SPD for­dert Hil­fe für Hoch­tief

Erst­mals mischt sich ein deut­scher Par­tei­vor­sit­zen­der in den Ab­wehr­kampf des Es­se­ner Bau­kon­zerns ge­gen die spa­ni­sche ACS ein. SPD-Chef Sig­mar Gabriel for­dert: Die Kanz­le­rin soll ei­nen wei­ßen Rit­ter or­ga­ni­sie­ren.

Rheinische Post Goch - - Wirtschaft - VON MICHAEL BRÖCKER UND THO­MAS REISENER

ES­SEN/BERLIN Hoch­tief wird zum Po­li­ti­kum. Im Über­nah­me­kampf um den größ­ten deut­schen Bau­kon­zern for­dert SPD-Chef Sig­mar Gabriel Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel zum Ein­schrei­ten auf: „Wir brau­chen die Zu­sam­men­ar­beit mit der Bun­des­re­gie­rung. Nichts tun reicht nicht“, rief Gabriel ges­tern bei ei­nem Blitz­be­such in der Es­se­ner Kon­zern­zen­tra­le den ju­beln­den Hoch­tief-Mit­ar­bei­tern zu. Das deut­sche Über­nah­me­recht müs­se „schnellst­mög­lich“ ver­schärft wer­den. Au­ßer­dem soll Berlin ein Kon­sor­ti­um or­ga­ni­sie­ren, das ei­ne Sperr­mi­no­ri­tät an Hoch­tief er­wirbt, um den An­grei­fer ACS zu ver­prel­len.

Die Spa­nier wol­len Hoch­tief feind­lich über­neh­men. Seit Wo­chen wehrt sich Hoch­tief mit al­len Mit­teln da­ge­gen – zu­letzt war ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung im Ge­spräch, um den ak­tu­el­len 30-Pro­zent-An­teil von ACS zu ver­wäs­sern. Ge­rüch­te, de­nen­zu­fol­ge Gabriel sich die teil­staat­li­che Com­merz­bank als „Wei­ßen Rit­ter“ für Hoch­tief wünscht, woll­te der SPD-Chef ges­tern nicht de­men­tie­ren. In Berlin heißt es, man­gels fi­nan­zi­el­ler Res­sour­cen bei der Com­merz­bank kann sich die SPD al­ter­na­tiv auch die Deut­sche Bank im Zen­trum ei­nes ret­ten­den Hoch­tief-Kon­sor­ti­ums vor­stel­len. An­geb­lich ver­sucht Gabriel der­zeit, die Uni­on in dis­kre­ten Ge­sprä­chen von die­sem Plan zu über­zeu­gen.

Ord­nungs­po­li­ti­sche Be­den­ken ge­gen staat­li­che Initia­ti­ven zu­guns­ten von Hoch­tief hat Gabriel nicht. Im Ge­gen­teil: „Hoch­tief ist ei­ne Per­le. Es ist im In­ter­es­se Deutsch­lands, sol­che Un­ter­neh­men, die in­ter­na­tio­nal au­ßer­or­dent­lich er­folg­reich sind, in Deutsch­land zu ha­ben.“ An­ders als bei den Ban­ken­ret­tun­gen in der Fi­nanz­kri­se ge­he es dies- mal nicht um die Be­tei­li­gung des Staa­tes an ei­nem ma­ro­den Un­ter­neh­men. Son­dern „um den Schutz ei­nes deut­schen Un­ter­neh­mens vor un­fai­ren Be­din­gun­gen“.

Da­mit meint Gabriel das deut­sche Über­nah­me­recht, das es an­grei­fen­den Un­ter­neh­men im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich in der Tat be­son­ders leicht macht, an­de­re Bör­sen­wer­te über­ra­schend und auch ge­gen de­ren Wil­len zu schlu­cken. „Ich will kein Son­der­ge­setz für Hoch­tief“, mach­te Gabriel deut­lich, „hier geht es um das Schlie­ßen ei­ner Ge­set­zes­lü­cke zum Schutz al­ler deut­schen Un­ter­neh­men.“

Wäh­rend die NRW-Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Han­ne­lo­re Kraft (SPD) sich ges­tern nicht zu Hoch­tief äu­ßern woll­te, er­teil­te Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Rai­ner Brü­der­le (FDP) Ga- bri­els For­de­rung um­ge­hend ei­ne Ab­sa­ge: „Ein ak­ti­ves Ein­grei­fen der Po­li­tik ist ord­nungs­po­li­tisch nicht an­ge­zeigt“, ließ er aus dem ja­pa­ni­schen Na­go­ya aus­rich­ten. Brü­der­le er­in­ner­te an sei­ne ent­spre­chen­de Hal­tung in den Fäl­len Opel und Kar­stadt. Auch die CDU im NRW- Land­tag ent­hielt sich ges­tern ei­ner Mei­nung zum The­ma Hoch­tief. Dem Ver­neh­men nach lo­ten die NRW-Christ­de­mo­kra­ten der­zeit in Berlin aus, wel­chen Hand­lungs­spiel­raum die Bun­des­re­gie­rung in Sa­chen Hoch­tief sieht. Das Kanz­ler­amt hat sich nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Zei­tung bis­lang noch nicht ein­ge­schal­tet.

Gabriel setz­te in sei­ner knapp zwan­zig­mi­nü­ti­gen Re­de über­wie­gend auf lei­se Tö­ne. „Mit mar­ki­gen Wor­ten be­kom­me ich zwar schö­ne Über­schrif­ten, aber Euch hilft das nicht“, sag­te er im licht­durch­flu­te­ten In­nen­hof der Hoch­tief-Zen­tra­le. Er sei ge­kom­men, um ge­mein­sam zu über­le­gen, was die Po­li­tik ma­chen kann. Denn: „Wirt­schaft wird eben nicht nur in der Wirt­schaft ge­macht.“ Kom­men­tar

FO­TO: RTR

Der SPD-Vor­sit­zen­de Sig­mar Gabriel sprach ges­tern in der Hoch­tief-Kon­zern­zen­tra­le in Es­sen zu Mit­ar­bei­tern. Hoch­tief-Chef Her­bert Lüt­ke­strat­köt­ter war bei der Be­triebs­ver­samm­lung üb­ri­gens nicht da­bei.

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