ANA­LY­SE

Rheinische Post Duesseldorf Meerbusch - - STIMME DES WESTENS -

Ste­reo­ty­pe hel­fen, sich in ei­ner kom­ple­xen Welt zu­recht­zu­fin­den. Doch wer ver­drängt, dass Grup­pen nie ho­mo­gen sind, es al­so et­wa „die Flücht­lin­ge“nicht gibt, des­sen Welt­bild wird im­mer en­ger.

lernt“, so Am­jahid, „das sa­ge ich auch, um mir nicht die Hoff­nung zu neh­men, dass man ras­sis­ti­sches Den­ken über­win­den kann, ob­wohl es oft tief in Men­schen ver­an­kert ist.“Sei­ne El­tern hat­ten die­se Hoff­nung ir­gend­wann nicht mehr. Sie wa­ren in den 60er Jah­ren als Gas­t­ar­bei­ter nach Deutsch­land ge­kom­men. Der Va­ter hat­te in Frank­furt am Fließ­band ge­ar­bei­tet, die Mut­ter in Teil­zeit als Rei­ni­gungs­kraft. Doch als gleich­wer­tig an­er­kannt fühl­ten sie sich nie. Dar­um ent­schie­den sie sich 30 Jah­re spä­ter, nach Ma­rok­ko zu­rück­zu­keh­ren. Mo­ha­med Am­jahid war da­mals sie­ben Jah­re alt, erst zum Stu­di­um ging er wie­der nach Deutsch­land und er­lebt nun, wie sich nach Er­eig­nis­sen wie der Köl­ner Sil­ves­ter­nacht die Wahr­neh­mung ver­än­dert hat. Wie et­wa jun­ge Ma­rok­ka­ner nur noch als „die An­de­ren“ge­se­hen wer­den. „Vie­le Men­schen, die nie Dis­kri­mi­nie­rung er­fah­ren müs­sen, spü­ren gar nicht, wie pri­vi­le­giert sie sind“, sagt Am­jahid. Wenn man sich aber selbst hin­ter­fra­ge, of­fen da­für sei, ei­ge­ne Vor­ur­tei­le zu er­ken­nen, sei das schon „die hal­be Mie­te“.

Doch in Zei­ten, die vie­le Men­schen als un­über­schau­bar emp­fin­den, wächst das Be­dürf­nis nach Ver­ein­fa­chung – und Ver­ein­deu­ti­gung. Das scheint die Hemm­schwel­le beim Be­ur­tei­len zu sen­ken. Dann er­wischt man sich bei dem Ge­dan­ken, dass der Ta­xi­fah­rer, der ei­nen ge­ra­de ge­schnit­ten hat, schon wie­der „so ein süd­län­di­scher Typ war“, der deut­sche Ver­kehrs­re­geln „wohl für ei­ne Be­schrän­kung sei­ner Männ­lich­keit hält“. Ist man Ras­sist, wenn man so et­was denkt? Oder erst, wenn man es sagt? Oder es öf­fent­lich äu­ßert?

Alex­an­der Reeb sieht das ent­spannt. „Die Ge­dan­ken sind frei“, sagt er. Und na­tür­lich ver­ur­sach­ten Män­ner in ei­nem be­stimm­ten Al­ter häu­fi­ger Un­fäl­le, da müs­se man nur Ver­si­che­run­gen fra­gen. „Al­ler­dings kann die Zu­ord­nung sol­chen Ver­hal­tens zu ei­ner Grup­pe wie ‚süd­län­di­scher Typ‘ ver­hin­dern, dass man an­de­re Fah­rer die­ses Typs wahr­nimmt, die brav und lang­sam fah­ren“, sagt Reeb. Die Rea­li­tät ist ver­wir­rend. Dar­um hel­fen Ste­reo­ty­pe – so­lan­ge wir ih­nen miss­trau­en.

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