„Peace and Lo­ve“ in Com­pié­g­ne

Rheinische Post Goch - - Grenzland Post -

Schon seit zwei Wo­chen bin ich nun in Com­pié­g­ne und doch kommt es mir kaum so vor, weil ich je­den Tag Neu­es er­le­be. Nach den Mo­na­ten der Frei­zeit fiel es mir erst­mal schwer, mor­gens aus den Fe­dern zu kom­men. Aber ein Blick aus dem Fens­ter auf das „Peace and Lo­ve“, das auf die ge­gen­über­lie­gen­de Mau­er ge­sprayt ist, reicht aus und ich stür­ze mich fro­hen Mu­tes ins Ge­sche­hen.

Es wird ge­früh­stückt und so­bald al­le Be­treu­ten aus dem Haus sind, steht der Haus­putz an. An­schlie­ßend be­schäf­ti­ge ich mich mit de­nen, die auf­grund ih­res Al­ters nicht mehr ar­bei­ten.

Nach dem Mit­tag­es­sen hab ich bis 17 Uhr frei, was für mich heißt, dass ich ent­we­der ins Fit­ness­stu­dio oder jog­gen ge­he. Ab 17 Uhr tru­deln die be­treu­ten Per­so­nen, die ent­we­der in Be­hin­der­ten­werk­stät­ten oder auch in „rich­ti­gen“ Be­trie­ben tä­tig sind, wie­der ein und ich be­rei­te das Abend­es­sen vor.

Um ei­ne neue Spra­che zu ler­nen, muss man grund­sätz­lich sei­ne Na­se über­all rein­ste­cken und mög­lichst viel da­mit zu tun ha­ben. Das kann man beim Ko­chen so­gar wört­lich neh­men, da ich des öf­te­ren nur er­rie­chen konn­te, mit was für Ge­wür­zen ich es zu tun hat­te. Ins­ge­samt klappt es mit der Spra­che ganz gut: Da­für, dass ich vor­her nie fran­zö­sisch ge­spro­chen ha­be, kann ich mitt­ler­wei­le ganz pas­sa­bel ra­de­bre­chen.

Schwie­rig wird es für mich, wenn die Per­so­nen un­deut­lich oder zu schnell spre­chen, wo­bei letz­te­res ein fran­zö­si­scher Volks­sport zu sein scheint. Im Not­fall kann man vie­les über Mi­mik und Ges­tik er­ra­ten, trotz­dem kommt es vor, dass man sich miss­ver­steht und an­ein­an­der vor­bei­re­det. Al­les halb so schlimm, die Leu­te hier sind sehr ver­ständ­nis­voll und nett. Auch oh­ne al­les zu ver­ste­hen ist es im­mer wie­der schön, den Tag mit ei­nem Film oder ei­nem Bier mit den an­de­ren As­sis­ten­ten aus­klin­gen zu las­sen.

MAR­TIN MACIAZKA

RP-FO­TO: EVERS

In Frank­reich an­ge­kom­men: Maciazka.

Mar­tin

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.