Wirt­schaft läuft auf Hoch­tou­ren

Die deut­sche Wirt­schaft wächst in die­sem Jahr um 3,5 Pro­zent und lässt da­mit die Kri­se hin­ter sich. Das pro­gnos­ti­zie­ren die For­scher des Herbst­gut­ach­tens.

Rheinische Post Goch - - Vorderseite - VON MICHAEL BRÖCKER UND BIR­GIT MAR­SCHALL

BERLIN Schnel­ler als in al­len In­dus­trie­na­tio­nen nimmt in die­sem Jahr die Wirt­schafts­leis­tung in Deutsch­land zu. 3,5 Pro­zent Wachs­tum pro­gnos­ti­zie­ren die füh­ren­den Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tu­te in ih­rer neu­en Ge­mein­schafts­dia­gno­se, die un­se­rer Zei­tung vor­liegt und die heu­te in Berlin of­fi­zi­ell vor­ge­stellt wird. So stark war die Kon­junk­tur zu­letzt vor 20 Jah­ren nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung. Im kom­men­den Jahr ver­lang­samt sich das Wachs­tum laut Pro­gno­se zwar auf 2,0 Pro­zent – al­ler­dings be­legt die deut­sche Wirt­schaft da­mit auch noch im Jahr 2011 ei­nen der vor­de­ren Plät­ze.

In­fol­ge der gu­ten Kon­junk­tur wer­de die Zahl der Ar­beits­lo­sen wei­ter deut­lich zu­rück­ge­hen, so die Pro­gno­se. Im Jah­res­durch­schnitt 2010 er­war­ten die In­sti­tu­te 3,2 Mil­lio­nen Er­werbs­lo­se. Im Durch­schnitt des nächs­ten Jah­res sin­ke die Ar­beits­lo­sig­keit um ge­nau 300 000 auf nur noch 2,9 Mil­lio­nen und da­mit erst­mals seit vie­len Jah­ren wie­der un­ter die psy­cho­lo­gisch wich­ti­ge Drei-Mil­lio­nen-Mar­ke. Mit ei­ner Ar­beits­lo­sen­quo­te von 7,0 Pro­zent steht Deutsch­land 2011 er­heb­lich bes­ser da als et­wa die USA (der­zeit fast zehn Pro­zent). Der Preis da­für: Die Preis­stei­ge­rung dürf­te an­zie­hen. Für 2010 sa­gen die In­sti­tu­te ei­ne Teue­rungs­ra­te von 1,1, für 2011 von 1,6 Pro­zent ge­gen­über dem Vor­jahr vor­aus.

„Die deut­sche Wirt­schaft be­fin­det sich im Auf­schwung. Sie ist auf gu­tem Weg, den kri­sen­be­ding­ten Pro­duk­ti­ons­ein­bruch wett­zu­ma­chen“, schrei­ben die In­sti­tu­te. Die kon­junk­tu­rel­le Er­ho­lung ha­be an Brei­te ge­won­nen, auch die Bin­nen­kon­junk­tur sei an­ge­sprun­gen. Der Auf­schwung dürf­te zwar auch 2011 an­hal­ten, „das Tem­po al­ler­dings spür­bar ge­rin­ger sein als in der ers­ten Hälf­te die­ses Jah­res“.

Für die Pro­gno­se be­stün­den „be­trächt­li­che Ri­si­ken“, war­nen die In­sti­tu­te. So sei die „Wahr­schein­lich­keit kei­nes­wegs ge­ring, dass die USA er­neut in ei­ne Re­zes­si­on ge­ra­ten“. Zu­dem könn­te es in Chi­na „als Fol­ge von Über­stei­ge­run­gen an dor­ti­gen Im­mo­bi­li­en­märk­ten zu ei­ner mas­si­ven Kor­rek­tur kom­men“. Auch die Schul­den-und Ver­trau­ens­kri­se ei­ni­ger Staa­ten im Eu­ro­raum, et­wa in Grie­chen­land, Spa­ni­en oder Ir­land, sei längst nicht aus­ge­stan­den.

Der Bun­des­re­gie­rung emp­feh­len die In­sti­tu­te, ih­ren Kon­so­li­die­rungs­kurs durch­zu­hal­ten. Kri­tik an ei­nem zu schar­fen Spar­kurs sei un­be­grün­det. Viel­mehr sei in der Fi­nanz­kri­se deut­lich ge­wor­den, dass nur so­li­de Staa­ten glo­ba­le Schocks in den Griff be­kom­men könn­ten.

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