Hartz IV: Ba­res für Bil­dung

Rheinische Post Goch - - Politik - VON EVA QUADBECK

BERLIN Das Bil­dungs­pa­ket für Kin­der aus Hartz-IV-Fa­mi­li­en soll nach­ge­bes­sert wer­den. Das Ar­beits­mi­nis­te­ri­um wird der For­de­rung der CSU nach­ge­ben, dass die Leis­tun­gen für Kin­der nicht zwin­gend über Gut­schei­ne oder Chip­kar­ten ab­ge­rech­net wer­den müs­sen. Dies be­stä­tig­ten Re­gie­rungs­krei­se. Viel­mehr soll auch ei­ne di­rek­te Ba­rab­rech­nung mög­lich sein. Al­ler­dings sol­len nicht die El­tern das Geld in die Hand be­kom­men, son­dern es soll di­rekt an Ver­ei­ne, Musikschulen oder Nach­hil­fe-In­sti­tu­te flie­ßen. Die Län­der sol­len selbst­stän­dig ent­schei­den kön­nen, wel­ches Sys­tem sie in­stal­lie­ren.

Ar­beits­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) wird ihr Ge­setz zur Neu­be­rech­nung der Hartz-IV-Re­gel­sät­ze und zum Bil­dungs­pa­ket für Kin­der am Mitt­woch ins Ka­bi­nett ein­brin­gen. Bis da­hin soll der Ge­setz­ent­wurf an ei­ni­gen Punk­ten nach­ge­bes­sert wer­den. Die Mi­nis­te­rin, die nach ei­nem Ur­teil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts die Re­gel­sät­ze neu be­rech­nen muss­te, hat­te von al­len Sei­ten Kri­tik ge­ern­tet. Vor al­lem das Bil­dungs­pa­ket von rund 250 Eu­ro im Jahr pro Kind in ei­ner Hartz-IV-Fa­mi­lie war auf Skep­sis ge­sto­ßen. Die Bun­des­agen-

„Vor Ort müs­sen die Din­ge un­bü­ro­kra­tisch or­ga­ni­siert wer­den“

tur für Ar­beit, die nach dem bis­he­ri­gen Ge­setz­ent­wurf ei­nen Zu­schuss für das Mit­tag­es­sen, Schul­aus­flü­ge, Nach­hil­fe und die Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten wie Sport und Mu­sik ge­neh­mi­gen soll­te, hat dar­ge­legt, dass ei­ne sol­che Fül­le an neu­en Auf­ga­ben auch mehr Per­so­nal be­deu­tet. Die Bun­des­agen­tur for­dert, mehr Auf­ga­ben Län­dern und Kom­mu­nen zu über­tra­gen.

Ar­beits­mi­nis­te­rin von der Ley­en zeig­te sich da­für of­fen. Auch die Frak­tio­nen der Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on sind zu Än­de­run­gen be­reit. „Ich bin für Viel­falt. Vor Ort müs­sen die Din­ge un­bü­ro­kra­tisch or­ga­ni­siert wer­den“, sag­te FDP-Frak­ti­ons­vi­ze Mi­ri­am Gruß un­se­rer Zei­tung. „Es ist egal, ob man der Bun­des­agen­tur oder den Ju­gend­äm­tern den Auf­wand für die Or­ga­ni­sa­ti­on der Leis­tungs­er­brin­gung zahlt.“

In Sa­chen Hartz-IV-Sät­ze und Bil­dungs­pa­ket steht der Ko­ali­ti­on ein Ver­hand­lungs­ma­ra­thon be­vor. Es gibt ei­nen ehr­gei­zi­gen Zeit­plan: Am 3. De­zem­ber soll der Bun­des­tag zu­stim­men, am 17. De­zem­ber der Bun­des­rat. Bis da­hin müs­sen die SPD-ge­führ­ten Län­der zur Zu­stim­mung be­wegt wer­den. Das könn­te teu­er wer­den: Sie for­dern den wei­te­ren Aus­bau von Ki­tas und Ganz­tags­schu­len, um auch Kin­dern aus Fa­mi­li­en, die nicht Hartz-IV-Leis­tun­gen be­zie­hen, An­ge­bo­te ma­chen zu kön­nen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.