Jetzt muss Duis­burg lie­fern

Rheinische Post Duisburg - - Stadtpost -

Die ei­ge­ne Wahr­neh­mung un­ter­schei­det sich doch oft von dem, wie an­de­re über ei­nen den­ken. Duis­burg ist als Stadt da­für ein be­son­ders gu­tes Bei­spiel. Ge­fühlt werden wir Duis­bur­ger an­ders­wo auf die Din­ge re­du­ziert, die wir ei­gent­lich gar nicht so gern hö­ren wol­len: Duis­burg ist die Stadt der Lo­ve­pa­ra­de, der Ghet­toi­sie­rung in Stadt­tei­len wie Marxloh, die Stadt der ka­put­ten Brü­cken, die Stadt mit den vie­len Ar­beits­lo­sen und die Stadt, die stän­dig in al­len mög­li­chen Ran­kings ganz weit un­ten steht.

Na­tür­lich ken­nen wir auch die an­de­ren Sei­ten die­ser Stadt, und wer am An­fang der Wo­che die Er­eig­nis­se auf der Ge­wer­be­im­mo­bi­li­en­mes­se Ex­po Re­al in München ver­folgt hat, der könn­te mei­nen, dass es mit ei­ner Stadt mit so vie­len Po­ten­zi­al und so vie­len Pro­jek­ten ei­gent­lich nur auf­wärts ge­hen kann. Was fehlt, sind Maß und Mit­te. We­der das ei­ne noch das an­de­re ist ab­so­lut rich­tig, weil Wahr­heit eben meist nur re­la­tiv ist.

Rich­tig ist al­ler­dings auch, dass Rie­sen-Pro­jek­te wie die „Duis­bur­ger Frei­heit“oder „6-Se­en-We­dau“gro­ße Chan­cen für un­se­re Stadt bie­ten. Die Prä­sen­ta­ti­on der Pro­jek­te auf der Mes­se ist die ei­ne Sei­te. Ei­ne ganz an­de­re Sei­te ist es, die Plä­ne nun auch mit Le­ben zu er­fül­len. Nie­mand er­war­tet, dass Din­ge in sol­cher Grö­ßen­ord­nung schnell ge­hen. Aber sie ge­hen auch nicht oh­ne har­te Ar­beit. In­ves­to­ren und Ent­wick­ler müs­sen jetzt an­ge­spro­chen werden, da­mit sie sich nicht nur in der Mes­se-Welt für un­se­re Stadt in­ter­es­sie­ren, son­dern auch im rea­len Le­ben. Denn jetzt muss Duis­burg lie­fern und die Ver­spre­chun­gen mit Le­ben fül­len.

Sonst steht man eher klein­laut da, wie jetzt die Geg­ner des De­si­gner Out­let Cen­ters (DOC). Hat­ten sie vor­her noch das DOC als Wur­zel al­len Übels aus­ge­macht, heißt es nun, feh­len­de Kauf­kraft und Auf­ent­halts­qua­li­tät in der City ver­hin­der­ten ei­nen schnel­le­ren Auf­schwung. Aha. Das mag so sein. Aber die­se Ehr­lich­keit hät­te man sich dann auch schon vor dem Bür­ger­ent­scheid ge­wünscht.

Aber manch­mal sind es eben auch die klei­nen Din­ge im Le­ben, die Freu­de ma­chen – und sei es auch nur ei­ne Berg­manns­fi­gur als Am­pel­männ­chen. Ei­ne schö­ne Re­mi­nis­zenz an die Ver­gan­gen­heit Duis­burgs. Mi­ke Mi­chel

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