Vom In­ter­net ge­prüft: Ich schrei­be wie Hand­ke

Rheinische Post Goch - - Kultur - VON LOTHAR SCHRÖDER

DÜSSELDORF Hat­te ich’s ge­ahnt, er­hofft, be­fürch­tet? Je­den­falls: Ich schrei­be wie Pe­ter Hand­ke, be­wie­se­ner­ma­ßen. Denn end­lich hat sich das In­ter­net zum Stil­prü­fer ge­mau­sert. Man muss ein­fach in der Ru­brik „Ich schrei­be wie . . .“ ein paar Sät­ze ein­flie­ßen las­sen, und ruck­zuck (ich weiß, Hand­ke hät­te das an­ders for­mu­liert) kommt der Ver­gleich mit ei­nem deut­schen Au­tor.

Ent­wi­ckelt hat das der rus­si­sche Soft­ware-Ex­per­te Dmitry Chest­nykh, mit des­sen Al­go­rith­mus – der wie ein Spam-Fil­ter funk­tio­niert – Tex­te zer­legt und die­se mit den Schrift­pro­ben von gro­ßen Au­to­ren ab­ge­gli­chen wer­den.

Wie ge­sagt: Hand­ke. Al­ler­dings darf man sich dar­auf nicht ganz so viel ein­bil­den, weil im­mer ir­gend­ein Gro­ßer raus­springt. So spuckt das Pro­gramm be­den­ken­los Na­men wie Freud, Marx, Böll und Bil­ler bei Tex­ten aus, die wir – un­ter uns ge­sagt – eher in der Ka­te­go­rie Kon­sa­lik oder Hed­wig CourthsMah­ler ver­mu­te­ten.

Ei­ne Mer­kel-An­spra­che, mit der wir das Pro­gramm eben­falls ge­füt­tert ha­ben, er­gab Georg Fried­rich Wil­helm He­gel und um­flor­te so­gleich Deutsch­lands Po­li­tik mit ei­nem Idea­lis­mus, der uns wie­der ru­hig schla­fen lässt. Ein paar Hei­ne- Stro­phen wur­den in­des Goe­the zu­ge­wie­sen, was den jun­gen Hei­ne si­cher­lich ge­är­gert und dem al­ten ge­schmei­chelt hät­te. Bei Kaf­ka da­ge­gen ist im­mer nur Kaf­ka raus­ge­kom­men – ein Stil­ech­ter. Ei­nem me­di­zi­ni­schen Text hin­ge­gen wur­de der Stil von Char­lot­te Ro­che at­tes­tiert, was wir als pre­kär emp­fan­den. Auf­fal­lend oft er­gab sich als Vor­bild der Na­me Rai­nald Goetz. Rai­nald wer? Eben. Der Po­et, Pun­ker, Me­di­zi­ner, Stirn­schlit­zer und Wor­te-Ber­ser­ker ist wirk­lich kei­ne Zier.

Auch ha­ben wir es nicht ver­mocht, das Pro­gramm zu über­lis­ten, in dem wir in ei­ge­ne Tex­te Wor­te wie „Heil­an­stalt“ und „Blech­trom­mel“ oder in ei­nem an­de­ren Fall „Schloss“, „Kä­fer“ und „Ge­setz“ ein­schmug­gel­ten. Es lang­te nie zu Grass oder Kaf­ka.

Dann eben Hand­ke, ob­wohl im ei­ge­nen Text (wir ha­ben es über­prüft) kein Ser­be vor­kommt. War es al­so doch der Stil, je­nes be­hut­sa­me In-die-Spra­che-Hin­ein­ge­hen, bei dem die Frucht des Wor­tes zu­nächst noch bit­ter schmeck­te, ehe die Frau es war, die es am tauf­rü­hen Tag zu pflü­cken und gleich­sam in den Korb un­se­rer Zu­ge­wandt­heit zu bet­ten ver­stand? Null Ah­nung. In­for­ma­tio­nen und Link zum Sprach­test un­ter www.rp-on­line.de/di­gi­ta­le

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