45 Jah­re Safex

Er ist fes­ter Be­stand­teil in der Film­in­dus­trie und auch aus der Ver­an­stal­tungs­bran­che kaum weg­zu­den­ken: der Ne­bel. Lan­ge Zeit war sei­ne Er­zeu­gung nicht un­ge­fähr­lich und die Dämp­fe so­gar ge­sund­heits­schäd­lich. Vor über 45 Jah­ren nahm sich Gün­ther Schaidt, G

Production Partner - - News - Text: Le­na Voss | Fotos: Le­na Voss, Safex

Er ist fes­ter Be­stand­teil in der Film­in­dus­trie und auch aus der Ver­an­stal­tungs­bran­che kaum weg­zu­den­ken: der Ne­bel. Lan­ge Zeit war sei­ne Er­zeu­gung nicht un­ge­fähr­lich und die Dämp­fe so­gar ge­sund­heits­schäd­lich. Vor über 45 Jah­ren nahm sich Gün­ther Schaidt, Ge­schäfts­füh­rer von Safex aus Tangstedt bei Ham­burg, die­sem Pro­blem an – und be­kam da­für 1984 den Tech­nik-os­car. Die High­lights der Safex-fir­men­ge­schich­te gibt’s ab Sei­te 30.

Bis in die 1980er Jah­re hin­ein wur­de künst­li­cher Ne­bel durch Pa­raf­fi­ne und das Er­hit­zen von Öl er­zeugt. Heu­te ist das nicht mehr üb­lich und zwar aus gu­tem Grund: durch die­se Pro­ze­dur ent­stan­den ge­sund­heits­schäd­li­che Dämp­fe, die die Lun­ge schä­di­gen konn­ten. Au­ßer­dem stell­te der Ein­satz von hei­ßem Öl ei­ne po­ten­zi­el­le und per­ma­nen­te Brand­ge­fahr dar und auch die Abla­ge­run­gen des Öls, die durch die Ver­damp­fung ent­stan­den, konn­ten er­heb­li­che Schä­den an Mensch und Re­qui­si­te her­vor­ru­fen. Heu­te ent­steht Ef­fekt­ne­bel, in­dem ei­ne Ne­bel­ma­schi­ne ein spe­zi­el­les Flu­id (ein Ge­misch aus Po­lyo­len und de­mi­ne­ra­li­sier­tem Was­ser) zu­erst an­saugt, dann durch ein vor­her er­wärm­tes Hei­z­ele­ment auf ca. 330 Grad Cel­si­us er­hitzt und an­schlie­ßend durch die Ne­be­laus­tritts­dü­se aus­stößt. An der Luft kon­den­siert das Ge­misch und es ent­steht die be­kann­te Ne­bel­wol­ke. Durch die­sen Ver­damp­fungs­pro­zess wer­den die Ma­schi­nen heu­te kor­rek­ter­wei­se als Ver­damp­fer-ne­bel­ma-

schi­nen be­zeich­net. Die­ser Vor­gang ist ge­sund­heit­lich und brand­schutz­tech­nisch völ­lig un­ge­fähr­lich und zählt heu­te zum Stan­dard der Ne­be­l­er­zeu­gung. Die­se Ent­wick­lung ver­dankt die Thea­ter- und Film­in­dus­trie dem Grün­der der mitt­ler­wei­le in Tangstedt bei Ham­burg an­säs­si­gen Fir­ma Safex, die Spe­zi­al­ef­fek­te für Büh­ne, Film und Fern­se­hen her­stellt.

Fir­men­grün­dung: Wie al­les be­gann

Be­reits seit sei­nem 6. Le­bens­jahr be­glei­tet Gün­ther Schaidt ei­ne Lei­den­schaft fürs Zau­bern, die ihn bis heu­te nicht los­ge­las­sen hat. Schon wäh­rend sei­ner Schul­zeit und Aus­bil­dung ent­wi­ckel­te er ne­ben­bei klei­ne che­mi­sche Zau­ber­tricks und ver­dien­te da­mit sein erstes Geld. Was da­mals noch eher ein Hob­by war, mach­te er nach ei­ner Aus­bil­dung zum Che­mie­tech­ni­ker zu sei­nem Be­ruf: im Früh­jahr 1973 grün­de­te er Safex, sei­ne ei­ge­ne Fir­ma für Spe­zi­al­ef­fek­te. Heu­te fei­ert Safex nun al­so sein 45-jäh­ri­ges Be­ste­hen. Wich­ti­ge Mei­len­stei­ne in der Fir­men­ge­schich­te las­sen sich schnell fest­stel­len: Die größ­ten Er­fol­ge fei­er­te Safex mit be­sag­ter Ent­wick­lung des un­ge­fähr­li­chen Ne­bel­fluids. Erst­ma­lig kam es an der Ham­bur­ger Staats­oper zum Ein­satz, bei ei­ner Ab­schieds­vor­stel­lung des da­ma­li­gen In­ten­dan­ten Rolf Lie­ber­mann. „Es war ei­ne ver­rück­te Ins­ze­nie­rung, bei wel­cher un­ter an­de­rem gro­ße Par­füm­wol­ken zum Ein­satz kom­men soll­ten“, er­in­nert sich Gün­ther Schaidt. Die ge­ra­de erst ent­stan­de­ne Fir­ma Safex mach­te die­sen Wunsch mög­lich und lie­fer­te ein kom­plet­tes Ne­bel­sys­tem, wel­ches un­ge­fähr­li­chen Ne­bel in un­ter­schied­li­cher Dich­te und so­gar mit dem an­ge­neh­men Ge­ruch von Par­füm er­zeu­gen konn­te. Der Er­folg des noch jun­gen Un­ter­neh­mens sprach sich schnell rum. Bis nach Hol­ly­wood er­fuhr man von dem ver­rück­ten Mann aus Ham­burg, der so vie­les mög­lich mach­te. Und so kam es, dass Safex mit sei­nem Ne­bel­sys­tem bald bei Ste­ven Spiel­berg vor­stel­lig wur­de und an Welt­pro­duk­tio­nen wie

Ja­mes Bond – Der Mor­gen stirbt nie be­tei­ligt war. Die Ent­wick­lung war für die Bran­che so be­deu­tend, dass Gün­ther Schaidt im Jahr 1984 von der Aca­de­my of Mo­ti­on Pic­tu­res,

Arts and Sci­ence der wis­sen­schaft­lich-tech­ni­sche Os­car für das Safex-ne­bel­sys­tem ver­lie­hen wur­de. Über­reicht wur­de die ho­he Aus­zeich­nung von der Schau­spie­le­rin Ja­net Leigh, be­kannt als Ma­ri­on Cra­ne aus dem Film Psy­cho. Heu­te ruht der gol­de­ne Mann in ei­nem klei­nen Kof­fer, denn Gün­ther Schaidt stellt sich selbst nicht gern ins Ram­pen­licht son­dern freut sich lie­ber über den Er­folg sei­ner Fir­ma.

Kern­ge­schäft: Was macht Safex?

In der ge­sam­ten Fir­men­ge­schich­te spie­gelt sich Schaidts Lei­den­schaft für gu­te Ef­fek­te und rea­lis­ti­sche Wow-mo­men­te. Be­fragt man ihn da­zu, zieht er den Ver­gleich, py­ro­tech­ni­sche Spe­zi­al­ef­fek­te sei­en wie che­mi­sche Or­gas­men: Man ar­bei­te ei­ne lan­ge Zeit kon­zen­triert an ei­ner Sa­che und am En­de ent­la­de sich al­les in ei­nem ein­zi­gen Wow-mo­ment. So bie­tet Safex mitt­ler­wei­le die ge­sam­te Pa­let­te der wich­tigs­ten Spe­zi­al­ef­fek­te für Büh­ne, Film und Fern­se­hen an: Ne­ben zahl­rei­chen Ne­bel­sys­te­men für je­den Be­darf inkl. ver­schie­dens­tem Zu­be­hör wie Fern­be­die­nun­gen oder Dmx­steue­rung sind das vor al­lem Flam­men­ef­fekt­ge­rä­te, ver­schie­de­ne Büh­nen­py­ro­tech­nik, Brand­mas­sen und Py­rof­lui­de, Büh­nen­blut und Crash­glas. Aber auch klei­ne­re Rand-pro­duk­te wie Kunst­schnee, Staub/ruß/schmutz, Wa­ter-gel, Ef­fekt-sprays, Spinn­we­ben und Kon­fet­ti + Shoo­ter fin­den sich im Fir­men­port­fo­lio. Ge­ra­de bei Ne­bel­ge­rä­ten legt Safex Wert dar­auf, dass sei­ne Pro­dukt­pa­let­te nicht nur aus ver­schie­de­nen Ne­bel­ge­rä­ten be­steht, son­dern dass die­se Ne­bel­ge­rä­te zu­sam­men mit dem Zu­be­hör ein aus­ge­feil­tes Sys­tem bil­den: Für je­den An­wen­dungs­zweck und An­spruch soll ne­ben dem ge­eig­ne­ten Ne­bel­ge­rät auch das ent­spre­chen­de Zu­be­hör zu Er­wei­te­rung der Funk­tio­nen, so-

zu­sa­gen maß­ge­schnei­dert auf den An­wen­der, zur Ver­fü­gung ste­hen. Ge­ra­de wenn Ne­bel für ver­schie­de­ne An­wen­dungs­ge­bie­te er­zeugt wer­den muss, wie das bei Film- und gro­ßen Show­pro­duk­ti­on häu­fig der Fall ist, ist ein maß­ge­schnei­der­tes Sys­tem sehr hilf­reich. Safex lie­fert da­für Ge­rä­te, die für die Ne­be­l­er­zeu­gung im Stu­dio mit mo­der­ner Dmx-steue­rung aus­ge­stat­tet sind, je­doch mit we­ni­gen Hand­grif­fen zu ei­nem äu­ßerst ro­bus­ten, elek­tro­nik­frei­en Ne­bel­ge­rät um­ge­wan­delt wer­den kann, dass in un­wirt­li­chem Frei­ge­län­de ein­ge­setzt und auch tro­pi­schen Be­din­gun­gen oder »nor­di­scher Käl­te« stand­hal­ten kann. Prak­tisch al­le Safex Ne­bel­ge­rä­te sind mit be­heiz­ten Ne­bel­aus­läs­sen aus­ge­stat­tet, so­dass ei­ne Viel­zahl spe­zi­el­ler Ne­bel­dü­sen an­ge­bracht wer­den kann, die auch schwie­ri­ge Ef­fek­te ein­fach mög­lich ma­chen. Zum Bei­spiel kön­nen fast al­le Ne­bel­ge­rä­te mit ge­rin­gem Auf­wand mit ei­nem senk­recht nach oben ste­hen­den Ne­bel­aus­lass ver­se­hen wer­den. So muss das Ge­rät nicht ge­kippt wer­den. Prak­tisch ist dies vor al­lem, wenn nur ein fla­cher Zwi­schen­bo­den oder fla­ches Po­di­um zur Ver­fü­gung steht und der Ne­bel ober­halb aus der Sze­nen­flä­che aus ei­ner 8 mm klei­nen Öff­nung aus­tre­ten soll. Glei­ches gilt auch für Ne­bel, der um die Ecke aus­ge­sto­ßen wer­den soll. Ne­ben des Kern­ge­schäfts in der Film­bran­che ent­wi­ckelt Safex heu­te auch Hilfs­mit­tel für Wis­sen­schaft und Tech­nik. Ins­be­son­de­re sind dies eben­falls be­stimm­te Ne­bel­ge­rä­te, die sich mitt­ler­wei­le welt­weit ver­kau­fen.

Un­ter­neh­mens­phi­lo­so­phie: Wo­für steht Safex?

Safex steht heu­te in­ter­na­tio­nal für er­fah­re­ne Mit­ar­bei­ter und ho­he Qua­li­tät. Die fir­men­in­ter­nen Vor­ga­ben sind klar kom-

mu­ni­ziert: Ef­fek­te von Safex müs­sen si­cher, so aus­ge­feilt wie mög­lich und rea­lis­tisch sein, denn „Nichts ist pein­li­cher als ein Ef­fekt, der nicht funk­tio­niert!“ Aus die­sem Grund­satz her­aus for­mu­liert sich ein An­spruch an höchs­te Qua­li­tät und Sorg­falt bei der Ent­wick­lung von Ef­fek­ten. Dar­um prüft Safex je­de ein­zel­ne Kom­po­nen­te, be­vor sie Ein­zug in die zu­künf­ti­gen Pro­duk­te fin­det. Da wer­den auch schon mal Pro­duk­te zu­rück­ge­wie­sen oder um­ge­baut, wenn das Team von der Qua­li­tät nicht über­zeugt ist. „Im Zwei­fel grei­fen wir zum hö­her­prei­si­gen Pro­dukt mit min­des­tens glei­cher Qua­li­tät und pas­sen dann (kon­se­quen­ter­wei­se) un­se­re ei­ge­nen Prei­se ent­spre­chend an. Haupt­sa­che die Qua­li­tät un­se­res End­pro­duk­tes ist ge­währ­leis­tet. Sie ist kon­stant oder wird ver­bes­sert, darf aber nicht aus Kos­ten­grün­den ge­min­dert wer­den“. Ne­ben der Pro­dukt­qua­li­tät bil­det das The­ma Si­cher­heit ei­ne nicht min­der wich­ti­ge Säu­le der Un­ter­neh­mens­phi­lo­so­phie. „Wenn der Kun­de ein an­spruchs­vol­les Pro­dukt braucht, für das er sich in­ter­na­tio­nal nicht schä­men muss und bei dem si­cher ist, dass es si­cher ist – und nicht ein­fach nur „Si­cher­heit“drauf ge­druckt ist, wie das lei­der häu­fig der Fall ist – dann kriegt er das von uns.“Gün­ther Schaidt hat schon vie­le haar­sträu­ben­de Pro­duk­te ge­se­hen, und stellt dar­um höchs­te An­sprü­che an sich, sei­ne Fir­ma und sei­ne Pro­duk­te, was das The­ma Si­cher­heit be­trifft. Dar­um ent­spre­chen al­le Pro­duk­te den ak­tu­el­len Din-nor­men und wer­den re­gel­mä­ßig ge­prüft. Safex ist über­zeugt von der ei­ge­nen Qua­li­tät und hat dar­um auch die Her­stel­ler­ga­ran­tie von den ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen zwei Jah­ren auf drei Jah­re an­ge­ho­ben. Soll­te doch mal et­was ka­putt ge­hen oder nicht rich­tig funk­tio­nie­ren, steht der haus­ei­ge­ne Re­pa­ra­tur­ser­vice zur Ver­fü­gung. Au­ßer­dem wer­den Safex-pro­duk­te grund­sätz­lich so her­ge­stellt, dass sämt­li­che Er­satz­tei­le er­hält­lich sind – auch für Ge­rä­te, die be­reits

vor 20 oder 30 Jah­ren pro­du­ziert wur­den. Die gro­ße Lei­den­schaft für Zau­be­rei­en lässt sich auch im Kun­den­ser­vice er­ken­nen: Ge­treu dem Mot­to „Nichts ist un­mög­lich“ver­sucht das Team von Safex, sämt­li­che Auf­ga­ben­stel­lun­gen und Kun­den­wün­sche zu er­fül­len. „Wenn der Kun­de zum Bei­spiel ka­rier­ten Ne­bel ha­ben möch­te und wir ei­ne Mög­lich­keit se­hen, die­sen Ef­fekt un­ter Be­rück­sich­ti­gung un­se­rer ei­ge­nen Qua­li­täts­an­sprü­che her­zu­stel­len, dann ma­chen wir das!“, ver­si­chert Schaidt. Auch hier­bei spie­gelt sich der be­wuss­te Um­gang des Teams mit der po­ten­zi­ell ge­fähr­li­chen The­ma­tik wie­der, denn Safex gibt sei­ne Pro­duk­te nur an be­rufs­mä­ßi­ge Ver­wen­der wei­ter.

Auch für Thea­ter­pro­duk­tio­nen pro­du­ziert Safex ver­schie­dens­te Ef­fek­te. In die­sem Fall wur­den rot leuch­ten­de Ne­bel­schwa­den ge­for­dert

Safex brauch­te als wach­sen­des Un­ter­neh­men mehr Platz und zog 2016 in ein grö­ße­res Ge­bäu­de in den Hei­de­hof­weg 24 in Tangstedt/kreis Pin­ne­berg um.

Auch Ex­plo­sio­nen für St­unt-sze­nen ge­hö­ren zum An­ge­bots-port­fo­lio von Safex, wie hier bei ei­ner St­unt-show im Dis­ney­land Paris (frü­her: Eu­ro Dis­ney Re­sort Paris)

Safex Ne­bel­sys­tem be­steht aus ei­ner Ver­damp­fer-ne­bel­ma­schi­ne und ei­nem was­ser­lös­li­chen Flu­id

Dmx-steue­rung für die ver­ein­fach­te Be­die­nung ei­ner (meist in un­be­que­men Po­si­tio­nen an­ge­brach­ten) Ne­bel­ma­schi­ne

Grafik sämt­li­che Eti­ket­ten der Safex-pro­duk­te hat Schaidt selbst ent­wor­fen

Die Aca­de­my of Mo­ti­on Pic­tu­re, Arts and Sci­en­ces ver­lieh im Jahr 1984 den sci­en­ti­fic and en­gi­nee­ring Award an Gün­ther Schaidt und Rosco La­bo­ra­to­ries inc. „für die Ent­wick­lung ei­nes ver­bes­ser­ten, nicht-to­xi­schen Fluids zur Er­zeu­gung von Ne­bel und Rauch...

Gün­ther Schaidt In ihm ste­cken ein Che­mi­ker und ein Gra­fi­ker, aber auch ei­ne Lei­den­schaft für Zau­be­rei.

Fla­me-jet mit Si­cher­heits­hin­wei­sen der Be­trieb er­folgt über Ae­ro­sol-schraub­kar­tu­schen

Aus­zeich­nung Im Jahr 1984 wur­de Gün­ther Schaidt der „Tech­nik-os­car“von der Schau­spie­le­rin Ja­net Leigh über­reicht

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