Die Kunst des Zeich­nens

Rheinische Post Goch - - Kultur - VON BERTRAM MÜL­LER

Mit der Zeich­nung fing al­les an in der Kunst, mit Fels­zeich­nun­gen 20 000 Jah­re vor Chris­tus. Auch heu­te noch mar­kiert die Zeich­nung oft ei­nen Be­ginn. Ge­mäl­den, Skulp­tu­ren und In­stal­la­tio­nen lie­gen fast im­mer Skiz­zen zu­grun­de.

Die Aka­de­mie-Ga­le­rie am Düs­sel­dor­fer Burg­platz bie­tet nun die Ge­le­gen­heit, sich in Zeich­nun­gen des 20. und des 21. Jahr­hun­derts zu ver­tie­fen und zu ent­de­cken, dass es sich da nicht nur um Vor­stu­di­en han­delt, son­dern oft um ei­gen­stän­di­ge Kunst­wer­ke. Und an­ders als an den meis­ten üb­ri­gen Sta­tio­nen der Qua­dri­en­na­le be­spie­gelt sich Düsseldorf in die­ser Schau nicht nur selbst. Viel­mehr stellt es die Wer­ke der Aka­de­mie-Pro­fes­so­ren zur ver­glei­chen­den Dis­kus­si­on, in­dem es Zeich­nun­gen von Künst­lern hin­zu­zieht, die nicht an der hie­si­gen Aka­de­mie ge­lehrt ha­ben: Ernst Lud­wig Kirch­ner, Hen­ri Michaux, Fran­cis Pica­bia und Roy Lich­ten­stein.

Zu­mal die ex­qui­si­ten Blät­ter von Kirch­ner, Lich­ten­stein und Michaux set­zen man­chem orts­an­säs­si­gen Pro­fes­sor ganz schön zu. Aber das ist das Span­nen­de an die­ser Aus­stel­lung: dass der Blick für Qua- li­tät ge­schärft wird, dass es Sie­ger und Ver­lie­rer gibt.

Zu den Sie­gern zäh­len Kirch­ners mit schwar­zer Krei­de aufs Pa­pier ge­wor­fe­ne Ba­den­de, Lie­gen­de, sich An­zie­hen­de, eben­so die ver­blüf­fen­den Win­zig­kei­ten ei­nes Man­nes, den man sonst von Groß­for­ma­ten kennt: Roy Lich­ten­stein. Die „Zeich­nung für ein Mäd­chen im Spie­gel“ von 1964 de­mons­triert schon al­lein durch den Um­stand, dass sie in ei­ne glä­ser­ne Vi­tri­ne ge­schlos­sen ist, dass auch sol­che Klei­nig­kei­ten ih­ren Wert ha­ben.

Dem­ge­gen­über ha­ben es die Pro­fes­so­ren der Düs­sel­dor­fer Aka­de­mie, gleich­gül­tig ob le­bend oder schon ver­stor­ben, recht schwer, sich zu be­haup­ten. Auf den spä­ten, recht hoh­len Im­men­dorff hät­te man bes­ser ver­zich­tet, ei­ne Ge­gen­über­stel­lung von frü­he­ren und neu­en Zeich­nun­gen von Kon­rad Kla­pheck zeigt im­mer­hin, wie des Künst­lers Ma­schi­nen-Kos­mos von einst in den Fi­gu­ren­bil­dern von heu­te lei­se fort­wirkt, und von Mar­kus Lü­pertz hät­te man lie­ber mehr aus den sech­zi­ger Jah­ren ge­se­hen.

An­re­gend ist auf je­den Fall die Zei­chen­kunst des Bild­hau­ers und Aka­de­mie-Rek­tors To­ny Cragg, die­se wie sei­ne Skulp­tu­ren schlin­gern­den Ge­stal­ten; hin­ter­sin­nig wie im­mer Fritz Sch­weg­ler mit sei­nen Er­fin­dun­gen zwi­schen Wort und Bild; groß­ar­tig Gerhard Rich­ter, des­sen fast durch­weg un­ge­gen­ständ­li­che Zeich­nun­gen aus den acht­zi­ger und neun­zi­ger Jah­ren nicht nur zu den­ken ge­ben, son­dern auch äs­the­tisch ei­nen Leucht­turm bil­den. Info „Mit Kopf und Hand – Va­ria­tio­nen zur Zeich­nung“ in der Aka­de­mie-Ga­le­rie, Burg­platz,1, 40213 Düsseldorf, bis 16. Ja­nu­ar; Mi.–So. 12–18 Uhr; Ka­ta­log: 34,80 Eu­ro

BILD: ESTA­TE OF ROY LICH­TEN­STEIN / VG BILD-KUNST,

Roy Lich­ten­stein, „Zeich­nung für ein Mäd­chen im Spie­gel“.

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