Va­nua­tu

reisen EXCLUSIV - - Inhalt - text & fo­tos Nor­bert Eisele-hein

Auf ei­nen Sprung vor­bei­zu­kom­men, hat auf Va­nua­tu in vie­ler­lei Hin­sicht ei­ne neue und weit­rei­chen­de Be­deu­tung. War­um? Le­sen Sie selbst.

VA­NUA­TU.

Ein Na­me wie die Of­fen­ba­rung ei­nes Süd­seet­raums. Schnee­wei­ße, un­be­rühr­te Traum­strän­de, don­nern­de Vul­kan­aus­brü­che und wag­hal­si­ge Stam­mes­ri­tua­le. Ach ja, es ist der flei­ßigs­te Vul­kan der Welt wü­tet hier eben­falls. Va­nua­tu ist mehr als ein In­sel­chen mit Ko­kos­pal­men.

I»Ich bin da­mals ge­ra­de 14 Jah­re alt ge­wor­den, als Queen Eli­sa­beth II. im Fe­bru­ar 1974 un­ser Dorf Bun­lap be­such­te. Ob­wohl es ei­gent­lich noch zu früh im Jahr war, wur­de ihr zu Eh­ren ei­ne Nag­hol-ze­re­mo­nie ab­ge­hal­ten. An­fangs ging al­les gut, aber als John Mark ganz oben vom Turm sprang, riss ei­ne der Lia­nen. John, ei­gent­lich ein er­fah­re­ner Sprin­ger, schlug kopf­über aus bald 20 Me­tern im Bo­den ein und brach sein Ge­nick. Queen Eli­sa­beth II. wirk­te für ei­nen Mo­ment wie ver­stei­nert und ver­ließ dann ab­rupt und wort­los mit ih­rer En­tou­ra­ge die Lich­tung im Wald.« Si­las Bu­li er­zählt so an­schau­lich, dass ei­ne Gän­se­haut un­ver­meid­bar ist. Sei­ne Mie­ne ist dra­ma­tisch und hei­tert erst bei fol­gen­den Sät­zen auf. »Ein paar Jah­re spä­ter kam dann ein jun­ger neu­see­län­di­scher Stu­dent na­mens A. J. Ha­ckett. Er nahm ge­nau Maß und ent­fach­te auf der Ba­sis un­se­res Nag­hols den welt­wei­ten Boom des Bun­gee-jum­pings. Ein Co­py­right oder so was Ähn­li­ches gibt es in un­se­rer jun­gen Ver­fas­sung ja erst seit we­ni­gen Jah­ren, doch die An­wäl­te un­se­rer Re­gie­rung ha­ben be­reits Kon­takt auf­ge­nom­men.«

Der Be­griff »Nag­hol« aus dem lo­ka­len Dia­lekt der Sa steht syn­onym für den Turm, der je­des Jahr ex­tra für die­ses Ri­tu­al kon­stru­iert wird. Nag­hol wird häu­fig auch mit »Land-di­ving« über­setzt und geht auf ei­ne ur­al­te Le­gen­de zu­rück. »Li­gol be­dräng­te sei­ne Frau Mabon­lip. Die je­doch hat­te kei­ne Lust auf ein Stell­dich­ein. Sie floh auf ei­nen ho­hen Banyan-baum. Li­gol droh­te, sie zu züch­ti­gen, und klet­ter­te ihr wut­ent­brannt nach. Als Mabon­lip sich von ei­nem Ast in die Tie­fe fal­len ließ, sprang der lie­bes­tol­le Li­gol hin­ter­her, um sie zu ret­ten. Doch Mabon­lip hat­te vor­her Lia­nen um ih­re Knö­chel ge­kno­tet, fing da­mit den Sturz ab, wäh­rend Li­gol den Tod fand. Auch wenn ei­ne Frau im Ur-my­thos den ers­ten Sprung wag­te, dür­fen heu­te nur Män­ner vom Turm in die Tie­fe sprin­gen«, schil­dert der 60-jäh­ri­ge Ro­gasia Tof­fo aus dem Dorf Wa­li. Nur ein paar Me­ter von sei­ner Hei­mat ent­fernt er­wächst ein »Ghol«, ein Sprung­turm, aus dem Steil­hang in den Him­mel.

»Frü­her wur­de nur ein­mal jähr­lich ge­sprun­gen, da­mit die Göt­ter uns ei­ne rei­che Yams-ern­te schen­ken. Da­nach gab es ei­ne gro­ße Fei­er, wir schlach­te­ten ein Schwein, und es gab reich­lich Lap-lap (ei­ne Süß­spei­se aus ge­ras­pel­tem Yams). Heu­te sprin­gen wir, so­bald die Lia­nen saf­tig und sta­bil ge­nug sind, meist zwi­schen April und Ju­ni. Wir sprin­gen in Rangs­uks­uk, Wa­li und Bun­lap, man­che Dör­fer so­gar zwei­mal wö­chent­lich«, er­zählt Ro­gasia. Sein Sohn Jo­seph Dang er­gänzt: »Wir le­ben hier fast aus­schließ­lich vom Ja­gen, Fi­schen, pflan­zen Yams, Ta­ro, Ka­va ... Was üb­rig bleibt, kön­nen wir nur für ge­rin­ge Be­trä­ge auf dem Markt ver­kau­fen. So­mit ist das Nag­hol un­se­re Haupt­ein­nah­me­quel­le. Nur so kön­nen wir uns den Land­ro­ver leis­ten, der die Kreuz­fah­rer und Tra­vel­ler vom Flug­ha­fen zum Nag­hol bringt, die Stra­ße halb­wegs in­stand hal­ten, or­dent­li­ches Werk­zeug und Me­di­ka­men­te kau­fen und auch ei­ne Schu­le fi­nan­zie­ren«, bringt es Di­ckey Bu­le (27) auf den Punkt. Je­der Sprung spült Geld in die Kas­se der Ge­mein­de. Die Au­ser­wähl­ten be­kom­men pro Sprung, je nach Le­vel, bis zu 150 Eu­ro auf die Hand, ak­ku­mu­lie­ren so­zia­les Pres­ti­ge, stei­gern ih­re Mit­gift. Coo­le Sprin­ger sind al­so auch be­gehr­te Ver­sor­ger. Schon die klei­nen Jun­gen drängt es nach der Be­schnei­dung im Al­ter von et­wa sie­ben Jah­ren an den Turm. Nur dort kön­nen sie ihr »Co­m­ing of Age« voll­enden. Sie dür­fen zu­erst nur von der un­ters­ten Platt­form sprin­gen. Aber so­bald dies ge­sche­hen ist, wirft die Mut­ter in ei­nem sym­bo­li­schen Akt das Lieb­lings­spiel­zeug weg.

An den Sprung­ta­gen herrscht re­ger Flug­ver­kehr über der Pfingst­in­sel. Beim An­flug von der Haupt­stadt Port Vi­la auf Efa­te sind al­le Au­gen­paa­re fest an die klei­nen Bul­l­au­gen ge­presst. Ne­ben den Bil­der­buch­strän­den sorgt auch der glü­hen­de La­va­see im Kra­ter des Ben­bow auf der Nach­bar­in­sel Am­brym für of­fe­ne Mün­der. Dut­zen­de klei­ner Pro­pel­ler­ma­schi­nen hop­peln dann über die buck­li­ge Gras­pis­te des Lo­no­ro­re-air­ports, der ein­zig aus ei­ner wind­schie­fen Bu­de und ei­ner vor­sint­flut­li­chen Waage be­steht. Be­be, den hier al­le nur »Doc­tor« nen­nen, nimmt die Be­su­cher in Emp­fang. Er ist so­was wie lo­gis­ti­scher Di­rek­tor, spi­ri­tu­el­ler Su­per­vi­sor und obers­ter Tüv-be­am­ter in Per­so­nal­uni­on. Er ver­teilt die Tou­ris­ten auf die Pick-ups. Be­stimmt, wer von wo sprin­gen darf, und kon­trol­liert letzt­lich auch den ord­nungs­ge­mä­ßen Zu­stand des Turms. Der vom Dorf Rangs­uks­uk dürf­te an die 20 Me­ter hoch sein. Die mas­si­ven Tro­pen­holz­knüp­pel wer­den nur von Lia­nen und Bast­schnü­ren zu­sam­men­ge­hal­ten. Ge­sprun­gen wird von sie­ben Platt­for­men, die Lia­nen bau­meln be­reits vor­be­rei­tet her­ab. Kei­ne Schrau­be, kein Na­gel, kein Ta­schen­rech­ner und vor al­lem kein Test­sprung. Im Steil­hang, wo die Sprin­ger lan­den, wur­de le­dig­lich die Er­de mit Spa­ten und Stö­cken auf­ge­lo­ckert. Es sieht aus wie ein frisch ge­schau­fel­tes Gr­ab. Ist die Lia­ne zu lang, schlägt der Sprin­ger un­ge­bremst im Bo­den ein. Ist sie zu kurz, droht er ge­gen den Turm zu schla­gen und von den Stö­cken auf­ge­spießt zu wer­den. Doch die Sa ver­trau­en auf ihr über­lie­fer­tes Wissen, ih­re fas­zi­nie­ren­de Ma­te­ri­al­kennt­nis und vor al­lem auf den po­si­ti­ven Vi­be der Geis­ter. To­te gab es schon lan­ge nicht mehr, und wenn sich doch mal ei­ner die Kno­chen bricht, sorgt Be­be für den Arzt und hilft der Fa­mi­lie über die Run­den.

»Du kannst nur mit rei­nem Her­zen sprin­gen«, of­fen­bart Si­las Bu­li. »Es darf kei­nen Zwist oder un­ter­schwel­li­ge Span­nun­gen ge­ben. Al­les muss ge­klärt sein. Die Ta­bus ein­ge­hal­ten wer­den. Da­für ver­brin­gen die Sprin­ger die letz­ten Näch­te in Se­klu­si­on. Sex ist ge­nau­so ver­bo­ten wie das Tö­ten ei­ner Schlan­ge. Frau­en dür­fen den Turm auf kei­nen Fall be­rüh­ren. Die Sprin­ger dür­fen nur ei­nen Bi­pis tra­gen, die tra­di­tio­nel­le Pe­nis­bin­de aus Blät­tern und Bast«, zählt er auf. Als Be­be die Lich­tung

»FRÜ­HER WUR­DE NUR EIN­MAL JÄHR­LICH GE­SPRUN­GEN, DA­MIT DIE GÖT­TER UNS EI­NE REI­CHE YAMS-ERN­TE SCHEN­KEN.«

mit sei­ner fei­er­li­chen De­le­ga­ti­on er­reicht, öff­net der blei­graue Him­mel sei­ne Pfor­ten. Der Steil­hang wird im Nu zu ei­ner ein­zi­gen Schlamm­rut­sche.

Vom hef­ti­gen Tro­pen­schau­er un­be­ein­druckt, pos­tie­ren sich die Sa-frau­en hin­ter dem Turm, oben oh­ne, nur mit ei­nem Gras­rock be­klei­det. Sie sin­gen und tan­zen mit wild wip­pen­den Brüs­ten. Die Män­ner – al­le mit Bi­pis – ste­hen et­was ab­seits und stim­men mit ein. Der ers­te Sprin­ger, ein No­vi­ze im Al­ter von ca. zehn Jah­ren, er­klimmt die un­ters­te Platt­form. Hel­fer fi­xie­ren die Lia­nen mit ih­ren auf­ge­splis­se­nen Fa­sern an sei­nen Knö­cheln. Ur­plötz­lich ver­stummt der Ge­sang. Der Jun­ge ver­kün­det laut­stark sein gu­tes Ge­wis­sen und springt kopf­über von knap­pen fünf Me­tern in die Tie­fe. Die Lia­nen span­nen sich recht­zei­tig, brem­sen den Sprung noch in der Luft. Schon klatscht er in die vom Wol­ken­bruch mat­schig ge­spül­te Er­de des Steil­hangs. So­fort ei­len Hel­fer her­an. Rich­ten den Tau­meln­den auf. Be­frei­en ihn mit ein paar ge­ziel­ten Hie­ben der Ma­che­te von sei­nen Fuß­fes­seln. Leuch­tend weiß strahlt sein Ge­biss aus dem völ­lig mit Matsch ver­klump­ten Ge­sicht. Er ist jetzt ein Mann, ein Mann mit ga­ran­tiert blau­en Fle­cken und ei­ner leich­ten Ge­hirn­er­schüt­te­rung. Der Vor­gang wie­der­holt sich, bis der sieb­te Sprin­ger die schwan­ken­de Platt­form auf der Turm­spit­ze be­tritt. Tanz und Ge­sang stei­gern sich zu ei­ner fre­ne­ti­schen Kli­max. Der Sprin­ger, ein Bul­le von Mann mit bru­ta­lem Six­pack und Schul­tern ei­nes Preis­bo­xers, grüßt die Men­ge mit hoch­ge­reck­ter Hand. Es ist ei­ne Gän­se­haut er­zeu­gen­de Mi­schung aus dem »Mo­ri­tu­ri te sa­lutant« (die Tod­ge­weih­ten grü­ßen dich) rö­mi­scher Gla­dia­to­ren und der Ges­te ei­nes Rock­stars, der gleich zum Sta­ge­di­ve an­setzt.

Die­ser Flug dau­ert ei­ne ge­fühl­te Ewig­keit. Aber­mals straf­fen sich die Lia­nen, die pflanz­li­chen Le­bens­adern die­ses höchst ris­kan­ten Ri­tu­als. Mit dem krau­sen Haar durch­pflügt der Mo­dell­ath­let die wei­che Er­de und stimmt da­mit die Geis­ter güt­lich für ei­ne ge­seg­ne­te Yams-ern­te. Auch er steht so­fort wie­der auf den Bei­nen und grinst er­kenn­bar ad­re­na­lin­ge­schwän­gert in die Run­de.

»Na­tür­lich ist das Nag­hol mitt­ler­wei­le kom­mer­zi­ell, und klar ... es geht da­bei um viel Geld und so­zia­les Pres­ti­ge. Aber das macht es kein biss­chen we­ni­ger ge­fähr­lich oder gar ernst­haft. Die Ta­bus sind im­mer noch strikt«, er­klärt Si­las Bu­li und schlägt da­bei mit der Hand­kan­te auf die ge­ball­te Faust. »Wir Äl­te­ren glau­ben nicht, dass die Lia­ne schuld an John Marks Tod war. Er kam da­mals schnell noch von ei­ner an­de­ren In­sel, ver­brach­te die Ta­ge vor­her bei sei­ner Fa­mi­lie ... mit sei­ner Frau ... und er sprang in Ba­des­hort.«

Kel­son Ho­seas Baum­haus schwebt zwölf Me­ter über der Er­de. Die Stu­fen steil, der Kom­fort über­schau­bar. Wer nachts raus muss, soll­te die Ta­schen­lam­pe nicht ver­ges­sen.

Von der Veran­da fällt der Blick di­rekt auf den süd­west­li­chen Kra­ter­rand des 361 Me­ter ho­hen Stra­to­vul­kans Ya­sur. Der »Leucht­turm der Süd­see«, wie ihn Ja­mes Cook bei sei­ner Ent­de­ckung 1774 nann­te, schleu­dert seit über 800 Jah­ren glü­hen­de La­va­fon­tä­nen in den Him­mel. Und wäh­rend Kel­son noch ein paar Fla­schen kal­tes Bier auf die Veran­da bringt, klet­tert hin­ter dem Ya­sur der Voll­mond über dem sat­ten Re­gen­wald em­por. Nein, ei­nen Fern­se­her wird hier kei­ner ver­mis­sen.

Mit 560 Qua­drat­ki­lo­me­tern ist Tan­na ge­ra­de mal so groß wie Ibi­za. Schon die An­fahrt vom Whi­te­grass-air­port zu Kel­son's Jungle Oa­sis hat die Qua­li­tät ei­nes ve­ri­ta­blen Aben­teu­ers. Für die knapp 30 Ki­lo­me­ter über Päs­se und durch Flüs­se braucht der hoch­ha­cki­ge All­rad bald zwei St­un­den. Doch am Vi­si­tor Cen­ter, kei­ne 150 Me­ter von Kel­sons Baum­haus ent­fernt, geht die Jeep-ral­lye erst rich­tig los. Glit­schi­ge Ur­wald­schnei­sen, ex­po­nier­te Knüp­pel­pfa­de und damp­fen­de As­che­fel­der las­sen ei­nem auf der La­de­flä­che des Pick-ups die Haa­re zu Ber­ge ste­hen. Vom Park­platz sind es dann nur noch we­ni­ge Mi­nu­ten Fuß­marsch bis zum Kra­ter­rand. Ku­ri­os: Der Ya­sur hat so­gar ei­nen ei­ge­nen Vul­kan­brief­kas­ten, der tat­säch­lich täg­lich ge­leert wird. Nir­gends auf der Welt kommt man so ein­fach und so nah an ei­nen ak­ti­ven Vul­kan her­an, was dem Ya­sur auch den Bei­na­men »Dri­ve-in-vol­ca­no« be­schert hat. Der Dau­er­bren­ner im Pa­zi­fik funk­tio­niert wie ein Schwei­zer Uhr­werk. Bis zu 500 Eruptionen täg­lich – und das ist ab­so­lu­ter Welt­re­kord – ver­an­stal­ten ein gewaltiges Feu­er­werk. Rings um den Son­nen­auf- und -un­ter­gang zeich­nen die bren­nen­den La­va­bom­ben be­son­ders ein­drucks­vol­le Leucht­spu­ren ans Fir­ma­ment. Häu­fig knallt es zeit­gleich aus meh­re­ren Schlo­ten, nicht sel­ten be­glei­tet von spür­ba­ren Erd­stö­ßen. Die las­sen nicht nur das Ka­me­ras­ta­tiv er­zit­tern, son­dern auch schon mal die Ho­sen­bei­ne flat­tern.

Va­nu ... was? hieß es bis vor Kur­zem noch, wenn man von dem ehe­ma­li­gen Kon­do­mi­ni­um Neue He­bri­den sprach. Von 1906 an wur­de das Ter­ri­to­ri­um ge­mein­sam von Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich

ver­wal­tet, bis es am 30. Ju­li 1980 sei­ne Un­ab­hän­gig­keit er­lang­te und zur Re­pu­blik Va­nua­tu wur­de. Et­was Auf­merk­sam­keit er­fuh­ren die rund 260.000 Ein­woh­ner erst­mals durch den Film »Tan­na – the Mo­vie«, der auf der 72. Bi­en­na­le 2015 in Ve­ne­dig auf An­hieb den Pu­bli­kums­preis ge­won­nen hat. Der Re­gis­seur Bent­ley De­an leb­te mit Frau und bei­den Söh­nen über sie­ben Mo­na­te in der Dorf­ge­mein­schaft von Ya­kel. Für die sen­si­ti­ve Au­f­ar­bei­tung des The­mas ar­ran­gier­ter Hoch­zei­ten ver­sus Lie­bes­hei­rat, al­so ei­ner Art Ro­meo & Ju­lia in der Süd­see, wur­de das Dra­ma so­gar für den Os­car als bes­ter fremd­spra­chi­ger Film no­mi­niert. Die Bil­der der Haupt­dar­stel­ler mit ih­rem Pflan­zen­schmuck und den Pe­nis­kö­chern am Li­do gin­gen um die Welt. Klaas Heu­fer-um­lauf und Jo­ko Win­ter­scheidt ka­men 2013 schon für ihr »Du­ell um die Welt« nach Tan­na. Ana­log zu Fro­do Beut­lin im »Herr der Rin­ge« muss­te Klaas ei­nen Ring in die La­va des Ya­surs wer­fen. Für trau­ri­ge Be­rühmt­heit sorg­te der Zy­klon Pam am 13. März 2015. Der Tro­pen­sturm der Ka­te­go­rie 5 mit Wind­ge­schwin­dig­kei­ten um 250 km/h ver­wüs­te­te gan­ze Dör­fer und kos­te­te vie­len das Le­ben.

Auch im Tran­qui­li­ty Re­sort auf Mo­so, ei­ne Boot­stun­de west­lich der Haupt­in­sel Efa­te, sind die Auf­räum­ar­bei­ten nach Pam noch in vol­lem Gan­ge. Sun Tey, 32, aus Ma­lay­sia, hat nur ei­ne ein­zi­ge Droh­nen­auf­nah­me der In­sel auf Ins­ta­gram ge­se­hen und sich so­fort in die In­sel ver­liebt. »Die World He­ri­ta­ge Si­tes« rings­um Le­le­pa und Ere­to­ka, die hier al­le nur Hut­in­sel nen­nen, weil sie wie ein Som­bre­ro über dem ele­gi­schen Blau der Süd­see schwebt, sind für Tau­cher schon ei­ne Klas­se für sich. Doch mein Herz hängt an der ›Turt­le Roo­ke­ry'‹, ge­steht sie seuf­zend. »Wir fan­gen die Hawks­bill-ba­bys gleich nach dem Schlüp­fen am Strand ab und päp­peln sie erst mal bis auf 2,5 kg Ge­wicht auf. Das er­höht die Über­le­bens­chan­cen die­ser be­droh­ten Art enorm«, er­klärt sie en­thu­si­as­tisch, wäh­rend sie ei­mer­wei­se Pa­pa­yas, ei­nen be­lieb­ten Snack der Schild­krö­ten­ba­bys, schnib­belt. »Wenn dann al­les gut­geht, keh­ren sie nach vie­len Jah­ren und Tau­sen­den See­mei­len wie­der zu­rück, um hier selbst ih­re Eier ab­zu­le­gen.«

Atem­rau­ben­de Ri­tua­le, Vul­kan­blick aus dem Baum­haus … nicht nur die Schild­krö­ten wer­den das In­sel­reich Va­nua­tu nie mehr ver­ges­sen.

IN­FO

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AN­REI­SE Am bes­ten mit Stop-over via Aus­tra­li­en, Neu­see­land oder Fi­ji. Bei­spiel: Mit Sin­ga­po­re Air­lines nach Syd­ney. Wei­ter mit der na­tio­na­len Flug­li­nie Air Va­nua­tu zu den in­ter­na­tio­na­len Flug­hä­fen der In­seln Efa­te (Bau­er­field Air­port) und Espi­ri­tu San­to (Pe­koa Air­port). Air Va­nua­tu und vie­le klei­ne­re Air­lines ver­bin­den teils mehr­fach täg­lich sämt­li­che In­seln Va­nua­tus. Für die Ein­rei­se (30-tä­gi­ger Auf­ent­halt) be­nö­tigt man den Nach­weis ei­nes Flug­ti­ckets (Rück­flug oder Wei­ter­flug).

REISEANBIETER Der Süd­see-spe­zia­list Pa­ci­fic Tra­vel Hou­se bie­tet kon­ge­nia­le Tou­ren auf Va­nua­tu. Ent­we­der ge­führ­te Rei­sen oder in­di­vi­du­el­le Trips nach ei­nem mo­du­la­ren Bau­kas­ten­prin­zip, z. B. 15 Ta­ge, inkl. Nag­hol und Ya­sur, vom 14.-29.05.2018 für € 3.830, Schwantha­ler­stra­ße 100,

80336 Mün­chen, Tel. 089 54321 80, Fax 089 54321 822, in­fo@pth­muc.de

Den rei­sen EX­CLU­SIV-GUI­DE fin­den Sie un­ter www. rei­sen­ex­clu­siv.com/ gui­de-va­nua­tu

Hol­per­die­pol­ter ist man im Süd­see­pa­ra­dies. Auf holp­ri­gen Pis­ten lan­den die klei­nen Pro­pel­ler­ma­schi­nen, die sämt­li­che In­seln Va­nua­tus mit­ein­an­der ver­bin­den. Bar­bu­sig und tan­zend feu­ern die Da­men der Ort­schaft Rangs­uks­uk die Wa­ge­mu­ti­gen an, die beim Nag­hol vom Turm sprin­gen.

Bis die Fun­ken sprü­hen: Schon die An­fahrt zum Ya­sur ist ein ve­ri­ta­bles Aben­teu­er. Be­su­cher dür­fen so­gar bis zum Kra­ter­rand auf­stei­gen, wo der Voll­mond ei­ne Dop­pele­rup­ti­on aus den bei­den Haupt­kra­tern raf­fi­niert hin­ter­leuch­tet .

Mein Jeep, der hat ei­nen Bast-hut. Am Markt­platz von Port Vi­la tref­fen zu­dem le­ben­de Ein­hei­mi­sche auf Vor­fah­ren in Form ei­ner Wand­ma­le­rei.

Für ei­ne Spen­de kön­nen Gäs­te der Turt­le Roo­ke­ry ei­ne Hawks­bill-schild­krö­te persönlich auf die Rei­se schi­cken.

Das ist doch die Hö­he! Kel­sons Baum­haus bie­tet ei­nen un­ver­gess­li­chen Blick auf den Vul­kan Ya­sur aus luf­ti­ger Hö­he.

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