Ki­tas für Flücht­lings­kin­der öff­nen

Rheinische Post Duesseldorf Meerbusch - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON LE­NA KÖHNLEIN UND EMI­LY SENF

Die Kin­der- und Ju­gend­hil­fe will, dass al­le Flücht­lings­kin­der in Ki­tas un­ter­kom­men. NRW-Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Chris­ti­na Kamp­mann kün­dig­te ges­tern ei­ne ge­ne­rel­le Er­wei­te­rung der Kin­der­be­treu­ung um mehr als 20.000 Plät­ze an.

DÜSSELDORF In der evan­ge­li­schen Ki­ta Ver­eins­stra­ße in Düs­sel­dor­fGer­res­heim müs­sen die Kin­der ihr Spiel im Sand­kas­ten un­ter­bre­chen. Ein Mäd­chen braucht ein Pflas­ter. Drei Kin­der ste­hen da­ne­ben, ein Jun­ge legt den Arm um die Schul­tern des Mäd­chens. Wer hier Flücht­ling ist und wer nicht, in­ter­es­siert kei­nes der Kin­der. „Sie ha­ben kei­ne Sprach­bar­rie­re, sie ver­stän­di­gen sich auf ih­re Art“, sagt Lei­te­rin El­ke Han­sen.

„DieKin­der­ta­ges­stät­ten

sind Tür­öff­ner in die Ge­sell­schaft“

Ka­rin Böl­lert

Ar­beits­ge­mein­schaft Kin­der- und Ju­gend­hil­fe

Die Ar­beits­ge­mein­schaft für Kin­der- und Ju­gend­hil­fe wünscht sich mehr sol­cher Ki­tas und for­dert des­halb Plät­ze für al­le Flücht­lings­kin­der un­ter sechs Jah­ren. Denn in den Ein­rich­tun­gen fal­le die In­te­gra­ti­on und das Er­ler­nen der deut­schen Spra­che be­son­ders leicht. „Die Ki­tas sind Tür­öff­ner in die Ge­sell­schaft“, sagt die Vor­sit­zen­de Ka­rin Böl­lert.

Weil aber vie­le Flücht­lin­ge gar nicht wüss­ten, dass es Ki­tas gibt, müs­se man sie ge­zielt in ih­rer Mut­ter­spra­che in­for­mie­ren. In Deutsch­land ge­be es 120.000 Flücht­lings­kin­der un­ter sechs Jah­ren, sagt Böl­lert mit Ver­weis auf Zah­len des Bun­des­amts für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge. Wie vie­le da­von in die Ki­ta ge­hen, kön­ne nicht be­zif­fert wer­den. Grund­sätz­lich ha­ben Flücht­lings­kin­der ab ei­nem Jahr ei­nen Rechts­an­spruch auf ei­nen Platz in ei­ner Ki­ta, wenn die Fa­mi­lie ei­ner Kom­mu­ne zu­ge­wie­sen wur­de.

Wie Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Chris­ti­na Kamp­mann (SPD) ges­tern mit­teil­te, soll die Zahl der Ki­ta-Plät­ze zum Jahr 2017/18 um mehr als 20.000 auf knapp 660.000 auf­ge­stockt wer­den. Das Land hat die Aus­ga­ben für frü­he Bil­dung zwi­schen 2010 und 2017 mehr als ver­dop­pelt: von 1,26 Mil­li­ar­den auf 2,8 Mil­li­ar­den Eu­ro. Doch noch im­mer ge­be es zu we­ni­ge Plät­ze, fin­den Ex­per­ten. „Der Ki­ta-Aus­bau hinkt to­tal hin­ter­her“, sagt et­wa At­ti­la Gü­müs vom Lan­des­el­tern­bei- rat der Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen. Häu­fig ge­nug müss­ten El­tern dar­um bei der Kin­der­be­treu­ung im­pro­vi­sie­ren, „meist sind es die Frau­en, die da­für be­ruf­lich zu­rück­ste­cken“, sagt Gü­müs. Laut Stefan Pasch­mann von der Düs­sel­dor­fer Dia­ko­nie, Trä­ger der Ki­ta Ver­eins­stra­ße, be­steht das Pro­blem vor al­lem in In­nen­städ­ten. Wäh­rend et­wa in Ga­rath im Düs­sel­dor­fer Sü­den der Be­darf ge­deckt sei, be­we­ge sich die Zahl der Be­wer­ber in Stadt­tei­len wie De­ren­dorf und Flin­gern fast im vier­stel­li­gen Be­reich. Die 720 Plät­ze für das Jahr 2017/18 sind seit Fe­bru­ar ver­ge­ben. Die Stadt hat an­ge­kün­digt, wei­ter aus­bau­en zu wol­len. So soll die Quo­te der U3-Be­treu­ung in öf­fent­lich ge­för­der­ten Ta­ges­stät­ten der Stadt und frei­er Trä­ger von 42,6 Pro­zent (4998) auf 47,4 Pro­zent (5381) er­höht wer­den, die Be­darfs­de­ckungs­quo­te für Kin­der von drei Jah­ren bis zur Schu­le soll von 98,7 auf 103,2 Pro­zent stei­gen.

Bis­lang gibt es nur we­ni­ge Flücht­lings­kin­der in Ki­tas. Wie ein Stadt­spre­cher sagt, sei­en im ver­gan­ge­nen Ok­to­ber 60 Pro­zent der Kin­der über drei und zehn Pro­zent der Un­terD­rei­jäh­ri­gen aus Flücht­lings­fa­mi­li­en be­treut wor­den. Wie vie­le das kon­kret sind, konn­te er nicht sa­gen, doch die Zahl sei nied­rig: „Es wird we­nig nach­ge­fragt.“In den Ein­rich­tun­gen der Dia­ko­nie sind nur et­wa 50 der 3000 Kin­der Flücht­lin­ge.

Auch Gü­müs sorgt sich nicht, dass sich die La­ge durch Flücht­lings­kin­der wei­ter ver­schär­fen könn­te. „Auch oh­ne sie muss man den Aus­bau for­cie­ren“, sagt er. „Man soll­te nicht ei­ne Grup­pe ge­gen die an­de­re aus­spie­len.“

FOTO: BAU­ER

In der Ki­ta Ver­eins­stra­ße in Düsseldorf ha­ben 18 der Kin­der ei­nen Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund, vier kom­men aus Flücht­lings­fa­mi­li­en. „Die Kin­der ha­ben kei­ne Sprach­bar­rie­re, sie ver­stän­di­gen sich auf ih­re Art“, sagt Lei­te­rin El­ke Han­sen.

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