Schiffs­ex­plo­si­on hält Jus­tiz wei­ter auf Tr­ab

Nach dem Schiffs­un­glück am 31. März 2016 mit drei To­ten läuft am Amts­ge­richt Ruhr­ort ein so­ge­nann­tes „Ver­klarungs­ver­fah­ren“.

Rheinische Post Duisburg - - Stadtpost -

(sk) Die Ex­plo­si­on auf der „Ju­li­us Rüt­gers“, bei der drei Men­schen ums Le­ben ge­kom­men sind, wird die Jus­tiz wohl noch jah­re­lang be­schäf­ti­gen. Ge­wiss ist bis­lang nur eins: Straf­recht­lich wird der tra­gi­sche Vor­fall kei­ne Kon­se­quen­zen ha­ben. Be­reits En­de 2017 hat­te die Duis­bur­ger Staats­an­walt­schaft ih­re Er­mitt­lun­gen ein­ge­stellt (wir be­rich­te­ten). Ei­ne Be­schwer­de der An­ge­hö­ri­gen der drei Ge­tö­te­ten ge­gen die­se Ent­schei­dung bei der Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft blieb oh­ne Er­folg. Ei­ne wei­te­re schei­ter­te in­zwi- schen eben­falls – dies­mal vor dem Ober­lan­des­ge­richt. Die Ein­stel­lung der Er­mitt­lun­gen sei da­mit end­gül­tig, er­klärt Jen­ni­fer Kö­nig, Spre­che­rin der Duis­bur­ger Staats­an­walt­schaft.

Vor dem Amts­ge­richt in Duis­burg-Ruhr­ort ist die An­ge­le­gen­heit aber noch lan­ge nicht vom Tisch. Dort läuft be­reits seit dem 1. April 2016, ei­nen Tag nach dem Un­glück in der Neu­en Ruhr­or­ter Werft, ein so­ge­nann­tes Ver­klarungs­ver­fah­ren, ei­ne Be­son­der­heit des Schiff­fahrts­rechts. Das die­ne zur Auf­klä­rung des Sach­ver­halts, un­ab­hän­gig vom Straf­recht, er­klärt An­ge­li­ka Bie­nert, die Di­rek­to­rin des für Schiff­fahrts­sa­chen zu­stän­di­gen Ge­richts. Im Mit­tel­punkt ste­he da­bei die Klä­rung der Fra­ge, ob sich ei­ne Kla­ge lohnt. In ei­nem mög­li­chen zi­vi­len Rechts­streit im An­schluss könn­ten die Be­tei­lig­ten ver­su­chen, Scha­dens­er­satz­an­sprü­che gel­tend zu ma­chen. Schau­platz wä­re auch dann wie­der das Amts­ge­richt Ruhr­ort.

Ver­klarungs­ver­fah­ren sind nur für die Par­tei­en öf­fent­lich. Zu den Be­tei­lig­ten ge­hö­ren un­ter an­de­rem die An­ge­hö­ri­gen der Ver­stor­be­nen, die be­trof­fe­ne Werft, die Ree­de­rei, an­de­re Schiffs­eig­ner, auf de­ren Boo­te Trüm­mer­tei­le ge­flo­gen wa­ren, und Su­b­un­ter­neh­mer. Ein Mam­mut-Ver­fah­ren: Di­ver­se Gut­ach­ten hat das Ge­richt be­reits ein­ho­len las­sen, das mög­li­cher­wei­se fi­na­le be­fin­det sich der­zeit auf der Ziel­ge­ra­den, heißt es.

Die drei Ar­bei­ter hat­ten am 31. März 2016 ei­nen Pro­pel­ler­mo­tor auf dem Tank­mo­tor­schiff ver­set­zen wol­len und da­bei auch ge­schweißt. Im La­de­be­reich ent­zün­de­te sich dar­auf­hin ein ex­plo­si­ons­fä­hi­ges Ge­misch. „Die Schweiß­ar­bei­ten hät­ten an die­ser Stel­le nicht durch­ge­führt wer­den dür­fen“, sagt Staats­an­wäl­tin Kö­nig.

Bei den Er­mitt­lun­gen ge­gen zwei Mit­ar­bei­ter der Werft und ei­nen der Ree­de­rei ging es um die Fra­ge, ob sie fahr­läs­sig ge­han­delt ha­ben, et­wa durch un­zu­rei­chen­de oder feh­len­de Un­ter­wei­sung. Ei­nen „hin­rei­chen­den Tat­ver­dacht“da­für konn­ten die Er­mitt­ler aber nicht aus­ma­chen. Die drei Män­ner star­ben im Al­ter von 44, 46 und 58 Jah­ren. Am Un­glücks­ort er­in­ner­te nach der Ex­plo­si­on ei­ne klei­ne Ge­denk­stät­te an sie.

FO­TO: EICKERSHOFF

Nach der Ex­plo­si­on brann­te das Deck der „Ju­li­us Rüt­gers“.

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