Chi­na be­harrt auf sei­ner Ein-Kind-Po­li­tik

Rheinische Post Goch - - Weitsicht - VON ALE­XA OLE­SEN

PE­KING (dapd) Trotz zu­letzt im­mer stär­ke­rer Be­den­ken will die chi­ne­si­sche Re­gie­rung wei­ter an der Ein­Kind-Po­li­tik fest­hal­ten. Die Vor­ga­ben wür­den auch „in den kom­men­den Jahr­zehn­ten“ gel­ten, be­ton­te der Funk­tio­när Li Bin von der Kom­mis­si­on für Be­völ­ke­rung und Fa­mi­li­en­pla­nung. Die strik­ten und zu­neh­mend um­strit­te­nen staat­li­chen Vor­ga­ben er­lau­ben Paa­ren in Städ­ten ein Kind, El­tern auf dem Land dür­fen zwei Mal Nach­wuchs be­kom­men. Die Re­gie­rung ar­gu­men­tiert, dass die vor 30 Jah­ren ein­ge­führ­te staat­li­che Fa­mi­li­en­pla­nung 400 Mil­lio­nen zu­sätz­li­che Ge­bur­ten ver­hin­dert und den tra­di­tio­nel­len Hang zur Groß­fa­mi­lie be­en­det hat.

Ex­per­ten hat­ten al­ler­dings zu­neh­mend dar­auf spe­ku­liert, dass die Ein-Kind-Po­li­tik in Kür­ze ge­lo­ckert wer­den könn­te. So er­klär­te der Lei­ter der Kom­mis­si­on für Fa­mi­li­en­pla­nung in der süd­li­chen Pro­vinz Guang­dong, Zhang Feng, erst un­längst, sei­ner An­sicht nach könn­ten die Re­strik­tio­nen bis zum Jahr 2015 ge­lo­ckert und bis 2030 mög­li­cher­wei­se ganz ab­ge­schafft wer­den.

Denn es gibt gro­ße Pro­ble­me: Weil vie­le Fa­mi­li­en tra­di­tio­nell lie­ber Söh­ne als Töch­ter ha­ben, hat sich das Ge­schlech­ter­ver­hält­nis bei den Ge­bur­ten in­zwi­schen dra­ma­tisch ver­scho­ben: Auf 100 Mäd­chen kom­men in der Volks­re­pu­blik rund 119 Jun­gen, in man­chen Pro­vin­zen so­gar 130 – weil weib­li­che Fö­ten ab­ge­trie­ben wer­den. In den In­dus­trie­staa­ten liegt das Ver­hält­nis bei 100 zu 107. De­mo­gra­fen war­nen be­reits, dass das Un­gleich­ge­wicht zu ei­nem Man­gel an po­ten­zi­el­len Ehe­frau­en füh­ren und den Frau­en-und Mäd­chen­han­del ver­stär­ken könn­te.

Fa­mi­li­en­pla­ner Zhang Feng glaubt da­her, dass die Ein-Kind-Po­li­tik in sei­ner Pro­vinz bin­nen fünf Jah­ren ent­spann­ter ge­se­hen wer­de. „Nach 2030 könn­te je­des Paar in Guang­dong ein zwei­tes Kind ha­ben“, sag­te er. „Das ist aber nur mei­ne ganz per­sön­li­che An­sicht.“

De­mo­gra­fen war­nen vor ei­nem Man­gel an po­ten­zi­el­len Ehe­frau­en

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