Wie Phö­nix aus der Asche

Rheinische Post Goch - - Politik -

SAN JO­SÉ (RP) Der Phö­nix ist ein Vo­gel der ägyp­ti­schen und grie­chi­schen Sa­gen­welt, der am En­de sei­nes Le­bens ver­brannt aus der ei­ge­nen Asche auf­er­steht. Das Bild der Au­fer­ste­hung dürf­ten die Chi­le­nen vor Au­gen ge­habt ha­ben, als sie die ei­gens für die in San Jo­sé ver­schüt­te­ten Berg­leu­te ent­wi­ckel­te Ret­tungs­kap­sel nach eben die­sem Vo­gel be­nann­ten. 450 Ki­lo­gramm ist sie schwer, 4,5 Me­ter hoch und bie­tet bei ei­nem Durch­mes­ser von ge­ra­de ein­mal 53 Zen­ti­me­tern dem In­sas­sen nur we­nig Platz. Aus­ge­stat­tet ist die „Phö­nix 2" mit ei­ner Sau­er­stoff­fla­sche und ei­nem Funk­ge­rät. An Kopf und Fuß der Kap­sel be­fin­den sich stoß­ge­dämpf­te Rä­der, die die Fahrt der Kap­sel sta­bi­li­sie­ren.

Als Vor­bild dien­te die 1955 von deut­schen In­ge­nieu­ren ent­wi­ckel­te Dahl­busch-Bom­be, be­nannt nach der Ze­che in Gelsenkirchen. Die Bom­be kam bei­spiels­wei­se 1963 bei der spek­ta­ku­lä­ren Ret­tung der Kum­pel im nie­der­säch­si­schen Len­ge­de zum Ein­satz.

Be­vor die chi­le­ni­sche Phö­ni­xKap­sel über­haupt zu den ver­schüt­te­ten Berg­leu­ten vor­drin­gen konn­te, muss­ten die Ret­ter ei­nen 624 Me­ter tie­fen und 66 Zen­ti­me­ter brei­ten Ret­tungs­schacht boh­ren. Ei­ne Her­aus­for­de­rung, wie sich schnell zu Be­ginn der Ret­tungs­ak­ti­on her­aus­stell­te. Denn schon nach Kur­zem steck­te der ers­te Bohr­kopf im Gestein fest. Zwei Schäch­te wur­den nicht zu En­de ge­baut, weil die Boh­rer nicht schnell ge­nug in die Tie­fe vor­dran­gen.

Bei der letzt­lich er­folg­rei­chen Boh­rung be­rei­te­ten den In­ge­nieu- ren die lo­cke­ren Gesteins­schich­ten na­he der Erd­ober­flä­che Sor­ge. Zur Sta­bi­li­sie­rung der Tun­nel­wän­de wur­den die ers­ten 96 Me­ter mit Me­tall­roh­ren ver­klei­det. Über dem Schacht wur­de das schwe­re Ber­gungs­ge­rät auf­ge­stellt: Krä­ne, Seil­win­den und Zahn­rie­men.

In der Nacht zu ges­tern wag­ten die Ret­ter die ers­te Test­fahrt – und dann der Schock: Die Kap­sel wur­de da­bei be­schä­digt. Chef­in­ge­nieur And­res Sou­gar­ret sag­te dem chi­le­ni­schen Sen­der TVN, der Scha­den sei bei der Durch­fahrt durch den Teil des Schachts auf­ge­tre­ten, der nicht mit Me­tall ver­klei­det wur­de. Bei ei­nem Zu­sam­men­stoß mit der In­nen­wand sei die Tür der Kap­sel ver­beult wor­den.

Nach der ers­ten Test­fahrt oh­ne In­sas­se wur­de da­her ei­ne zwei­te Leer­fahrt an­ge­setzt, da­nach soll­ten Ret­tungs­kräf­te ei­ne lang­sa­me und ei­ne schnel­le Test­fahrt nach un­ten und wie­der zu­rück un­ter­neh­men. Das Re­sul­tat über­zeug­te, so dass der Ret­ter Ma­nu­el Gon­za­les zu den ver­schüt­te­ten Berg­leu­ten hin­un­ter­ge­las­sen wer­den konn­te, um sie wie­der si­cher an die Erd­ober­flä­che zu brin­gen. In­ter­net Ak­tu­el­le Be­rich­te, Fo­tos und Vi­de­os un­ter www.rp-on­line.de/pan­ora­ma

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