Da­mit der Lärm nicht auch noch krank macht

Met­zin­gen Ein über­schau­ba­rer Kreis an In­ter­es­sier­ten war bei der In­fo­ver­an­stal­tung der Stadt. Es ging dar­um, wie Stra­ßen­lärm künf­tig ver­min­dert wer­den kann.

Reutlinger Nachrichten  - - METZINGEN - Von Pe­ter Kie­da­isch

Auch wenn sich am Mon­tag­abend nur we­nig Met­zin­ger in der Au­la des Dietrich-bon­hoef­fer-gym­na­si­ums di­rekt in­for­miert ha­ben über den Lärm­ak­ti­ons­plan: Das The­ma ist all­ge­gen­wär­tig, trifft al­ler­dings nicht al­le Ein­woh­ner glei­cher­ma­ßen. Wäh­rend sich al­so man­che in ih­rem Gar­ten ge­nüss­lich dem Mü­ßig­gang hin­ge­ben, kön­nen sich an­de­re auf ih­rem Bal­kon nicht mal un­ter­hal­ten, weil der Lärm vor­bei­fah­ren­der Au­tos ein Ge­spräch un­mög­lich macht. Die EU hat schon im Jahr 2002 ei­ne Um­ge­bungs­lärm­richt­li­nie er­las­sen, die es im Lau­fe der Jah­re von den na­tio­na­len Re­gie­run­gen in Ge­set­ze um­zu­mün­zen galt. In Deutsch­land re­gelt nun das Bun­des-im­mis­si­ons­schutz­ge­setz die Sa­che mit dem Lärm und ver­langt als ei­ne Kon­se­quenz von den Kom­mu­nen, die­sen so ge­nann­ten Lärm­ak­ti­ons­plan auf­zu­stel­len. Das zu tun, hat der Ge­mein­de­rat im Sep­tem­ber be­schlos­sen, of­fen ist bis­lang nur die ent­schei­den­de Fra­ge, wie so ein Plan aus­se­hen muss.

Des­we­gen hat die Stadt­ver­wal­tung zu die­sem Bür­ger­di­alog auf­ge­ru­fen. Um aus ers­ter Hand, eben von den Be­trof­fe­nen, zu er­fah­ren, wo die Stadt et­was tun soll­te. Ein gu­tes Stich­wort lie­fer­te ein Ehe­paar, das in der Nür­tin­ger Stra­ße (B 313) wohnt. Dort hat das Re­gie­rungs­prä­si­di­um im ver­gan­ge­nen Jahr Flüs­ter­asphalt ein­bau­en las­sen: „Der As­phalt bringt gar nichts“, so das Re­sü­mee des Ehe­paars. Es be­zog sich auf ein amt­li­ches Schrei­ben. In dem steht zu le­sen, dass Flüs­ter­asphalt zu­min­dest bei Last­wa­gen nur dann sei­ne schall­dämp­fen­de Wir­kung ent­fal­tet, wenn die Brum­mis schnel­ler als mit 60 St­un­den­ki­lo­me­tern un­ter­wegs sind. Weil erst ab die­ser Ge­schwin­dig­keit die Ab­roll­ge­räu­sche der Rei­fen den do­mi­nan­ten Part über­neh­men. Fah­ren die Las­ter lang­sa­mer, wo­von in ge­schlos­se­nen Ort­schaf­ten aus­zu­ge­hen sein soll­te, über­nimmt das Mo­to­ren­ge­räusch die ers­te Stim­me. Met­zin­gens Ober­bür­ger­meis­ter Dr. Ul­rich Fied­ler war dar­über ver­wun­dert. Er ha­be Ge­gen­tei­li­ges ge­hört. Für das Ehe­paar bleibt’s da­bei: Die Fens­ter in ih­rem Haus hal­ten sie ge­schlos­sen. Auch nachts, auch im Som­mer, wenn ein fri­sches Lüft­chen so gut tä­te.

Über die Wirk­sam­keit et­wai­ger Maß­nah­men herrscht auch in der Wil­helm­stra­ße kei­ne Ei­nig­keit. Ei­ne vom dor­ti­gen Ver­kehr ge­nerv­te Frau be­klagt den Dau­er­stau vor ih­rer Haus­tür: „Die Ab­ga­se ma­chen uns krank.“War­um, so ih­re Fra­gen, „dau­ert es so lan­ge, bis der Lärm­ak­ti­ons­plan um­ge­setzt wird, und war­um ha­ben Ver­kehrs­row­dys in Met­zin­gen ei­nen Frei­fahrt­schein?“Sie plä­diert für Tem­po 30 in der Wil­helm­stra­ße. Dem wi­der­sprach ei­ne Nach­ba­rin. Drei kurz auf­ein­an­der­fol­gen­de Fuß­gän­ger­am­peln sorg­ten dort für Dau­er­stau. Zu­min­dest tags­über er­reicht da kaum ein Au­to 30 St­un­den­ki­lo­me­ter: „Da ste­hen doch al­le.“

Nachts hin­ge­gen könn­te ei­ne Tem­po­re­du­zie­rung viel be­wir­ken. Ein Ex­per­te hat das am Mon­tag­abend er­läu­tert. Fährt ein Au­to statt 50 nur 30, dann min­dert das den Schall um zwar ge­ra­de mal zwei De­zi­bel, aber die Spit­zen­wer­te sind weg. Al­so die, die nicht 50, son­dern fast 70 fah­ren, dros­seln deut­lich das Tem­po: „Wenn die Spit­zen weg sind, ist die Wir­kung groß.“Zu­dem braucht es re­strik­ti­ve Maß­nah­men, al­so re­gel­mä­ßi­ge Kon­trol­len, da­mit sich die Fah­rer auch dran hal­ten.

In der Schüt­zen­stra­ße wohnt hin­ge­gen ein Herr, der dar­über klagt, nicht mehr im Frei­en sit­zen zu kön­nen. Durch den Schei­ben­gip­fel­tun­nel fürch­tet er, dass es künf­tig noch schlim­mer wird. War­um zu­dem am Mai­en­wald­kno­ten die Ge­schwin­dig­keits­be­gren­zung auf 70 St­un­den­ki­lo­me­ter kurz­fris­tig für we­ni­ge hun­dert Me­ter auf­ge­ho­ben wird und 100 zu­läs­sig ist, ver­steht der Herr nicht. Das ver­ur­sacht Lärm durchs Be­schleu­ni­gen, das sich gar nicht lohnt. „Wir wer­den al­le Be­den­ken ernst neh­men und nach Lö­sun­gen su­chen“, hat Met­zin­gens Ers­te Bür­ger­meis­te­rin Jac­que­line Loh­de ver­spro­chen. Die Ver­wal­tung hat al­le An­re­gun­gen pro­to­kol­liert und wird die Plä­ne zwei Mo­na­te zur öf­fent­li­chen Ein­sicht im Rat­haus aus­le­gen und den Ein­woh­nern Met­zin­gens auch wäh­rend die­ser Zeit die Mög­lich­keit ein­räu­men, An­re­gun­gen oder Be­den­ken vor­zu­brin­gen. Da­nach be­schließt der Ge­mein­de­rat.

All die Ab­ga­se ma­chen uns krank.

Ei­ne An­woh­ne­rin der Wil­helm­stra­ße

Fo­to: Tho­mas Kiehl

Ver­kehrs­lärm kann krank ma­chen. Des­we­gen möch­te die Stadt­ver­wal­tung ei­nen Plan auf­stel­len, um die schlimms­ten Aus­wüch­se künf­tig zu un­ter­bin­den.

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