Staats­an­walt for­dert Haft­stra­fen

Ge­richt Im Pro­zess ge­gen drei An­ge­klag­te, die bei der Lan­des­ober­kas­se Geld un­ter­schla­gen ha­ben, fällt am Frei­tag das Ur­teil.

Reutlinger Nachrichten  - - METZINGEN - Micha­el Koch

Haft­stra­fen, die nicht mehr zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt wer­den kön­nen, for­dert die Staats­an­walt­schaft Tübingen ge­gen die drei An­ge­klag­ten im Fall „Lan­des­ober­kas­se“. Wie be­rich­tet, wer­den zwei Be­am­te der Be­hör­de in Met­zin­gen be­schul­digt, von 2003 bis 2016 mehr als 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro in bar un­ter­schla­gen und ihr Vor­ge­hen mit­tels ge­fälsch­ter Do­ku­men­te und Stem­pel ver­tuscht zu ha­ben. Als drit­te An­ge­klag­te fin­det sich die Ehe­frau ei­nes Be­schul­dig­ten vor Ge­richt, die Tei­le des Gel­des auf ihr Kon­to ein­ge­zahlt und so­mit „ge­wa­schen“hat.

Vier Jah­re Haft for­dert der Staats­an­walt für ei­nen 45-Jäh­ri­gen, er sei Ide­en­ge­ber, An­stif­ter und trei­ben­de Kraft der ins­ge­samt 182 Fäl­le ge­we­sen, von de­nen we­gen der Ver­jäh­rungs­frist al­ler­dings nur noch 22 mit ei­ner Scha­dens­sum­me von 382 000 Eu­ro zur Dis­kus­si­on ste­hen. Er wird der Ur­kun­den­fäl­schung und der Bei­hil­fe zur Un­treue be­schul­digt.

3,5 Jah­re soll ei­ne 61-jäh­ri­ge An­ge­klag­te ins Ge­fäng­nis. Sie hat­te als Team­lei­te­rin Zu­gang zum Tre­sor und zu­gleich die Mög­lich­keit, über Fehl­bu­chun­gen den Dieb­stahl zu ver­schlei­ern. Letzt­lich ha­be sie aber 2016 die Un­ter­schla­gun­gen be­en­det, als sie von ih­rem neu­en Le­bens­ge­fähr­ten auf­ge­deckt wor­den wa­ren.

Die Ehe­frau des 45-Jäh­ri­gen soll für 2,5 Jah­re in Haft. Sie hat das Bar­geld, das sie von ih­rem Mann be­kom­men hat­te, auf ih­re Pri­vat­kon­ten ein­ge­zahlt, oh­ne die Her­kunft des Gel­des ab­zu­klä­ren.

Die Ver­tei­di­ger der An­ge­klag­ten be­an­trag­ten kür­ze­re Stra­fen. Sei­ne Man­dan­tin hät­te in ei­nem „psy­chi­schen Ab­hän­gig­keits­ver­hält­nis“zum gut be­freun­de­ten und ver­schul­de­ten Mit­an­ge­klag­ten ge­stan­den. Er for­dert ma­xi­mal drei Jah­re Haft für die Team­lei­te­rin.

Die bei­den Haupt­an­ge­klag­ten hät­ten gleich­be­rech­tigt ge­han­delt, des­we­gen for­der­te der Ver­tei­di­ger des 45-Jäh­ri­gen eben­falls drei Jah­re Haft.

Für die 38-Jäh­ri­ge, Mut­ter zwei­er klei­ner Kin­der, for­der­te der Ver­tei­di­ger auf je­den Fall ei­ne Stra­fe, die zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt wer­den kön­ne, al­so ma­xi­mal zwei Jah­re. Sie sei von ih­rem Mann im Un­wis­sen­den ge­las­sen wor­den und ha­be oh­ne jeg­li­che kri­mi­nel­le Ener­gie ge­han­delt.

Egal, wie das Ur­teil des Land­ge­richts, das an die­sem Frei­tag ge­spro­chen wird, aus­fällt: Den dem Land Ba­den-würt­tem­berg ent­stan­de­ne Scha­den von 1,265 Mil­lio­nen Eu­ro muss das Trio auf je­den Fall in vol­lem Um­fang be­glei­chen.

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