Ein Etap­pen­sieg für Ar­ten­schüt­zer

Rheinische Post Goch - - Goch / Uedem - VON PE­TER GRASS

KAL­KAR-GRIETH Elf Mil­li­me­ter wa­ren sie ge­ra­de mal groß, als sie mil­lio­nen­fach auf die hun­der­te Ki­lo­me­ter lan­ge Rei­se ge­schickt wur­den. Ihr Ziel soll­te es sein zu über­le­ben, zu wach­sen und aus­ge­wach­sen in drei bis vier Jah­ren zum Lai­chen zu­rück­zu­keh­ren: Die Mai­fi­sche. Sie sind ei­ne fast aus­ge­stor­be­ne Fi­sch­art aus der Fa­mi­lie der He­rin­ge. Bis in die 40er Jah­re des letz­ten Jahr­hun­derts gab es die­sen Fisch noch zu hun­dert­tau­sen­den im Rhein. Durch Über­fi­schung, Was­ser­ver­schmut­zung und den Aus­bau der Flüs­se ver­schwand die Art na­he­zu aus ganz Eu­ro­pa. Des­halb ent­stand vor drei Jah­ren das „EU Li­fe-Pro­jekt“ des Lan­des­amts für Na­tur, Um­welt und Ver­brau­cher­schutz NRW (LA­NUV) zur Ar­ten­ret­tung. Bei die­sem Pro­jekt mit Part­nern wer­den seit drei Jah­ren Fisch­lar­ven vor al­lem im Rhein aus­ge­setzt.

Ein hal­bes Jahr ist es nun her, dass zu­letzt 2,5 Mil­lio­nen mar­kier­te Fisch­lar­ven aus­ge­setzt wur­den. Ein hal­bes Jahr oh­ne Sich­tung der Fi­sche. Ein hal­bes Jahr oh­ne Er­kennt­nis, ob die Tie­re noch im Rhein über­le­ben kön­nen. Un­ge­wiss­heit bis zu dem Tag, als Ru­di Hell, grau­bär­ti­ger Aal­fi­scher vom Nie­der­rhein, 17 „gut ab­ge­wach­se­ne“ Mai- fi­sche aus sei­ner Reu­se zog. Die ers­ten seit 70 Jah­ren. Sie ha­ben den ers­ten schwie­ri­gen Teil ih­rer Rei­se hin­ter sich ge­bracht: zehn Zen­ti­me­ter groß sind sie ge­wor­den, ein klei­nes sil­ber­nes Fisch­chen.

„Für das Ar­ten­schutz­pro­jekt und die Wis­sen­schaft ist dies ein Rie­sen­er­folg“, be­rich­tet Prof. Dr. Jost Bor­cher­ding vom Zoo­lo­gi­schen In­sti­tut der Uni­ver­si­tät Köln. „Bis­her ha­ben wir fast kei­ne Er­kennt­nis­se über die Mai­fi­sche. Be­son­ders der Rhein ist für uns schwie­rig zu er­for­schen. Sei­ne Grö­ße und die Be­rufs­schiff­fahrt ma­chen es schwie­rig, ihn ge­nau zu un­ter­su­chen oder be­stimm­te For­schungs­ap­pa­ra­tu­ren ein­zu­set­zen.“ Die Zu­sam­men­ar­beit mit Aal­fi­scher Ru­di Hell ist im Üb­ri­gen kein Pro­dukt des Zu­falls: „Wir ha­ben Kon­takt über ei­ne For­schungs­sta­ti­on in Grie­ther­ort zu Fischer Hell. Durch sei­nen nun grö­ße­ren Aal­schok­ker hat er auch für un­ser Pro­jekt den Stand­ort op­ti­miert“, klärt Pro­jekt­ma­na­ger Dr. Andre­as Sch­ar­bert das Zu­sam­men­tref­fen der Wis­sen­schaft­ler mit dem Tra­di­ti­ons­fi­scher auf. Jetzt war­ten For­scher und Fischer auf den Zeit­punkt in drei Jah­ren, wenn Ru­di Hell ei­nen bis zu 70 Zen­ti­me­ter gro­ßen Mai­fisch aus sei­ner Reu­se zie­hen wird. Dann ist die Wie­der­an­sied­lung voll­ends ge­glückt.

FO­TO: PRI­VAT

XOX-Ei­gen­tü­mer Udo Tja­den.

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