Fes­ti­val-Be­su­cher un­ter Hoch­span­nung

Rund 20.000 Be­su­cher fei­ern beim neun­ten Elec­tri­si­ze-Fes­ti­val an Haus Ho­hen­busch ei­ne aus­ge­las­se­ne und fried­li­che Par­ty zu lau­ten Beats, wum­mern­den Bäs­sen und tol­len Licht­ef­fek­ten. Die Neue­run­gen kom­men bei den Mas­sen gut an.

Rheinische Post Erkelenz - - ERKELENZER ZEITUNG - VON HENDRIKE SPAAR

ER­KELENZ Me­ter­hoch schie­ßen die Feu­er­fon­tä­nen in den dunk­len Nacht­him­mel, blau-wei­ße Flash­lights und grü­ne La­ser zu­cken über die Tän­zer vor der Büh­ne, die sich ek­sta­tisch zu den wum­mern­den Bäs­sen, die den gan­zen Kör­per vi­brie­ren las­sen, im Takt be­we­gen. Brenn­an Heart weiß, was sei­ne Fans wol­len: Der Star-DJ der Sze­ne, der auf ei­ner Flag­ge und mit pas­sen­dem Lied­text er­klärt „I’am Hard­style“, heizt der Mas­se so rich­tig ein, sorgt im­mer wie­der für kol­lek­ti­ve Tanz­ex­plo­sio­nen, ver­setzt die Fes­ti­val­teil­neh­mer in ei­nen kol­lek­ti­ven Freu­den­tau­mel.

„Life starts at 150 bpm“(Le­ben be­ginnt bei 150 Beats pro Mi­nu­te) – wenn die­se Be­haup­tung, die auf ei­nem Schild von zwei Mä­dels in der ers­ten Rei­he vor der Hard­si­ze-Büh­ne in die Luft ge­hal­ten wird, stimmt, dann stand die Wie­ge des Le­bens am Wo­che­n­en­de an Haus Ho­hen­busch. Zum neun­ten Mal fand dort das Elec­tri­si­ze-Fes­ti­val statt, das rund 20.000 Be­su­cher nach Haus Ho­hen­busch lock­te. 20.000 Be­su­cher, die eins ver­eint: die Lie­be zur elek­tro­ni­schen Mu­sik, mit Licht­ef­fek­ten, La­ser­show und Bäs­sen, die ei­nem die Trom­mel­fel­le dröh­nen las­sen und klei­ne Vi­bra­ti­ons­wel­len durch den gan­zen Kör­per ja­gen.

Und mehr als 100 DJs sorg­ten da­für, dass die Fes­ti­val­be­su­cher voll auf ih­re Kos­ten ka­men: Auf ins­ge­samt sechs Büh­nen wur­de auf­ge­legt, ei­ne bun­te Mi­schung an Stil­rich­tun­gen an­ge­bo­ten, so dass sich je­der nach sei­nen Vor­lie­ben et­was aus­su­chen konn­te. Ganz neu im Kon­zept der Ma­cher des Fes­ti­vals: die Black­out Stage, auf der ver­schie­de­ne Mu­sik­rich­tung wie Trap&Bass, Dub­steb aber auch HipHop und RnB nicht zu kurz ka­men und das Spek­trum des Fes­ti­vals er­wei­ter­ten. „Ich fin­de die Mu­sik su­per cool“, er­klärt der 23-jäh­ri­ge Maksut aus Ger­derath, der sich ein Plätz­chen vor der Black­out Stage ge­si­chert hat und ge­nüss­lich zu den Rhyth­men von Vogue schwoft, „ich hö­re auch zu Hau­se ger­ne HipHop und fin­de es ei­ne tol­le Ab­wechs­lung, dass es jetzt auch hier ei­ne Büh­ne da­für gibt.“Ganz an­ders sieht das sein Freund Paul, der eben­falls ein gro­ßer HipHop-Fan ist, aber de­fi­ni­tiv fin­det, dass die­se Mu­sik bei Elec­tri­si­ze nichts zu su­chen hat. „Ich hö­re pri­vat auch HipHop“, er­klärt der Er­kelen­zer, „aber das Fes­ti­val heißt ja nicht um­sonst Elec­tri­si­ze, da geht es eben um elek­tro­ni­sche Mu­sik.“Und das wis­sen of­fen­sicht­lich auch Da­vid Ghet­to und Y Gil­fi: Be­vor das Rapp-Trio als High­light sei­ner Show noch sei­nen Hit „Bru­di“zum bes­ten gibt, über­rascht es mit ei­ner deut­schen Ver­si­on des Tech­no-Hits „Kind van de Dui­vel“, der auch auf der großen Ma­ins­ta­ge und der Hard­si­ze-Büh­ne zur Be­geis­te­rung der Mas­sen mehr­fach auf­ge­legt wur­de.

Mi­t­or­ga­ni­sa­tor Do­mi­nik Mercks von der Kul­tur­gar­ten Gm­bH zieht ein po­si­ti­ves Fa­zit zum Ex­pe­ri­ment mit der neu­en Büh­ne und un­ter die bei­den Fes­ti­val­ta­ge, die im Großen und Gan­zen fried­lich ab­ge­lau­fen sind: „Wir sind zwar al­le de­zent über­mü­det, aber das Fa­zit fällt to­tal po­si­tiv aus. Die bei­den Ta­ge wa­ren stim­mungs­voll, auf, vor und hin­ter den Büh­nen ist al­les rei­bungs­los ge­lau­fen, so dass al­le sehr ent­spann­te Ta­ge ver­bracht ha­ben.“Das sei auch von­sei­ten der Po­li­zei und der Sa­ni­tä­ter des Deut­schen Ro­ten Kreu­zes zu hö­ren ge­we­sen, die sich haupt­säch­lich um In­sek­ten­sti­che und die Fol­gen von zu viel Al­ko­hol­kon­sum küm­mern muss­ten. „In An­be­tracht so vie­ler Men­schen, hielt sich aber auch das in Gren­zen“, re­sü­miert Mercks, „die meis­ten wa­ren da, um fried­lich und aus­ge­las­sen zu fei­ern.“

Und aus­ge­las­sen ging es auf und vor al­len sechs Büh­nen zu: Ob bei Ta­pu­ya, wo „Pap­pen­hei­mer“pas­send zum re­du­zier­ten tech­ni­schen Equip­ment der Büh­ne doch eher Mu­sik in Hand­ar­beit der al­ten Schu­le auf­leg­te, und bei DJ Lar­ry ali­as La­ra Lüt­te­ke aus Er­kelenz, die als Ice­brea­ker des Fes­ti­vals auf­leg­te, oder auf der klei­nen Büh­ne Ome­ga – über­all wur­de aus­ge­las­sen ge­fei­ert und ge­tanzt. Ein High­light ne­ben den gan­zen Acts war die Ce­re­mo­ny, die am spä­ten Frei­tag und Sams­tag für Be­geis­te­rungs­stür­me und Son­der­ap­plaus sorg­te: Bei ei­nem Feu­er­werk, bei dem Gold­re­gen knis­ternd vom Him­mel rie­sel­te, ei­ner aus­ge­feil­ten La­ser­show und gän­gi­gen, tanz­ba­ren und mit­sing­ver­däch­ti­gen Songs so­wie ei­ner klei­nen Vi­deo­in­stal­la­ti­on zück­ten vie­le der Fes­ti­val-Teil­neh­mer ih­re Han­dys, um sich ein blei­ben­des Sou­ve­nir zwei­er lau­ter Ta­ge in Form ei­nes Vi­de­os zu si­chern.

In den kom­men­den Ta­gen ist nun das gro­ße Auf­räu­men an­ge­sagt, das nach Mercks Aus­sa­ge „schnel­ler läuft als der Auf­bau. Am Don­ners­tag wird dann die Schluss­rei­ni­gung des Ge­län­des er­fol­gen.“Und die wird im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes deut­lich ru­hi­ger über die Büh­ne ge­hen, als das Fes­ti­val selbst.

RP-FO­TO: RUTH KLAPPROTH

Ei­ne bild­ge­wal­ti­ge Kon­fet­ti-Ex­plo­si­on auf der Ma­ins­ta­ge des Elec­tri­si­ze-Fes­ti­vals be­scher­te den Be­su­chern am Frei­tag­abend ei­nen be­son­de­ren Mo­ment.

RP-FO­TO: KLAPPROTH

Die Hard­si­ze-Büh­ne gleicht ei­ner Fa­b­rik – in der aber rhyth­mi­sche Beats pro­du­ziert wer­den.

RP-FO­TO: RUTH KLAPPROTH

Cam­pen ge­hört zum Elec­tri­si­ze da­zu. Die Be­su­cher kom­men längst nicht nur aus der Re­gi­on.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.