Ker­ven­heim wei­ter oh­ne Arzt

Seit ei­nem hal­ben Jahr fehlt in Ker­ven­heim ein Haus­arzt. Die Bür­ger muss­ten sich mit den neu­en Ge­ge­ben­hei­ten ar­ran­gie­ren, be­dau­ern die Si­tua­ti­on aber noch im­mer. Ein neu­er All­ge­mein­me­di­zi­ner fürs Dorf ist nicht in Sicht.

Rheinische Post Goch - - Goch / Uedem - VON STE­FAN GILSBACH

KEVE­LA­ER-KER­VEN­HEIM Für Orts­vor­ste­her Ernst Um­bach war es schlicht „ei­ne Ka­ta­stro­phe“. Seit vor ei­nem hal­ben Jahr die Pra­xis von Dr. El­ke Kleu­ren-Schry­vers in Ker­ven­heim ge­schlos­sen wur­de, gibt es im Gold­dorf kei­nen Haus­arzt mehr. Und die Aus­sich­ten, ei­nen neu­en All­ge­mein­me­di­zi­ner in den Ort zu ho­len, sind nicht güns­tig. „Vier oder fünf Me­di­zi­ner ha­ben In­ter­es­se ge­zeigt, zwei Mal war es so­gar recht kon­kret.“ Am En­de schei­ter­ten je­doch al­le Vor­stö­ße, in ei­nem Fall, weil vor Ort kein Per­so­nal für die Pra­xis zu fin­den war.

Mar­cus Fox und sei­ne bei­den Kol­le­gen von der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung Nord­rhein füh­ren im Jahr „rund 800 per­sön­li­che Be­ra­tungs­ge­sprä­che“ mit Jung-Me­di­zi­nern, die sich nie­der­las­sen wol­len. Fox, der für den Kreis Kle­ve zu­stän­dig ist, weiß, dass länd­li­che Ge­bie­te nicht bei al­len In­ter­es­sen­ten be­liebt sind. „Ge­ra­de für Haus­arzt­pra­xen ist es schwer ei­nen Nach­fol­ger zu fin­den. Das liegt an der Ver­gü­tungs­si­tua­ti­on, aber auch an der Aus­sicht, ki­lo­me­ter­lan­ge Fahr­ten ma­chen zu müs­sen und schwer ei­nen Ver­tre­ter zu fin­den.“ Idea­lis­mus ge­be es bei den jun­gen Me­di­zi­nern aber im­mer noch, meint Fox.

An­ge­hö­ri­ge fah­ren Se­nio­ren

Und was ha­ben die Bür­ger aus der Si­tua­ti­on ge­macht? An­ne­lie­se Brou­wers, die 83-jäh­ri­ge In­ha­be­rin des Saals Brou­wers, hat sich bei der Su­che nach ei­nem neu­en Arzt in Rich­tung Sons­beck ori­en­tiert. „Mei­ne Toch­ter muss mich dort­hin fah­ren“, sagt sie. Schlimm sei die Si- tua­ti­on vor al­lem für Ker­ven­hei­mer, die auf ei­nen Roll­stuhl an­ge­wie­sen sind.

Jo­han­nes Jan­sen (73) ge­hört zu je­nen Ker­ven­hei­mer Se­nio­ren, die mo­bil ge­nug sind, den Aus­fall des Haus­arz­tes zu ver­kraf­ten. „Ich ha­be nun mei­nen Arzt in Ue­dem. Da fah­re ich mit dem Au­to hin.“ Oder, „wenn das Wet­ter schön ist wie heu­te, ma­che ich den Weg mit dem Fahr­rad.“ Ob­wohl er und Ehe­frau Ma­ri­an­ne sich mit der neu­en La­ge gut ar­ran­giert ha­ben, meint auch Jans­sen: „Schö­ner war’s na­tür­lich, als wir die Arzt­pra­xis im Ort hat­ten.“

„Die meis­ten Men­schen fah­ren zu Pra­xen in Ue­dem, Win­ne­ken­donk oder Keve­la­er“, sagt Si­grid Eh­ren­traut (SPD), ehe­ma­li­ge Orts­vor­ste­he­rin. Sie kennt das Pro­blem aus ih­rer Fa­mi­lie, ih­re Mut­ter ist re­gel­mä­ßig auf ärzt­li­che Be­hand­lung an­ge­wie­sen. „Sie hat nun ih­ren Arzt in Win­ne­ken­donk. Zum Glück ha­ben sich die Pra­xen in der Um­ge­gend sehr ko­ope­ra­tiv ge­zeigt. Nach al­lem, was ich hö­re, sind die Leu­te mit den neu­en Ärz­ten zu­frie­den.“ Es sei nicht ge­sagt, dass bei An­sied­lung ei­ner neu­en Pra­xis in Ker­ven­heim sämt­li­che Pa­ti­en­ten zu­rück­keh­ren wür­den, mut­maßt sie.

RP-ARCHIVFOTO: MOMSEN

Ein The­ma, das die Ker­ven­hei­mer be­wegt: Der Saal Brou­wers war voll be­setzt, als es um die An­sied­lung ei­nes neu­en Arz­tes ging. Vor al­lem äl­te­re Men­schen woll­ten wis­sen, wie’s me­di­zi­nisch in ih­rem Ort wei­ter­geht.

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