Die EU droht zu Recht

Rheinische Post Erkelenz - - STIMME DES WESTENS - VON MAT­THI­AS BEERMANN

Dass De­mo­kra­tie und Rechts­staat lei­der kei­ne un­an­tast­ba­ren Er­run­gen­schaf­ten sind, zeigt sich seit ei­ni­ger Zeit auch in Eu­ro­pa. Da er­lie­gen re­gie­ren­de Par­tei­en der Ver­su­chung, den Staat so um­zu­bau­en, dass sie ih­re Macht auf al­le Zei­ten si­chern. Da­für wer­den Ver­fas­sun­gen ver­bo­gen, die Ge­wal­ten­tei­lung aus­ge­he­belt, die Me­di­en ge­kne­belt, In­sti­tu­tio­nen sys­te­ma­tisch „ge­säu­bert“und mit den ei­ge­nen Leu­ten be­setzt. Un­garns Mi­nis­ter­prä­si­dent Vik­tor Or­bán war der Ers­te, der sat­te Wahl­sie­ge als Frei­brief für ei­ne ent­spre­chen­de Um­ge­stal­tung sei­nes Lan­des ver­stand. Mit Ja­roslaw Kac­zyn­ski hat er in Po­len ei­nen eif­ri­gen Nach­ah­mer ge­fun­den.

Die EU droht Po­len we­gen der Jus­tiz­re­form mit ei­nem Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren, und nun hat auch die Bun­des­kanz­le­rin un­ge­wöhn­lich di­rekt Kri­tik ge­übt. Zu Recht: Wenn in ei­nem EU-Land so fun­da­men­ta­le Wer­te wie die Rechts­staat­lich­keit be­droht schei­nen, dür­fen wir nicht aus falsch ver­stan­de­ner Rück­sicht auf na­tio­na­le An­ge­le­gen­hei­ten schwei­gen. Ob Po­len ei­ne funk­tio­nie­ren­de De­mo­kra­tie bleibt, muss uns eben­so wich­tig sein wie den Po­len selbst. BE­RICHT

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