Hoch­tief hofft auf den SPD-Chef

Heu­te be­sucht Sig­mar Gabriel die Hoch­tief-Be­leg­schaft in der Es­se­ner Kon­zern­zen­tra­le. Er hat ei­nen Plan, wie der Bau­kon­zern sich aus den Klau­en der spa­ni­schen ACS be­frei­en könn­te. Ge­sucht wird nach ei­ner deut­schen Bank, die den Wei­ßen Rit­ter gibt. Meint

Rheinische Post Goch - - Wirtschaft - VON BIR­GIT MAR­SCHALL UND THO­MAS REISENER

ES­SEN/BERLIN Opel, Holz­mann, No­kia: Wenn po­pu­lä­re Un­ter­neh­men in der Kri­se ste­cken, greift die Po­li­tik ger­ne zum Mi­kro­fon. Heu­te in Es­sen: SPD-Chef Sig­mar Gabriel wird der Be­leg­schaft von Hoch­tief die Un­ter­stüt­zung sei­ner Par­tei im Ab­wehr­kampf ge­gen die spa­ni­sche Fir­men­grup­pe ACS ver­spre­chen, die den deut­schen Bau­kon­zern feind­lich über­neh­men will.

Nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Zei­tung hat er da­für durch­aus ei­nen Plan: Gabriel will sei­ne gu­ten Kon­tak­te zu Spa­ni­ens Re­gie­rungs­che­fJo­sé Lu­is Za­pa­te­ro in die Waag­scha­le wer­fen, über den Bun­des­rat ei­ne Ver­schär­fung des Über­nah­me­rechts er­rei­chen und au­ßer­dem nach ei­ner Bank su­chen, die im gro­ßen Stil Hoch­tief-Ak­ti­en kauft. Ein sol­cher „wei­ßer Rit­ter“ könn­te den Spa­ni­ern den Spaß ver­der­ben.

Der Ap­plaus ist ihm si­cher. Seit Wo­chen scho­ckie­ren die meis­ten Ex­per­ten die 10 891 deut­schen Hoch­tief-Mit­ar­bei­ter mit zwei be­ängs­ti­gen­den Ein­schät­zun­gen. Ers­tens: Ge­gen ei­ne feind­li­che Über­nah­me kann Hoch­tief sich man­gels an­de­rer Groß­ak­tio­nä­re kaum weh­ren. Zwei­tens: Auch wenn ACS et­was an­de­res sagt, am En­de wol­len die Spa­nier Hoch­tief zer­schla­gen.

Hoch­tief-Be­triebs­rats­chef Sieg­fried Mül­ler be­rich­te­te ges­tern aus ei­nem Ge­spräch, das er kürz­lich mit Gabriel ge­führt ha­be. „Man müss­te ei­ne Bank fin­den, die den Hed­ge­fonds ih­re Hoch­tief-Pa­ke­te ab­kau­fen“, ora­kelt Mül­ler seit­dem. Markt­krei­sen zu­fol­ge hal­ten die Fonds zu­sam­men rund 20 Pro­zent an Hoch­tief, und die ers­ten ha­ben auch schon ih­re Sym­pa­thie mit den Über­nah­me­plä­nen von ACS kund ge­tan. Zwar kann die Po­li­tik kei­ner Bank be­feh­len, ih­nen die Hoch­tie­fAk­ti­en ab­zu­kau­fen. Aber in der Fi­nanz­kri­se wur­de der Staat be­kannt­lich zum Co-Ei­gen­tü­mer un­ter an­de­rem der Com­merz­bank. Und die war vor zwei Jah­ren schließ­lich schon ein­mal mit rund zehn Pro­zent an Hoch­tief be­tei­ligt.

Laut Mül­ler spielt Gabriel zu­dem mit dem Ge­dan­ken, über ei­ne Initia­ti­ve im Bun­des­rat das deut­sche Über­nah­me­recht zu ver­schär­fen. „Laut ei­nem Gut­ach­ten ist das auch rück­wir­kend mög­lich“, sag­te Mül­ler un­se­rer Zei­tung. Au­ßer­dem ver­fü­ge Gabriel über ex­zel­len­te per­sön­li­che Kon­tak­te zu Za­pa­te­ro und auch zu den so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei­en an­de­rer Staa­ten, die ih­rer­seits Un­ter­neh­men be­trei­ben. „Die könn­ten ja auch Ak­ti­en kau­fen“, sag­te Mül­ler.

Auch der SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Rolf Hem­pel­mann, in des­sen Es­se­ner Wahl­kreis Hoch­tief sei­nen Sitz hat, hofft auf die Hil­fe von au­ßen. „Als Ab­weh­r­in­stru­ment wä­re auch ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung mög­lich. Bei ei­nem so ge­sun­den Un­ter­neh­men wie Hoch­tief wür­den sich die Ban­ken wohl nicht sehr schwer tun, dem Un­ter­neh­men da­bei zu hel­fen“, sag­te Hem­pel­mann un­se­rer Zei­tung.

Füh­ren­de SPD-Wirt­schafts­po­li­ti­ker for­der­ten im Vor­feld des Gabriel-Be­suchs ein be­herz­tes po­li­ti­sches Ein­grei­fen in den Ab­wehr­kampf. „In­dus­trie­po­li­tisch ist es wich­tig, dass es in Deutsch­land in al­len wich­ti­gen Sek­to­ren Glo­bal Play­er gibt, auch in der Bau­bran­che“, sag­te der thü­rin­gi­sche Wirt­schafts­mi­nis­ter Matthias Mach­nig (SPD) un­se­rer Zei­tung. Der Vor­sit­zen­de der NRW-Lan­des­grup­pe im Bun­des­tag, Axel Schä­fer, sag­te: „Hier könn­te ein gut funk­tio­nie­ren­des, ge­sun­des Un­ter­neh­men ka­putt ge­macht wer­den. Die Po­li­tik darf da nicht ta­ten­los zu­se­hen.“

FO­TO: AP

Et­wa 1000 Hoch­tief-Mit­ar­bei­ter pro­tes­tier­ten jüngst vor der Es­se­ner Un­ter­neh­mens­zen­tra­le ge­gen die ge­plan­te Über­nah­me des Kon­zerns durch die spa­ni­sche ACS.

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