Auch die We­spen flie­gen auf die Trau­ben

Met­zin­gen Die ers­te Wo­che der Le­se ist vor­bei, die Qua­li­tät stimmt. Die ers­ten Fla­schen des neu­en Jahr­gangs 2017 gibt es wohl im Fe­bru­ar oder März.

Reutlinger Nachrichten  - - METZINGEN - Von Re­gi­ne Lot­te­rer

Das Wet­ter hat den Wen­ger­ten in den ver­gan­ge­nen Ta­gen nicht un­be­dingt in die Kar­ten ge­spielt: Wenn es im­mer wie­der reg­net, be­steht die Ge­fahr, dass die Trau­ben an­fan­gen zu fau­len, er­klärt Jörg Wald­ner, Vor­stands­vor­sit­zen­der und Ge­schäfts­füh­rer der Wein­gärt­ner­ge­nos­sen­schaft Met­zin­gen-neu­hau­sen. Aus die­sem Grund drü­cken die Wen­ger­ter bei der Le­se aufs Tem­po. Am Mitt­woch bei­spiels­wei­se wa­ren Spät­bur­gun­der und Schwarz­ries­ling an der Rei­he, die et­wa 30 Pro­zent der Reb­flä­che aus­ma­chen.

Vor­aus­sicht­lich en­det die Le­se in die­sem Jahr be­reits in der letz­ten Sep­tem­ber­wo­che und da­mit so früh wie sel­ten. Die Na­tur eilt in die­sem Jahr ih­rem üb­li­chen Rhyth­mus um et­wa drei Wo­chen vor­aus. Gleich­wohl, be­tont Jörg Wald­ner, sei die Qua­li­tät der Trau­ben gut, die Öchs­le­gra­de er­rei­chen kei­ne Re­kord­wer­te, lie­gen aber im gu­ten Durch­schnitt. Das ist auch ei­ne Fol­ge des vie­len Re­gens, der im Au­gust ge­fal­len ist. Die Bee­ren ha­ben viel Flüs­sig­keit auf­ge­nom­men, das lässt den Zu­cker­ge­halt sin­ken. Im ver­gan­ge­nen Jahr wa­ren die Bee­ren deut­lich klei­ner, weil das Was­ser fehl­te, ent­spre­chend süß schmeck­ten die Früch­te.

Der Er­trag aus den Met­zin­ger und Neu­häu­ser Wein­ber­gen dürf­te et­wa 60 bis 70 Pro­zent ei­nes Durch­schnitts­jah­res be­tra­gen, schätzt Wald­ner. Da­mit könn­ten die Wen­ger­ter durch­aus zu­frie­den sein. Nach dem spä­ten Frost im April hat­ten die Kel­tern­städ­ter noch mit weit kräf­ti­ge­ren Ein­bu­ßen ge­rech­net. Glück im Un­glück hat­ten sie au­ßer­dem: Die meis­ten Reb­stö­cke ha­ben den Käl­te­ein­bruch pro­blem­los über­stan­den, wäh­rend an­dern­orts Flä­chen ge­ro­det wer­den muss­ten. Schä­den stell­ten die Wein­gärt­ner al­ler­dings bei den Jung­pflan­zen fest. Hier ist nun in­ten­si­ve­re Pfle­ge ge­for­dert, mit­un­ter müs­sen auch ei­ni­ge Wein­stö­cke neu ge­pflanzt wer­den. Ge­dei­hen sie gut, kön­nen die Be­sit­zer in fünf Jah­ren mit ei­nem so ge­nann­ten Vol­l­er­trag rech­nen.

Die ers­ten Fla­schen Hof­stei­ge 2017 kom­men vor­aus­sicht­lich im Fe­bru­ar oder März des kom­men­den Jah­res in den Ver­kauf. In an­de­ren Jah­ren dür­fen sich die Freun­de ei­nes gu­ten Met­zin­ger Trop­fens schon im De­zem­ber das ers­te Gläs­chen ein­schen­ken. Doch die­ses Mal pro­du­zie­ren die Met­zin­ger kei­nen Por­tu­gie­ser, ei­nen säu­re­ar­men und mil­den Rot­wein, der schnell trink­fer­tig ist. Statt­des­sen ha­ben die Wen­ger­ter ent­schie­den, die Por­tu­gie­ser-trau­ben für ei­nen Ro­sé-wein zu ver­wen­den.

Aus­bau­en las­sen die Met­zin­ger ih­re Wei­ne in Mög­lin­gen. Dort ist die 1946 ge­grün­de­te Würt­tem­ber­gi­sche Wein­gärt­ner-zen­tral­ge­nos­sen­schaft an­säs­sig. Et­wa ein Mal pro Mo­nat reist ei­ne De­le­ga­ti­on aus der Kel­tern­stadt in den Land­kreis Lud­wigs­burg, um den Aus­bau mit den dor­ti­gen Kel­ler­meis­tern zu be­spre­chen: „Es ge­schieht ge­nau das, was wir wol­len“, sagt Jörg Wald­ner. Be­vor die Hof­stei­ge-wei­ne in den Han­del ge­lan­gen, wer­den sie ei­ner Qua­li­täts­wein­prü­fung un­ter­zo­gen. Er­füllt der Trop­fen al­le Kri­te­ri­en, gibt es ei­nen Stem­pel und darf da­nach vom Kun­den ge­nos­sen wer­den. Das Ver­fah­ren, sagt Jörg Wald­ner, dient dem Wohl der Ver­brau­cher. Wenn sie das ent­spre­chen­de Sie­gel se­hen, kön­nen sie si­cher sein, dass der Wein in ih­rem Glas kein sau­rer Sem­sen­krebs­ler ist. Für die Hof­stei­ge-pro­dukt­pa­let­te gilt das üb­ri­gens durch­gän­gig: „Wir stel­len nur Qua­li­täts­wein her“, be­tont Wald­ner.

Dass die Met­zin­ger Trau­ben höchst schmack­haft sind, weiß in­des­sen nicht nur der Mensch. Ge­ra­de We­spen und Bie­nen ha­ben sich in den ver­gan­ge­nen Ta­gen die sü­ßen Früch­te schme­cken las­sen. Ins­be­son­de­re die Sor­ten Aco­lon und Por­tu­gie­ser ha­ben es ih­nen an­ge­tan. Tat­säch­lich gibt es für die In­sek­ten we­nig Al­ter­na­ti­ven: Äp­fel und Bir­nen sind die­ses Jahr Man­gel­wa­re im Erm­s­tal.

Üb­ri­gens ta­feln auch die Mäu­se ger­ne in den Wein­ber­gen: Wenn am Bo­den sau­ber ab­ge­nag­te Stie­le lie­gen, dann ist klar: Hier ha­ben sich die Vier­bei­ner den Bauch voll­ge­schla­gen.

Wenn die Näch­te kühl sind, ha­ben wir we­nig Pro­ble­me mit Fäul­nis.

Jörg Wald­ner Wein­gärt­ner­ge­nos­sen­schaft

ver­fal­len, all die­sem Irr­sinn mit pu­rer Ge­las­sen­heit zu be­geg­nen. Det­tin­gens Bür­ger­meis­ter Micha­el Hil­lert kan­di­diert für ei­ne neue Amt­s­pe­ri­ode und braucht da­zu ge­ra­de so viel Ar­gu­men­te, die in ei­nen ein­fa­chen Satz pas­sen: „Ich füh­le mich fit und ge­sund.“Das hat me­ta­phy­si­sche Kraft. In den Jar­gon der Ju­gend über­setzt, könn­te man Hil­lerts Vor­ha­ben mit ei­nem Wort kom­men­tie­ren: Läuft!

Fo­to: Tho­mas Kiehl

Jörg Wald­ner, Ge­schäfts­füh­rer und Vor­stands­vor­sit­zen­der der Wein­gärt­ner­ge­nos­sen­schaft Met­zin­gen-neu­hau­sen, freut sich über die Qua­li­tät der Trau­ben. Aus­ge­baut wird der Wein in Mög­lin­gen.

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