal­ter des Dop­pel­fes­ti­vals, der Kon­zert­agen­tur Lie­ber­berg, so­wohl für Rock am Ring als auch für Rock im Park ge­bucht. 2003 konn­te der Licht­de­si­gner von Me­tal­li­ca aus per­sön­li­chen Grün­den das Fes­ti­val nicht für die Band be­glei­ten und man bat mich, ein Licht­de­sign für Me­tal­li­ca bei Rock am Ring vor­zu­stel­len. Dies ge­fiel der Band so gut, dass mein De­sign auf

den Open Air-fes­ti­vals in Eu­ro­pa auch in den Fol­ge­jah­ren bis 2005 über­nom­men wur­de und ich bei et­wa 200 Shows für die Band am Licht­pult stand. Durch die Zu­sam­men­ar­beit mit dem Ver­an­stal­ter der Fes­ti­vals Rock am Ring und Rock im Park er­ga­ben sich wei­te­re Pro­duk­tio­nen wie Li­veaid in Ber­lin 2005 und Li­vee­arth Ham­burg, wo ich als Licht­de­si­gner und licht­set­zen­der Ka­me­ra­mann tä­tig war. Bis 2009 ha­be ich fast aus­schließ­lich im Be­reich Be­leuch­tung als De­si­gner und Ope­ra­tor ge­ar­bei­tet – Hog 2 war das Licht­pult mei­ner Wahl. Al­ler­dings stell­te ich fest, dass mir das al­les doch et­was zu ein­sei­tig wur­de und ich fing an, mich wie­der ver­mehrt um Tä­tig­kei­ten im Be­reich Pro­duk­ti­ons­lei­tung zu küm­mern. 2009 er­hielt ich die Chan­ce, die tech­ni­sche Ge­samt­durch­füh­rung ei­nes Open Air-fes­ti­vals bei Dü­ren mit 30.000 Be­su­chern in­klu­si­ve Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren, Flä­chen­pla­nung und Be­treu­ung vor Ort zu über­neh­men. Dies war mei­ne ers­te ei­gen­ver­ant­wort­li­che Kom­plett­pro­duk­ti­on und ich war auch für die tech­ni­sche Kal­ku­la­ti­on so­wie das Bud­get ver­ant­wort­lich. Die Ver­trä­ge mit den tech­ni­schen Di­enst­leis­tern wur­den mit dem Ver­an­stal­ter di­rekt ge­schlos­sen, denn schon da­mals war der Markt stark um­kämpft und mit Tech­nik­ver­mitt­lung al­lein lie­ßen sich kei­ne in­ter­es­san­ten Mar­gen er­rei­chen. Be­rech­net wird da­her die rei­ne Or­ga­ni­sa­ti­ons­leis­tung; da­durch trägt man auch kei­ne mög­li­chen Aus­fall­ri­si­ken. Bei der Kon­zert­agen­tur Lie­ber­berg nahm man mei­ne Tä­tig­kei­ten im Be­reich der Pro­duk­ti­ons­lei­tung wahr und ich wur­de als Pro­duk­ti­ons­as­sis­tenz und Pro­duk­ti­ons­lei-

»Das Ar­gu­ment, dass dann Ver­an­stal­tun­gen nicht mehr wirt­schaft­lich statt­fin­den könn­ten, hal­te ich für Quatsch« Woo­dy zum The­ma Ar­beits­zei­ten und Pau­scha­len-zu­schlä­ge

tung bei ver­schie­de­nen Tour­ne­en ein­ge­setzt. Ein wei­te­rer gro­ßer Schritt für mich er­folg­te En­de 2013, als Sem­mel Con­certs für die kom­men­de Tour­nee „Far­ben­spiel“2014/2015 von He­le­ne Fi­scher ei­nen Sta­ge Ma­na­ger mit ei­nem ho­hen Maß an tech­ni­schem Ver­ständ­nis such­te, da es sich ab­zeich­ne­te, dass die Pro­duk­ti­on groß und kom­plex wer­den wür­de.

Der Pro­duk­ti­ons­lei­ter von He­le­ne Fi­scher ist Alex Speng­ler, der auch gleich­zei­tig der Ton-foh-mann ist und da­her nicht die Zeit hat, sich um al­les zu küm­mern. Of­fen­sicht­lich wur­de ich für den Job emp­foh­len, denn Alex Speng­ler rief mich an, wir tra­fen und be­schnüf­fel­ten uns und be­fan­den es beid­sei­tig für gut. Wir wa­ren uns aber auch ei­nig, dass mein Wunsch nach ei­nem zwei­ten Sta­ge­ma­na­ger rich­tig war. Ge­mein­sam mit mei­nem Kol­le­gen In­go Schön­herr be­kam ich den Job auf der zu die­ser Zeit größ­ten Tour­pro­duk­ti­on.

Was sind dei­ne Auf­ga­ben bei der He­le­ne Fi­scher-pro­duk­ti­on?

Sta­ge-ma­nage­ment ist ein weit­ge­fass­ter Be­griff und je­de Pro­duk­ti­on de­fi­niert die ein­zel­nen Auf­ga­ben­ge­bie­te et­was un­ter­schied­lich. Bei der He­le­ne Fi­scher-pro­duk­ti­on geht es deut­lich über den klas­si­schen Job hin­aus, Roll­ri­ser-be­we­gun­gen auf der Büh­ne zu or­ga­ni­sie­ren. Die Auf­ga­be be­steht hier in der ge­sam­ten Or­ga­ni­sa­ti­on der tech­ni­schen Pro­duk­ti­on, In­for­ma­ti­ons­ein­ho­lung und Zu­sam­men­füh­rung der ein­zel­nen Ge­wer­ke, Ablauf­pla­nung und –ko­or­di­na­ti­on so­wie der Fest­stel­lung der Strom­be­dürf­nis­se. Das Gan­ze muss in ei­nem Plan zu­sam­men­ge­führt wer­den und an der tech­ni­schen Büh­nen­an­wei­sung maß­geb­lich mit­ge­ar­bei­tet wer­den: Be­stel­lun­gen für Hel­fer und Ar­beits­ge­rä­te wie Stap­ler und Stei­ger müs­sen an­ge­fer­tigt so­wie das ge­sam­te Trans­port­vo­lu­men und Rou­ting fest­ge­hal­ten wer­den, um zu er­mit­teln, wie vie­le Trai­ler ge­braucht wer­den – mög­li­cher­wei­se auf ein­zel­nen Stre­cken mit Dop­pel­fah­rern. Na­tür­lich ha­ben die ein­zel­nen Ge­wer­ke be­reits im Vor­feld je­weils für sich über­legt, wie sie ih­re Auf­ga­be op­ti­mal er­le­di­gen kön­nen, aber nun geht es um die Zu­sam­men­füh­rung der ein­zel­nen Über­le­gun­gen. Der kon­ti­nu­ier­li­che Blick auf das Bud­get ist na­tür­lich wich­tig und un­ab­ding­bar, aber es ist auch wich­tig, dass ei­ne Pro­duk­ti­on auf al­len Sei­ten – auch auf Sei­ten der Di­enst­leis­ter – wirt­schaft­lich funk­tio­niert.

Wenn ich mit mei­ner Ar­beit be­gin­ne, sind üb­li­cher­wei­se die Ent­schei­dun­gen über Set- und Show­de­sign weit­ge­hend ge­fal­len. Na­tür­lich han­delt es sich da­bei um krea­ti­ve Pro­zes­se und auch De­tailän­de­run­gen wie bei­spiels­wei­se in Be­zug auf Re­qui­si­ten lau­fen oft bis kurz vor der Rea­li­sa­ti­on wei­ter – oder auch manch­mal dar­über hin­aus – aber die Show als sol­che ist kon­zi­piert und die Bud­gets weit­ge­hend er­stellt. Die Di­men­sio­nen der Hal­len und der ge­plan­ten Pro­duk­ti­ons­auf­bau­ten sind be­kannt und nun müs­sen Ab­stän­de und Flä­chen je­der Hal­le ge­prüft wer­den. Oft ist es bei gro­ßen Pro­duk­tio­nen so, dass die Ti­ckets be­reits ein bis ein­ein­halb Jah­re im Vor­feld an­ge­bo­ten wer­den, zu ei­ner Zeit, in der die Büh­nen­grö­ße und ge­naue Po­si­tio­nie­run­gen noch nicht fest­ste­hen. Bei so be­lieb­ten Künst­lern wie He­le­ne Fi­scher sind die Shows auch sehr schnell aus­ver­kauft, be­vor über­haupt ei­ne Show kon­zi­piert ist. Soll­te es dann mit dem Platz für Büh­ne und Back­s­tage-flä­chen in der Hal­le knapp wer­den, muss mög­li­cher­wei­se die Büh­ne in der Pla­nung et­was in den Raum hin­ein ge­scho­ben wer­den, was na­tür­lich ins­be­son­de­re bei be­stuhl­ten Ver­an­stal­tun­gen ein sen­si­bles The­ma ist. Doch Kon­zert­ver­an­stal­ter, Künst­ler­ma­nage­ment und Künst­ler möch­ten un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Sicht­li­ni­en mög­lichst vie­le Ein­tritts­kar­ten ver­kau­fen. Gleich­zei­tig möch­te man die Zu­schau­er aber auch nicht ver­prel­len, da­her wer­den üb­li­cher­wei­se be­stimm­te Flä­chen oder Sit­ze für den Ver­kauf zu­nächst blo­ckiert und erst frei­ge­ge­ben, wenn klar ist, wel­cher Platz für die Pro­duk­ti­on be­nö­tigt wird.

Zu­nächst ar­bei­te­te ich auf der Hal­len-tour und dann spä­ter auch 2015 auf der Sta­di­on­tour. Die Ko­or­di­na­ti­ons­auf­ga­ben be­stan­den in der Fest­le­gung der tech­ni­schen Flä­chen­nut­zung im Sta­di­on – al­so wo fah­ren die Trucks ein, wo wird Leer­gut ge­la­gert – und in der Pla­nung der Ar­beits­ab­läu­fe – wann be­ginnt Licht, wann Ton, wann soll das Büh­nen­dach hoch­ge­hen. Auf die­ser Tour ha­ben wir uns als Cr­ew ken­nen und schät­zen ge­lernt; ein gro­ßer Vor­teil ist es, dass es kei­ne be­son­de­ren Ego­ma­nen in der Cr­ew gibt. Ver­an­stal­tun­gen sind Team­sport!

Durch den Kon­takt zu Sem­mel Con­certs kam ich dann auch an den Job des Pro­duk­ti­ons­lei­ters als die­se Po­si­ti­on für die Sarah Con­nor „Mut­ter­spra­che“-tour­pro­duk­ti­on ge­sucht wur­de. Bei ei­ner Club­tour und zwei Hal­len­tou­ren 2016 und 2017 über­nahm ich Pro­duk­ti­ons­lei­tung und Sta­ge­ma­nage­ment in Per­so­nal­uni­on. Ei­ne Zu­sam­men­le­gung die­ser Auf­ga­ben ist si­cher­lich nicht die Re­gel, denn wenn der Pro­duk­ti­ons­lei­ter Fei­er­abend hat, muss der Sta­ge­ma­na­ger ran und um­ge­kehrt.

Die­se Tä­tig­kei­ten für He­le­ne Fi­scher, Sarah Con­nor und Rock am Ring/rock im Park ha­ben mich im Grun­de ge­nom­men die

letz­ten Jah­re durch­ge­hend be­schäf­tigt, doch zwischendurch gab es im­mer wie­der Lü­cken, in die et­was rein­pass­te, wie zum Bei­spiel die Tour­nee von Ma­thi­as Schweig­hö­fer 2016 und 2017, die ich als Pro­duk­ti­ons­lei­ter be­glei­te­te.

Wie sieht die Zeit­ach­se ei­ner sol­chen Tour aus?

Die ers­ten drei Mo­na­te mei­nes Jah­res 2017 wa­ren mit Vor­be­rei­tung und Durch­füh­rung von 18 gro­ßen Hal­len­shows mit Sarah Con­nor be­legt. Die He­le­ne Fi­scher-tour be­nö­tig­te auf­grund der Pro­duk­ti­ons­grö­ße ei­ne um­fang­rei­che Vor­pla­nung und im Ju­li be­gan­nen wir in En­g­land mit den tech­ni­schen Pro­ben, die zwei­ein­halb Mo­na­te dau­er­ten. An­schlie­ßend wur­den in Dort­mund und dann noch­mal in Han­no­ver wei­te­re fünf Wo­chen mit vol­lem Set sehr in­ten­siv ge­probt. Die an­schlie­ßen­de Tour star­te­te dann Mit­te Sep­tem­ber ging mit ei­ner Pau­se durch bis März 2018 und spiel­te in Deutsch­land, Ös­ter­reich und der Schweiz.

Die He­le­ne Fi­scher-pro­duk­ti­on war dann so­wohl in Be­zug auf den Auf­bau, als auch auf den Ab­bau durch al­les, was im Dach hing und al­lem was spä­ter als Büh­ne dar­un­ter muss­te, doch so groß, dass im Drei­schicht­be­trieb 32 St­un­den durch­ge­hend auf­ge­baut wer­den muss­te. Im Er­geb­nis sah das für die Zu­schau­er nicht so aus – was ja auch ganz schön ist, wenn die Gäs­te nicht mit Tech­nik op­tisch er­schla­gen wer­den. Die Pro­duk­ti­on stand je­weils ei­ne Wo­che in ei­ner Stadt. Je­weils Mon­tag­mit­tag be­gan­nen wir mit dem Auf­bau, der bis Di­ens­tag am frü­hen Abend ab­ge­schlos­sen sein muss­te, da­mit die Ar­tis­tik Zeit für ih­re Ein­stel­lun­gen auf die je­wei­li­ge Hal­le hat­te und auch der Sound­check noch durch­ge­führt wer­den konn­te. An­schlie­ßend folg­ten Shows Di­ens­tag und Mitt­woch; Don­ners­tag war off, wei­te­re Shows fan­den je­weils Frei­tag, Sams­tag und Sonn­tag statt. Nach der letz­ten Show be­gann der Kom­plett­ab­bau mit an­schlie­ßen­der Rei­se zum nächs­ten Ort. Die­ser Zeit­ab­lauf lief durch­ge­hend über zwei­ein­halb Mo­na­te – das war kräf­te­zeh­rend.

Wel­che be­son­de­ren Her­aus­for­de­run­gen be­stan­den für dich auf der He­le­ne Fi­scher-pro­duk­ti­on?

Es han­del­te sich um ei­ne Mi­schung von Rock’n‘roll- und Akro­ba­tik­show, die von der ka­na­di­schen De­sign- und Pro­duk­ti­ons­fir­ma 45de­grees – dem De­sign De­part­ment des Cir­que du So­leil ge­stal­tet wur­de. Be­reits ein Jahr vor Tour­start ha­ben die Vor­be­rei­tun­gen in Mon­tre­al, Ka­na­da be­gon­nen – un­ter an­de­rem wur­den da­bei auch mit der Künst­le­rin die akro­ba­ti­schen Ein­la­gen ge­probt. Das war schon ab­so­lut in­ter­na­tio­na­ler Maß­stab und braucht sich in Be­zug auf den Auf­wand nicht hin­ter Shows, wie von Ma­don­na oder Pink zu ver­ste­cken.

40 Pro­duk­ti­ons­trai­ler und wei­te­re fünf Rig­ging-ad­van­ce­trai­ler fuh­ren schon in die nächs­te Stadt, wäh­rend wir noch in ei­ner Stadt spiel­ten. Zum je­wei­li­gen Auf­bau­be­ginn mach­ten mei­ne Kol­le­gen und ich mit drei Le­ad­d­ri­vern 12 bis 13 St­un­den nichts an­de­res als Trai­ler aus­zu­la­den. Da­bei ist dar­auf zu ach­ten, dass das Ma­te­ri­al in der Hal­le so po­si­tio­niert wird, dass die an­schlie­ßen­den Ar­beits­pro­zes­se nicht ge­stört wer­den. Die ge­sam­te Hal­le war an­ge­füllt mit Cat­walks und Win­den­sys­te­men, wir hat­ten 304 Mo­to­ren im Dach und ei­ne Dach­last von über 110 Ton­nen; al­lein das Büh­nen­sys­tem be­nö­tig­te 14 Trai­ler.

Zu­sätz­lich hat­ten wir noch manch­mal die un­an­ge­neh­me Si­tua­ti­on, dass un­se­re Dach­las­ten die Ka­pa­zi­tät man­cher Hal­len über­stieg und wir ein zu­sätz­li­ches Gro­und­sup­port auf­bau­en las­sen muss­ten, wel­ches na­tür­lich auch Platz be­nö­tigt. Da muss in Ab­stim­mung mit dem Ad­van­ce-rig­ging­team be­reits im Vor­feld über­legt wer­den, was wo­hin soll. Es gibt Hal­len, in de­nen das, wie z.b. in der West­fa­len­hal­le Dort­mund mit ih­ren Um­gän­gen, gut geht und an­de­re, die sich da­für we­ni­ger gut eig­nen, wie die Hal­le in Han­no­ver, die nur be­grenzt über Sto­r­a­ge­flä­chen ver­fügt. Na­tür­lich kann man ei­ni­ge Din­ge auch im Au­ßen­be­reich la­gern, aber das geht wet­ter­be­dingt na­tür­lich nicht mit al­lem. So hat­ten wir 10 bis 15 Trai­ler als Leer­gut­la­ger in den je­wei­li­gen Städ­ten ste­hen. Ei­gent­lich soll­te die Hal­len­show im Früh­jahr 2018 ab­ge­schlos­sen sein. Da aber we­gen ei­ner Er­kran­kung der Sän-

ge­rin je­doch ei­ni­ge Ter­mi­ne aus­fal­len muss­ten, wer­den im Au­gust und Sep­tem­ber 2018 Nach­hol­ter­mi­ne ge­spielt, was mich in­klu­si­ve der Pro­ben noch­mals drei Wo­chen be­schäf­ti­gen wird.

Jetzt ste­hen aber erst­mal die Sta­di­on­s­hows von He­le­ne Fi­scher an. Es wur­de auch über­legt, die be­ste­hen­de Hal­len­show mit der auf­wän­di­gen Ar­tis­tik auf Sta­di­ongrö­ße zu ad­ap­tie­ren, aber man ent­schied sich dann doch da­ge­gen. Bei ei­nem Open Air-sta­di­on wird die Auf­tritts­zeit im Som­mer nur in der letz­ten St­un­de bei Dun­kel­heit sein, aber nur dann kom­men Licht- und an­de­re op­ti­sche Ef­fek­te rich­tig zur Gel­tung. Ab­ge­se­hen da­von müss­ten die Ef­fek­te auf­grund der grö­ße­ren Di­men­sio­nen in ei­nem Sta­di­on auch grö­ßer di­men­sio­niert wer­den, was nicht im­mer funk­tio­niert. Dies­mal war ich be­reits et­was eher in die Pla­nung in­vol­viert, weil auch kon­struk­ti­ve Din­ge wie die Gestal­tung der „Büh­nen­un­ter­welt“– der Cust­om-ma­de-büh­ne von Me­ga­force – früh­zei­tig ein­zu­pla­nen wa­ren. So muss­ten zum Bei­spiel Büh­nen­lif­te ein­ge­passt oder die Bau­wei­se von an­zu­fer­ti­gen­den Re­qui­si­ten ge­plant wer­den. An­fang Ju­ni 2018 wer­den wir mit den Pro­ben be­gin­nen und dann mit der Pro­duk­ti­on vom 23. Ju­ni bis zum 29. Ju­li auf Tour sein.

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Be­reich dei­nes Ar­beits­le­bens ist die Tä­tig­keit für das Dop­pel­fes­ti­val Rock am Ring und Rock im Park …

Die Fes­ti­vals be­treue ich mitt­ler­wei­le sehr lan­ge. Die be­son­de­re Her­aus­for­de­rung be­steht hier­bei dar­in, dass al­le Bands zwi­schen den bei­den Or­ten wech­seln und da­her die Be­leuch­tungs­und Trag­werks­sys­te­me iden­tisch sein müs­sen. Da­her ist die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen den bei­den Spiel­or­ten im­mer ex­trem wich­tig; Än­de­run­gen, die an ei­nem Stand­ort durch­ge­führt wer­den, müs­sen auch an dem an­de­ren be­rück­sich­tigt wer­den. Mei­ne Auf­ga­be be­steht dar­in, die Vor­stel­lun­gen der Bands in Be­zug auf die Be­leuch­tungs­an­la­ge so­weit wie mög­lich zu er­fül­len und die Ko­or­di­na­ti­on zwi­schen den bei­den Fes­ti­vals durch­zu­füh­ren. Grund­sätz­lich wer­den an je­dem der bei­den Stand­or­te drei Büh­nen be­spielt: ei­ne Haupt­büh­ne mit et­wa 85.000 Zu­schau­ern, die mitt­le­re Büh­ne mit ca. 60.000 Zu­schau­ern und die „klei­ne“Büh­ne, vor der üb­li­cher­wei­se et­wa 10.000 bis 15.000 Zu­schau­er ste­hen.

Zu er­fül­len sind ne­ben den Vor­stel­lun­gen der Bands auch ei­ne fern­seh­taug­li­che Aus­leuch­tung von Büh­ne und Pu­bli­kum – an­fangs von MTV, spä­ter dann vom Rock­pa­last und heu­te von Live Na­ti­on selbst. Zu Be­ginn mei­ner Tä­tig­keit 1997 konn­ten sich die bei­den He­ad­liner Kiss und Su­per­tramp nicht auf ein weit­ge­hend ge­mein­sa­mes Licht­se­t­up ei­ni­gen und die Sys­te­me muss­ten na­he­zu kom­plett über Nacht um­ge­baut wer­den, was nur un­ter gro­ßen Mü­hen mög­lich war. Bei Rock am Ring und Rock im Park wird im­mer sehr auf die Be­dürf­nis­se der Künst­ler ein­ge­gan­gen und die Ver­an­stal­ter möch­ten den Bands er­mög­li­chen, ihr Er­schei­nungs­bild auch auf der Fes­ti­val­büh­ne weit­ge­hend auf­recht­zu­er­hal­ten. Ge­ra­de das Kon­zept von Ring/park war im­mer, dass es zwar pro Tag ei­nen He­ad­liner gibt, aber die an­de­ren Bands nicht nur als Sup­port­bands des He­ad­liners ge­se­hen wer­den. Seit 1998 exis­tiert ei­ne Vor­ga­be des Ver­an­stal­ters zu­min­dest als Teil­be­schrän­kung sich auf ein Grund­set­up zu ei­ni­gen und ei­ge­ne Spe­cials, wie Floor­pa­ke­te und Led-ele­men­te durch die Bands selbst mit­zu­brin­gen.

Gleich­zei­tig wird es aber auch für Fes­ti­val­ver­an­stal­ter heu­te im­mer schwe­rer, in­ter­es­san­te Acts zu ver­pflich­ten und oft ist es nö­tig auf die ein­zel­nen tech­ni­schen An­for­de­run­gen ein­zu­ge­hen, nicht zu­letzt da sich die Ver­an­stal­tungs­tech­nik durch Spe­zia­li­sie­rung auch me­di­al so sehr ver­än­dert hat, dass es kaum noch mög­lich ist, ein Sys­tem zu fin­den, in dem sich al­le Acts wie­der­fin­den. Wenn man Glück hat, kann man noch Ge­mein­sam­kei­ten fin­den, die ei­nen Kom­plett­um­bau ent­behr­lich ma­chen. Aber wenn Bands viel Geld für Con­tent für ih­re ei­ge­ne Show ge­zahlt ha­ben, wol­len die die­sen ver­ständ­li­cher­wei­se auch auf Fes­ti­vals nut­zen. Die Zei­ten, in de­nen man sag­te: „das ist ein tol­les Fes­ti­val, da spie­len wir – Rock’n‘roll!“, die gibt es schon lan­ge nicht mehr. Da­her leh­nen ei­ni­ge Bands es ein­fach ab, auf Fes­ti­vals zu spie­len,

weil sie ih­re Show nicht so zei­gen kön­nen, wie sie das wol­len. Der Auf­wand den die ein­zel­nen auf­tre­ten­den Acts be­trei­ben, ist al­ler­dings schon er­heb­lich. Selbst auf der mitt­le­ren Büh­ne des Fes­ti­vals ist es nicht un­üb­lich, dass die Bands mit zwei bis drei Trai­lern Zu­satz­licht kom­men, wel­ches nur als Floor­pa­cka­ge auf­ge­stellt wird.

Wäh­rend der Jah­re hat sich mei­ne Auf­ga­be et­was ge­än­dert: ging es an­fangs noch um die Er­stel­lung ei­nes all­ge­mei­nen Licht­de­signs für das Fes­ti­val, be­steht die Auf­ga­be nun als Fes­ti­val Light­ing Di­rec­tor dar­in, die Vor­stel­lun­gen zu­sam­men­zu­füh­ren, zu ver­wal­ten und sich um die Rea­li­sie­rung zu küm­mern. Da­zu muss man se­hen, ob man die Wün­sche der Bands kom­bi­niert in das Büh­nen­dach be­kommt und mit dem aus­füh­ren­den Tech­nik­dienst­leis­ter Mög­lich­kei­ten schaf­fen, wie die je­wei­li­gen Um­bau­ten von ei­nem He­ad­liner auf den an­de­ren in der Nacht zu schaf­fen sind.

Üb­li­cher­wei­se be­gin­ne ich mit mei­ner Pla­nung je­weils im Herbst des Vor­jah­res und füh­re ers­te Ge­sprä­che mit den an der Or­ga­ni­sa­ti­on be­tei­lig­ten, um dann die ers­ten Vor­schlä­ge zu er­stel­len. Meist be­kommt man aber von den Bands die not­wen­di­gen In­for­ma­tio­nen nicht so früh­zei­tig, wie es wün­schens­wert wä­re. Für ei­ne Ge­samt­pla­nung ist es na­tür­lich wich­tig, den ge­sam­ten Blick auf al­le Ein­bau­ten über die Lauf­zeit des Fes­ti­vals zu ha­ben – ins­be­son­de­re auf die ver­schie­de­nen Las­ten in den Büh­nen­dä­chern. Auch für die Per­so­nal­pla­nung für die nächt­li­chen Um­bau­ten ist es wich­tig zu wis­sen, was pas­sie­ren soll. Mei­ne Auf­ga­be be­steht ne­ben der Pla­nung und Ko­or­di­na­ti­on auch in der Aus­füh­rungs­über­wa­chung vor Ort, bei der mög­li­cher­wei­se auf­tre­ten­de Pro­ble­me zu lö­sen sind. Auch die Ko­or­di­na­ti­on von Not­fall­maß­nah­men in Be­zug auf das Ablas­sen von PA oder Led-wän­den bei au­ßer­ge­wöhn­li­chen Vor­komm­nis­sen, wie zum Bei­spiel Un­wet­ter, fällt in mei­nen Be­reich – so­fern von der Fes­ti­val­lei­tung ei­ne ent­spre­chen­de Ent­schei­dung in die­ser Rich­tung ge­trof­fen wird.

Bei al­len mei­nen Pro­duk­tio­nen ver­su­che ich im­mer so­wohl im Sin­ne mei­nes Auf­trag­ge­bers, als auch im Sin­ne der Pro­duk­ti­on zu han­deln. Die­se Ba­lan­ce ist manch­mal nicht ganz ein­fach. Da ich üb­li­cher­wei­se bei den Pro­duk­tio­nen vor Ort bin und die­se nicht nur von ei­nem Bü­ro aus steue­re, muss ich be­stimm­te Din­ge na­tür­lich auch vor den Men­schen vor Ort ver­tre­ten. Das be­zieht sich zum Bei­spiel auf not­wen­di­ge Per­so­nal­men­gen, Ar­beits­zei­ten und -be­din­gun­gen der Cr­ews.

Wie be­wer­test du die Ent­wick­lun­gen im Be­reich der fach­li­chen Qua­li­fi­ka­tio­nen und der Tech­no­lo­gie in un­se­rer Bran­che?

Im All­ge­mei­nen fin­de ich es sehr be­grü­ßens­wert, dass der Be­ruf des Ver­an­stal­tungs­tech­ni­kers ge­schaf­fen wur­de, um die Tä­tig­kei­ten un­se­rer Bran­che aus ei­ner Grau­zo­ne in Be­zug auf Ar­beits­zei­ten, So­zi­al­ver­si­che­rung und Schein­selbst­stän­dig­keit zu ho­len. Vie­le fach­lich gut aus­ge­bil­de­te Tech­ni­ker kom­men nun auf den Markt. Dar­über hin­aus wür­de ich mir aber auch ei­ne Wei­ter­ent­wick­lung wün­schen. Es ist mitt­ler­wei­le nor­ma­ler Sta­tus, dass bei Hel­fer­crews – was ich rich­tig fin­de – ex­akt auf die Ar­beits­zei­ten ge­ach­tet wird, da die­se in Fest­an­stel­lung bei den Per­so­nal­dienst­leis­tern ste­hen und da­durch den Re­ge­lun­gen des Ar­beits­zeit­ge­set­zes un­ter­lie­gen. Gleich­zei­tig wer­den selbst­stän­di­ge Tech­ni­ker aber auch heu­te noch schräg an­ge­se­hen, wenn sie ih­re An­ge­bo­te so ge­stal­ten, dass nach Ablauf be­stimm­ter Pau­schal­zei­ten Zu­schlä­ge zu zah­len sind. Das Ar­gu­ment, dass dann Ver­an­stal­tun­gen nicht mehr wirt­schaft­lich statt­fin­den könn­ten, hal­te ich für Quatsch, denn im Be­reich der Hel­fer­crews sieht man ja, dass es durch­aus mög­lich ist, Ar­beits­ab­läu­fe un­ter Be­rück­sich­ti­gung vor­ge­ge­be­ner Zei­ten zu or­ga­ni­sie­ren. Dar­über hin­aus bin ich ein gro­ßer Freund und Be­für­wor­ter von al­lem, was mit Ar­beits­si­cher­heit zu tun hat, auch wenn ich in ei­ner an­de­ren Zeit an­ge­fan­gen ha­be. Aber so kann man heu­te nicht mehr ar­bei­ten und heu­te will ich auch nicht mehr so ar­bei­ten.

Je­der soll­te sich wei­ter­qua­li­fi­zie­ren, es muss nicht im­mer der Meis­ter sein, es könn­te auch ein An­schlag­schein oder

ei­ne Qua­li­fi­zie­rung im elek­tri­schen Be­reich oder It-netz­wer­ke sein. Man­che Auf­trag­ge­ber le­gen mehr Wert auf be­ste­hen­de Er­fah­rung, aber ei­ne Wei­ter­qua­li­fi­zie­rung wird im­mer not­wen­di­ger. Spe­zi­ell der Be­reich der Ver­net­zung von Me­dien­steue­run­gen wird sich im­mer wei­ter­ent­wi­ckeln. Die Aus­bil­dung zur Fach­kraft ist si­cher­lich ein gu­ter Grund­stock, aber ei­ne fach­spe­zi­fi­sche Spe­zia­li­sie­rung auf be­stimm­te Be­rei­che, ist in un­se­rer Bran­che si­cher­lich zu­kunfts­fä­hig.

Be­reits En­de der 90er ha­be ich für mich ent­schie­den, kei­ne Mes­se­jobs mehr zu ma­chen. In die­sem Be­reich be­stand in mei­ner Wahr­neh­mung all­ge­mein zu we­nig Ver­ständ­nis für die Ar­beit der Ver­an­stal­tungs­tech­ni­ker und es fehl­te mir oft das ge­mein­sa­me Ziel der Be­tei­lig­ten, an ei­nem Pro­jekt zu ar­bei­ten, um ein er­folg­rei­ches Er­geb­nis zu er­rei­chen. Ver­an­stal­tun­gen sind eben Team­sport. Na­tür­lich ha­be ich die Hoff­nung, dass sich das mitt­ler­wei­le ge­bes­sert hat, aber ich bin in der glück­li­chen La­ge, dass mein Auf­trags­buch gut ge­füllt ist und ich da­her die­se Ent­schei­dung nicht zu­rück­neh­men muss­te. Ei­ne schwie­ri­ge Ent­wick­lung se­he ich im tech­ni­schen Be­reich: Aus dem Sicht­win­kel des Kun­den oder des De­si­gners ist es im Ver­gleich zu frü­her ein­fa­cher ge­wor­den, da es mitt­ler­wei­le so vie­le qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Pro­duk­te gibt, dass es fast egal ist, wel­che Ge­rä­te man ein­setzt. Aus Sicht der Ver­an­stal­tungs­tech­nik­fir­men, die mit den Ge­rä­ten ihr Geld ver­die­nen müs­sen, ist es schwie­ri­ger ge­wor­den, da sie durch die schnel­le tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lung ei­gent­lich ih­ren Ma­te­ri­al­park al­le zwei Jah­re er­neu­ern müss­ten – was sich na­tür­lich kaum je­mand leis­ten kann. Ich er­war­te da­her auch ei­ne wei­te­re Ber­ei­ni­gung des An­bie­ter­mark­tes auf we­ni­ge gro­ße Fir­men, wäh­rend die klei­ne­ren Fir­men wahr­schein­lich nur durch Spe­zia­li­sie­rung auf be­stimm­te Ni­schen über­le­ben kön­nen. Gro­ße Li­ve­shows zur Un­ter­hal­tung wird es mei­ner An­sicht nach auch in der Zu­kunft trotz zu­neh­men­der Re­gu­lie­rung und Ge­fähr­dung wei­ter­ge­ben, denn ge­ra­de da su­chen die Men­schen Zer­streu­ung.

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