Es ist ein Wun­der, dass nicht nichts ist

Met­zin­gen Mor­gen fei­ern die Kir­chen das Ern­te­dank­fest, des­sen Be­deu­tung wie­der steigt. Für gu­ten Be­such sor­gen auch El­tern der be­tei­lig­ten Kin­der. Die Ga­ben kom­men der Ta­fel zu­gu­te.

Reutlinger Nachrichten  - - METZINGEN - Von Peter Kie­da­isch

Mor­gen könn­te mal wie­der so ein Tag sein: An dem je­der über sei­nen Tel­ler­rand hin­aus schaut und sich fragt, wo­her al­les kommt, wo­hin al­les geht. Die Kir­chen fei­ern Ern­te­dank. Ein Fest, das im Kir­chen­jahr wie­der mehr an Be­deu­tung ge­winnt, und das ist kei­nes­wegs selbst­ver­ständ­lich in ei­nem Land, das Hun­gers­nö­te nur vom Hö­ren­sa­gen oder aus den Welt­nach­rich­ten kennt. Gibt es mal ein schlech­tes Ap­fel­jahr, ist das zwar är­ger­lich, aber es ge­fähr­det nicht die Exis­tenz ei­ner gan­zen Ge­sell­schaft. Selbst wenn die Ge­trei­de­ern­te im Land karg aus­fällt, wird halt die Im­port­quo­te er­höht. Hun­ger ist vor­der­grün­dig kein The­ma, denn Geld, das sa­gen Fuß­ball-ex­per­ten ganz gern und ir­ren sich dar­in mit­un­ter, schießt zwar kei­ne To­re. Aber es hilft ab­seits des Sports satt zu wer­den.

War­um al­so fei­ern die Kir­chen Ern­te­dank? Weil der Tisch nicht bei al­len glei­cher­ma­ßen gut ge­deckt ist. Wie sonst wä­ren die Ta­feln in all den Jah­ren, seit es sie gibt, die letz­te Hoff­nung für so vie­le Men­schen?

An die­se vom all­ge­mei­nen Wohl­stand Ab­ge­kop­pel­ten den­ken mor­gen die evan­ge­li­schen und ka­tho­li­schen Kir­chen­ge­mein­den im Land, auch in Met­zin­gen. Mar­tins­kir­chen­pfar­rer Mar­tin Win­ter be­ob­ach­tet ei­nen Trend, wo­nach der Ern­te­dank­got­tes­dienst im­mer be­deu­ten­der wird im Kir­chen­jahr.

Das hat teil­wei­se ganz pro­fa­ne Grün­de: „An Pfings­ten sind ja al­le ver­reist“, sagt er. An­de­rer­seits rü­cken Früch­te von Feld und Acker zu­neh­mend in den Hin­ter­grund. Die noch vor we­ni­gen Jahr­zehn­ten üb­li­chen klei­nen Ge­bin­de vol­ler Äp­fel, Bir­nen, Ka­rot­ten und an­de­ren schmack­haf­ten Ern­te­ga­ben wer­den nicht mehr von Kin­der­gar­ten­kin­dern an die Al­tä­re ge­stellt und von dort auf die ört­li­chen Al­ten­hei­me ver­teilt. Viel­mehr ru­fen die Kir­chen­ge­mein­den zu Spen­den für die Ta­fel auf.

Schön ge­schmückt mit den Ga­ben des Spät­som­mers sind die Al­tä­re den­noch, auch ver­schie­de­ne Kin­der­gar­ten­g­rup­pen wir­ken an den Got­tes­diens­ten mit. Al­lein schon we­gen de­ren El­tern und An­ver­wand­ten sorgt das für ei­ne gut be­such­te Kir­che.

Al­len­falls an Weih­nach­ten oder Kon­fir­ma­tio­nen kom­men mehr. Aber es gibt noch ei­nen Aspekt, der das The­ma Ern­te­dank ganz neu de­fi­niert: „Es ist ein­fach schön, dass wir le­ben“, sagt Mar­tin Win­ter und tas­tet sich in maß­vol­len Schrit­ten an die Bot­schaft die­ses Ta­ges her­an.

Brot und sau­be­res Was­ser sind das ei­ne, „aber wir ha­ben um uns un­glaub­lich viel, was wir zum Le­ben brau­chen“, sagt er und zählt auf: El­tern, Kin­der und al­le so­zia­len Kon­tak­te, ei­ge­ne Ta­len­te und ei­ne Zu­kunft, die of­fen vor uns liegt. „Es ist ein Wun­der, dass nicht nichts ist“, sagt der Pfar­rer.

Fo­to: Peter Kie­da­isch

Pfar­rer Mar­tin Win­ter (rechts) und Mes­ner Ekart Class be­rei­ten den Al­tar für den Ern­te­dank­got­tes­dienst vor.

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