Cha­os im Wei­ßen Haus

USA Der Prä­si­dent wech­selt sei­nen Au­ßen­mi­nis­ter aus. Nun darf der bis­he­ri­ge Cia-di­rek­tor Pom­peo in den Ring stei­gen.

Reutlinger Nachrichten  - - THEMEN DES TAGES / POLITIK - Pe­ter De Thier

Das Per­so­nal­ka­rus­sell im Wei­ßen Haus dreht sich wei­ter. Mit der Ent­las­sung sei­nes Au­ßen­mi­nis­ters Rex Til­ler­son (65) und der Be­ru­fung von Mi­ke Pom­peo (54), bis­her Di­rek­tor des Ge­heim­diens­tes CIA, als Nach­fol­ger hat Prä­si­dent Do­nald Trump ei­ne kri­ti­sche Stim­me in den ei­ge­nen Rei­hen durch ei­nen Loya­lis­ten er­setzt. Der Prä­si­dent be­grün­det das mit Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten zwi­schen ihm und Til­ler­son über Fra­gen wie das Nu­kle­arab­kom­men mit dem Iran. Auch be­ton­te Trump, dass er die Ent­schei­dung, Nord­ko­reas Staats­chef Kim Jong Un zu tref­fen, al­lei­ne ge­trof­fen ha­be.

Aus Re­gie­rungs­krei­sen ver­lau­tet da­her, dass ne­ben po­li­ti­schen Dif­fe­ren­zen vor al­lem man­geln­de Loya­li­tät ge­gen­über dem Prä­si­den­ten zu der Ent­schei­dung bei­ge­tra­gen ha­be. Trump lob­te sei­nen ent­las­se­nen Mi­nis­ter als ei­nen „sehr gu­ten Mann“, be­ton­te al­ler­dings, dass er und der ehe­ma­li­ge Vor­stands­chef des Öl­kon­zerns Exxon „un­ter­schied­li­che Denk­wei­sen“hät­ten. An­ders ver­hal­te es sich bei Pom­peo, der „ähn­lich denkt wie ich“, sag­te Trump. Pom­pe­os Nach­fol­ge an der Cia-spit­ze tritt Gi­na Has­pel an, die so­mit als ers­te Frau den Ge­heim­dienst lei­ten wird. Die 61-Jäh­ri­ge ist nicht un­um­strit­ten – sie soll ei­ne Rol­le bei der Fol­ter von Ge­fan­ge­nen durch den Aus­lands­ge­heim­dienst nach den Ter­ror­an­schlä­gen vom 11. Sep­tem­ber 2001 ge­spielt ha­ben. Das in Ber­lin an­säs­si­ge Eu­ro­pean Cen­ter for Con­sti­tu­tio­nal and Hu­man Rights (ECCHR) zeig­te sie des­we­gen im ver­gan­ge­nen Ju­ni beim Ge­ne­ral­bun­des­an­walt an.

Ent­las­sung kam über Twit­ter

Wie chao­tisch die Ab­läu­fe in der Trump-re­gie­rung sind, zeigt die Tat­sa­che, dass Til­ler­son we­ni­ge St­un­den nach sei­ner Rück­kehr von ei­ner Afri­ka­rei­se durch ei­nen Tweet des Prä­si­den­ten von sei­ner Kün­di­gung er­fuhr. „Der Mi­nis­ter hat­te auf je­den Fall die Ab­sicht, im Amt zu blei­ben und ist über den Grund im Un­kla­ren“, hob Ste­ve Gold­stein, Staats­se­kre­tär im Au­ßen­mi­nis­te­ri­um her­vor.

Pom­peo muss als Au­ßen­mi­nis­ter noch vom Us-se­nat be­stä­tigt wer­den. Er war frü­her Ar­mee­ka­pi­tän, der zu­vor sechs Jah­re lang als Ab­ge­ord­ne­ter im Re­prä­sen­tan­ten­haus saß. Zwar hat er wie sämt­li­che an­de­ren Ge­heim­dienst­ler aus­ge­sagt, der Kreml ha­be ver­sucht, 2016 die Us-prä­si­den­ten­wahl zu ma­ni­pu­lie­ren. Doch zu­min­dest öf­fent­lich stärk­te er Trump den Rü­cken. Er un­ter­stützt die Über­wa­chungs­pro­gram­me der NSA und lehnt die Schlie­ßung des Ge­fan­ge­nen­la­gers Gu­an­tá­na­mo ab.

Noch ei­ne Per­so­na­lie lässt auf­hor­chen. John Mcen­tee, ei­ner der am längs­ten die­nen­den po­li­ti­schen Mit­ar­bei­ter und per­sön­li­cher As­sis­tent Do­nald Trumps, ist frist­los ent­las­sen wor­den. Nach Me­dien­be­rich­ten wur­de er be­reits am Mon­tag aus dem Wei­ßen Haus ge­führt. Un­ge­nann­te Mit­ar­bei­ter be­rie­fen sich auf Si­cher­heits­be­den­ken.

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