Ve­ne­dig im Klein­for­mat

Wer den Tou­ris­ten­tru­bel scheut, aber das Flair der Se­re­nis­si­ma nicht mis­sen möch­te, ist im Sü­den der La­gu­ne rich­tig.

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Im Som­mer nach Ve­ne­dig? Für vie­le Ita­li­en-fans steht die La­gu­nen­stadt zwar ganz oben auf der per­sön­li­chen Hit­lis­te der Ur­laubs­zie­le, aber ein Be­such im Ju­li oder Au­gust ist nicht un­be­dingt emp­feh­lens­wert. Zu vie­le Tou­ris­ten, zu viel Hek­tik und zu we­nig von je­nem ro­man­ti­schen Flair, das sich das deut­sche Sehn­suchts­herz von der Se­re­nis­si­ma er­war­tet. War­um al­so nicht ein­fach aus­wei­chen nach Chiog­gia – »Ve­ne­digs klei­ner Schwes­ter«? Das 50.000-Ein­woh­ner-städt­chen im Sü­den der La­gu­ne wur­de, eben­so wie die gro­ße Schwes­ter, auf Holz­pfäh­len er­rich­tet und bie­tet all das, was klas­si­sche Ve­ne­dig-at­mo­sphä­re aus­macht, dar­un­ter na­tür­lich auch drei Ka­nä­le, die die In­sel­sied­lung durch­zie­hen. Der Haupt­ka­nal, Ca­na­le Ve­na, wird von neun Brü­cken ge­kreuzt und un­ter­teilt das Städt­chen in ei­ne Nord- und ei­ne Süd­hälf­te. Hier schau­keln bun­te Fi­scher­boo­te am Ufer, mit de­nen die Ein­hei­mi­schen zum Fisch- und Mu­schel­fang in die La­gu­ne hin­aus­fah­ren. Ne­ben Mies­mu­scheln und Kreb­sen ist Chiog­gia vor al­lem für aro­ma­ti­sche Von­go­le (Ve­nus­mu­scheln) be­kannt, die hier Be­va­ras­se hei­ßen. Der Fang wird an­schlie­ßend auf dem wo­chen­tags statt­fin­den­den Fisch­markt ent­lang des Ca­na­le San Do­me­ni­co feil­ge­bo­ten – ita­lie­ni­sche Markt­schrei­er in­klu­si­ve, die ih­re Wa­re mit ei­ner ge­hö­ri­gen Por­ti­on Thea­tra­lik an­prei­sen. Schlen­dern, Fo­to­gra­fie­ren und Schnup­pern zwi­schen den Markt­stän­den ma­chen da­bei im wahrs­ten Sin­ne Ap­pe­tit auf Meer. Um den zu stil­len, muss man glück­li­cher­wei­se nur we­ni­ge Schrit­te lau­fen, ei­nes der Fisch­lo­ka­le ent­lang des Ka­nals aus­wäh­len und Mu­scheln, Kreb­se und Co. bei ei­nem Glas küh­len Pro­sec­co oder Treb­bia­no ver­spei­sen. In al­ler Ru­he und mit viel Zeit für ei­nen Schwatz, denn den lie­ben die Chiog­giot­ti, die Ein­hei­mi­schen, ganz be­son­ders.

An­schlie­ßend lohnt sich ein Spa­zier­gang ent­lang des Cor­so del Po­po­lo, der brei­ten Fla­nier­mei­le, die der ita­lie­ni­sche Schrift­stel­ler Curzio Ma­la­par­te als »ein­zi­ges gro­ßes Ca­fé im Frei­en« be­zeich­net hat. Tat­säch­lich hat man die Qu­al der Wahl, an wel­chem der klei­nen Tisch­chen man sich auf ei­nen »caf­fè« nie­der­las­sen soll, um dem ge­müt­li­chen In­sel­trei­ben zu­zu­se­hen, be­vor man viel­leicht zu ei­nem klei­nen Rund­gang star­tet. Die Kir­chen des Städt­chens, al­len vor­an die ba­ro­cke Ka­the­dra­le San­ta Ma­ria Ass­un­ta, loh­nen ei­nen Ab­ste­cher al­le­mal. Und wer nach der ge­ruh­sa­men Chiog­gia-er­fah­rung doch wie­der Lust auf Tru­bel hat, kann sich ent­we­der am elf Ki­lo­me­ter lan­gen Sand­strand des Orts­teils Sot­to­ma­ri­na in ei­nem der vie­len Ba­gni ver­gnü­gen oder an der Vi­go-brü­cke ein­fach in die Fäh­re zur Li­do­in­sel Pel­le­stri­na über­set­zen und sich von dort zu ei­nem Be­such der gro­ßen La­gu­nen-schwes­ter auf­ma­chen.

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