Kra­wal­le: Ser­bi­en ent­schul­digt sich

Rheinische Post Goch - - Sport - VON JU­LI­US MÜL­LER-MEI­NIN­GEN

GE­NUA Die ser­bi­sche Re­gie­rung hat sich ei­nen Tag nach den Aus­schrei­tun­gen beim EM-Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiel zwi­schen Ita­li­en und Ser­bi­en in Ge­nua für die Kra­wal­le ent­schul­digt. „Die­se Gangs­ter re­prä­sen­tie­ren nicht das ser­bi­sche Volk“, sag­te Bot­schaf­te­rin San­da Ras­ko­vic-Ivic in Rom. Auch Au­ßen­mi­nis­ter Vok Ye­re­mic bat um Ver­zei­hung. Wäh­rend das ita­lie­ni­sche In­nen­mi­nis­te­ri­um das Ver­hal­ten der Po­li­zei lob­te, äu­ßer­te der ser­bi­sche Fuß­ball­ver­band Kri­tik: „Wir ha­ben da­vor ge­warnt, dass rechts­ex­tre­mis­ti­sche Ul­tras nach Ge­nua kom­men wür­den“, sag­te Ver­bands­prä­si­dent To­mis­lav Ka­ra­dzic.

Schieds­rich­ter Craig Thom­son aus Schott­land hat­te das Spiel erst mit ei­ner hal­ben St­un­de Ver­spä­tung an­ge­pfif­fen und nach nur sechs Mi­nu­ten wie­der be­en­det, weil er die Si­cher­heit der Spie­ler nicht ge­währ­leis­tet sah. Ita­li­ens Tor­wart Emi­lia­no Vi­via­no ent­kam nur knapp ei­nem Feu­er­werks­kör­per, den ser­bi­sche Fans aufs Spiel­feld ge­wor­fen hat­ten. Be­reits lan­ge vor An­pfiff hat­ten ge­walt­be­rei­te Ul­tras Feu­er­werks­kör­per auf an­gren­zen­de Tri­bü­nen und das Spiel­feld ge­schleu­dert. Au­ßer­dem zer­schnit­ten sie ein Netz und ver­such­ten die Ab­sper­run­gen mit Ei­sen­stan­gen zu durch­bre­chen. Vor dem Spiel und in der Nacht war es teil­wei­se zu hef- ti­gen Aus­schrei­tun­gen zwi­schen ser­bi­schen Hoo­li­gans und der ita­lie­ni­schen Po­li­zei ge­kom­men. Die Si­cher­heits­be­hör­den mel­de­ten 16 Ver­letz­te und 17 Fest­nah­men.

„Wir wur­den über die Zahl der An­hän­ger in Kennt­nis ge­setzt, aber nicht über ih­re Ge­fähr­lich­keit“, sag­te der Si­cher­heits­be­auf­tra­ge der ita­lie­ni­schen Na­tio­nal­mann­schaft Ro­ber­to Mas­suc­ci. Be­reits vor dem Spiel war Gäs­te-Tor­wart Vla­di­mir Sto­j­ko­vic von Ul­tras im Te­am­bus an­ge­grif­fen wor­den. Sto­j­ko­vic be­gann sei­ne Kar­rie­re bei Ro­ter Stern Bel­grad und wech­sel­te zu Sai­son­be­ginn zum Lo­kal­ri­va­len Par­tiz­an. Seit­her ist er beim har­ten Kern der Fans ver­hasst. Be­reits bei der 1:3-Heim­nie­der­la­ge vor fünf Ta­gen ge­gen Est­land wur­de er bei je­der Ball­be­rüh­rung aus­ge­pfif­fen. Nach der Atta­cke in Ge­nua ließ er sich von Zel­j­ko Br­kic ver­tre­ten. Ita­li­ens Na­tio­nal­trai­ner Cesa­re Pran­del­li sag­te: „Der ser­bi­sche Tor­wart kam zu uns in die Ka­bi­ne, er zit­ter­te am gan­zen Kör­per und hat­te Angst.“

„Un­ter die­sen Be­din­gun­gen konn­te man nicht spie­len“, sag­te Stür­mer Ni­ko­la Zi­gic. Dass die Spie­ler vor dem An­pfiff klat­schend und mit dem Drei-Fin­ger-Gruß ser­bi­scher Ul­tra­na­tio­na­lis­ten in Rich­tung Ul­tras lie­fen, recht­fer­tig­te Ka­pi­tän De­jan Stan­ko­vic: „Wir ha­ben ver­sucht, sie zu be­ru­hi­gen.“ TV-Bil­der zeig­ten Stan­ko­vic spä­ter wei­nend auf dem Platz. Ser­bi­en dro­hen nun ei­ne ho­he Geld­stra­fe so­wie ei­ne län­ge­re Platz­sper­re, so­gar der Aus­schluss von der EM-Qua­li­fi­ka­ti­on ist mög­lich. Es gilt als si­cher, dass die Ue­fa, die am 28. Ok­to­ber über den Fall ur­tei­len will, das Spiel mit 3:0 für Ita­li­en wer­tet.

Die ers­ten Hoo­li­gans wur­de be­reits ver­ur­teilt. Ein Ser­be er­hielt ei­ne ein­jäh­ri­ge, ein Fan des FC Ge­nua ei­ne drei­mo­na­ti­ge Haft­stra­fe – bei­de we­gen Wi­der­stands ge­gen die Po­li­zei. Kom­men­tar

FO­TO: DPA

Feu­er­werk ge­gen Spie­ler: Ita­li­ens Zam­brot­ta auf der Flucht.

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