Bay­ernLB: Stoi­ber sagt als Zeu­ge aus

Es geht um den Ver­lust von 3,7 Mil­li­ar­den Eu­ro bei der Bay­ernLB durch den Kauf der Kärnt­ner Bank Hy­po Group Al­pe Adria (HGAA). Wer da­für die Ver­ant­wor­tung trägt, klärt der­zeit ein Un­ter­su­chungs­aus­schuss des baye­ri­schen Land­tags. Der Ex-Mi­nis­ter­prä­si­dent

Rheinische Post Goch - - Wirtschaft - VON CHRIS­TI­AN MER­TEN

MÜNCHEN Als Ed­mund Stoi­ber Saal 3 des baye­ri­schen Land­tags, be­tritt, be­grüßt er al­te Be­kann­te, Höf­lich reicht er den Spre­chern der Frak­tio­nen im Lan­des­bank-Un­ter­su­chungs­aus­schuss die Hand, be­vor eram Zeugen­tisch Platz nimmt. 60 Jour­na­lis­ten wol­len hö­ren, was der Ex-Mi­nis­ter­prä­si­dent dem Un­ter­su­chungs­aus­schuss zum De­ba­kel der Bank Hy­po Group Al­pe Adria (HGAA) zu sa­gen hat. Ner­vo­si­tät lässt Zeu­ge Stoi­ber nicht er­ken­nen – ob­wohl es um den Ver­lust von 3,7 Mil­li­ar­den bei der Bay­ernLB geht. Ge­ra­de­ste­hen muss da­für der Steu­er­zah­ler, die Bank ge­hört dem Frei­staat zu 94 Pro­zent.

Ver­ant­wor­tung für den Mil­li­ar­den­ver­lust will Stoi­ber nicht über­neh­men. In lan­gen Aus­füh­run­gen er­klärt er, dass er für die über­grei­fen­den Li­ni­en in der Po­li­tik, nicht für die Ge­schäfts­tä­tig­keit ein­zel­ner Lan­des­un­ter­neh­men zu­stän­dig ge­we­sen sei. „Die Be­haup­tung, ich hät­te die Lan­des­bank po­li­tisch ge­führt, ist ab­so­lu­ter Un­sinn“, gibt er zu Pro­to­koll. Für das ope­ra­ti­ve Ge­schäft sei der Vor­stand, für die Kon­trol­le der Ver­wal­tungs­rat zu­stän- dig. In dem sa­ßen zur Zeit des HGAA-Kaufs drei Mi­nis­ter aus dem Ka­bi­nett Stoi­ber: Fi­nanz­mi­nis­ter Falt­l­hau­ser, Wirt­schafts­mi­nis­ter Hu­ber und In­nen­mi­nis­ter Beck­stein. Stoi­ber wird nicht mü­de, de­ren Kom­pe­tenz zu lo­ben. Ver­ant­wor­tung für de­ren Ar­beit lehnt er ab: „Ich bin nicht der Kon­trol­leur der Kon­trol­leu­re.“ Die Ent­wick­lung bei der Bay­ernLB är­ge­re ihn, sagt Stoi­ber. Noch mehr aber är­gern ihn die Un­ter­stel­lun­gen, die, von „in­ter­es­sier­ter Sei­te“ kä­men: „Wenn die Fak­ten nicht pas­sen, kommt die pri­mi­tivs­te al­ler Be­haup­tun­gen: Stoi­bers Grö­ßen­wahn. Ich weiß ehr­lich nicht, was da sein soll.“ Bay­ern ha­be sich vom Agrar­staat zum Wirt­schafts­wun­der­land ent­wi­ckelt.„Bay­ern hat zwei Jah­re Vor­sprung vor dem üb­ri­gen Deutsch­land. Ist das Grö­ßen­wahn?“, so Stoi­ber. Er bleibt da­bei ru­hig, und so­lan­ge er sich an sein Ma­nu­skript hält, klar und ver­ständ­lich. Doch wenn er sei­ne Aus­füh­run­gen in frei­er Re­de er­gänzt, tau­chen die be­rühm­ten Stoi­ber-Ähs auf. Und bei der Be­fra­gung durch die Par­la­men­ta­ri­er tau­chen Wi­der­sprü­che auf. So be­haup­tet Stoi­ber, er ha­be sich in Kroa­ti­en nicht für den HGAADe­al ein­ge­setzt. Dort hat­te die Na­tio­nal­bank den Ver­kauf an die Bay­ernLB zu­nächst ab­ge­lehnt, mit der Be­grün­dung, die Lan­des­bank sei un­se­ri­ös. Bei ei­nem Kroa­ti­en­be­such im Au­gust 2007 er­klär­te Stoi­ber al­ler­dings in ei­nem Fern­seh­in­ter­view, das HGAA-Ge­schäft sei in tro­cke­nen Tü­chern. Sei­ne heu­ti­ge Er­klä­rung: Ein­fluss konn­te er nicht mehr neh­men, weil schon vor dem Be­such al­les ge­re­gelt ge­we­sen sei.

Stoi­ber lässt sich von den boh­ren­den Fra­gen der Aus­schuss­mit­glie­der nicht aus der Ru­he brin­gen. Nach gut drei St­un­den ist die Be­fra­gung vor­bei. In­halt­lich hat sie die Ar­beit des Un­ter­su­chungs­aus­schuss kaum vor­wärts ge­bracht.

FO­TO: DPA

Ed­mund Stoi­ber war zwi­schen 1993 und 2007 baye­ri­scher Mi­nis­ter­prä­si­dent und ab 1999 acht Jah­re lang Vor­sit­zen­der der CSU. Seit 2007 ist er de­ren Eh­ren­vor­sit­zen­der.

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