Pres­se­frei­heits-Geg­ner ge­ben auf

Rheinische Post Goch - - Politik - VON GREGOR MAYNTZ

BERLIN Die Ent­hül­lung von Miss­stän­den und „Staats­ge­heim­nis­sen“ in Me­di­en wird künf­tig nicht mehr als Straf­tat ver­folgt wer­den kön­nen. Auch Durch­su­chun­gen von Woh­nun­gen und Re­dak­tio­nen auf der Su­che nach „Lecks“ in Be­hör­den sol­len nur noch in sehr we­ni­gen Aus­nah­me­fäl­len mög­lich sein. Das zeich­net sich im Vor­feld der Bun­des­rats­sit­zung an die­sem Frei­tag ab. Geg­ner der neu­en Re­ge­lung ga­ben ges­tern ih­ren Wi­der­stand auf.

Nach der Ent­schei­dung des Ver­fas­sungs­ge­rich­tes im Fall „Ci­ce­ro“ hat­ten sich Uni­on und FDP dar­auf ver­stän­digt, die Pres­se­frei­heit in Deutsch­land mit ei­nem neu­en Ge­setz zu stär­ken. Jour­na­lis­ten, die ver­trau­lich zu­ge­lei­te­tes Ma­te­ri­al ver­öf­fent­li­chen, sol­len sich nicht mehr der „Bei­hil­fe zur Ver­let­zung ei­nes Di­enst­ge­heim­nis­ses“ schul­dig ma­chen. Durch­su­chun­gen und Be­schlag­nah­mun­gen von Un­ter­la­gen sol­len nur noch er­laubt sein, wenn ge­gen den be­trof­fe­nen Jour­na­lis­ten selbst ein „drin­gen­der Tat­ver­dacht“ in an­de­rer Sa­che be­steht.

Mit die­ser Ge­set­zes­in­itia­ti­ve folg­ten Jus­tiz­mi­nis­te­rin Sa­bi­ne Leu­theus­ser-Schnar­ren­ber­ger (FDP) und In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) den Be­den­ken des Ver­fas­sungs­ge­richts. Das hat­te Er-

Durch­su­chun­gen nur noch bei drin­gen­dem

Tat­ver­dacht

mitt­lun­gen mit Durch­su­chun­gen und Be­schlag­nah­mun­gen ge­gen das Ma­ga­zin „Ci­ce­ro“ für un­zu­läs­sig er­klärt. Das Bun­des­kri­mi­nal­amt hat­te her­aus­fin­den wol­len, von wem in­ter­ne Er­mitt­lungs­ak­ten in ei­nem Is­la­mis­ten­ver­fah­ren ge­kom­men wa­ren.

Der Rechts­aus­schuss des Bun­des­ra­tes stell­te sich bei der Be­ra­tung des Pres­se­frei­heits­ge­set­zes je- doch quer. Ge­heim­nis­schutz müs­se „grund­sätz­lich ge­gen­über je­der­mann gel­ten“, be­fan­den die be­sorg­ten Rechts­po­li­ti­ker vor al­lem aus uni­ons­re­gier­ten Län­dern. Es sei schlicht „nicht hin­nehm­bar, dass Jour­na­lis­ten sich an Straf­ta­ten im Zu­sam­men­hang mit dem Ver­rat von Di­enst­ge­heim­nis­sen be­tei­li­gen und die­ses Ver­hal­ten durch ei­ne be­son­de­re Re­ge­lung für recht­mä­ßig er­klärt“ wer­de.

Bri­sant war die­se Blo­cka­de vor dem Hin­ter­grund der in Bran­den­burg aus­ge­lös­ten De­bat­te über Pres­se­frei­heit, nach­dem In­nen­mi­nis­ter Rai­ner Speer die Ver­öf­fent­li­chung von den Me­di­en zu­ge­spiel­ten Do­ku­men­ten ver­hin­dern woll­te, die ihn in Ver­bin­dung mit ei­ner Straf­tat brach­ten. Speer trat auf dem Hö­he­punkt der Af­fä­re zu­rück.

Die nie­der­säch­si­sche Lan­des­re­gie­rung be­schloss ges­tern, ih­rem ei­ge­nen ab­leh­nen­den Vo­tum im Rechts­aus­schuss nun nicht mehr zu fol­gen und das Pres­se­frei­heits­ge­setz im Plenum pas­sie­ren zu las­sen.

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