18 Mi­nu­ten ge­gen Dumm­heit

Vor 50 Jah­ren be­sang Ar­lo Gu­thrie, wie er dem Mi­li­tär­dienst ent­ging.

Rheinische Post Dinslaken - - ROCK UND POP - VON SE­BAS­TI­AN DALKOWSKI

Es ge­hört zu den gro­ßen Übeln die­ser Welt, dass Songs über die mensch­li­che Dumm­heit die Be­sun­ge­nen nicht er­rei­chen, weil die­se eben genau das sind: zu dumm. Ar­lo Gu­thrie hat den Schwie­rig­keits­grad noch er­höht und vor 50 Jah­ren ei­nen acht­zehn und ei­ne hal­be Mi­nu­te lan­gen Song über die mensch­li­che Dumm­heit ver­öf­fent­licht. Ein Er­folg wur­de „Ali­ce’s Re­stau­rant Mas­sa­cree“trotz­dem – weil es eben ge­nug schlaue Men­schen gibt.

Gu­thrie, Sohn der ame­ri­ka­ni­schen Folk-In­sti­tu­ti­on Woo­die, spiel­te den Song 1967 für sein De­büt­al­bum „Ali­ce’s Re­stau­rant“ein. Der nimmt die gan­ze A-Sei­te ein und ist län­ger als die an­de­ren Stü­cke zu­sam­men. Gu­thrie er­zählt dar­in die ab­sur­de und wah­re Ge­schich­te, wie er dem Mi­li­tär­dienst ent­kam.

1965 hat­te er Thanks­gi­ving bei Ali­ce und ih­rem Ehe­mann ver­bracht. Ali­ce führt ein Re­stau­rant. Das Paar lebt in ei­ner ent­weih­ten Kir­che, es hat sich ei­ne Men­ge Müll an­ge­sam­melt. Ar­lo und sein Be­glei­ter zei­gen sich er­kennt­lich, pa­cken al­les in ih­ren Klein­bus und fah­ren zur nächs­ten Müll­hal­de. Weil die­se al­ler­dings ge­schlos­sen hat, wer­fen sie den Schrott ei­nen Ab­hang hin­un­ter. Der Po­li­zei­chef sieht den Müll, fin­det die Tä­ter über ei­nen weg­ge­wor­fe­nen Brief, sie wer­den ver­haf­tet, kom­men für meh­re­re St­un­den ins Ge­fäng­nis. Die Po­li­zei fer­tigt zahl­rei­che Be­weis­fo­tos vom Tat­ort an. Den bei­den wird der Pro­zess ge­macht. Die Fo­tos hel­fen je­doch we­nig: Der Rich­ter ist blind. Die bei­den wer­den zu ei­ner Geld­stra­fe von 25 Dol­lar ver­ur­teilt.

Spä­ter muss Gu­thrie zur Mus­te­rung. Die USA brau­chen Sol­da­ten für Viet­nam. Er tut al­les, um nicht ein­ge­zo­gen zu wer­den, trinkt sich am Vor­abend ei­nen Rausch an, mimt ge­gen­über dem Arzt den ir­ren Kil­ler. Es hilft al­les nichts. Bis ihn je­mand fragt, ob er schon mal we­gen ei­nes Ver­bre­chens ver­ur­teilt wur­de. Und ob! Die Um­welt­sün­de ist sei­ne Ret­tung.

Der Song macht Gu­thrie be­rühmt, zwei Jah­re spä­ter wird aus dem Lied der Film „Ali­ce’s Re­stau­rant“. Der Po­li­zist, der den Müll ent­deck­te, spielt sich dar­in selbst. Be­grün­dung: Lie­ber las­se er sich selbst wie ei­nen Idio­ten aus­se­hen, als das je­mand an­de­rem zu über­las­sen.

FO­TO: WAR­NER

Ar­lo Gu­thrie auf dem Plat­ten­co­ver von „Ali­ce’s Re­stau­rant“

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