Deutsch­lands wech­sel­haf­te Grand-Prix-Ge­schich­te

Rheinische Post Goch - - Gesellschaft - VON JÖRG ISRINGHAUS

DÜSSELDORF Der Eu­ro­vi­si­on Song Con­test ist vi­el­leicht nicht mehr das, was er mal war – aber er ist auf dem bes­ten We­ge, es wie­der zu wer­den. Als der Pop-Wett­be­werb noch Grand Prix d’Eu­ro­vi­si­on de la Chan­son hieß, brach­te er im­mer­hin ei­nen Welt­star her­vor: ABBA. Das war 1974 in En­g­land, aber nicht in der Haupt­stadt, son­dern im be­schau­li­chen Brigh­ton (150 000 Ein­woh­ner). Acht Jah­re spä­ter hol­te Nicole den vor Le­na ein­zi­gen deut­schen Sieg – in Har­ro­ga­te, eben­falls En­g­land, eben­falls Pro­vinz (70 000 Ein­woh­ner). Das eu­ro­päi­sche Mu­sik­spek­ta­kel ist al­so kei­nes­wegs auf Haupt­städ­te abon­niert.

Ers­te Sta­ti­on des 1956 von der Eu­ro­päi­schen Rund­fun­ku­ni­on (EBU) ins Le­ben ge­ru­fe­nen Wett­be­werbs für Kom­po­nis­ten war das schwei­ze­ri­sche Lu­ga­no. Ein Jahr spä­ter durf­te Frank­furt am Main den Grand Prix aus­rich­ten, weil die Re­ge­lung, dass der Fol­ge-Wett­streit im Land des Sie­gers aus­ge­rich­tet wird, noch nicht exis­tier­te. So durf­te nach Ni­coles Tri­umph nur noch München 1983 das Pop-Fes­ti­val ver­an­stal­ten. Dublin (sechs mal), London und Lu­xem­burg (je vier mal) lie­gen vor­ne in der Rang­lis­te der Grand-Pri­x­Städ­te, zu de­nen sich aber auch et­wa das iri­sche Mill­s­treet (1998; 1500 Ein­woh­ner) und das fran­zö­si­sche Can­nes (1998; 70000 Ein­woh­ner) zäh­len dür­fen.

Deutsch­land ge­hört wie Frank­reich, Ita­li­en, Spa­ni­en und En­g­land zu den „Big Fi­ve“, den fünf fi­nanz­stärks­ten Län­dern der EBU. Teil­neh­mer aus die­sen Län­dern müs­sen sich nicht fürs Fi­na­le qua­li­fi­zie­ren – aus deut­scher Sicht ein kla­rer Vor­teil. Lan­de­ten die deut­schen Bei­trä­ge vor Le­na doch weit ab­ge­schla­gen: die Band No An­gels 2008 auf Platz 23, Ro­ger Ci­ce­ro 2007 auf Platz 19, Te­xas Light­ning 2006 auf Platz 14, Gra­cia 2005 auf Platz 24. Die ne­ben Nicole und Le­na er­folg­reichs­ten deut­schen Teil­neh­mer wa­ren Kat­ja Eb­stein (3. Platz ’70 und ’71, 2. Platz ’80) und die Band Wind (2. Platz ’85 und ’87, 16. Platz 1992). Wäh­rend Eb­stein auf ih­rem Er­folg ei­ne in­ter­na­tio­na­le Kar­rie­re auf­bau­te, agier­te Wind al­ler­dings eher im Ver­bor­ge­nen.

Hol­ten Ma­ry Roos oder Git­te in den 70ern noch Ach­tungs­er­fol­ge für Deutsch­land, bra­chen die deut­schen Teil­neh­mer En­de der 80er hoff­nungs­los ein. Erst Ste­fan Ra­ab hauch­te dem Wett­be­werb, der sich in die­ser Zeit vom Schla­ger zum Pop um­ori­en­tier­te und da­bei im Be­deu­tungs­lo­sen ver­sank, wie­der Le­ben ein – in­dem er es hu­mo­rig nahm. Guil­do Horn schaff­te es mit ei­nem Ra­ab-Lied 1998 auf Platz 7, der Mo­de­ra­tor selbst hol­te 2000 den fünf­ten Platz. Mit ei­nem Spaß­Song. Seit Le­nas Er­folg nimmt Ra­ab den Song Con­test ernst. In Düsseldorf will er ge­win­nen und ei­nen in­ter­na­tio­na­len Star lan­cie­ren: Le­na.

FO­TO: DPA

Nicole ge­wann 1982 mit „Ein biss­chen Frie­den“ den Grand Prix.

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