SA­LES Vom Glück des Nutz­gar­tens

Rheinische Post Geldern - - AUS DEM GELDERLAND - DIE FRA­GEN STELL­TE BI­AN­CA MOKWA.

Bir­git Sa­les aus Wach­ten­donk hat ei­ne Par­zel­le im „Dra­chen­acker“in Win­ter­nam ge­pach­tet. Der Kampf ge­gen Schne­cken und Na­tur­ge­wal­ten lohnt sich. Am En­de wird schmack­haf­tes Ge­mü­se ge­ern­tet. Die gan­ze Fa­mi­lie freut sich dar­über.

Das ei­ge­ne Stück Land zum Ge­mü­seGärt­nern, in die­sem Fall so­gar ge­pach­tet, war­um die Mü­he, und was macht den Un­ter­schied? BIR­GIT SA­LES Zu Hau­se hat­te ich schon To­ma­ten, Schlan­gen­gur­ken und ein Hoch­beet mit Kräu­tern. Aber ich woll­te mehr Ge­mü­se an­bau­en. Der Ge­schmack ist ein an­de­rer. Von der Möh­re gibt es ja nicht nur ei­ne Sor­te, und es gibt auch nicht nur die ei­ne Ro­te Be­te. Die Sor­ten­viel­falt spie­gelt sich im Ge­schäft gar nicht wie­der. Sie ha­ben sich da­für ei­ne Par­zel­le in Win­ter­nam ge­pach­tet? SA­LES Es ist gar nicht so ein­fach ge­we­sen, ein pas­sen­des Stück Land zu fin­den. Meis­tens schlie­ßen sich Men­schen in der Nä­he von Groß­städ­ten zu­sam­men, um zu gärt­nern. Ich woh­ne in Wach­ten­donk, die Par­zel­le ist in Win­ter­nam, das heißt, es sind zehn Mi­nu­ten zu fah­ren. Ich lie­be das Gärt­nern. Auch wenn ich be­rufs­tä­tig bin, das ist es mir wert. So dass ich mich echt ge­freut ha­be, auf dem Dra­chen­acker noch ei­nen Platz zu fin­den. Wie groß ist denn die Flä­che? SA­LES Das sind 40 Qua­drat­me­ter, je 20 rechts und links, in der Mit­te ist ein Weg. Das ist ganz prak­tisch, um über­all dran zu kom­men oder auch, wenn man Kin­der mit zum Gärt­nern mit­nimmt. Aber mei­ne sind schon groß. Die pro­fi­tie­ren aber den­noch vom selbst ge­ern­te­ten Ge­mü­se? SA­LES Ja. Pflan­zen, die dem Wind und Wetter trot­zen, sind wi­der­stands­fä­hi­ger. Man schmeckt auch die Son­ne. Wenn ich die To­ma­ten tags­über am Strauch frisch ern­te und abends zum Abend­es­sen ser­vie­re, das ist ein­fach was an­de­res. Das fin­det die gan­ze Fa­mi­lie toll. Mit Kar­tof­feln, die nicht schme­cken, brau­che ich de­nen zum Bei­spiel gar nicht erst zu kom­men. Ein High­light für mich ist au­ßer­dem, dass Kin­der da­durch be­wuss­ter im Um­gang mit Le­bens­mit­teln wer­den. Au­ßer Kar­tof­feln, was bau­en Sie al­les sel­ber an? SA­LES Aktuell be­fin­det sich Kohl­ra­bi, Ro­te Be­te, Por­ree, Sel­le­rie, Zuc­chi­ni, Möh­ren, Ra­dies­chen, Spitz­kohl und Sa­lat im Wachs­tum. Boh­nen und Mais wer­de ich noch sä­en und Palm­kohl. Der ist in Deutsch- land nicht so be­kannt, ich ko­che aber ger­ne ita­lie­nisch, da­zu passt das sehr gut. Zum En­de des Jah­res gibt es Feld­sa­lat und En­di­vi­en. Wie zeit­in­ten­siv ist das Gan­ze? SA­LES Ich muss na­tür­lich in der Wachs­tums­pha­se zum Gie­ßen hin, aber in ei­ner St­un­de bin ich da­mit durch. Die Kar­tof­feln müs­sen an­ge­häu­felt wer­den, ich säe den nächs­ten Sa­lat ein, da­mit ich di­rekt nach der ers­ten Ern­te ei­nen An­schluss ha­be. Die Ern­te­zeit ist zeit­in­ten­si­ver. Wenn al­les gleich­zei­tig reif ist, kann man Pro­ble­me krie­gen, aber ich neh­me dann ger­ne auch was mit ins Bü­ro, für die Kol­le­gen. Gibt es ein Ge­heim­mit­tel ge­gen Schne­cken? SA­LES (lacht) Al­so, die Bier­fal­le hat nicht wirk­lich ge­hol­fen. Man kann aber Bret­ter hin­le­gen, dort ver­krie­chen sich die Schne­cken und man kann sie mit der Hand ab­sam­meln. Das ist die un­schäd­lichs­te Me­tho­de. Üb­ri­gens denkt man im­mer, dass Schne­cken lang­sam sind, aber sie schaf­fen es in ei­ner Nacht ins Hoch­beet und sich dort satt zu es­sen. Ich tei­le ja ger­ne, aber nicht al­les. Ein­satz von Gift? SA­LES Nein, auch die Kar­tof­fel­kä­fer ha­ben wir per Hand ein­ge­sam­melt. Wenn man nur ein paar Rei­hen hat, geht das auch. Es kommt auch kein Kunst­dün­ger an die Pflan­zen. Ein­mal Pfer­de­mist drauf, das reicht für die gan­ze Sai­son. Den Rest er­le­digt die Na­tur. Wenn es mal ha­gelt, den­ken Sie dann mit Sor­ge an Ihr Beet? SA­LES Na­tür­lich ist das frus­trie­rend, man hat da viel Ar­beit und Herz­blut rein­ge­steckt. Aber das ist für uns als Fa­mi­lie ja nicht mehr le­bens­be­dro­hend. Viel­mehr be­rei­tet mir der ei­ge­ne Acker Freu­de und Ge­nuss, ab­ge­se­hen von den Schne­cken­at­ta­cken. (lacht) Wel­che Kos­ten ha­ben Sie? SA­LES Ge­pach­tet ha­be ich von April bis No­vem­ber und zah­le 240 Eu­ro. Aber dann ist be­reits je­de Men­ge von der Ver­päch­te­rin des Dra­chen­ackers, Sacha Sohn, ge­pflanzt. Es ist aber auch noch ge­nug Platz für spe­zi­el­le Sa­chen, um selbst krea­tiv zu wer­den. Vor Ort steht ein gro­ßer Was­ser­tank fürs Gie­ßen und Bäu­me, in de­ren Schat­ten man sich aus­ru­hen kann. Das Gärt­nern mit an­de­ren, die dort auch ei­ne Par­zel­le ha­ben, hat vie­le Vor­tei­le. Man kann, wenn man im Ur­laub fährt, bit­ten, dass je­mand die Pflan­zen mit Was­ser ver­sorgt, und man hat Ab­neh­mer, wenn man Setz­lin­ge über hat. Man tauscht sich ein­fach aus. Ab und zu kom­men auch in­ter­es­sier­te Fahr­rad­fah­rer vor­bei. Ich fin­de das op­ti­mal. In mei­ner Kind­heit hat­te ich auch ein ei­ge­nes Beet und fand das to­tal klas­se. Ich wür­de mich über Mit­strei­ter freu­en.

RP-FO­TO: HEINZ SPÜTZ

Die ers­ten Ge­mü­se­pflan­zen stre­cken schon ih­re grü­nen Stän­gel der Son­ne ent­ge­gen. Da­mit al­les wei­ter­hin so gut wächst, be­sucht Bir­git Sa­les ih­ren ge­pach­te­ten Acker re­gel­mä­ßig und freut sich da­bei schon auf die Ern­te­zeit.

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