Bund baut 2012 Kaars­ter Kreuz um

Ei­ne Ver­kehrs­pro­gno­se be­legt: Die Staus am Kaars­ter Kreuz wer­den sich häu­fen. Hel­fen soll ein To­tal­um­bau des Au­to­bahn­kreu­zes nach dem Vor­bild des Ka­me­ner Kreu­zes. Die Ab­bie­ge-„Oh­ren“ wer­den durch Über­flie­ger er­setzt. Ge­wünsch­ter Ef­fekt: Der Ver­kehr soll

Rheinische Post Goch - - Land & Leute - VON CHRIS­TOPH KLEINAU UND GERHARD VOOGT

NEUSS/KAARST Es gibt Städ­te, die kennt je­der. Kaarst ge­hört da­zu. Nicht weil die Stadt be­son­ders schön oder be­son­ders groß wä­re, son­dern weil sie am Kaars­ter Kreuz liegt, ei­nem der stau­träch­tigs­ten Ver­kehrs­kno­ten in Nord­rheinWest­fa­len. Da­mit dort der Dau­er­stau ein En­de hat, ha­ben Bund und Land nun den Ab­riss und den Neu­bau des Kreu­zes be­schlos­sen. Ein Spre­cher des Lan­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums be­stä­tig­te ges­tern die­ses rund 55 Mil­lio­nen Eu­ro schwe­re Groß­pro­jekt, das die Bau­ar­bei­ten auf der A 57 im Ab­schnitt Neuss um Jah­re ver­län­gern wird. Min­des­tens bis 2016.

Bis zu 200 000 Fahr­zeu­ge pas­sie­ren täg­lich das Kaars­ter Kreuz

Die Au­to­bahn 57, Haupt­ver­kehrs­schlag­ader am lin­ken Nie­der­rhein, wird seit Jah­ren Schritt für Schritt auf sechs Spu­ren aus­ge­baut. Das soll den Ver­kehrs­in­farkt ver­hin­dern und die Städ­te an der Stre­cke end­lich aus den Ver­kehrs­nach­rich­ten brin­gen. Das Kaars­ter Kreuz, die Ver­knüp­fung zur Au­to­bahn 52, war da­bei im­mer aus­ge­klam­mert ge­blie­ben. Weil, so meint Jo­chen van Beb­ber, die be­ste­hen­de Brü­cke ei­nen so brei­ten Bu­ckel hat, dass die A 57 auch mit sechs Fahr­strei­fen über die A 52 ge­führt wer­den konn­te. Man hät­te al­ler­dings die Sei­ten­strei­fen auf­ge­ben müs­sen, er­klärt der Lei­ter der Pro­jekt­grup­pe Bun­des­au­to­bah­nen in der Re­gio­nal­nie­der­las­sung Kre­feld des Lan­des­be­triebs Stra­ßen NRW. Gleich­wohl ei­ne trag­fä­hi­ge Lö­sung, wie van Beb­ber be­tont.

Was bei der Aus­bau­pla­nung un­be­ach­tet blieb, mach­te nun ei­ne Un­ter­su­chung im Auf­trag des Bun- des of­fen­bar: Eng ist es nicht nur auf der Stre­cke, eng ist es auch an den Schnitt­stel­len zu an­de­ren Fern­stra­ßen. Vor al­lem im Kaars­ter Kreuz, das auf der A 57 täg­lich von bis zu 120 000 Fahr­zeu­gen und auf der A 52 von bis zu 80 000 Wa­gen am Tag pas­siert wird, kommt es schon heu­te im­mer wie­der zu Staus. Die Un­ter­su­chung zur Leis­tungs­fä­hig­keit be­son­ders neur­al­gi­scher Kno­ten­punk­te leg­te wei­ter an­schwel­len­de Ver­kehrs­strö­me zu­grun­de. Sie kommt, so van Beb­ber, schon für das Jahr 2020 zu dem Er­geb­nis, dass die An­for­de­run­gen für ei­ni­ge Ver­kehrs­be­zie­hun­gen nicht mehr er­füllt wer­den. Vor al­lem der Wech­sel von der A 57 aus Rich­tung Kre­feld auf die A 52 mit Ziel­ort Düsseldorf und, in Ge­gen­rich­tung, in Rich­tung Mön­chen­glad­bach lässt Dau­er­stau er­war­ten. An­ge­sichts die­ser Pro­gno­se wur­de der Neu­bau be­schlos­sen. Und zwar nicht ir­gend­wann, son­dern jetzt, so­zu­sa­gen in ei­nem Ab­wasch mit der Ver­brei­te­rung der Au­to­bahn 57.

Um den Ver­kehrs­fluss im Kreuz Kaarst zu be­schleu­ni­gen und vor al­lem Rück­staus zu ver­mei­den, sieht der stra­ßen­tech­ni­sche Ent­wurf un- ter an­de­rem „die Auf­lö­sung des Klee­blat­tes vor“, wie Pro­jekt­lei­ter Jo­hann de Mul­der er­klärt. Da­mit ver­schwin­den je­ne Ab­bie­ge­spu­ren, die aus der Vo­gel­per­spek­ti­ve wie „Oh­ren“ wir­ken und dem Kreuz sein ty­pi­sches Aus­se­hen ge­ben.

An­stel­le die­ser nur kur­zen Krei­sel, die den Ver­kehr auch deut­lich ver­lang­sa­men, sol­len so ge­nann­te „Über­flie­ger“ tre­ten wie sie im Ka­me­ner Kreuz oder im Drei­eck Neuss-West schon ge­baut wur­den. Sie füh­ren die Au­tos beim Fahrt­rich­tungs­wech­sel auf Brü­cken über die ei­gent­li­chen Fahr­spu­ren. Sol- che Über­flie­ger wird es für Au­tos aus Rich­tung Kre­feld ge­ben, die auf die A 52 Rich­tung Düsseldorf wol­len, so­wie für Au­to­fah­rer aus Fahrt­rich­tung Köln, die Rich­tung Mön­chen­glad­bach wei­ter wol­len.

Die De­tail­pla­nung für die neue Stre­cken­füh­rung im Kaars­ter Kreuz ste­he noch aus, hieß es ges­tern im Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um. Das Pl­an­fest­stel­lungs­ver­fah­ren für die­se Neu­ord­nung wer­de erst 2013 an­lau­fen. Das Haupt­bau­werk, die dann ver­brei­ter­te Brü­cke über die A 52, wird zu die­sem Zeit­punkt al­ler­dings schon ste­hen. Sie wird er­rich­tet, wenn die A 57 zwi­schen der An­schluss­stel­le Holz­bütt­gen und dem schon auf­ge­wei­te­ten Au­to­bahn­ab­schnitt auf dem Ge­biet der Stadt Meer­busch ver­brei­tert wird. Das wird 2012 ge­sche­hen, den Ver­kehrs­fluss auf der A 52 aber nach An­sicht der Pla­ner kaum be­ein­träch­ti­gen. Schwie­ri­ger wird es für die Au­to­fah­rer in Nord-Süd-Rich­tung, für die im Kaars­ter Kreuz ei­ne Um­fah­rung der Brü­cken­bau­stel­le ge­schaf­fen wer­den muss.

Das Pro­jekt Kaars­ter Kreuz wird zwar un­ter dem Vor­be­halt der Fi­nan­zie­rung ver­folgt, das bremst die Pla­ner aber nicht. Denn die A 57 hat im Aus­bau­plan für die Bun­des­fern­stra­ßen obers­te Prio­ri­tät.

FO­TO: GOOG­LE EARTH

Luft­auf­nah­me des Kaars­ter Kreu­zes, an dem die Au­to­bah­nen 57 und 52 zu­sam­men­tref­fen. Beim für 2012 ge­plan­ten Um­bau sol­len die „Oh­ren“-Ab­fahr­ten durch „Über­flie­ger“ er­setzt wer­den. Dies soll den Ver­kehrs­fluss be­schleu­ni­gen.

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