Mord­pro­zess: In Fes­seln vor Ge­richt

Ein 29-Jäh­ri­ger aus Dins­la­ken soll ei­nen Nach­barn er­sto­chen und zwei wei­te­re Män­ner schwer ver­letzt ha­ben. Weil er psy­chisch krank ist, muss das Ge­richt nun prü­fen, ob der Be­schul­dig­te dau­er­haft in der Psych­ia­trie un­ter­ge­bracht wird.

Rheinische Post Dinslaken - - DINSLAKEN HÜNXE·VOERDE - VON BIR­GIT LAMEYER

DINS­LA­KEN/DUIS­BURG Der Mann gilt als höchst ge­fähr­lich. Zum Pro­zess­auf­takt vor dem Duis­bur­ger Schwur­ge­richt muss­te der 27-Jäh­ri­ge des­halb Hand­schel­len und Fuß­fes­seln tra­gen. Au­ßer­dem ket­te­ten ihn die Wacht­meis­ter zu­sätz­lich an die Holz­bank, auf der er Platz neh­men muss­te. Dann ver­las der Staats­an­walt die An­trags­schrift, nach der der Mann auf­grund ei­ner krank­haf­ten see­li­schen Stö­rung un­ter an­de­rem ei­nen Mord und zwei Mord­ver­su­che be­gan­gen ha­ben soll. Der 29-Jäh­ri­ge sei nicht in der La­ge ge­we­sen, das Un­recht sei­ner Ta­ten ein­zu­se­hen. Die All­ge­mein­heit müs­se aber vor ihm ge­schützt wer­den. Der Be­schul­dig­te ha­be im Fe­bru­ar heim­tü­ckisch ei­nen Men­schen ge­tö­tet. Es war sein Nach­bar, der sich in den frü­hen Mor­gen­stun­den auf den Weg zur Ar­beit mach­te. Der Be­schul­dig­te ha­be ihm auf­ge­lau­ert und sei hin­ter Bü­schen her­vor­ge­sprun­gen, um auf Ge­sicht und Hals des 51-Jäh­ri­gen ein­zu­ste­chen. Das Ge­richt hör­te die Po­li­zei­be­am­tin, die den Tat­ort­be­fund­be­richt er­stellt hat­te. Als sie am 15. Fe­bru­ar ein­traf, sei das Op­fer schon im Ret­tungs­wa­gen ge­we­sen. Es sei noch dun­kel ge­we­sen, so dass der Fund­ort aus­ge­leuch­tet wer­den muss­te. Es ha­be kei­ne rie­si­ge Blut­la­che ge­ge­ben, be­rich­te­te die 26-Jäh­ri­ge. Man ha­be aber ei­ne Spur aus Blut- trop­fen se­hen kön­nen. Wei­te­re Blut­an­haf­tun­gen gab es an ei­ner Ta­sche und ei­ner Plas­tik­tü­te so­wie an der Tür ei­nes Gar­ten­hau­ses. Zu­rück blieb ein blau­er Schlaf­sack, mit der ei­ne Zeu­gin den Mann zu­ge­deckt hat­te.

Der Staats­an­walt spricht auch von zwei wei­te­ren heim­tü­cki­schen Ver­su­chen, Men­schen zu tö­ten. Knapp zwei Wo­chen nach dem Mord, näm­lich En­de Fe­bru­ar, ha­be der Dins­la­ke­ner bei ei­nem Nach­barn ge­klin­gelt und ihn un­ter dem Vor­wand, über ei­nen Au­to­ver­kauf re­den zu wol­len, vor die Tür ge­lockt. Plötz­lich ha­be er mit ei­nem Mes­ser in die Brust des Man­nes ge­sto­chen. Als er zu Bo­den ging, lief der Be­schul­dig­te zu­nächst da­von, kehr­te dann aber zu­rück, um er­neut zu­zu­ste­chen. Das Mes­ser blieb ober­halb des Na­sen­beins ste­cken. Im Glau­ben, er ha­be sein Op­fer nun töd­lich ver­letzt, sei der Be­schul­dig­te ge­flüch­tet. Er konn­te nach 25 St­un­den ge­fasst wer­den. We­ni­ge Ta­ge spä­ter ha­be er in der Un­ter­su­chungs­haft ei­nen wei­te­ren Mord­ver­such in Tatein­heit mit ge­fähr­li­cher Kör­per­ver- let­zung un­ter­nom­men: Op­fer war ein Mit­ge­fan­ge­ner, auf den er in Tö­tungs­ab­sicht ein­stach. Mit ei­nem Schmier­mes­ser ha­be er ihm ei­ne vier Zen­ti­me­ter di­cke Stich­wun­de am Hals zu­ge­fügt. Das stump­fe Mes­ser ha­be der Be­schul­dig­te am Bett­ge­stell ge­schlif­fen. Als der Mit­ge­fan­ge­ne schlief, ha­be er zu­ge­sto­chen. Wei­te­re Atta­cken ha­be das Op­fer ab­weh­ren kön­nen. Zwei Ta­ge spä­ter soll der 29-Jäh­ri­ge JVA-Be­diens­te­te an­ge­grif­fen ha­ben. Ein ge­bro­che­ner Dau­men, Schürf­wun­den und Hä­ma­to­me wa­ren die Fol­ge. „Ich möch­te mich nicht äu­ßern”, sag­te der Be­schul­dig­te. Ein Fach­arzt für Psych­ia­trie und Psy­cho­the­ra­pie be­rich­te­te, dass ei­ne Un­ter­su­chung des Man­nes schwie­rig war. Man ha­be mit ihm kei­ne län­ge­re Un­ter­hal­tung füh­ren kön­nen. Bei ei­nem Tref­fen ha­be er „me­di­tie­rend wie ein Pro­phet in der Wüs­te” im Schnei­der­sitz und mit De­cke über dem Kopf auf dem Bett ge­ses­sen. Ei­ni­ge der Vor­fäl­le ha­be er lä­chelnd ein­ge­räumt. Als Grund gab er an, man ha­be ihn tö­ten wol­len und er sei dem An­griff zu­vor­ge­kom­men. Der Dins­la­ke­ner ha­be mit­ge­teilt, er sei be­reits auf­grund von De­pres­sio­nen und Schi­zo­phre­nie in ärzt­li­cher Be­hand­lung ge­we­sen. Sei­ne Ta­blet­ten ha­be er aber nicht ge­nom­men. Ins­ge­samt sind sechs Ver­hand­lungs­ta­ge ge­plant. Das Ver­fah­ren wird in der kom­men­den Wo­che fort­ge­setzt.

RP-AR­CHIV­FO­TO: REICHWEIN

En­de Fe­bru­ar soll der Be­schul­dig­te an der Ecke von Gr­a­ben- und Do­ro­the­en­stra­ße auf ei­nen Nach­bar ein­ge­sto­chen ha­ben. Das Bild zeigt die Po­li­zei bei der Spu­ren­si­che­rung in der Tat­nacht.

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