Stutt­gart sucht den Su­per­trai­ner

Der Bun­des­li­gist hat sich ges­tern von sei­nem Trai­ner Chris­ti­an Gross ge­trennt. Fa­vo­ri­ten auf sei­ne Nach­fol­ge sind Chris­toph Daum, der bei Fe­ner­bah­ce Istan­bul den Ver­trag auf­lös­te, und Matthias Sam­mer, der als Sport­di­rek­tor beim Deut­schen Fuß­ball-Bund arb

Rheinische Post Goch - - Sport -

rungs­stil des Schwei­zers für die Ur­sa­che. Er sei „ein sehr do­mi­nan­ter Trai­ner“ ge­we­sen, sag­te Jens Kel­ler, „ich ha­be schon Din­ge ge­se­hen, die an­ders hät­ten ge­macht wer­den kön­nen, die ich aber nicht um­set­zen konn­te“.

Was fehlt dem VfB? Ei­ni­ge Schlüs­sel­po­si­tio­nen sind seit dem Som­mer nicht aus­rei­chend be­setzt. Die Lü­cke, die Na­tio­nal­tor­hü­ter Jens Leh­mann, Spiel­ma­cher Aleksan­dr Hleb und vor al­lem der Mit­tel­feld­stra­te­ge Sa­mi Khe­di­ra durch ih­ren Ab­gang hin­ter­las­sen ha­ben, sind nicht ge­schlos­sen. Und das Ver­hält­nis zum Pu­bli­kum ist in wich­ti­gen Tei­len ge­stört. Des­halb braucht der Klub ei­nen er­fah­re­nen Trai­ner, der in­tern ähn­lich kon­se­quent auf­tritt wie Gross, aber ein be­gna­de­ter Öf­fent­lich­keits­ar­bei­ter ist.

Was spricht für Daum? Der eins­ti­ge Bei­na­he-Bun­des­trai­ner kann Er­fol­ge als Ver­eins­coach nach­wei­sen, und er liebt ge­ra­de­zu das Spiel mit der Öf­fent­lich­keit. Der VfB-Auf­sichts­rats-Chef Die­ter Hundt soll ihm persönlich sehr zu­ge­tan sein, schließ­lich hol­te Daum mit Stutt- gart 1992 schon den Meis­ter­ti­tel. Au­ßer­dem ist das Auf­sichts­rats­Mit­glied Edu­ar­do Gar­cia Chef des Un­ter­neh­mens „Ga­zi“, das mit Milch­pro­duk­ten han­delt, den VfB als Haupt­spon­sor und Chris­toph Daum als Pri­vat­spon­sor maß­geb­lich un­ter­stützt. Daum, der auch im fort­ge­schrit­te­nen Fuß­ball­leh­rer-Al­ter von un­ter­des­sen fast 57 Jah­ren noch aus­dau­ernd an der Sei­ten­li­nie zu tan­zen ver­steht, könn­te form­schön die emo­tio­na­le Schie­ne be­die­nen, die der stoi­sche Gross eher ver­nach­läs­sig­te.

Was spricht ge­gen Daum? Sei­ne letz­ten Sta­tio­nen ha­ben den Lack des ver­meint­li­chen Wun­der­tä­ters doch ab­blät­tern las­sen. In Köln er­mü­de­te er mit der Wie­der­ho­lung äl­te­rer Mätz­chen, den ver­spro­che­nen Auf­schwung hat er nicht be­wirkt. In Istan­bul war der Zau­ber schnell ver­flo­gen.

Was spricht für Sam­mer? Er war wie Daum schon als Trai­ner in Stutt­gart tä­tig, ist am Spiel­feld­rand min­des­tens eben­so ak­tiv, und er bringt viel mo­der­ne Trai­nings­leh­re mit. Als Emp­feh­lung kann er ins Feld füh- ren, beim DFB die ver­al­te­ten Struk­tu­ren ge­ra­de im Nach­wuchs­be­reich auf­ge­bro­chen zu ha­ben. Und er steht maß­geb­lich für den Auf­schwung der jün­ge­ren Fuß­bal­lJahr­gän­ge. Die ver­bands­in­ter­ne Aus­ein­an­der­set­zung um die Füh­rungs­rol­le hat er ge­gen Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw ver­lo­ren. Des­halb wird hart­nä­ckig dar­über ge­mur­melt, dass den DFB-Funk­tio­när die Amts­mü­dig­keit plagt.

Was spricht ge­gen Sam­mer? Sein Ehr­geiz kann ihn ex­trem sprö­de ma­chen. Und der VfB braucht ei­ne Spur mehr Lo­cker­heit. Au­ßer­dem ist Sam­mer ei­ne gan­ze Zeit lang aus dem ak­ti­ven Trai­ner­ge­schäft.

Bleibt am En­de Kel­ler? Der ehe­ma­li­ge As­sis­tent hat sei­ne Chan­ce, die er selbst­be­wusst an­zu­ge­hen scheint. Aber beim in­ter­na­tio­na­len Stutt­gar­ter An­spruch muss der Klub ei­gent­lich ei­nen gro­ßen Na­men prä­sen­tie­ren. Das Bei­spiel Mainz, wo Tho­mas Tu­chel aus der zwei­ten Rei­he nach vorn stürm­te, ver­fängt hier nicht. Des­halb darf sich nie­mand wun­dern, wenn bald Daum vor­ge­stellt wird.

FO­TOS: DPA/AP

Sam­mer im Trai­ner­amt bei Bo­rus­sia Dort­mund.

Die Ges­ten sind schon mal ziem­lich stark: Chris­toph Daum (links) in sei­ner Köl­ner Zeit und Matthias

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.