Rot-Grün strei­tet über Koh­le-Aus

Rheinische Post Goch - - Politik - VON ANTJE HÖNING UND GERHARD VOOGT

DÜSSELDORF Die RAG-Stif­tung kämpft ver­zwei­felt um den Er­halt der Koh­le­sub­ven­tio­nen bis 2018. Der Plan der EU-Kom­mis­si­on, die Ze­chen schon 2014 still­zu­le­gen, wür­de zu Mehr­kos­ten von 880 Mil­lio­nen Eu­ro füh­ren, warn­te RAGStif­tungs-Chef Wil­helm Bon­seG­eu­king in ei­nem Brief an Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Rai­ner Brü­der­le (FDP). Zu­gleich wür­den vier Jah­ren für den Auf­bau ei­nes Ka­pi­tal­stocks feh­len, aus dem die Ewig­keits­las­ten des Berg­baus fi­nan­ziert wer­den sol­len. Wie zu­vor schon Ge­werk­schafts-Chef Michael Vas­si­lia­dis bat auch Bon­se-Geu­king um ein kurz­fris­ti­ges Gip­fel­tref­fen bei Brü­der­le. „An­ge­sichts der nur noch kur­zen Zeit, die für die Her­stel­lung ei­nes Ein­ver­neh­mens mit der Kom­mis­si­on zur Ver­fü­gung steht, möch­ten wir noch ein­mal auf die Ri­si­ken hin­wei­sen“, heißt es in dem Brief, der un­se­rer Zei­tung vor­liegt.

In der Tat läuft den Koh­le­freun­den die Zeit da­von. Am 10. De­zem­ber will die EU end­gül­tig über das En­de der Sub­ven­tio­nen ent­schei­den. Deutsch­land hat kei­ne Chan­ce, ei­nen ein­stim­mi­gen Be­schluss des EU-Mi­nis­ter­ra­tes zu er­rei­chen, um die Plä­ne zu kip­pen. Und um die Kom­mis­si­on zu be­we­gen, die Plä­ne frei­wil­lig vom Tisch zu neh­men, müss­te die deut­sche Po­li­tik in Brüssel mit ei­ner Stim­me spre­chen. Tut sie aber nicht. An­ders als die Kanz­le­rin trom­melt Brü­der­les FDP so­gar für das frü­he Koh­le-Aus.

Und nun ist auch noch die rot­grü­ne Lan­des­re­gie­rung über die Koh­le-Fra­ge zer­strit­ten. Wäh­rend Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Han­ne­lo­re Kraft (SPD) so­gar an ei­nem So­ckel­berg­bau nach 2018 fest­hält, sag­te Grü­nen Frak­ti­ons­chef Rei­ner Prig­gen un­se­rer Zei­tung: Es ge­be „kei­ne Grund­la­ge“ für die Fort­set­zung des Berg­baus über 2018 hin­aus. „Wir ha­ben ja nicht Weih­nach­ten“, sag­te Prig­gen. Er ken­ne kei­nen, der ob­jek­ti­ve Grün­de für den So­ckel­berg­bau nen­nen kön­ne. NRW-Wirt­schafts­mi­nis­ter Har­ry Voigts­ber­ger be­ton­te hin­ge­gen, ein So­ckel­berg­bau sei sinn­voll, um den Ex­port deut­scher För­der­tech­nik zu ge­währ­leis­ten. Die Chan­ce, ein Re­fe­renz­berg­werk zu er­hal­ten, dür­fe man sich nicht ent­ge­hen las­sen.

FDP-Frak­ti­ons­chef Gerhard Pap­ke wi­der­spricht: „Wir könn­ten mit ei­nem Re­fe­renz­berg­werk in NRW nicht Be­din­gun­gen ei­ner Gold­mi­ne in Süd­afri­ka nach­emp­fin­den.“ Die Em­pö­rung der SPD über die EU sei der Ver­such, von ei­ge­nem Ver­sa­gen ab­zu­len­ken. „Die SPD war an der Re­gie­rung be­tei­ligt, die es ver­säum­te, den Koh­le­kom­pro­miss eu­ro­pa­recht­lich ab­zu­si­chern.“

Schon vor drei Jah­ren hat­te der da­ma­li­ge NRW-Ar­beits­mi­nis­ter Karl-Jo­sef Lau­mann (CDU) ver­sucht, die Ze­che Ib­ben­bü­ren auf ori­gi­nel­le Wei­se dau­er­haft zu er­hal­ten. Gleich beim Ken­nen­lern-Ge­spräch mit RWE-Chef Jür­gen Groß­mann hat­te Lau­mann ge­be­ten, RWE mö­ge doch den Kauf der Ze­che prü­fen, schließ­lich be­lie­fe­re die­se das dor­ti­ge RWE-Kraft­werk mit Koh­le. Gleich­wohl wink­te RWE da­mals dan­kend ab – das sei völ­lig un­wirt­schaft­lich.

FO­TO: DPA

Berg­leu­te der Ze­che Au­gus­te Vic­to­ria de­mons­trie­ren En­de Sep­tem­ber ge­gen das vor­zei­ti­ge Aus der St­ein­koh­le­för-

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.