Ka­na­da – ein­zig­ar­tig viel­sei­tig

Schrof­fe, ein­sa­me High­land-Land­schaf­ten, Strän­de von wil­der Schön­heit, Be­geg­nun­gen mit El­chen, Wa­len und fran­zö­si­scher Le­bens­kul­tur – die ver­schie­de­nen Re­gio­nen Ka­na­das sind ab­wechs­lungs­reich. OPINIO-Au­tor Uwe Jun­ker hat wäh­rend sei­ner Rei­se Land und Leut

Rheinische Post Goch - - Weitsicht -

Die Aus­sa­ge des Ka­pi­täns E.J. Smith, er kön­ne sich nicht vor­stel­len, dass die­ser Ti­ta­nic Na­tur­ge­wal­ten je­mals et­was wür­den an­ha­ben kön­nen. Die Ge­schich­te ei­nes Kauf­man­nes, der die Ka­ta­stro­phe als ei­ner der we­ni­gen Pas­sa­gie­re der drit­ten Klas­se über­lebt, sich aber dann zeit­le­bens „un­e­a­sy on wa­ter“ fühlt. Schuld und Süh­ne des Rei­chen, der sei­ne Frau mit­samt den bei­den ge­mein­sa­men Kin­dern un­ver­rich­te­ter Din­ge ver­las­sen will. Er er­trinkt, Sohn und Toch­ter über­le­ben und lan­den in den Ar­men der glück­li­chen Mut­ter. Oder Bot­schaf­ten oh­ne Wor­te: die Schu­he ei­nes cir­ca drei­jäh­ri­gen Kin­des oder Bil­der von Lei­chen auf höl­zer­nen Pfer­de­wa­gen. Der Be­such der Ti­ta­nic-Aus­stel­lung im ma­ri­ti­men Mu­se­um von Ha­li­fax be­rührt uns sehr. Na­tür­lich ken­nen wir wie die meis­ten an­de­ren Be­su­cher die Fak­ten. Doch hier wer­den in Fo­tos und Film­ma­te­ri­al nicht nur Ein­zel­schick­sa­le, zer­platz­te Träu­me und un­er­füll­te Hoff­nun­gen le­ben­dig.

Die Be­su­cher kön­nen auch nach­emp­fin­den, wel­cher un­ge­heu­ren emo­tio­na­len und lo­gis­ti­schen Be­las­tung die Be­woh­ner von Ha­li­fax durch die Ka­ta­stro­phe aus­ge­setzt wur­den. Bis zu 30 Be­er­di­gun­gen auf drei Fried­hö­fen fan­den statt, nach­dem die Leich­na­me müh­sam iden­ti­fi­ziert wa­ren.

Schot­ti­sche Tra­di­ti­on

Uns prä­sen­tiert sich Ha­li­fax, mit 360 000 Ein­woh­ner die größ­te Stadt der ka­na­di­schen At­lan­tik­pro­vin­zen, als welt­of­fe­ne Stu­den­ten­stadt. „Vie­le von uns kom­men her, um Mee­res­bio­lo­gie zu stu­die­ren“, er­zählt uns der aus Ku­ba stam­men­de Pao­lo am Abend in Alexander Keith´s No­va Sco­tia Bre­we­ry.

Hier, in der äl­tes­ten ak­ti­ven Braue­rei Nord­ame­ri­kas, neh­men wir an ei­ner Bier­pro­be mit zeit­ge­nös­sisch ge­klei­de­ten Füh­rern teil. His­to­ri­sche Ko­s­tü­me se­hen wir auch am nächs­ten Mor­gen: In der stern­för­mi­gen Zi­ta­del­le übt ei­ne schot­ti­sche Tra­di­ti­ons­gar­de in Kilts. John, eben­falls schot­tisch ge­wan­det, spielt Du­del­sack. Da­mit fi­nan­zie­re er sein be­triebs­wirt­schaft­li­ches Stu­di­um. Die Fe­s­tungs­an­la­ge thront hoch über Alt­stadt und Ha­fen.

Zu­rück an der Wa­ter­front fal­len gleich ne­ben dem Fähr­an­le­ger die stil­voll re­stau­rier­ten His­to­ric Pro­per­ties aus dem 19. Jahr­hun­dert ins Au­ge. Be­vor wir uns abends in ei­nem der ex­zel­len­ten Se­a­food-Re­stau­rants ver­wöh­nen las­sen, steht noch der Be­such ei­nes tou­ris­ti­schen High­lights auf dem Pro- gramm. Vor­bei an ma­le­ri­schen Buch­ten fah­ren wir auf dem Sce­nic Lighthouse Dri­ve nach Peggy´s Co­ve. Der Le­gen­de nach soll die jun­ge Peggy einst hier gestrandet sein, was die dort le­ben­den Fi­scher­fa­mi­li­en da­zu ver­an­lasst ha­ben soll, die Ge­gend nach ihr zu be­nen­nen.

Vor der Rück­fahrt nach Ha­li­fax gön­nen wir uns noch ei­ne ge­ruh­sa­me schot­ti­sche Tee­stun­de im Cand­le­riggs.

El­che, Wa­le und High­lands

Ein paar Fi­scher­häu­ser, hel­le, mit dich­tem Grün be­wach­se­ne Fel­sen, an de­nen sich die wil­de Bran­dung aus­tobt – pil­che­res­ke High­lan­dLand­schaft in Whi­te Po­int. Wir be­fin­den uns auf dem Ca­bot Trail.

Im Ca­pe Bre­ton High­lands Na­tio­nal­park sind wir ge­ra­de ei­ne Vier­tel­stun­de auf dem Sky­line Trail un­ter­wegs, als un­mit­tel­bar vor uns ei­ne aus­ge­wach­se­ne Elch­kuh den Weg kreuzt, um dann zu ei­ner aus­gie­bi­gen „Farn-Mahl­zeit“ wie­der im Ge­büsch zu ver­schwin­den.

Am En­de des We­ges fal­len Aus­sichts­platt­for­men zum Meer hin ab, und wäh­rend un­se­rer Rast kreu­zen zwei Grup­pen von Pi­lot­walen vor der Küs­te. Apro­pos Wa­le: Ei­ni­ge Ta­ge spä­ter stei­gen wir in Plea­sant Bay in ein Schlauch­boot und be­fin­den uns nach drei Mei­len Fahrt aufs Meer hin­aus in­mit­ten zwei­er Grup­pen von et­wa 40 Tie­ren. Wir hö­ren sie so­gar sin­gen – ein be­we­gen­des Er­leb­nis.

Ver­schie­de­ne Wan­de­run­gen durch Mo­or­land­schaf­ten, dich­te Wäl­der oder auch auf Ge­birgs­pfa­den, meist mit gran­dio­sen Aus­bli­cken auf den At­lan­tik be­sche­ren uns ab­wechs­lungs­rei­che Ta­ge.

Die Kel­tic Lodge, un­ser Quar­tier, liegt dra­ma­tisch auf ei­ner Land­zun­ge bei Ingo­nish und blickt gleich auf meh­re­re Be­aches hin­ab.

Auf al­len Stra­ßen­schil­der fin­den sich eng­li­sche und kel­ti­sche Spra­che ne­ben­ein­an­der. Die Ein­hei­mi­schen pfle­gen sorg­fäl­tig ih­re kel­ti­schen Wur­zeln.

Mul­ti­kul­tu­rel­les Mon­tre­al

Der Mix aus fran­zö­si­scher Spra­che, ku­li­na­ri­scher Per­fek­ti­on, viel­schich­ti­ger Mu­si­ka­li­tät und nicht zu­letzt vie­len jun­gen Men­schen ver­lei­hen der mul­ti­kul­tu­rel­len fran­ko­ka­na­di­schen Me­tro­po­le ei­nen ganz ei­ge­nen Charme.

Uns bleibt we­nig Zeit, die vie­len Fa­cet­ten die­ser Stadt zu er­le­ben. Wir be­gin­nen mit ei­ner Rad­tour am al­ten Ha­fen un­ter Re­gie der per­fekt bi­lin­gua­len Char­lot­te und er­fah­ren die Mul­ti­na­tio­na­li­tät die­ser Stadt: Ha­fen, Alt­stadt, Uni­ver­si­tät, das Haus von Leo­nard Co­hen, Por­tu­gie­sen-, Ju­den­vier­tel und Chi­na­town, das Quar­tier La­tin sind nur ei­ni­ge un­se­rer Sta­tio­nen. Mon­tre­al und Um­ge­bung sind mit ei­nem aus­ge­zeich­ne­ten Rad­we­ge­netz aus­ge­stat­tet.

Am Abend dann ein ex­qui­si­tes Din­ner im Re­stau­rant Le Le­pi­cier in der Rue St. Paul. Im Jazz-Club „On­ze“ in der Rue St. De­nis am nächs­ten Abend er­war­tet uns an un­se­rem letz­ten Abend ei­ne rau­chi­ge Frau­en­stim­me be­glei­tet von Bas­sist und Pia­nist mit ru­hi­ger Jazz­mu­sik. Da­zu passt das lokal ge­brau­te Bier per­fekt.

Vor dem Rück­flug bleibt noch Zeit für ei­ne Rad­tour zum Mont Roy­al. Von dort bie­tet sich uns zum Ab­schied ein Rund­um­blick auf das Zen­trum bis hin­aus auf den Strom – wür­di­ger Ab­schluss ei­ner ab­wechs­lungs­rei­chen Rei­se.

Die­ser Ar­ti­kel ist in vol­ler Län­ge mit zahl­rei­chen Fo­tos in „Tra­vi­gal.de – das fei­ne Rei­se­ma­ga­zin“ er­schie­nen.

FO­TOS (3): UWE JUN­KER

Wun­der­schö­ne Land­schaft: der Whi­te Po­int Ca­bot Trail.

Von UWE JUN­KER, Arzt aus Nord­rhein-West­fa­len. Bei OPINIO schreibt er als Uwe Jun­ker.

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