Volks­ab­stim­mung zur Flücht­lings- und Asyl­po­li­tik

Reutlinger Nachrichten  - - LESERBRIEFE - Wolf­gang Gün­ther, Münsin­gen

hat be­schlos­sen, dass auch Un­garn, die Tsche­chei, Po­len und an­de­re Staa­ten ge­gen den Wil­len ih­rer Re­gie­run­gen und ge­gen den Wil­len der brei­ten Be­völ­ke­rungs­mehr­heit jetzt Asyl­be­wer­ber auf­neh­men müs­sen. Un­se­re Po­li­ti­ker, al­len vor­an Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel, aber auch Sig­mar Ga­b­ri­el und Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz, be­grü­ßen dies aus­drück­lich. Mit Hil­fe von fi­nan­zi­el­len Sank­tio­nen sei­tens der EU soll die­ses Ur­teil durch­ge­setzt wer­den. Nach mei­ner Auf­fas­sung soll hier ein po­li­ti­scher Macht­kampf aus­ge­foch­ten wer­den auf dem Rü­cken der Flücht­lin­ge. An­ge­la Mer­kel will, ge­nau­so wie sie die CDU völ­lig wil­len­los ge­macht hat, ih­ren klei­ne­ren eu­ro­päi­schen Part­nern ih­ren Wil­len auf­zwin­gen. Kurz­fris­tig könn­te sie bei dem ei­nen oder an­de­ren „Part­ner“Er­folg ha­ben. Die Flücht­lin­ge wer­den zu­ge­teilt und in das be­tref­fen­de Land über­führt. Dort sind sie al­les an­de­re als will­kom­men. Das be­deu­tet für die meis­ten von ih­nen bei nächs­ter Ge­le­gen­heit: „Ab nach Deutsch­land“. So­mit wer­den wir sie trotz Ur­teils doch be­kom­men. Da­für be­steht die rea­le Ge­fahr, dass Eu­ro­pa wie­der zer­bricht. Ei­ni­gun­gen wer­den in Zu­kunft für die 27 Staa­ten noch schwie­ri­ger wer­den, weil „ge­brann­tes Kind das Feu­er scheut“. Ge­nau­so passt die al­te Weis­heit: „Wer den Hund zum Ja­gen trägt, be­kommt kei­nen Ha­sen“.

Wir Deut­sche soll­ten end­lich ein­mal an­fan­gen zwi­schen Asy­lan­ten, Mi­gran­ten, Flücht­lin­gen und Hil­fe­su­chen­den zu un­ter­schei­den. Un­ter Asy­lant wird ein po­li­tisch Ver­folg­ter ver­stan­den, als Flücht­ling kann man ei­nen An­wär­ter auf ma­te­ri­el­le Hil­fe ein­stu­fen. Und wen wol­len wir ei­gent­lich auf­neh­men? Bis jetzt im Grun­de je­den Flücht­ling, denn ei­ne wirk­sa­me Au­ßen­gren­ze gibt es bis heu­te nicht und sie wird auch in ab­seh­ba­rer Zeit nicht er­reicht wer­den. Sig­mar Ga­b­ri­el äu­ßer­te die be­rech­tig­te Be­fürch­tung, dass der Rück­zug der Ame­ri­ka­ner aus der Hil­fe für den wirt­schaft­li­chen Wie­der­auf­bau von Af­gha­nis­tan, da­für aber al­le Mit­tel in den mi­li­tä­ri­schen Kampf ge­gen die Ta­li­ban zu ste­cken, zu ei­nem ver­stärk­ten Flücht­lings­strom füh­ren wird. Wol­len und kön­nen wir die­ses? „Macht über die­se ganz wich­ti­ge Zu­kunfts­fra­ge ei­ne Volks­ab­stim­mung“, möch­te man un­se­ren Po­li­ti­kern emp­feh­len. Das Er­geb­nis wird be­stimmt eher re­spek­tiert, als ei­ne emo­tio­nal auf­ge­heiz­te Stim­mung, wie wir sie jetzt ha­ben. Und dann soll­te je­der Mit­glieds­staat die freie Ent­schei­dung ha­ben, ob und wen er bei sich auf­nimmt.

De­mo­kra­tie be­deu­tet, dass die Mehr­heit ent­schei­det, dass die Min­der­heit aber nicht un­ter­drückt wird. Doch das ist hier der Fall. So kann man kein Eu­ro­pa der Zu­kunft bau­en.

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