Jün­ge­re Le­bens­part­ner ma­chen glück­lich – aber nicht sehr lan­ge

Rheinische Post Geldern - - WISSEN - VON JÖRG ZITT­LAU

DÜS­SEL­DORF Der Phi­lo­soph Aris­to­te­les riet da­von ab, ei­ne deut­lich jün­ge­re Frau zu hei­ra­ten. Denn die sei „im Beischlaf gar zu zü­gel­los“. Ei­ne ak­tu­el­le Stu­die zeigt nun je­doch, dass es durch­aus zu­frie­den macht, wenn man ei­nen jün­ge­ren Part­ner hei­ra­tet. Der Ha­ken dar­an: Das Glück währt nur re­la­tiv kurz.

Ein For­scher­team um Wan­gSheng Lee von der aus­tra­li­schen Dea­kin Uni­ver­si­ty ana­ly­sier­te die Da­ten ei­ner In­ter­viewak­ti­on, in der man die Mit­glie­der von knapp 7700 Haus­hal­ten nach ih­ren Le­bens­ver­hält­nis­sen und ih­rer Zuf­rie­den­heit be­fragt hat­te. Und zwar je­des Jahr über ei­nen Zei­t­raum von zwölf Jah­ren. Da­bei zeig­te sich, dass Män­ner und Frau­en mit jün­ge­rem Part­ner am An­fang ih­rer Ehe deut­lich zu­frie­de­ner sind als sol­che, die sich mit ei­ner gleich al­ten oder äl­te­ren Per­son ver­mählt ha­ben.

Am glück­lichs­ten von al­len sind Män­ner, de­ren Part­ne­rin ein bis drei Jah­re jün­ger ist als sie selbst. Die ge­rings­ten Wer­te auf der Zuf­rie­den­heits­ska­la er­rei­chen eben­falls Män­ner, doch dies­mal sind es die, de­ren Part­ne­rin sie­ben oder mehr Jah­re äl­ter ist. „Bei den Frau­en fan­den wir ei­nen ähn­li­chen Trend“, be­tont Lee, „doch er ist bei ih­nen schwä­cher aus­ge­prägt“. Was aber auch dar­an lie­gen könn­te, dass Män­ner bei Aus­künf­ten zu ih­rer Le­bens­zu­frie­den- heit ge­ne­rell zu ex­tre­me­ren An­ga­ben nei­gen.

Ins­ge­samt bleibt die Er­kennt­nis: Der Äl­te­re fühlt sich – un­ab­hän­gig von sei­nem Ge­schlecht – in ei­ner Be­zie­hung zu ei­nem jün­ge­ren Part­ner pu­del­wohl. Am An­fang je­den­falls. Denn nach sechs bis zehn Jah­ren ist von sei­nem Glücks­vor­sprung nichts mehr üb­rig. „Wir konn­ten be­ob­ach­ten, dass die Le­bens­zu­frie­den­heit bei Paa­ren mit un­ter­schied­lich al­ten Part­nern deut­lich schnel- ler zu­rück­geht, als wenn sie ähn­lich alt sind“, be­rich­tet Lee. Was ver­mut­lich dar­an liegt, dass un­ter­schied­li­che Le­bens­al­ter auch un­ter­schied­li­che Le­bens­pha­sen be­deu­ten. Wenn et­wa der Äl­te­re in Ren­te geht, wäh­rend der Jün­ge­re noch zehn Jah­re ar­bei­ten muss, oder der Jün­ge­re ein Kind will, wäh­rend der Äl­te­re mit dem The­ma durch ist, sind Kon­flik­te pro­gram­miert. Sind die Part­ner au­ßer­dem un­ter­schied­lich alt, kön­nen sie we­ni­ger gut mit fi- nan­zi­el­len Eng­päs­sen in ih­rer Be­zie­hung um­ge­hen. „Die Un­zu­frie­den­heit wächst dann bei ih­nen deut­lich schnel­ler“, warnt Lee.

Der aus­tra­li­sche Wirt­schafts­psy­cho­lo­ge ver­mu­tet, dass Ehen un­ter­schied­lich al­ter Part­ner oft vor dem Hin­ter­grund ge­schlos­sen wer­den, dass der äl­te­re den jün­ge­ren ver­sorgt. Und wenn das dann nicht mehr funk­tio­niert, wird der Part­ner­schaft ih­re Ba­sis ent­zo­gen – und sie schlid­dert in ei­ne schwe­re Kri­se.

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