Als Au-pair bei den „Ki­wis“

Rheinische Post Goch - - Weitsicht -

Nach der Schu­le raus. Was an­de­res se­hen. Weit rei­sen. Neu­see­land er­for­schen. Aber nicht als ar­mer Back­pa­cker am Stra­ßen­rand en­den. Des­we­gen bin ich Au-pair in Neu­see­land ge­wor­den. Und nun küm­me­re ich mich schon seit fast zwei Mo­na­ten um die Kin­der mei­ner Gast­fa­mi­lie in der Nä­he von Wel­ling­ton. Man geht ja da­von aus, dass Fa­mi­li­en, die sich ein Au-pair leis­ten kön­nen, ei­ni­ger­ma­ßen gut be­tucht sind und in dem­ent­spre­chen­den Ge­gen­den woh­nen. Ei­gent­lich. Mei­ne Wohn­ge­gend ist so ei­ne der we­ni­gen in Neu­see­land, wo man nachts bes­ser nicht al­lei­ne drau­ßen rum­läuft. Da­für ist Wel­ling­ton an sich ei­ne tol­le Stadt, die man auf je­den Fall ge­se­hen ha­ben muss. Ziem­lich klein für die Haupt­stadt des Lan­des, hat sie da­für um­so mehr Charme mit ei­ner Mi­schung aus mo­der­nen Wol­ken­krat­zern, ver­win­kel­ten Gas­sen, Künst­ler-At­mo­sphä­re und Tou­ris­ten. Vor al­lem auch bei der Preis­ver­ga­be um die bes­te Stadt zum Par­ty­ma­chen schreit Wel­ly groß „hier“, da es viel an­ge­neh­mer ist, in ei­nem Club tan­zen zu ge­hen. Wenn ich mich mal nicht um die bei­den Kin­der küm- me­re, die mich ziem­lich gut auf Tr­ab hal­ten, er­for­sche ich zu­sam­men mit den an­de­ren Au-pairs die Ge­gend.

Am An­fang hat sich da al­ler­dings schon die Au­to­fahrt als Hin­der­nis dar­ge­stellt. Nicht nur, dass wir mit dem Links­ver­kehr kämp­fen müs­sen, nein, es müs­sen Ver­kehrs­re­geln da­zu­kom­men: zum Bei­spiel, wenn sich zwei Au­tos ent­ge­gen kom­men und in die glei­che Stra­ße ab­bie­gen wol­len. Dann hat der, der rechts ab­biegt, Vor­fahrt. Im Rechts­ver­kehr klingt es ja ziem­lich lo­gisch, aber im Links­ver­kehr? So ver­ur­sa­chen wir Eu­ro­pä­er ger­ne mal ein we­nig Ver­wir­rung auf den Stra­ßen, was aber nicht viel aus­macht, da die Neu­see­län­der selbst nicht die bes­ten Au­to­fah­rer sind. Man war­tet auch am Kreis­ver­kehr, bis die Stra­ßen kom­plett frei sind, ehe man los­fährt. Da gilt man schon als dreis­ter Fah­rer, wenn man ein­fach so fährt wie in Deutsch­land.

Wenn man nicht schon beim Au­to­fah­ren an­ge­eckt ist, dann spä­tes­tens beim Eng­lisch spre­chen. Wir sind al­le Abitu­ri­en­ten und hat­ten dem­ent­spre­chend fast al­le neun Jah­re Eng­lisch­un­ter­richt. Doch kei­ner konn­te uns dar­auf vor­be­rei­ten, dass 1. al­le Ki­wis nach zwei Wör­tern wis­sen, dass man aus Deutsch­land kommt, was sehr frus­trie­rend ist und 2. der Ak­zent hier ei­nen teil­wei­se vor Rät­sel stellt. So wird „bed“ wie „biiiiid“, „bet­ter“ wie „bit­ter“, „se­ven“ wie „si­ven“ etc. aus­ge­spro­chen…Und dann gibt es na­tür­lich noch Ma­o­ri-Kiwi-Slang wie „Your a iii­ig“, was hei­ßen soll „Du bist ein Ei!“. Wenn man das al­les ge­meis­tert hat, kann man stolz von sich be­haup­ten, sich so ei­ni­ger­ma­ßen ein­ge­lebt zu ha­ben. So dass ei­nen auch die feh­len­de Dop­pel­ver­gla­sung der Fens­ter und Iso­la­ti­on der Häu­ser so­wie der et­was an­de­re Sinn für Sau­ber­keit nicht mehr all­zu stark stö­ren.

Das ein­zi­ge Pro­blem ist nur noch, dass, wenn man mit den Kin­dern (neun Mo­na­te und fast drei Jah­re alt) un­ter­wegs ist, die Leu­te ei­nen doch tat­säch­lich für die Mut­ter hal­ten.

Und so ver­brin­ge ich mei­ne Zeit bei Spiel­grup­pen da­mit, be­kannt­zu­ma­chen, dass ich „nur“ ein Aupair bin und nicht schon mit 15 oder 16 schwan­ger war.

FO­TO: AR­CHIV

Die Na­tur in Neu­see­land ist ei­ne Rei­se wert.

Von LA­RA GEENEN (19), Abitu­ri­en­tin aus Mön­chen­glad­bach. OPINIO-Nick: Ha­sen­mu­zel­maus.

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