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Reutlinger Nachrichten  - - THEMEN DES TAGES / POLITIK -

zwei Jahr­zehn­ten 82,6 Mil­li­ar­den Dol­lar durch die Lon­do­ner Ci­ty flos­sen und die Ein­künf­te der dor­ti­gen Fi­nanz­häu­ser kräf­tig auf­bes­ser­ten.

Nicht nur Sank­tio­nen im Ka­pi­tal­trans­fer wür­den „Lon­don­grad“tref­fen, son­dern auch Han­dels­be­schrän­kun­gen. Der bri­ti­sche Öl­kon­zern BP be­zieht al­lein täg­lich fast ei­ne Mil­li­on Bar­rel aus rus­si­schen Öl­quel­len.

Der Reich­tum und der Ein­fluss der rus­si­schen und ukrai­ni­schen Mil­li­ar­dä­re ist in Lon­don le­gen­där ge­wor­den. Sie do­mi­nie­ren die fünf Spit­zen­plät­ze in der „Lis­te der reichs­ten Bri­ten“. Ro­man Abra­mo­witch ist Be­sit­zer des Pre­mier Le­ague Clubs Chel­sea und der noch rei­che­re Ali­scher Us­ma­now hat gro­ße An­tei­le des Lo­kal­ri­va­len Ar­se­nal. Das Lon­do­ner Leib- und Ma­gen­blatt „Eve­ning Stan­dard“ge­hört dem ExKgb-of­fi­zier Alex­an­der Le­be­dew Mil­li­ar­den Us-dol­lar sind Schät­zun­gen zu­fol­ge aus den Nach­fol­ge­staa­ten der So­wjet­uni­on in den ver­gan­ge­nen zwei Jahr­zehn­ten durch die Ge­schäf­te der Lon­do­ner Ci­ty ge­flos­sen. und der Mul­ti­mil­li­ar­där schluck­te noch da­zu den li­be­ra­len „In­de­pen­dent“. Ri­nat Achme­tow, der reichs­te Mann der Ukrai­ne, mach­te Schlag­zei­len, als er im Jahr 2011 den bis­lang höchs­ten Preis für ei­ne Lon­do­ner Im­mo­bi­lie zahl­te. Für das drei­stö­cki­ge Haus blät­ter­te er rund 163 Mil­lio­nen Eu­ro hin, was ei­nem Qua­drat­me­ter­preis von von 75 000 Eu­ro ent­spricht.

Die Exi­lan­ten aus der ehe­ma­li­gen So­wjet­uni­on schät­zen im Kö­nig­reich nicht nur die po­li­ti­sche Sta­bi­li­tät, das kul­tu­rel­le An­ge­bot, die Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten für Lu­xus­gü­ter und die Pri­vat­schu­len für ih­re Spröss­lin­ge, son­dern freu­en sich auch über die As­cot auf­ge­fun­den. Ent­ge­gen vie­ler Ge­rüch­te soll es sich um Selbst­mord ge­han­delt ha­ben. Be­re­sow­skij wur­de zu ei­ner der Schlüs­sel­fi­gu­ren bei der Er­mor­dung sei­nes Mit­ar­bei­ters Alex­an­der Lit­wi­nen­ko. Der ehe­ma­li­ge rus­si­schen Ge­heim­dienst­ler und Pu­tin-feind wur­de 2007 durch die ra­dio­ak­ti­ve Sub­stanz Po­lo­ni­um 210 ver­gif­tet. Sei­ne Wit­we for­dert nun nach der Skl­ri­pal-af­fä­re, dass auch The­re­sa May die üp­pi­gen Wahl­spen­den rus­si­scher Olig­ar­chi­en zu­rück­zahlt, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren fast ei­ne Mil­li­on Pfund be­tru­gen.

Auf der an­de­ren Sei­te zählt der Mul­ti­mil­li­ar­där Sir Len Bla­vat­nik zu den groß­zü­gigs­ten För­de­rern der bri­ti­schen Kul­tur und Wis­sen­schaft und wur­de da­für auch von der Queen zum Rit­ter ge­schla­gen. Die Bri­ten schät­zen ihn so sehr wie die Schau­spie­le­rin He­len Mir­ren, das All­round­ge­nie Pe­ter Alex­an­der Us­ti­nov und die Sän­ge­rin Amy Wi­ne­hou­se. Sie ha­ben wie die Po­li­ti­ker Nick Clegg und Bo­ris John­son rus­si­sche Wur­zeln und prä­gen das Image der 140 000 in En­g­land le­ben­den Rus­sen weit­aus mehr als die Hand­voll Plu­to­kra­ten und die bi­zar­ren Mord­an­schlä­ge.

Erz­pries­ter Micha­el Go­go­leff, der die rus­sisch-or­tho­do­xe Ge­mein­de in West­eng­land be­treut, kann kei­nen ein­zi­gen Fall nen­nen, in dem sei­ne Mit­glie­der nach der Skri­pal-af­fä­re we­gen ih­rer Her­kunft an­ge­fein­det wur­den. „Uns sorgt ei­gent­lich mehr der Br­ex­it als der „kal­te Krieg“, der dau­ernd von den bri­ti­schen Me­di­en ge­fros­tet wird“, sagt der Geist­li­che – und lä­chelt.

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