Deutsch­land – ein Sitz

Der Ver­tre­ter der Bun­des­re­pu­blik zieht ab Ja­nu­ar in den Si­cher­heits­rat der Ver­ein­ten Na­tio­nen ein – zu­nächst als nicht­stän­di­ges Mit­glied. Die Deut­schen wol­len in dem Gre­mi­um grund­le­gen­de Re­for­men durch­set­zen.

Rheinische Post Goch - - Vorderseite - VON FRANK HERR­MANN

NEW YORK Die Bun­des­re­pu­blik hat ei­nen gro­ßen di­plo­ma­ti­schen Er­folg er­run­gen: Deutsch­land zieht als nicht­stän­di­ges Mit­glied wie­der in den UN-Si­cher­heits­rat ein. Die Bun­des­re­gie­rung wird zwei Jah­re lang ab Ja­nu­ar 2011 in die­sem Gre­mi­um ver­tre­ten sein. Die Voll­ver­samm­lung wähl­te au­ßer­dem In­di­en, Süd­afri­ka und Ko­lum­bi­en in den Si­cher­heits­rat. Der di­rek­ten Ri­va­le Deutsch­lands aus der Grup­pe der west­li­chen Staa­ten, Por­tu­gal, wur­de erst in der drit­ten Run­de ge­wählt, nach­dem Ka­na­da sei­ne Kan­di­da­tur we­gen des schlech­ten Ab­schnei­dens im zwei­ten Wahl­gang zu­rück­ge­zo­gen hat­te.

Um 17.34 Uhr deut­scher Zeit hat­te das Zit­tern ein En­de. 128 der 191 UN-De­le­gier­ten stimm­ten für Deutsch­land. Das war ei­ne Stim­me mehr als die nö­ti­ge Zwei­drit­tel­mehr­heit. Au­ßen­mi­nis­ter Gui­do Wes­ter­wel­le (FDP) hat­te bis zu­letzt für ei­nen deut­schen Sitz ge­wor­ben. Trotz­dem gilt es als pro­ble­ma­tisch, dass sich die Deut­schen nicht mit Ka­na­da und Por­tu­gal ab­ge­stimmt ha­ben. Nor­ma­ler­wei­se wer­den in­ner­halb der ein­zel­nen Grup­pen Kampf­ab­stim­mun­gen ver­mie­den.

15 Staa­ten bil­den den Welt­si­cher­heits­rat. Fünf von ih­nen, die USA, Russ­land, Chi­na, Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich, sind stän­di­ge Mit­glie­der mit Ve­to­recht. Die üb­ri­gen wer­den von der Ge­ne­ral­ver­samm­lung ge­wählt, nach zwei Jah­ren müs­sen sie ih­ren Platz wie­der räu­men. Fünf der zehn nicht­stän­di­gen Sit­ze wur­den ges­tern ver­ge­ben, streng nach re­gio­na­lem Pro­porz. Die Asia­ten hat­ten sich schon im Vor­feld ge­ei­nigt, dass In­di­en an­stel­le Ja­pans auf­rückt. In Latein- ame­ri­ka kommt Ko­lum­bi­en für Me­xi­ko, bei den Afri­ka­nern über­nimmt die Re­pu­blik Süd­afri­ka den Sitz von Ugan­da. Für die zwei Plät­ze der west­li­chen Staa­ten­grup­pe gab es drei An­wär­ter.

Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel wer­te­te die Wahl als „Eh­re“ und Zei­chen der Kon­ti­nui­tät deut­scher Au­ßen­po­li­tik. Der CDU-Au­ßen­po­li­ti­ker Phil­ipp Miß­fel­der mahn­te, es ge­he jetzt dar­um, die Mit­glied­schaft im Welt­si­cher­heits­rat be­wusst zur Wahr­neh­mung eu­ro­päi­scher In­ter­es­sen zu nut­zen. „Wir müs­sen den Sitz eu­ro­pä­isch aus­üben. So kön­nen wir zei­gen, wie wich­tig ein stän­di­ger eu­ro­päi­scher Sitz im Si­cher­heits­rat ist“, sag­te Miß­fel­der un­se­rer Zei­tung. Das blei­be das ei­gent­li­che Ziel, das Deutsch­land „jetzt erst recht in den Blick neh­men“ müs­se.

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