Hoch­tief: Spa­nier ma­chen ernst

Mor­gen le­gen die Spa­nier ih­ren Plan zur Über­nah­me von Deutsch­lands größ­tem Bau­kon­zern der Bör­sen­auf­sicht vor. Da­mit be­ginnt die hei­ße Pha­se der Über­nah­me­schlacht. Das Hoch­tief-Ma­nage­ment will sich mit al­len Mit­teln ge­gen ACS weh­ren. Ha­ben die Spa­nier Ins

Rheinische Post Goch - - Wirtschaft - VON THO­MAS REISENER

DÜSSELDORF Im Kampf ge­gen ei­ne feind­li­che Über­nah­me durch sei­nen spa­ni­schen Groß­ak­tio­när ACS spannt der Es­se­ner Bau­kon­zern Hoch­tief ei­nen neu­en Gift­pfeil auf. „Wir prü­fen die Mög­lich­keit ei­ner Ka­pi­tal­er­hö­hung“, sag­te ges­tern ein Spre­cher ge­gen­über un­se­rer Zei­tung. Das wür­de den ACS-An­teil an Hoch­tief ver­wäs­sern und die Über­nah­me er­heb­lich er­schwe­ren.

Die La­ge spitzt sich zu. Mor­gen wer­den die Spa­nier ihr Über­nah­me­an­ge­bot bei der deut­schen Bör­sen­auf­sicht (Ba­Fin) ein­rei­chen. Die muss vi­el­leicht noch mehr als nur die­sen An­trag prü­fen. Im Raum steht nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Zei­tung auch der Ver­dacht, ACS könn­te ge­hei­me In­for­ma­tio­nen aus dem Auf­sichts­rat zur Op­ti­mie­rung der ei­ge­nen Über­nah­me­plä­ne miss­braucht ha­ben.

Der Hoch­tief-Auf­sichts­rat ge­neh­mig­te dem Vor­stand am 9. Sep­tem­ber, per An­lei­he 500 Mil­lio­nen Eu­ro neue Schul­den beim Ka­pi­tal­markt zu ma­chen. „Für wei­te­re stra­te­gi­sche Maß­nah­men“, heißt es im Pro­to­koll. Da­mit ist üb­li­cher­wei­se ein grö­ße­rer Zu­kauf ge­meint.

In die­ser Sit­zung des Auf­sichts­ra­tes war ACS als größ­ter Ein­zel­ak­tio­när von Hoch­tief mit zwei Ver­tre­tern an­we­send. Ei­ne Wo­che spä­ter kün­dig­te ACS an, Hoch­tief über­neh­men zu wol­len. Weil ACS am Ka­pi­tal­markt ei­nen we­sent­lich schlech­te­ren Ruf als Hoch­tief hat, war die An­lei­he da­mit ge­platzt.

Hat­te ACS es ge­nau dar­auf an­ge­legt? „Bei ei­ner ei­ge­nen Ver­schul­dung von weit über zehn Mil­li­ar­den Eu­ro se­gelt ACS jetzt schon am Li- mit“, er­klärt ein Hoch­tief-In­si­der den bö­sen Ver­dacht, „wä­ren jetzt auch noch 500 Mil­lio­nen Eu­ro Schul­den von Hoch­tief da­zu­ge­kom­men, hät­te ACS den Über­nah­me­plan wohl ver­ges­sen kön­nen.“ Die Ba­Fin er­klär­te auf An­fra­ge, über den Vor­gang nicht aus­rei­chend in­for­miert zu sein. Was das Hoch­tie­fMa­nage­ment wohl än­dern wird.

Der Kon­zern des Re­al-Ma­dri­dMa­na­gers Flo­ren­ti­no Pe­rez will acht ei­ge­ne Ak­ti­en ge­gen je­weils fünf Hoch­tief-Ak­ti­en tau­schen. „Da­mit bie­tet ACS um­ge­rech­net 59,20 Eu­ro für ei­ne Hoch­tief-Ak­tie, die ei­gent­lich 78 Eu­ro wert ist“, sagt Hoch­tief-Ana­lyst Marc Gabriel vom Bank­haus Lam­pe. Al­so Ent­war­nung? Kei­nes­wegs. Denn: „Das kann auch be­deu­ten, dass ACS über Stroh­män­ner längst mehr als den of­fi­zi­ell be­kann­ten 30-Pro­zent-An­teil kon­trol­liert“, sagt Gabriel. Was­nicht un­ge­wöhn­lich wä­re: Auch Scha­eff­ler und Por­sche bo­ten für Con­ti­nen­tal und VW sei­ner­zeit je­weils erst of­fi­zi­ell, nach­dem sie un­ter der Hand schon viel mehr Ak­ti­en als be­kannt ein­ge­sam­melt hat­ten.

Die Ba­Fin hat zehn Ta­ge Zeit, das An­ge­bot zu prü­fen. Da­nach wird das Ma­nage­ment von Hoch­tief den Ak­tio­nä­ren emp­feh­len, sich nicht dar­auf ein­zu­las­sen. Das An­ge­bot ist dann für drei bis ma­xi­mal zehn Wo­chen gül­tig, kann aber noch ver­bes­sert wer­den. Ei­ne ACS-Spre­che­rin be­müh­te sich un­ter­des­sen, den Hoch­tief-Mit­ar­bei­tern die Angst vor ei­ner Zer­schla­gung zu neh­men. „Wir wol­len den Kon­zern als Gan­zes er­hal­ten“, sag­te sie.

Klaus Wie­se­hü­gel, Chef der IG Bau und Auf­sichts­rat bei Hoch­tief, traut der ACS-Spre­che­rin aber nicht. „ACS hat vor ei­nem Jahr auch öf­fent­lich ge­sagt, dass sie Hoch­tief nicht über­neh­men will, und jetzt lie­gen die Din­ge an­ders“, sag­te er ges­tern ge­gen­über un­se­rer Zei­tung.

Zu­gleich ging er auf Dis­tanz zu Hoch­tief-Chef Her­bert Lüt­ke­strat­köt­ter, der sei­ne Hoff­nung auf Un­ter­stüt­zung aus Berlin mit ei­nem po­li­ti­schen In­ter­es­se an ei­ner star­ken deut­schen Bau­in­dus­trie be­grün­det hat. Nicht oh­ne Er­folg: Don­ners­tag kommt SPD-Chef Sieg­mar Gabriel nach Es­sen. „In das na­tio­na­le Horn sto­ße ich un­gern“, sag­te Wie­se­hü­gel. Hoch­tief sei „selbst ein in­ter­na­tio­na­ler Kon­zern, der mas­siv im Aus­land zu­ge­kauft hat“. Gleich­wohl un­ter­stüt­ze er das Ma­nage­ment aus Sor­ge um die deut­schen Ar­beits­plät­ze beim Kampf ge­gen die ACS.

FO­TO: DPA

Der Ma­schi­nen­bau-In­ge­nieur Her­bert Lüt­ke­strat­köt­ter (60) ist seit 2006 Vor­stands­chef des Bau­kon­zerns Hoch­tief. Der An­griff sei­nes ei­ge­nen Groß­ak­tio­närs hat die Plä­ne des Müns­ter­län­ders durch­kreuzt.

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